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Hilfe nach Todesfall in Mannschaft

a}rturoZfinest hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

mein Beitrag ist leider etwas länger geworden, aber mir liegt eine Sache auf dem Herzen, die mir keine Ruhe lässt und wo ich ziemlich ratlos auf weiter Flur stehe.

Ich bin Jugendbetreuer der Sportabteilung eines Vereins in unserem kleinen Ort in Bayern. Im Sommer letzten Jahres ist ein Spieler der A-Jugend schwer erkrankt und sehr schnell gestorben. Das hat viele im Verein, vor allem aber die Mannschaft, sehr getroffen. Wir Funktionäre haben schnell erkannt, dass wir es hier mit einer Dimension zu tun haben, die wir alleine nicht bewältigen können und haben daher über unseren Sportverband jemanden an die Seite gestellt bekommen, der sich um die Spieler kümmern konnte. Anfangs war die Mannschaft geschlossen zu den Treffen erschienen, einige nahmen auch Einzelgespräche in Anspruch. Etwas betrübt hat uns dann die Situation, dass viele ziemlich schnell mit der Sache "abgeschlossen" haben und ziemlich vehement gefordert haben, nun endlich wieder normales Training stattfinden zu lassen und wir sollten ja nicht nochmal Spiele ausfallen bzw. verlegen lassen. Ich war da zwiegespalten, habe dann aber den Wunsch der Mannschaft respektiert und wir haben geschaut, dass alles wieder so läuft wie davor.

Kurze Zeit später war Saisonende und die Mannschaften verteilten sich um. Von der damaligen A-Jugend blieben nur wenige übrig, die älteren wechselten geschlossen in die 1. Mannschaft, aus der B rückten einige nach. Unter den verbliebenen A-Jugend'lern befindet sich auch unser Sorgenkind, der sich immer noch sehr schwer mit der Sache tut, weil der Verstorbene sein bester Freund war. Er ist eigentlich ein unheimlich talentierter und zielstrebiger Mensch, der weder sportlich noch schulisch größere Probleme hatte. Seit der Beerdigung hat sich das jedoch schlagartig gewandelt. Er nahm zwar an sämtlichen Treffen mit dem Therapeuten teil, dieser teilte uns jedoch nach einiger Zeit mit, dass es ihm nicht gelingen würde, so an ihn ranzukommen, um ihm irgendwelche Hilfestellung geben zu können. Uns Funktionären ging es nicht anders. Ich kenne ihn schon viele Jahre, er ist bereits seit den Bambinis im Verein. Durch verschiedene andere Umstände kenne ich auch das sehr schwierige familiäre Umfeld und gehe davon aus, dass er dort keinerlei Unterstützung oder Empathie erhält. Seine Mannschaftskollegen binden ihn nur noch in notwendige spielerische Aktivitäten ein, ansonsten meiden sie ihn weil er sehr oft gedanklich abwesend und tieftraurig ist. Seine spielerischen Leistungen sind weiterhin tadellos, wenn er also mal will, kann er durchaus.

Ich habe es nach vielen, vielen Gesprächsversuchen inzwischen geschafft, dass wir uns zumindest mal ne halbe Stunde zusammensetzen und reden können, ohne dass er sofort dicht macht. Leider ist es aber so, dass er alles abblockt, was mit der Sache zu tun hat und auch alles, was mit eventueller Hilfe zu tun hat. Er lehnt alles ab, was man ihm vorschlägt oder anbietet. Hat selbst aber auch keinerlei Vorstellung oder Idee, was ihm helfen könnte. Ich hatte ihm auch vorgeschlagen, sich Gedanken darüber zu machen, ob er evtl. einmal testweise in einen anderen Verein gehen möchte und dadurch neue Leute um sich hat, wo er vielleicht durch den Abstand etwas aufatmen könnte. Leider schlug das fehl, nach einigen Trainingseinheiten kam er wieder bei uns in Training.

Mir wurde inzwischen seitens des Vereins durch die Blume gesagt, dass ich mich besser wieder um meine eigentliche Arbeit kümmern und ihn vergessen soll, es hätte ja eh keinen Sinn. In mir sträubt sich da aber alles und ich stecke echt in einem Dilemma. Auf der einen Seite frustriert und ärgert es mich ehrlichgesagt ziemlich, dass er so bockig ist und keinen Funken dazu beiträgt, dass es ihm wieder besser gehen könnte. Auf der anderen Seite habe ich ziemlich Mitleid mit diesem gerade 19 Jahre gewordenen "Kind", nicht nur wegen des Todesfalls sondern generell wegen seiner schlechten bisherigen Lebenserfahrungen. Mir ist schon klar, dass er (zumindest rechtlich) erwachsen ist und ihn niemand zu irgendwas zwingen kann. Ich hoffe immer noch, dass ich irgendwann den Schalter finde, den ich bei ihm umlegen muss, aber ich merke in letzter Zeit auch ganz deutlich, dass mich das ganze derart belastet, dass ich darunter leide.

Vielleicht war von euch ja schon einmal jemand in der gleichen oder ähnlichen Situation und hat mir den einen oder anderen Tipp?

Viele Grüße

Fabian

Antworten
D,ieD SeMherxin


hast du denn kontakt zu seinen eltern gesucht, oder steckt auch da der wurm drin?

ich habe selbst in einem (zwar anders gelagerten fall, aber mit ähnlichen folgen) festgestellt, dass man selber sich wirklich irgendwann abgrenzen muss, weil man sonst so stark emotional mit drin hängt, dass man keine wirkliche hilfe mehr sein kann!

d$evuilind:isguixse


So, wie du sein Verhalten beschreibst, kann es sein, daß er eine Depression entwickelt hat.

Du kannst ihn davon nicht heilen. Du hilfst ihm aber sehr, wenn du weiter einfach für ihn da bist. Ihn zu bedrängen mit Vorschlägen, was er alles tun kann, damit es ihm wieder besser geht, wird nach hinten losgehen! Aber ihm zu zeigen und zu sagen: Ich sehe, daß es dir schlecht geht; ich interessiere mich weiterhin für dich und ich bin da, wenn du mich zum Reden brauchst, ich höre dir zu: Das hilft ihm einfach, irgendwie weiterzumachen. So lange, bis er von sich aus bereit ist, Hilfe anzunehmen.

Andere in deinem Verein geht es gar nichts an, um wen du dich persönlich kümmerst. Du vernachlässigst ja nicht das Training, also ist es nicht ihr Bier!

Ich finde es toll von dir, daß du dich um diesen Jugendlichen kümmerst, der ansonsten wahrscheinlich einfach niemanden hat. @:) :)*

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