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Mit der grausamen Realität klarkommen - Wie?

Dcun6kelb`unt157 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

manche wissen evtl aus einem anderen Faden, dass meine Mutter vor etwas über einem Jahr an Krebs erkrankt ist. Leider schreitet die Krankheit unaufhaltsam fort und man kann sie nicht mehr heilen. Die konventionelle Chemotherapie will sie nicht, da diese sowieso nicht erfolgsversprechend ist und allenfalls etwas mehr Zeit verschaffen könnte.

Mit meiner Mutter über ihren möglichen Tod zu sprechen ist schwierig. Meine kleineren Geschwister wissen dass sie krank ist, aber nicht wie krank.

Gestern habe ich mit meinem Vater über die Sache gesprochen, da sie neulich zum Staging malwieder in der Klinik war. Er glaubt (er kommt auch aus dem medizinischen Bereich) das es allenfalls noch 1-2 Jahre dauert.

Ich weiß das kann keiner genau sagen, aber die Krankheit schreitet so aggressiv voran, dass dieser Zeitraum leider nicht ganz unwahrscheinlich ist.

Dieses Gefühl der Machtlosigkeit wünsche ich wirklich keinem auf der Welt. Manchmal trifft mich die Realität mit ihrer ganzen Wucht, so wie heute. Man kann sich ja auch nicht auf den Tag des Abschieds vorbereiten, aber wenn es soweit ist wünsche ich mir das meine Mama schnell erlöst wird.

Ich hoffe sie schafft noch meinen Abschluss nächsten Juli.

Vielleicht hat ja noch jemand den ein oder anderen Tipp wie man an den ganz schlimmen Tagen mit den negativen Gedanken umgehen kann.

Antworten
kValiRna2x4


Es tut mir so leid, was Du und Deine Familie jetzt durchmachen müssen. :)_ . Ich denke, es ist das beste jeden Tag zu nehmen wie er kommt, möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen und die guten Tage zu genießen. Ich habe selber Krebs, bin alleinerziehend und erst 46. Ich wünsche euch noch eine gute Zeit und gaaaaanz viel Kraft x:)

ERhemaligFer {Nutzer (#46x7193)


Habt ihr als Familie mal an psychologische Begleitung/Betreuung gedacht? Die Gedanken und Fragen die sich dir stellen, sind im Anbetracht der Umstände nichts außergewöhnliches.

Sprich' mal mit jemanden von der Klinik, in dem deine Mutter vorstellig wird/wurde, ob sie da jemanden kennen oder ein entsprechendes Programm anbieten.

Viel Kraft!

LHa;vin


Ja, scheiße. :-( Ich weiß nicht, ob man damit klarkommen kann. Es ist so groß und so überwältigend.

Hast du jemanden mit dem du reden kannst? Einen Freund oder eine Freundin?

Deafexna


Dieses Gefühl der Machtlosigkeit wünsche ich wirklich keinem auf der Welt. Manchmal trifft mich die Realität mit ihrer ganzen Wucht, so wie heute. Man kann sich ja auch nicht auf den Tag des Abschieds vorbereiten, aber wenn es soweit ist wünsche ich mir das meine Mama schnell erlöst wird.

Das stimmt, auf diesen Tag vorbereiten kann man sich nich und ich drücke dir ganz fest die Daumen, das deine Mama schnell erlöst wird.

Nächsten Monat ist es bereits 3 Jahre her, als ich meine Mama habe gehen lassen müssen. Sie hatte in einem Zeitraum von 1,5 Jahren 2 schwere Schlaganfälle. Nach dem zweiten saß ich Wochenlang im Krankenhaus an ihrem Bett und konnte nichts tun. Das war die Schlimmste Zeit die ich mir vorstellen konnte. Du fühlst dich hilflos, ein Gefühl das sich wirklich nicht so richtig in Worte fassen lässt. Sie starrte nur noch an die Decke, war nicht mehr in der Lage zu sprechen und ob sie mich verstanden hat lässt sich nicht wirklich beantworten. Es klingt vielleicht makaber, ich saß an ihrem Bett und habe für meine Abschlussprüfung 8 Wochen später gelernt, anders wusste ich nicht wie ich diese negativen Gedanken aushalten sollte.

Das ich meine Prüfung bestanden habe, hat sie noch mitbekommen (hoffe ich), danach kam sie in die Reha bis mich nachts um 4 uhr 30 der Notarzt anrief und mich fragte ob ich sie künstlich am Leben halten möchte.

Mitten aus dem Schlaf gerissen habe ich diese schwere Entscheidung treffen müssen.

Mein Ego das mir sagte: Lass sie hier, du brauchst deine Mama

oder mein Verstand der sagte: Lass sie gehen, dann gehts ihr wieder gut.

Ich kann dir nur den Tipp geben, rede soviel wie möglich mit deiner Mama, auch über deine Ängste und Negativen Gedanken, höre dir an was sie dazu sagt. Meistens haben schwer erkrankte Menschen eine ganz andere Sichtweise auf das was kommen mag, als die, die hilflos zusehen müssen.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft

DluKnkel.b<unt17


Wir haben meine Tante die von Beruf her viel Sterbebegleitung macht. Ansonsten noch nicht darüber gesprochen weil sich in letzter Zeit die Ereignisse einfach überschlagen. Mein Papa hat auch gesagt dass es plötzlich ganz schnell gehen kann, wenn man grade nicht mit rechnet.

Es geht meiner Mutter eigentlich auch nicht schlecht, sie kann noch alles machen und geht zur Arbeit, aber langsam stellen sich leider doch die ersten Schmerzen der Metas ein.

Ich habe schon ein paar Leute mit denen ich reden kann, aber ich will ja auch nicht andauernd die Leute runterziehen mit dem Thema, das ist ja auch nicht für jeden was.

Und richtig nachvollziehen können das natürlich auch nur Leute die selber in so einer Situation sind oder waren, aber es hilft mir schon einfach mal meine Gedanken los zu werden.

Danke für eure Antworten @:)

L[avyin


Wie alt sind deine Geschwister?

Dieses Gefühl der Machtlosigkeit wünsche ich wirklich keinem auf der Welt. Manchmal trifft mich die Realität mit ihrer ganzen Wucht, so wie heute.

Puh, wirklich beschissen. Wirklich, wirklich beschissen. Mann, du Arme.

Meine Gedanken sind manchmal ein bisschen verdreht und komisch und ich weiß nicht, ob das Sinn macht, aber vielleicht ist es trotzdem irgendwie gut, dass du so sehr dabei bist und dein Papa mit dir redet und du weißt, was passiert oder passieren könnte? Dein Herz rafft das zwar erstmal nicht, weil es vielvielvielviel zu weh tut, aber gleichzeitig arbeiten im Hintergrund all die geheimen Seelenmechanismen, die kein Mensch versteht, aber die dir später vielleicht helfen, klarzukommen. Zumindest so n bisschen.

Ich war noch superklein, als meine Mama krank wurde und dann auch starb. Mit mir hat keiner geredet, aber selbst wenn, hätte ich es wahrscheinlich gar nicht richtig verstanden. Kann man ja auch gar nicht verstehen, nicht mal als Großer. Wieso zur Hölle meine Mama? Und wieso kann man gar nichts machen? Abartig grausam ist das. Und weil ich das Ganze damals zwar miterlebte, aber ohne Erklärung und Vorbereitung und Wahrheit, hat es mich so 10 Jahre danach, als ich alt genug war, um es zu begreifen, nochmal richtig, richtig hart getroffen. Der Schlag wirkt bis heute nach, mich hat das ziemlich verkorkst gemacht. Vielleicht wäre ich ein bisschen weniger verkorkst, wenn das damals nicht so doof gelaufen wäre. Natürlich weiß ich das nicht genau, aber von meinem Gefühl her, ist es so.

Oh dear, ich bin ein miserabler Tröster, aber seien wir ehrlich: es gibt doch gar keinen fucking Trost. Ich will auch nicht sagen, dass es für dich geil und maginifique ist, weil deine Eltern dich miteinbeziehen. Nein, es ist sicher hammerschwierig und einfach nur zum Kotzen, weil die Gesamtsituation hammerschwierig und zum Kotzen ist, aber vielleicht hilft es dir irgendwann irgendwie auch.

D#unke*lbunLt1x7


Meine Geschwister sind leider auch noch recht jung, 16 und 14 Jahre. Ich habe manchmal das Gefühl das ich die einzige bin die mit dem drohenden Verlust nicht klar kommt....

K*leine~SeeleImEBaucxh


ich erinnere mich an meine mutter.. sie bekam mit 39 krebs, da war ich gerade 14..

sie war eine der ersten die die chemo versuchten das war sehr risikoreich aber sie half, anders bei meiner schwester die leider verstarb.

es ist schlimm. mein partner verlor seinen vater auch wegen krebs und er bereute ( weil er auch recht jung war) das er die zeit nicht nutzte.

es ist grausam, ja das stimmt. aber es ist wichtig zusammen zu halten, versuchen zu lachen und die letzten momente die einem bleiben unvergesslich zu machen. sie werden dich ewig begleiten und sind so wichtig.

du brauchst kraft.. ihr alle.

jeder geht anders damit um. ich war damals hart. geweint habe ich nur alleine und es ignoriert. dafür habe ich mich bei mutter vor wenigen monaten entschuldigt weil mir das sehr auf der seele lag..

ich hoffe du hast kraft, versuche die zeit zu nutzen auch wenn es sehr schwer ist

alles liebe dir

DXahli&en~gartxen


Liebe Dunkelbunt!

Es ist so traurig, was du schreibst - so lange Abschied zu nehmen, nicht helfen zu können, nicht zu wissen, was "dann" wird ... usw. Das ist eine wirklich schwere Zeit, die du/ihr da durchmacht.

Ich würde dir empfehlen, dir Hilfe zu suchen - gehe zu deinem Hausarzt, er wird dir weiterhelfen können (auch wenn du im Moment noch keine körperlichen Beschwerden hast). Vielleicht können auch deine Geschwister von einem Jugendpsychologen begleitet werden? Ich finde das sehr wichtig - denn vieles kommt erst später an die Oberfläche und deshalb ist es besser, das zeitnah zu "verarbeiten".

Alles Gute für euch!

Czobmrxan


Dunkelbunt, ich kann annähernd fühlen, was ihr durchmacht. Ich war Ende 30, als bei meiner Mutter der Tumor gefunden wurde. Auch ich habe in Etappen gedacht und hoffte, sie würde meinen 40. Geburtstag noch erleben und all solche Dinge. Hat sie auch noch, und in den konstanten Jahren lief es zwischenzeitlich ganz gut. Bis zum Schluss, als klar war, dass die Therapien nicht mehr anschlagen. Dann kamen die ganz dunklen Monate.

Aber ich war ein erwachsener Mensch. Losgelöst vom Elternhaus mit eigenem Leben in eigener Verantwortung. Als Jugendlicher einen Elternteil zu verlieren und ihn leiden zu sehen muss noch schlimmer sein.

Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass man sich an diesen Zustand "gewöhnt" - man ist in einer Art Nebel gefangen und funktioniert. Ich hoffe, du kannst deinen Abschluss gut machen in dieser Zeit und dir deine Freiräume bewahren.

Viel mehr tun kann man nicht, außer es zu akzeptieren.

Dass du über das Sterben reden möchtest, ist ein Zeichen von Reife. Und du wirst irgendwann feststellen, dass man an solchen Belastungen reift. Dein Umfeld gerade im jungen Erwachsenenalter ist voller Tatendrang und sorglos, ich kann dich verstehen, dass du da nicht die passenden Ansprechpartner findest. Du solltest mit Menschen reden, die das alles schon erlebt haben. Das wird dir helfen. Deine Tante ist sicherlich ein guter Ansprechpartner, vielleicht kannst du mit ihr mal bisschen Zeit für dich verbringen oder mit ihr sprechen, wie ihr mit den Geschwistern umgeht.

Natürlich kannst du auch hier im Forum deinen Kummer loswerden. Hier ziehst du niemanden runter, denn es muss ja niemand lesen, der nicht will. Du wirst aber Hilfe haben und immer ein offenes Ohr finden. Wenn du mich als ebenfalls Betroffenen per PN was fragen möchtest, darfst du das auch jederzeit.

Viel Kraft wünsche ich dir - und versuche nicht, für alle dazusein. Auch wenn du es gerne möchtest. Ihr seid eine Familie und müsst das gemeinsam schultern. :)* :)* :)*

LPavxin


Ich habe manchmal das Gefühl das ich die einzige bin die mit dem drohenden Verlust nicht klar kommt....

Das glaube ich nicht, aber es ist schlimm, dass es sich für dich so anfühlt. :-( Wie sind deine Eltern so drauf? Kannst du ihnen sagen, wie du dich fühlst?

D5unkCelbunt1x7


Ich glaube irgendwie immer dass meine Mutter den Gedanken an den Tod noch sehr weit weg schiebt. Und das ist natürlich auch vollkommen verständlich. Ich denke sie macht sich schon ihre eigenen Gedanken dazu. Bis vor 2 Wochen war auch noch alles in Ordnung, da hatte sie noch gar keine Schmerzen.

Meinem Vater kann ich zwar sagen wie ich mich fühle aber er zieht das dann schnell auf die rationale Ebene ala es hätte sie ja auch schon 10 Jahre früher treffen können. Ich glaube er meint das nicht böse, ich denke Innerlich ist er auch total am Verzweifeln.

LKavixn


Hey Dunkelbunt, wie läuft es bei dir?

Sieht so aus, als würden deine Eltern auch auf ihre eigene Weise mit dem ganzen Schlamassel umgehen. Brutal nur, wenn du dich mit deiner eigenen Traurigkeit und, ich schätze mal, auch Angst ziemlich alleine fühlst. Gut ist, wenn man zumindest einen Menschen oder einen Ort hat, an dem man sich auskotzen kann und das Gefühl hat, verstanden zu werden. Das kann ein Freund sein oder aber auch so n Profi Keine Ahnung, was es da so gibt, Beratungsstellen für Kinder von krebskranken Eltern oder gar ein Therapeut, der dich unterstützt. Andere haben da sicher bessere und vor allem konkrete Tipps, ich bin da nicht so gut informiert. Schreib auf jeden Fall weiter hier, wenn es dir zumindest ein klitzekleines bisschen von dem Gefühl nimmt, jeden Moment platzen zu müssen. Es gibt hier sicher noch ein paar mehr Leute, die dasselbe durchhaben. Leider. Schon komisch, ich lese grade wiedermal das ganze alte 50er-Jahre-Science-Fiction-Utopie-Zeug, Fahrenheit unso. Total abgedreht und irgendwie auch großartig, wie sich die Typen damals die Zukunft vorstellten und verrückt, was die Menschen bisher alles hinbekommen und geschaffen haben. Zum Teil richtig bescheuerter Kram, wie Atomwaffen und Fußballroboter, aber trotzdem gibt es Selbstzerstörerdinge im Körper, die man nicht aufhalten kann. Das ist so hundsgemein, ich könnte heulen. Jedenfalls hoffe ich, dass deine Mama nicht zu schlimme Schmerzen hat und noch so einigermaßen klarkommt.

Dwunk]elbGunt1x7


Naja nicht so gut ehrlich gesagt bei mir aber irgendwie kriege ich es hin.

Schmerzen gehen zwar bei ihr grade und sie geht noch arbeiten, aber Haushalt schafft sie kraftmäßig nicht mehr wirklich da müssen wir ihr sehr helfen. Aber immerhin.

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