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Ich kann nicht weinen...

P]am23 hat die Diskussion gestartet


Meine Mama (59 Jahre) ist letzte Woche verstorben. Sie hat fast 5 Jahre gegen den Krebs gekämpft. Aber jetzt war ihre Kraft zu Ende.

Die letzten Tage waren einfach nur noch schrecklich. Sie konnte und wollte nicht mehr. Sie hat Frieden mit der Situation geschlossen und war nicht ängstlich was den Tod betrifft.

Obwohl sie die letzten Tage eigentlich schon nicht mehr da war, hatte ich da wahnsinnige Angst davor, wenn es dann so endgültig ist. Aber nach dem langen Leidensweg waren wir "erleichtert", dass sie erlöst wurde.

Ich hab schon vor ihrem Tod viel getrauert und geweint. Und in der letzten Woche gab es noch viel zu erledigen, man war viel abgelenkt. Ich hab einen kleinen Sohn (5 Monate), für den ich auch funktionieren muss. Aber ich hab das Gefühl, ich kann nicht trauern.

Wenn mir die Leute schreiben und ihr Beileid aussprechen, dann denke ich mir, was haben die denn alle. Ich fühle mich so herzlos und kalt.

Ich kann (aber auch nicht immer) nur weinen, wenn ich mich ganz aktiv damit auseinander setzte. Lieder anhöre, die sie so gern gemocht hat.

Wenn ich daran denke, dass ich sie nie wieder sehe, dann lässt mich das "kalt", weil es sich einfach nicht real anfühlt. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich es aktiv verdränge!

Ging das jemandem von euch aus so? Wielang hat diese Phase bei euch angehalten?

Ich weiß, dass es sehr schmerzhaft sein wird, wenn es im Kopf angekommen ist. Aber ich will endlich etwas fühlen...

Antworten
iensQighxt


Ich kenne eine Frau, die angeblich ein Jahr lang nicht hat weinen können, nachdem ihr Vater gestorben ist ...

R7al3ph_HxH


Ich hab schon vor ihrem Tod viel getrauert und geweint.

Dann kannst Du doch offenbar weinen... Laß Dich nicht von der Erwartungshaltung deiner Umwelt unter Druck setzen. Wann und wie Du trauerst entscheiden Deine Gefühle, keine gesellschaftliche Norm. Die Trauer kommt oft dann, wenn man sich in bestimmten Situationen bewusst wird, dass da etwas fehlt. Ansonsten ist das Leiden vor dem Tod oft viel schlimmer mit anzusehen und die Erlösung ist dann auch nicht unbedingt ein Grund zur sofortigen Trauer sondern eher zur Freude.

L|u.cy47L11


Es gibt bestimmt Menschen, die nicht weinen können. Ich habe meine Mutti noch nie weinen gesehen.

swchn(eccke19x85


Es gibt keinen "richtigen" Weg in der Trauer.

Besonders in "chronischen" Fällen, also da, wo man sich schon länger auf den Abschied vorbereitet hat, fängt die Trauerarbeit schon lange vor dem eigentlichen Abschied an. Manche Menschen trauern sofort, andere brauchen Zeit zum Realisieren, wieder andere trauern nur kurz und wieder andere sind auf Jahre verzweifelt. Egal, wie du trauerst: Es ist richtig! Lass dir da bloß nichts einreden. :)* :)* :)*

fZuzxzzi


Du bist im Moment unter eine Art Schutzglocke...Du hast die Gefühle abgeschirmt. Sie werden irgendwann wieder kommen. Ich würde da jetzt auch nicht mit Gewalt dran herumschnitzen. Dein Körper und Deine Seele wissen schon, was richtig für Dich ist und wie mit der Trauer bei Dir am besten umgegangen wird. Ich würde die Situation einfach so akzeptieren. Dann weinst Du eben nicht. Irgendwann wirst Du schon wieder weinen können.

P9aQm23


Vielen Dank euch allen!

Ich denke schon auch, dass wir in der Familie schon viel Trauer vorher verarbeitet haben.

Es ist nur so ein befremdliches Gefühl, wenn man irgendwie gar nichts fühlt.

Aber das kommt jetzt sicher dann im Alltag. Gestern war erst die Beerdigung...

LWicht[AmGHor>izoxnt


Du bist nicht herzlos und kalt.

Vielleicht ist in Dir einfach nur das Wissen, dass es für Deine Mutter in Ordnung war, zu gehen.

Ich habe auch schon den Tod eines nahen Angehörigen miterlebt, bei dem ich nicht geweint habe, sondern das seltsame Empfinden hatte, dass das jetzt eben so ist und so gehört und es daher keinen Grund gibt zu weinen. Schwer zu beschreiben. Ich hätte mich da auch zum Weinen zwingen müssen. Nicht zu weinen, fühlte sich aber nicht falsch an.

S@arsuza


Hallo Schnecke,

bei mir ist es genau wie bei Dir. Meine Mama hatte Krebs und war über 6 Jahre krank. Ich hatte immer Angst um sie und vor dem Zeitpunkt ihres Sterbens, habe viel geweint. Jetzt ist sie vor einer Woche in meinem Beisein gestorben und ich fühle mich relativ normal, was mir auch nicht richtig vorkommt. Wie geht es Dir mittlerweile?

PWam$23


Hallo Saruza,

mein herzliches Beileid zum Tod Deiner Mama! :)*

Mir geht es eigentlich recht gut. Aber es gibt schon regelmäßig Tage, an denen es sehr schwer ist.

Sie fehlt mir einfach unglaublich. Und mir tut es immer so weh, wenn ich sehe, was sie alles mit ihrem Enkel verpasst. Da darf ich gar nicht groß drüber nachdenken.

Ich glaube, wenn man einen Menschen mit so einer Krankheit so lange begleitet, dann hat man sicher schon im Vorfeld viel Trauerarbeit geleistet. Meine Mama kam eine Woche bevor sie starb ins Hospiz. Und da hab ich wahnsinnig viel geweint. Ich hatte so Angst vor dem endgültigen Moment, wenn sie tot ist. Sie war zwar die letzten Tage nicht mehr ansprechbar, aber sie war trotzdem noch da.

Aber am Ende waren wir dann erleichtert, dass sie endlich erlöst wurde. Die letzten Tage waren so schrecklich!

Ich wünsch Dir alles Gute! Kannst Dich ja mal wieder melden, wie es Dir so geht!

MNarl%iex34


Mein Mann und meine Mutter sind innerhalb einer Woche an Krebs bei mir zu Hause gestorben, vor zwei Jahren. Ich habe ebenfalls nichts gefühlt. Das kam jetzt im letzten Jahr so schubweise, wo ich furchtbar traurig war, dann ging es aber wieder. Es kommt unverhofft. Ich denke es ist ein Seelenschutz. Die Erinnerungen sind aber immer präsent

BXirk!enzwxeig


du hast vor dem sterben getrauert

du darfst jetzt dankbar sein, daß sie es geschafft hat.

ich finde es schlimm, wenn die gesellschaft da maßstäbe ansetzt, die ein trauernder dann erfüllen muss, um sich nicht schlecht zu fühlen

S~ea_MBKrxeeze


Liebe Pam23,

meine aufrichtige Anteilnahme! Ich bin in einer ähnlichen Situation wie du. Mein Sohn ist 3 Monate alt, und 2 Wochen nach seiner Geburt ist meine Mutter verstorben. Auch sie hatte eine sehr lange Krebsleidensgeschichte. Sie ist in Frieden gegangen, wusste dass mit ihrer geliebten Familie alles in Ordnung ist und wollte nicht mehr kämpfen.

Mir geht es ähnlich wie dir. Ich muss für meinen Sohn da sein und vieles läuft so automatisch ab. Fühle mich schuldig, wenn mich jemand anspricht und mich nach meinem Befinden fragt, weil ich nicht lügen kann...denn eigentlich geht es mir relativ gut!

In den ersten Tagen, nachdem ein geliebter Mensch verstorben ist, muss man ja oft soviel organisieren, viele Menschen kommen auf einen zu und man findet noch gar nicht die Ruhe, sich richtig aktiv damit auseinanderzusetzen.

Ich merke allerdings seit etwa 2 Wochen, dass sich die Trauer immer öfter einschleicht, dass es langsam "real" wird, meine Mama nicht in Kur ist und bald zurückkommt. Aber bis es wirklich bei mir angekommen ist, vergeht noch eine Weile denke ich - vielleicht gerade weil sie diese lange Vorgeschichte hatte und ich immer wieder versucht habe, mich darauf vorzubereiten.

"Die Trauer wird kommen, wann und wie sie will - und alles davon ist richtig und gut". Diesen Satz hat mir eine liebe Freundin geschrieben - und das hat viel Druck von mir genommen.

Ich wünsche dir viel Kraft!

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