» »

Legalisierte Sterbehilfe – moralische Sterbeverpflichtung?

d^anaeG87


So ein exzellentes Pflegesystem würde aber sehr viel mehr Geld kosten, und Pflege ist aktuell schon sehr teuer. Das würde den Druck auf die Patienten und ihre Familien nochmal erhöhen. Irgendwie ist das ein Teufelskreis...

Ja, würde es. Allerdings geben wir in diesem Staat x-Millionen für Konzerthäuser aus die nie fertig werden, bauen für zehntausende Brücken für den Kuhtrieb über eine Straße und und und. Hier wäre es eventuell mal an der Zeit die Prioritäten zu überdenken. In anderen Ländern werden andere Wege gegangen um exzellente Pflege bezahlbar zu machen, in Dänemark haben die Altenheime keinen schlechten Ruf, sondern werden gerne in Anspruch genommen. Von den Nachbarn lernen wäre eine gute Idee.

Ist das wirklich so schrecklich? Oder wirkt das nur durch unsere westliche, christliche Brille so? Was, wenn die Inuit diesen Tod als sinnvoll und als würdigen Abschluss betrachten?

Ich will sagen, ich sehe den Druck auch, aber empfinde ihn nicht unbedingt negativ

Ich finde den Druck negativ wenn er dazu führt das Menschen sich das Leben nehmen (lassen) die gar nicht sterben wollen. Meiner Meinung macht es auch keinen Sinn von (eventuell) gelassen in den Tod gehenden Inuit auf Menschen in unserem Kulturkreis zu schließen, denn hier herrscht eine andere Einstellung zum Tod und den Menschen hier, in seiner Angst wahrzunehmen, finde ich wichtig. "Shut up, Opa and die like an Inuit." fände ich reichlich daneben.

Ich hab schon von sehr vielen Menschen gehört sie wolltens o und so siche rnicht leben und doch ist nur einer konsequent den Schritt der Selbsttötung gegangen als es anstand. Am Ende war der Wunsch nach Leben in den allermeisten Fällen sehr viel größer als die Personen selbst je für möglich gehalten hätten und der Blickwinkel des lebenswerten Lebens verschob sich ganz langsam zusamen mit der eigenen Situation.

Wissen tut man es, glaube ich, erst wenn man wirklich in der Situation steckt und sollte mit absoluten Gewissheiten vorher sehr vorsichtig sein.

Mponikax65


denn hier herrscht eine andere Einstellung zum Tod und den Menschen hier, in seiner Angst wahrzunehmen, finde ich wichtig.

Mag sein, hilft dem "Opa" aber nicht. Es gibt welche, die Angst haben, andere nicht. Ganz viele wollen auch sterben, haben aber Angst vor der Art und Weise, vor dem Ausgeliefertsein und ständigem Herumliegen. Den wenigsten ist es vergönnt, abends einzuschlafen und morgens nicht mehr aufzuwachen. Stattdessen ist es bei vielen eine ziemliche Quälerei, jedenfalls wirkt es von außen so.

Sterbenden ist auch nicht durch eine bessere Pflege geholfen, da ist das Thema Pflege ja auf ein Minimum reduziert. Ich finde, man sollte das Thema Sterbehilfe und Pflege nicht vermischen.

dianaex87


Monika

Ich habe es vermischt weil es eben um den sozialen Druck ging die Angehörigen nicht mit Pflege zu belasten und die Gefahr, dass dieser Druck zur Sterbehlfe führt. Und genau da liegt es dann eben doch einfach zu nah bei einander um es zu trennen.

M0onikTa65


Aber die Pflege an sich geht doch oft länger dem eigentlichem Sterben voraus, das hat an sich mit Sterbehilfe nicht viel zu tun. Pflegebedürftigkeit allein würde niemand zur Grundlage für Sterbehilfe machen. Vielleicht verstehe ich das nicht richtig, worum es dir geht. ":/ Sterbehilfe greift, wenn der Mensch im Sterben liegt, auf den Tod zugeht. Alles andere wäre Mord oder Selbstmord.

S/üntjxe


Monika

Sterbenden ist auch nicht durch eine bessere Pflege geholfen, da ist das Thema Pflege ja auf ein Minimum reduziert. Ich finde, man sollte das Thema Sterbehilfe und Pflege nicht vermischen.

ich finde das gehört ganz eng zusammen. Gerade bei den Sterbenden ist eine gute Pflege doch immens wichtig für das Wohlbefinden. Vor Schmerzen und dem Alleinsein haben so viele in ihren letzten Wochen am meisten Angst, und da kann Pflege, zumindest theoretisch und ganz praktisch in Hospizen ganz viel leisten.

Eine menschenwürdige Pflege und vernünftige Medikation, also keine Schmerzen, kaum Übelkeit usw lässt bei vielen den Gedanken an aktive Sterbehilfe gar nicht aufkommen

M}o1nikax65


Ja, das schon, Medikation keine Frage.. Woran es leider ganz oft fehlt, ist Begleitung, manche brauchen das sehr, andere wieder nicht. Ein gutes Hospiz ist sicher eine ganz andere Art von Versorgung als ein Pflegeheim.

d(anaex87


Eine menschenwürdige Pflege und vernünftige Medikation, also keine Schmerzen, kaum Übelkeit usw lässt bei vielen den Gedanken an aktive Sterbehilfe gar nicht aufkommen

Sehe ich auch so.

Sterbehilfe greift, wenn der Mensch im Sterben liegt, auf den Tod zugeht. Alles andere wäre Mord oder Selbstmord.

Na ja, was bedeutet: man liegt im sterben? Liegt man im Sterben wenn man nur noch an Maschienen liegend überhaupt noch lebt? Dann braucht es keine aktive Sterbehilfe mehr. Liegt man im Sterben wenn man innerhalb eines Jahres vermutlich, aller Vorraussicht nach, sterben wird? Ab einem bestimmten Alter ist der Tod ja irgendwie immer absehbar, aber Demenz zum Besipiel führt selbst ja nun nicht unmittelbar zum Tod,dennoch äußern die Menschen gerade in diesem Kontext den Wunsch nach Sterbehilfe beziehungsweise assestiertem Suizid. Wo zieht man die Grenze, gerade bei alten und pflegebedürftigen Menschen bei denena uch die nächste Erkältung der Grund für den Tod sein kann? Körperlich sind sie oft nicht besser dran als jemand mit einem Tumor, liegen die dann nicht genau so im Sterben?

Ich finde das Thema sehr schwer und vielschichtig, die Grenzziehungen kompliziert und wenn man wirklich selbstbestimmtes Sterben ermöglichen will muss es meiner Meinung nach akzeptable Alternativen zur Wahl geben. Derzeit sind die aber eher Mangelware und so sehe ich eine starke Lockerung des Gesetzes unter den gegebenen Umständen kritisch.

HVase?nrei9cxh


Eine menschenwürdige Pflege und vernünftige Medikation, also keine Schmerzen, kaum Übelkeit usw lässt bei vielen den Gedanken an aktive Sterbehilfe gar nicht aufkommen

Genau so sehe ich das auch - deshalb favorisiere ich auch den Hospizgedanken, der das gerade Gegenstück zur aktiven Sterbehilfe ist:

unverzögert - unbeschleunigt - mit der größtmöglichen Schmerzbekämpfung (Palliativmedizin) - mit der größtmöglichen menschlichen Zuwendung (Sterbebegleitung statt Sterbehilfe)

Außerdem sehe ich - zusätzlich zu den Befürchtungen der TE bei einer Legalisierung der Sterbehilfe die große Gefahr des Missbrauchs bzw. eines Dammbruchs, sobald die politischen Weichen dafür gestellt sind - deshalb bin ich entschieden dagegen.

OkneO|nlxy


Beetlejuice

Ich finde ja beide Optionen schlimm - sowohl jede Menge Geld zu bezahlen, als auch meinen Job aufzugeben und selbst zu pflegen. Wobei es auch darauf ankommt ... für mein Kind würde ich jede Minute da sein wollen, für meinen Partner auch (könnten wir uns aber nicht leisten), aber für meine Eltern nicht wirklich. Nicht, weil ich sie nicht liebe, sondern weil ich ja auch noch ein Leben und jede Menge Verpflichtungen.

b.e7etlej0uicxe21


Wie gesagt bei einem normalen Gehalt treten sie überhaupt nicht an dich heran.

Es sei denn Mutti hat dir 3 Wochen zuvor noch ihr Haus "geschenkt". Das wollen sie dann natürlich noch.

tFhen-cav<exr


Genau so sehe ich das auch – deshalb favorisiere ich auch den Hospizgedanken, der das gerade Gegenstück zur aktiven Sterbehilfe ist:

Stimmt nur leider nicht: Erstens gibt es auch bei optimaler palliativer Versorgung einen gewissen Anteil von Patienten, denen nicht zu helfen ist. Dableibt dann als Ausweg nur die palliative Sedierung – mit anderen Worten: Schlafenlegen, bis der Tod eintritt. Ist da der Unterschied zum Töten noch so groß? FÜr den Patienten zumindest macht es wohl nicht viel Unterschied.

Und vor allem: Die Menschen, die einen assistierten Suizid durchführen, sind gar nicht unbedingt die klassischen Palliati- und Hospizpatienten. Es gibt wenig Daten zu dem Thema, aber der Schweizer Sterbehilfeerein Dignitas hat einige Jahre (leider nur bis 2004) Jahresberichte veröffentlicht, aus denen man die Diagnosen der allermeisten Suizidenten erkennen konnte. Ich hab das dmals mal für einen Vortrag ausgewertet. Ergebnis: Rund die Hälfte der Menschen hatte keine der klassischen "Hospiz-Erkrankungen" (Krebs, ALS,...), etwa ein Drittel litt gar nicht an einer absehbar tödlichen Erkrankung. Mt anderen Worten: Die Diskussionen um palliative Versorgung (und da habe ich über 10 Jahre dafür getrommelt) und über Sterbehilfe muss man getrennt führen. Das sind einfach 2 Paar Schuhe, und das Mantra "macht ordentliche Palliativmedizin, dann braucht's keine Sterbehilfediskussion mehr" geht an der Realität offensichtlich ziemlich vorbei.

bsee tlejsuic[e21


:)^

S1chqwarzemsGixft


zur aktien sterbehilfe sage ich persönlich ja, denn einige haben noch nicht wirklich verstanden das man bei der aktiven sterbehilfe selbst entscheiden muss ob man es will, zudem muss eine todbringende erkrankung vorliegen und auch ein physisches (alternativ gibt es dafür auch die palliativmedizin, aber wenn das nichts mehr nützt) und das daraus entstehende/entstandene psychische leiden diagnostiziert werden und der todkranke (nicht nur alte) muss diesen suizid selbst vollenden. nur was ist mit einem der seine arme nicht mehr bewegen kann um dieses medikament einzunehmen oder schlucken kann? und andere (familie, freunde, pflegepersonal) haben da nicht mitzureden und denen ist es auch nicht erlaubt einen kranken patienten zu überreden diesen schritt zu gehen. er MUSS es frei entscheiden! außer es handelt sich um einen komapatienten bei dem die ärzte sogar sagen es gibt keine hoffnung, denn da kann die familie entscheiden ob sie die geräte abstellen lassen oder auch nicht, aber das ist eine andere sache und das ist hierzulande legal ...

tche-Rcavexr


einige haben noch nicht wirklich verstanden das man bei der aktiven sterbehilfe selbst entscheiden muss ob man es will

Das ist die schöne Theorie, aber die Praxis sieht leider anders aus: In den europäischen Ländern, in denen aktive Sterbehilfe erlaubt ist (Niederlande und belgien), hat in einem erheblichen Teil der Fälle der Patient eben *nicht* zugestimmt – was in beiden Ländern klar erboten ist, trotzdem wird es gemacht (ok, die Daten die ich dazu kenne sind schon etwas älter, aber ich glaube kaum, dass sich da so viel geändert hat). In Belgien wurden sogar mehr Menschen ohne Einwilligung getötet als mit.

was ist mit einem der seine arme nicht mehr bewegen kann um dieses medikament einzunehmen oder schlucken kann?

Genau das ist eines der Probleme – der Grat zwischen (auch jetzt schon straffreier) Suizidbeihilfe und Tötung auf Verlangen ist schmal, diese Grenze wird kaum auf Dauer zu halten sein...

andere (familie, freunde, pflegepersonal) haben da nicht mitzureden und denen ist es auch nicht erlaubt einen kranken patienten zu überreden

Sorry, aber es ist schon ziemlich naiv zu glauben, dass das funktionieren kann. Kaum jemand ist so fremdbestimmt wie ein schwerkranker Mensch am Ende seines Lebens...

SPü?nPtjUe


Das sind einfach 2 Paar Schuhe, und das Mantra "macht ordentliche Palliativmedizin, dann braucht's keine Sterbehilfediskussion mehr" geht an der Realität offensichtlich ziemlich vorbei.

ich sehe das ähnlich aber anders :-)

Daher meine vorige Einschränkung, dass eine unheilbare Krebserkrankung in mir (möglicherweise) nicht den Wunsch nach einem vorzeitigen Sterben auslösen würde, eine ausgeprägte Demenzerkrankung, ein Schlaganfall mit starken Ausfallerscheinungen hingegen ziemlich sicher.

Bei der Krebserkrankung könnte ich mich der Palliativmedizin anvertrauen, bei den anderen hingegen nicht. Daher gehört es für mich schon zusammen.

Also alles in der Theorie gesprochen, mit meinem Hintergrundwissen über 20 Jahre in der Pflege, Onkologie und Geriatrie inbegriffen.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Abschied und Trauer oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Gedenken


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH