» »

Umgang mit Sterbenden

SSpringgchixld hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

morgen werde ich in meine Heimatstadt fahren, weil es meiner Oma sehr schlecht geht und es so aussieht, als wäre sie nicht mehr lange bei uns. Ich möchte ihr so gut wie möglich eine Stütze sein, weiß aber ehrlich gesagt überhaupt nicht, wie ich mich verhalten soll. Vor allem, wenn sie mir nicht mehr sagen kann, was sie möchte (sie spricht nicht mehr viel). Sie schläft viel, und wenn sie wach ist, starrt sie meistens nur so vor sich hin.

Hat vielleicht jemand einen Rat für mich?

Antworten
WDil^dkaSter


Hallo Springchild :°_

Das ist schon schwer, aber es gehört zum Leben dazu. Auf alle Fälle hinfahren !

MfG *:) @:) :)* :)* :)*

mir kommen jetzt selbst die Tränen, die Erinnerungen

SSch5natt=ix-8


Meine Oma konnte nach einem Schlaganfall etliche Jahre nicht mehr sprechen. Ich habe dann einfach jedes Mal wenn ich da war alles mögliche erzählt, selbst von Arbeit, nur um sie für einen Moment abzulenken.

Als sie dann im Krankenhaus unter Morphium lag bin ich nicht hingefahren, einfach um sie so in Erinnerung zu halten wie sie war und um ganz ehrlich zu sein ich es nicht ansehen kann wenn Angehörige daneben sitzen und Dinge wie "Was kann ich nur tun ?", "Was sollen wir nur ohne Dich machen ?", ... sagen und bald vor weinen zusammenbrechen.

Das finde ich persönlich grauenvoll und ich würde das auch nicht so wollen, dann doch lieber etwas Interessantes erfahren das mich vielleicht noch einmal schmunzeln lässt...

Ist aber nur meine kleine Meinung. :-)

Hqatschvepsxut_


Als meine Oma im Krankenhaus im Sterben lag und auch Morphium bekam, haben wir eigentlich fast immer bei ihr gesessen, uns mit ihr unterhalten, ihre Hand gehalten, ihr aber auch gesagt, dass sie gehen darf. Sie hat auch noch erstaunlich viel mitbekommen und reagiert, das darf man nicht unterschätzen.

Diese Momente waren ungeheuer wertvoll für mich und ich bin unendlich dankbar, dass ich diese Tage mitfuhr verbringen durfte. Ich habe sie auch immer noch lebend in Erinnerung. Natürlich sehe ich sie auch vor mir liegen, doch all die anderen Erinnerungen sind ja auch noch da. Und auch Oma hat auf uns reagiert, ist erst gestorben, als ihr ältester Sohn bei ihr saß. Nein, uns als Familie hat es sehr zusammengeschweißt.

Coomraxn


Hallo Springchild,

den Umgang mit Sterbenden lernt man leider erst dann, wenn es soweit ist. Und niemand wünscht sich das.

Ich kann dir einen ganz wichtigen Rat geben: mach dir nicht zu viele Gedanken und sei einfach du selbst. Es ist zwar tragisch, dass deine Oma ihr Ende vor Augen hat, aber was sie ganz sicher nicht haben will sind Menschen um sich, die sie nur bemitleiden und nicht wissen, was sie sagen sollen. Sie möchte eine Familie hinterlassen, die zurechtkommt und wegen der sie sich keine Sorgen machen muss.

Lenk sie ab, erzähl etwas. Du darfst auch fröhliche Dinge berichten. Wenn du die passenden Worte findest, darfst du natürlich auch den bevorstehenden Abschied thematisieren, fragen wie es ihr geht. Dich je nach Zustand auch verabschieden, wenn du keinen weiteren Besuch ankündigen kannst. Sagen, dass du sie lieb hast. Auch wenn sie nicht antworten kann, wird sie mehr mitbekommen, als du denkst. Wenn ihr Verstand halbwegs arbeitet, kannst du mit ihr auch über Zwinkern kommunizieren. Einmal zwinkern "Ja", zweimal zwinkern "nein". So kann man sich schon sehr gut unterhalten, und zwinkern können auch schwache Menschen noch.

Ich wünsche dir, dass du deine Gefühle fest im Griff hast und nochmal eine gute Zeit mit der Oma verbringst! :)*

Cbomr an


Ach ja: Körperkontakt! Ganz wichtig. Eine Hand nehmen oder sie irgendwo an der Schulter, am Arm oder am Kopf leicht halten. Das tut sehr gut zu spüren, dass jemand da ist.

A lolueStte


Hallo Springchild, es tut mir leid für Dich, dass Deine Oma im Sterben liegt.

Ob man Dir einen gemeingültigen Rat geben kann, wie man am besten mit Sterbenden umgeht, weiss ich nicht. Ich denke, jeder Mensch ist wahrscheinlich im Sterben so individuell wie im Leben, und Du musst sehen und erspüren, was Deiner Oma gut zu tun scheint.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es wichtig sein kann, einfach da zu sein. Wenn Du ihr noch etwas bestimmtes sagen möchtest, dann tu das unbedingt, auch wenn sie Dir nicht antworten kann. Manche Menschen haben das Gefühl, den Sterbenden tut es gut, wenn man ruhig mit ihnen redet, andere fühlen sich vielleicht wohler, wenn sie schweigen. Oliver Uschmann schreibt in seinem Buch "Bis zum Schluss": "Lassen Sie leise seine Lieblingsmusik spielen, und erschaffen Sie in seinem Kopf Bilder, die ihm guttun. Malen Sie seine Lieblingsorte und Lieblingssituationen des Lebens in schillernden Farben aus." Und später: "Sagen Sie: Alles ist gut. Alles ist im Lot. Helfen Sie dem Sterbenden, das Leben loszulassen."

Auch dieser Ratschlag ist sicherlich nicht allgemeingültig und für alle passend. In manchen Familien wird vielleicht einfach nicht viel geredet oder man ist dazu in diesem schweren Moment gar nicht in der Lage, dann ist es aber sicher trotzdem gut für Deine Oma, wenn Du einfach bei ihr bist. Du kannst ihre Hand halten und streicheln, wenn Du das Gefühl hast, dass ihr das guttut; oft empfinden Sterbende wohl Berührungen aber auch als unangenehm. Auch das musst Du in der Situation erspüren.

Ich denke, vermeiden sollte man das Reden über die sterbende Person und ihren Zustand in ihrem Beisein, sei es nun unter Angehörigen oder mit Ärzten. Auch wenn die/der Sterbende dahinzudämmern scheint und selbst nicht mehr spricht, kann sie/er doch vielleicht noch vieles verstehen.

Ich wünsche Dir, dass Du so von Deiner Oma Abschied nehmen kannst, wie Du es Dir wünscht und es richtig für Dich ist. Viel Kraft für die kommende Zeit!

S'pringschilxd


Danke für eure Ratschläge und den Trost. Da ist schon viel Hilfreiches dabei.

Ich hatte die Idee, dass ich ihr vielleicht etwas vorlesen könnte... zum Beispiel hat mein Opa (vor fünf Jahren verstorben) viele Erinnerungen aus seinem Leben aufgeschrieben, und meine Oma hat es noch nicht gelesen. Andererseits habe ich Angst, dass es sie vielleicht traurig macht.

Außerdem wollte ich mir selbst was zu lesen mitnehmen, für die Zeiten wenn sie schläft. |-o Ich richte mich auf mehrere Tage ein... außer mir hat leider niemand so wirklich Zeit (ich eigentlich auch nicht, aber ich nehme sie mir halt).

SNchub}bid;ubbjidxu


Ich hatte die Idee, dass ich ihr vielleicht etwas vorlesen könnte... zum Beispiel hat mein Opa (vor fünf Jahren verstorben) viele Erinnerungen aus seinem Leben aufgeschrieben, und meine Oma hat es noch nicht gelesen.

Finde ich persönlich eine sehr schöne Idee!

S/chulbb<idUubbidu


Mist, zu früh abgeschickt.

Wollte Dir noch raten auch auf Dich selbst zu achten. Ich kenn Dich ja nun nicht, aber manchmal tendieren Menschen dazu dann das Gefühl zu haben, sie müssen dauerhaft bei der sterbenden Person bleiben - koste es, was es wollte. Ich kann Dir nur raten Dir auch mal Pausen zu nehmen, wenn Du sie brauchst - wenn eine nahestehende Person stirbt ist das sehr kräftezehrend und für Dich geht es danach ja noch weiter (Stichwort Beerdigung, Behördensachen, aber vorallem das Begreifen was passiert ist und das Lernen ohne den Menschen zu leben). Hab das gerade erst selbst erlebt bzw bin noch dabei.

Wünsch Dir viel Kraft für die kommende Zeit!

S#illkPeaWrl


Versuch von Deiner Oma irgendein Zeichen zu bekommen, ob sie möchte, dass Du ihr vom Opa vorliest. Falls sie das bejaht, halte ich es für eine sehr gute Idee. Falls sie signalisiert, dass es ihr nicht gut tut oder sie das eher nicht mehr erfassen kann, würde ich ihr lieber eine Geschichte vorlesen, so etwas wie "Der kleine Prinz" vielleicht oder etwas anderes Neutrales, auf jeden Fall nichts Aufregendes.

S:ilkgPeaxrl


Zu früh abgeschickt. |-o

Ich wollte noch hinzufügen, dass es für Sterbende weniger um den Inhalt von Gesprächen bzw.Vorgelesenem geht, als um die ruhige Anwesenheit und Stimme einer lieben Person. Inhalte von Briefen oder Erzählungen werden oft gar nicht mehr erfasst, und bei Deiner Oma könnte das schon der Fall sein.

S~i+lkPexarl


Egal finde ich es trotzdem nicht, WAS gesagt wird, denn ein beunruhigendes Wort oder Satzfetzen kann jederzeit durchdringen und ängstigen; das sollte natürlich vermieden werden.

HkasenLrexich


Das mit dem Vorlesen finde ich eine gute Idee! - Vielleicht auch etwas singen - falls es Deine Kraft zulässt - ihr Lieblingslied oder andere Lieder die sie noch kannte und gern gesungen hat. - Ganz viel Kraft!!!! :)* :)* :)*

S]prXing#ch`ilxd


Die gute Nachricht für heute ist, dass es meiner Oma scheinbar etwas besser geht. :-D Aber ihr Zustand ist sehr schwer einzuschätzen wie ich höre. Sie ist körperlich sehr schwach, aber sie hat gegessen und getrunken und auch ein wenig gesprochen.

Die schlechte Nachricht ist, dass ich wahrscheinlich nur über das Wochenende dort bleiben kann. Das macht mich ganz wahnsinnig. Hoffentlich ist sie am Sonntag in einem Zustand, in dem ich sie beruhigt alleine lassen kann... :-/

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Abschied und Trauer oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Gedenken


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH