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Legalisierte Sterbehilfe – moralische Sterbeverpflichtung?

OEneO,nxly


Ich halte das auch für ein realistisches Szenario, aber trotzdem ganz schwer zu lösen. Ein einfaches "dann können wir aktive Sterbehilfe eben nicht erlauben" wird der Gesellschaft bald nicht mehr gerecht. Denn irgendwann können wir uns die immer älter und mehr werdenden pflegebedürftigen Menschen nicht mehr leisten.

Einerseits würde ich nicht wollen, dass eine geliebte Person stirbt, andererseits würde ich es auch schwer akzeptabel finden, mein ganzes Hab und Gut bzw meinen Job zu verlieren, nur weil meine Eltern in einem Heim dahinvegetieren und mich nicht mal mehr erkennen. Das ist eine extreme Zwickmühle.

b9eetRlejuiGce21


also dien ganzes hab und gut und gar deinen job (wieso auch?) verlierst du sicher nicht nur weil deine Eltern in nem Heim sind.

O.n6eOnlxy


So lange was da ist, um die Heimbetreuung uu bezahlen, wird das auch eingezogen.

Und wer sich ein Heim nicht leisten kann, muss dann wohl selbst seine Angehörigen pflegen, also auch den Job aufgeben.

aHnderDs_als_anxdere


was hat denn ein suizid (der so auch in meinen augen sehr egoistisch ist) mit sterbeverpflichtung und aktiver sterbehilfe zu tun?

beetlejuice21

Das Stichwort entnehme ich dem Titel: "Legalisierte Sterbehilfe". Sterben "ohne" Hilfe ist bei Suizid nicht nur würdelos, sondern zieht Unbeteiligte mit hinein.

Das Thema ist genauso problematisch wie die Sterbehilfe im Alter.

gzp5x6


So lange was da ist, um die Heimbetreuung uu bezahlen, wird das auch eingezogen.

Und wer sich ein Heim nicht leisten kann, muss dann wohl selbst seine Angehörigen pflegen, also auch den Job aufgeben.

Meines Wissens (8? Jahre alt) übernimmt das Sozialamt die Kosten fürs Heim wenn nichts mehr das ist. Dann wird geschaut ob Kinder belastet werden können. Dies ist erst ab einem bestimmten Einkommen / Vermögen der Fall. Bei meinem Vater hab ich nachgerechnet dass man mich belangen könnte, meine Schwester jedoch nicht. Vor dem Problem sind wir aber nicht gestanden, da die Pflegeversicherung und seine Rente fast gereicht haben.

g.p56


was hat denn ein suizid (der so auch in meinen augen sehr egoistisch ist) mit sterbeverpflichtung und aktiver sterbehilfe zu tun?

einer Sterneverpflichtung könnte man bewusst nur durch Suizid nachkommen. Sterbehilfe bedeutet nach meinem Verständnis, dass dem Kranken die Möglichkeit gegeben wird Suizid zu begehen, indem man ihm zB Gift in einem Getränk zur Verfügung stellt.

d|ana e87


Was denkt ihr, wie groß ist der von der Gesellschaft ausgehende moralische Druck, "dem ganzen ein schnelles Ende" zu machen? Um niemanden zur Last zu fallen, der Familie nicht auf der Tasche zu liegen, den Angehörigen nicht den schrecklichen Anblick (Geruch) etc zuzumuten.

Vergesst nicht, wir leben in einer Zeit, in der Eltern behinderter Kinder sich fragen lassen müssen, warum sie nicht abgetrieben hätten, sie hätten es doch vorher gewusst. "Da gibt es doch Möglichkeiten"

Denkt ihr nicht, die gleiche Gesellschaft sagt auch dem Sterbenden "los, mach Schluss, wir ertragen dein Leiden nicht"?

Ich halte das für sehr realistisch. Gerade weil die Optionen in Deutschland so mies sind. Ins Heim will man verständlicherweise nicht, seine Kinder mit der Pflege belasten aber auch nicht. Der Gedanke sich selbst zu opfern liegt Eltern in aller Regel ja nicht so unfassbar fern. Viele haben ja auch den Wunsch etwas vererben zu können und spätestens wenn dann das Haus, welches man ja auch für die nächste Generation gebaut hat, unter den Hammer muss weil die Pflege sonst nicht mehr zu finanzieren wäre kann ich mir gut vorstellen, dass die Pflegebedürftigen sich selbst unter Druck setzen sterben zu wollen.

Ich glaub auch nicht, dass irgendwann die Angehörigen einfach entscheiden können, dass es reicht, aber Druck aufbauen, das können sie ganz ganz sicher. Und wenn es nur ist das sie ganz offensichtlich unter jedem Schritt der Pflege leiden....

Insgesamt sehe ich die Gefahr das Druck entsteht wo niemand welchen erzeugen wollte, dass welcher unebwusst erzeugt werden könnte und hier und da auch ganz bewusst.

Und deshalb hängt für mich Beihilfe zum Suizid und aktive Sterbehilfe ganz eng zusammen mit einem hervorragenden Pflegesystem welches eine echte Alternative bietet zur Belastung der Kinder und einem Heim welches nur Angst macht. Eins ohne das Andere fände ich unverantwortlich.

SGirTeSlemarxk


Ich glaube nicht, dass es jemals dazu kommt, das man sich aussuchen kann ob die Oma nun noch 1 jahr pflegeheim kostet oder man ihr doch lieber ne Pille zum sterben gibt.

Das ist nicht der Punkt. Es geht darum, dass durch die Möglichkeit eine Erwartungshaltung entsteht. Das Beispiel mit den Abtreibungen erklärt doch sehr gut, wie aus einer Freiheit eine gesellschaftliche Pflicht werden kann und Druck entsteht. Das ist ja nicht nur bei scher behinderten Kindern so, sondern auch bei Teenager-Schwangerschaften oder wenn das Geld fehlt oder es gerade ungünstig für die Karriere ist. Dann übt das Umfeld oft Druck aus, doch einfach abzutreiben. Und ich halte es für realistisch, dass es bei Sterbehilfe genauso kommen kann. Ich glaube auch mich zu erinnern, dass es in Gesellschaften, in denen Alters-Suizid akzeptiert ist, genau diese Erwartungshaltung gibt. Muss da nochmal recherchieren, aber ich glaube so etwas mal über die Inuit gelesen zu haben. Bei denen machen sich die alten Leute dann irgendwann auf in die Eislandschaft und warten auf den Tod.

MKonixka65


Ich halte das nicht für realistisch bei entsprechend strengen Kriterien. Und selbst wenn, was wäre daran so schlimm? Wobei der Geruch ja gar nicht das Schlimmste ist (welcher Geruch übrigens??), sondern das Leiden des Betroffenen selber, und das hat nicht immer nur mit Schmerzen zu tun.

c-lai0ret


Und deshalb hängt für mich Beihilfe zum Suizid und aktive Sterbehilfe ganz eng zusammen mit einem hervorragenden Pflegesystem welches eine echte Alternative bietet zur Belastung der Kinder und einem Heim welches nur Angst macht. Eins ohne das Andere fände ich unverantwortlich.

So ein exzellentes Pflegesystem würde aber sehr viel mehr Geld kosten, und Pflege ist aktuell schon sehr teuer. Das würde den Druck auf die Patienten und ihre Familien nochmal erhöhen. Irgendwie ist das ein Teufelskreis...

Ich mach mal den Advocatus Diaboli:

Ich glaube auch mich zu erinnern, dass es in Gesellschaften, in denen Alters-Suizid akzeptiert ist, genau diese Erwartungshaltung gibt. Muss da nochmal recherchieren, aber ich glaube so etwas mal über die Inuit gelesen zu haben. Bei denen machen sich die alten Leute dann irgendwann auf in die Eislandschaft und warten auf den Tod.

Ist das wirklich so schrecklich? Oder wirkt das nur durch unsere westliche, christliche Brille so? Was, wenn die Inuit diesen Tod als sinnvoll und als würdigen Abschluss betrachten?

a^nders5_als_,andxere


So ein exzellentes Pflegesystem würde aber sehr viel mehr Geld kosten

clairet

Wenn es darum geht, zu töten und dafür Waffen zu finanzieren, kostet das auch viel Geld.

Wenn die Gesellschaft in eine Notlage gerät, kann man gesetzlich darauf reagieren. Zum Beispiel das freiwillige soziale Jahr nicht mehr ganz so freiwillig anzubieten.

Warum nicht einen Anreiz schaffen für alte und junge Menschen. Etwa indem es für den "freiwilligen" Einsatz an der sozialen Front neben einem Ehrensold auch Punkte gibt. Damit könnte ein Studium vergünstigt werden oder ein Aufenthalt in sozialen Einrichtungen. Und die Punkte sollten vererbbar sein, falls man sie nicht selbst benötigt.

Rbut


Sir Telemark

in früheren Zeiten haben sich Inuit ins Boot gesetzt und sind aufs Meer gefahren, wenn es offen war.

Auch in Japan haben Söhne ihre alten Eltern geschultert und auf einem Berg abgesetzt, möglichst auf dem Futji San.

Dies soll zur Kultur dieser Völker gehört haben, sagte man uns bei Reisen in diese Länder.

Auch ich werde irgendwann, wenn ich mein Leben nicht mehr lebenswert erachte, mich "verabschieden". Unheilbare Leiden ohne Lebensqualität akzeptiere ich nicht für mich.

Jeder kann für sich allein entscheiden. Die, die anderer Meinung sind, sollen ich zurückhalten und andere Meinungen akzeptieren.

Wenn man älter ist, machen die meistens sich Gedanken über den Tod, der zum Leben gehört. Man regelt seine "Angelegenheiten", spricht mit seinen Angehörigen über diese Thematik, bekundet seinen Willen schriftlich.

So hielten es meine Großeltern, meine Eltern und Schwiegereltern und so haben mein Mann ich es gehandhabt, schriftlich fixiert und mit den Kindern besprochen.

aDnderbs_al/s_anderxe


für den "freiwilligen" Einsatz an der sozialen Front

Eigentlich merkwürdig, dass das Arbeitsamt diese Idee noch nicht entdeckt hat. Wäre doch eine sinnvolle Beschäftigung vieler ihrer "Kunden".

Und dem Kunden bringt es eben die Punkte ein, die er nicht bekommt, wenn er die Zeit vor der Glotze sitzt.

bFeetlejTuicxe21


weil pflege keine arbeit ist die Hinz und Kunz machen kann oder machen sollte... unter zwang?? super.. da möchte ich aber nicht derjenige sein der da gepflegt wird obwohl der typ da bei mir keinen bock hat und mich dementsprechend behandelt.

Nur weil viele denken, dass pflegen ja jeder kann, sieht es doch so beschissen aus in der Pflegelandschaft.

Und das mit Heim bezahlen, nur wenn man sehr sehr viel geld verdient muss man das Heim für mutti oder vati bezahlen.. der Selbsterhaltungsbetrag ist wesentlich höher als bei nem Kind z.b

Und entweder ich geb Geld oder ich geb Job auf und pflege, beides ja wohl nicht, so wie du es darstellst OneOnly

Syünt/je


Insgesamt sehe ich die Gefahr das Druck entsteht wo niemand welchen erzeugen wollte, dass welcher unebwusst erzeugt werden könnte und hier und da auch ganz bewusst.

ich empfinde das als ganz normal.

Ich mache mir den Druck schon ganz allein. Und sehe das gar nicht als negativen Druck. Ich möchte weder meinen Kindern noch anderen Menschen auf eine bestimmte Art zur Last fallen. Und da zählt die Demenz schon viel eher zu als eine unheilbare Krebserkrankung.

Ich will sagen, ich sehe den Druck auch, aber empfinde ihn nicht unbedingt negativ

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