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Mamas Reise ins Zauberzelt

TmscYhäd2ere hat die Diskussion gestartet


Hallo Zusammen

Ende Mai erzählte Mama mir, dass man einen Tumor gefunden hat, man aber noch keine genauen Befunde habe. Ich sagte Mama da, dass wir das gemeinsam schaffen werden und ich was auch immer passiert für sie da sein werde. Keiner glaubte damals, dass es so kommen wird, wie es gekommen ist.

Die Untersuchungen nahmen ihren Lauf und obwohl man keine Mutterzelle finden konnte hat man Ende Juni mit den Bestrahlungen begonnen. Da sie keine Kraft hatte und auch kaum essen mochte, wollte sie die Therapie statt ambulant, stationär durchführen. So begleitete ich sie ins Krankenhaus. Aus den geplanten 3 Wochen Aufenthalt wurden 5 Wochen, da immer wieder noch was zusätzliches dazukam. Während der Zeit im Krankenhaus wurde klar, dass man nicht mehr heilen konnte. Daher lehnte Mama eine Chemotherapie ab.

Damit Mama zur Ruhe kommen konnte und nach 5 Wochen wieder ein bisschen zu Kräften kommen konnte entschied sie sich für einen Aufenthalt in einer palliativen Einrichtung. Da gefiel es ihr zu Anfang sehr gut, doch plötzlich wollte sie nach Hause. Auch wenn ich das für keine gute Idee hielt, ermöglichten mein Bruder und ich ihr diesen Wunsch. Ein ungutes Gefühl begleitete mich dabei aber wir gingen nach Hause. In dieser Zeit bin ich zu meiner Mama gezogen und habe die meiste Zeit bei ihr verbracht. Es ging ihr zusehend schlechter und am Montag wurde sie vom Hausarzt wieder ins Krankenhaus überwiesen. Eine Woche ist sie geblieben und hat sich da auch wieder recht gut erholt so, dass sie nach einer Woche wieder nach Hause konnte.

Wir waren also wieder daheim und ich hatte das Gefühl es kann funktionieren. Aber sie verlor ihre Kraft wieder und fühlte sich zu Hause nicht wohl. Sie kam dann selbst auf die Idee in ein Ferienzimmer von einem Pflegeheim zu ziehen. Zum Glück liess sich das sehr schnell organisieren und eine Woche später konnten wir umziehen.

Nach 3 Tagen im Ferienzimmer bat mich Mama zu schauen, ob es einen festen Platz für sie gibt. Sie könne nicht mehr nach Hause, das sei ihr klar geworden. Also setzte ich alle Hebel in Bewegung und tatsächlich es gab einen Platz. Wir planten also den definitiven Einzug und den Wechsel in Hospiz. Der Wechsel jedoch fand nie statt. Sie hatte keine Kraft mehr, obwohl sie kämpfte.

Als ich dann am Donnerstag zu ihr kam spürte ich, sie kämpft aber sie mag nicht mehr. Ich habe ihr dann gesagt, sie müsse nur so lange kämpfen wie sie das für sich möchte. Es fiel mir schwer aber ich wollte, dass sie weiss, dass sie uns zu eigenständigen Personen erzogen hat und wir irgendwie auch ohne sie klar kommen. Ich glaube sie brauchte das, denn plötzlich wollte sie einen Seelsorger sprechen. Als sie an diesem Abend dann endlich Schlaf finden konnte bin ich nach Hause. Am nächsten Tag als ich kam spürte ich sofort, der Abschied wird kommen. Ich blieb wieder ganz lange bei ihr, hab ihr vorgelesen und gewartet bis sie schläft. Das war am Freitag. Am Samstag bin ich sofort wieder zu ihr und da war sie bereits in einer anderen Welt. Sie war sehr unruhig hat immer wieder von einer Schlange gesprochen, sie hatte Angst vor Schlangen, ich habe sie dann versucht zu beruhigen, hab sanfte Musik laufen lassen, hab sie gestreichelt und sie wurde ruhiger. Ich verliess das Zimmer nur kurz um meinen Bruder zu verständigen, welcher dann auch sofort kam.

Mama fing an nach ihrer Mutter und meinen beiden verstorbenen Brüder zu rufen. Ich hab sie immer wieder beruhigt und gestreichelt und leise Musik laufen lassen. Ihr Atmen wurde ruhiger und regelmässiger und als mein Bruder mit seinem Partner da war entspannte sie. Eine Stunde später ist sie in unseren Armen eingeschlafen. Das war Anfang September....

Meine Welt wurde innerhalb von wenigen Monaten auf den Kopf gestellt und ich vermisse Mama wahnsinnig. Ich vermisse die Gespräche mit ihr, ihre Kartengrüsse, ihre Ratschläge und einfach alles.

Mama hat in ihrem Abschiedsbrief geschrieben, dass sie sich wünscht, dass ich mein Leben weiterhin so meistere wie bisher. Ich versuche das, so gut es geht aber die Trauer überkommt mich immer wieder. Ich träume sehr oft von ihr, durchlebe die letzten Stunden mit ihr und frage mich immer wieder, hab ich was falsch gemacht? War ich genug für sie da, hätte ich was anders machen müssen?

Tief in mir weiss ich, dass ich nichts falsch gemacht hab aber ich vermisse sie so sehr. Die Weihnachtszeit kommt und es wird zum ersten Mal kein Weihnachten bei Mama geben. Das alles fällt mir so schwer und ich fühl mich so allein auch wenn ich das nicht bin. Ich weiss das alles klingt verwirrend aber ich bin sicher irgendjemand kann mich und mein Gefühlschaos verstehen.

Liebe Grüsse

Antworten
skchneucke19x85


Ich drück dich ganz, ganz lieb. :)_ :)_ :)_ :°_ :°_

Gerade wegen Weihnachten: Würde es dir vielleicht helfen, irgendein Ritual in die Weihnachtstage zu integrieren, wo du dich ihr ganz nahe fühlen kannst? Vielleicht Besuche auf dem Grab, oder eine besonders schöne Kerze bei dir zuhause, ein besonders schönes Foto von euch beiden rahmen lassen? Plätzchen nach dem Rezept deiner Mama backen? Oder jeden Tag einfach eine stille Minute für deine Mama einräumen?

:)* :)* :)*

Ich glaube ganz fest daran, dass jemand gehen und trotzdem bei uns bleiben kann. Im Herzen, mit den besonderen Stärken, aber auch den individuellen Macken, kurzum - als ganze Person. So lange du an deine Mama denkst, lebt sie weiter. :)*

otldiAex48


Ja, wenn jemand endgültig geht, ist das etwas Neues. Man ist doch gewohnt, dass er wiederkommt.

Und nun steht eine Zeit bevor mit vielen ersten Momenten, wo deine Mama nicht dabei ist. Vertraute Situationen, die ein Loch haben. So wie ein Foto, aus dem jemand ausgeschnitten ist.

Ich habe meinen geliebten Hund verloren und noch immer kommen mir die Tränen. Wir waren ein Team. Lass deinen Tränen freien Lauf. Irgendwann ist es das zweite Mal Weihnachten ohne deine Mama und irgendwann wird sie auch in deinem Inneren zur Ruhe kommen. Die Trauer wird kleiner und kleiner, aber die schönen gemeinsamen Momente bleiben in der Erinnerung.

CGomyran


Fühl dich mal gedrückt. :°_

Ich habe beim Lesen deines Beitrags ein Deja-Vu. Ich habe 2014 das gleiche mitgemacht. Meine Mutter starb dann im August und ich kann mich noch genau an die letzten Wochen erinnern, wo sie immer schwächer wurde und immer weniger bei richtigem Bewusstsein. Auch meine Mutter hinterließ Abschiedsbriefe.

Weihnachten war für mich der Horror, weil wir uns immer mit der Familie traditionell in meinem Elternhaus zusammentrafen und ihr Stuhl zum ersten mal leer blieb. Aber wir haben es gut gemeistert. Es war natürlich nicht wie sonst, aber es war der Wunsch meines Vaters, das Weihnachtsfest genauso zu begehen wie gewohnt.

Du hast wirklich alles richtig gemacht. Sie konnte selbstbestimmt sterben und du warst da.

Ich glaube, die Trauer ist einfach noch zu frisch und du solltest das zulassen. Es geht aber vorbei, ganz bestimmt. @:)

TZschä)derxe


Danke für Eure Antworten :)_

Es ist keine einfache Zeit und es ist ein Auf und Ab.... Aber ich versuch das Beste daraus zu machen.

Der erste Advent ist da und die Stadt glitzert und glänzt und irgendwie ist es schön.

Wir haben entschieden, dass wir die traditionellen Weihnachtskekse backen werden. Mama wird zuschauen... Es ist sicher auch richtig, dass es noch Zeit braucht und die Trauer ihren Platz braucht, wenns nur nicht so weh tun würde.

Ich wünsche Euch eine schöne Weihnachtszeit

Liebe Grüsse

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