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Trauer und Schuldgefühle wegen Einschläferung

_Qhoney7moTon_ hat die Diskussion gestartet


Hallo Zusammen!

Im Moment kann ich mir kaum selbst helfen und bin schecklich traurig. Mein Kater ist letzte Woche sehr krank geworden. Der Arzt vermutete erst Bauchspeicheldrüsenentzündung und gab einiges an Medikamenten mit. Die Leberwerte waren nicht gut und auch die Eiweiswerte und rote Blutkörperchen waren schlecht. Ihm ging es nicht gut. Hatte Schmerzen und hat nicht mehr gefressen. Zu Hause ging es kurz mit den Medikament. Aber bald hörte das auch auf. Ohne fressen konnte ich die Tabletten nicht mehr verabreichen und somit hatte er noch mehr Schmerzen und kaum noch Kraft. Er zog sich zurück und lag nur noch apathisch rum. Wieder beim Arzt stellte sich raus, das er Fip hat. Eine Infektion, die nicht geheilt werden kann. Die Nachricht war schrecklich. Er hat gelitten, Schmerzen, konnte nicht fressen oder trinken. Der Arzt riet zum einschläfern. Ich bin der Meinung, es war das Beste. Es ging alles so schnell. Die Entscheidung ist richtig, aber dann hat mein Hirn ausgesetzt und ich hab nur noch geweint. Die Entscheidung getroffen und ich musste raus aus dem Raum. Ich habe mich noch verabschiedet und bin gegangen. Nach einer halben Stunde im Auto auf der Heimfahrt hab ich mich kaum eingekriegt. Und es kamen auch noch Schuldgefühle dazu, dass ich einfach gegangen und ihn nicht auf dem letzten Weg begleitet habe. Wie konnte ich das nur tun und so egoistisch sein. Er saß alleine auf den Behandlungstisch und ich bin einfach gegangen. Und er wird nie wieder zur Tür rein kommen oder beim Essen hoffnungsvoll darauf warten, dass er etwas abbekommt oder zum schmusen auf alles hüpfen und drängeln ohne Rücksicht auf Verluste. Er war 13 Jahre an meiner Seite und ich weiss nicht, wie ich das überwinden soll.

Antworten
BXENAxOH


liebe Honeymoon,

nachdem noch niemand geschrieben hat,werde ich die Erste sein.

Manche können die Trauer über ein Tier nicht verstehen, aber sie ist genau so legitim, wie die Trauer über einen Menschen.

Deine Katze hat bestimmt nicht gelitten. Ich war damals dabei, als die alte Katze meiner Mutter eingeschläfert wurde. Sie war morgens vom Bett gesprungen und ihr Vorderbein war gebrochen, ob des Alters hatte sie total entkalkte Knochen, das wäre nicht mehr geheilt. Also mussten wir - ganz unvorbereitet - sie gehen lassen. Sie hat die Beruhigungsspritze bekommen, bevor die "finale" Spritze gesetzt wurde, aber da hat ihr Herz schon ausgesetzt. Es war ganz friedlich. Wenn Deine Katze so krank war, hat sie es sicher auch nicht mehr so intensiv mit bekommen!

Bei meiner Hündin, 14 Jahre, war ich dabei, habe sie gekuschelt und beschmust und auch das war friedlich und eine Erlösung, allerdings 12 quälende Stunden zu spät (über Nacht), die ich mir bis heute nicht verzeihe...

Jedenfalls bin ich froh, dass ich (es war Winter, der Boden gefroren und sie sehr groß - ich konnte sie nicht beerdigen) sie habe einäschern lassen und ihre Asche jetzt in einem schönen Bilderrahmen mit Bild von ihr über ihrem Hundebett hängt, in dem mittlerweile seit 2 Jahren ein neuer Hundeschatz liegt...

Mach' Dir ein schönes Plätzchen im Haus mit einem Bild von ihr und denke an sie. Sie ist immer bei Dir und wird Dir nicht böse sein. Und vielleicht sucht ihre Seele in Gestalt eines neuen Kätzchens wieder Deine Nähe... :)* :)* :)*

K-rabb]elkäf4erlxe


Ich kann dich sehr gut verstehen. Bei meinem ersten Tier war ich nicht dabei, als es gehen musste. Ich bereue das bis heute, 10 Jahre später.

Bei meinem nächsten Tier war ich dabei, bis zum Schluss. Das hat mir selbst viel geholfen.

Ich kann dir nicht sagen, was gegen die Schuldgefühl hilft. Für mich sind das mit die schlimmsten Gefühle, zusätzlich zu der Trauer.

Aber die Trauer wird besser, du gewöhnt dich daran, dass er nicht mehr da ist. Auch wenn es sich etwas blöd anhört. Aber es ist nunmal auch eine Veränderung im Alltag. Für manche von außen nur eine Kleinigkeit, weil eine Katze einen nicht täglich Stunden beansprucht, aber das Gefühl, dass sie "da" ist und es fällt einem dann urplötzlich ein, dass es nicht mehr so ist, muss erst verschwinden.

Gib dir etwas Zeit.

D_ieKrPuemi


Ich habe mich noch verabschiedet und bin gegangen. Nach einer halben Stunde im Auto auf der Heimfahrt hab ich mich kaum eingekriegt. Und es kamen auch noch Schuldgefühle dazu, dass ich einfach gegangen und ihn nicht auf dem letzten Weg begleitet habe. Wie konnte ich das nur tun und so egoistisch sein. Er saß alleine auf den Behandlungstisch und ich bin einfach gegangen.

Das ist in der Tat heftig. Die Entscheidung, in bei der Diagnose FIP, die unheilbar ist, einschläfern zu lassen, war richtig. Dass du ihn alleine gelassen hast auf dem letzten Weg ist schwer nachzuvollziehen und da musst du jetzt einfach durch und deine Schuld annehmen. Du kannst es nicht rückgängig machen, aber auch nicht wieder "gut machen", indem du dich jetzt selbst mit Vorwürfen überhäufst. Vielleicht kannst du einer oder zwei anderen Katzen aus dem Tierheim eine Chance auf ein Zuhause geben. Das ist kein "Ersatz", aber hilft, sowohl dir als auch den Tieren.

B~riwgie


Ich glaube, diese Gefühle können jso gut wie jeden überkommen, der ein gebliebtes Tier einschläfern ließ - weil man selbst aktiv war, handeln musste, "den Tod gebracht hat" - solange man es so sieht! Den Gedanken dahin zu verändern, dass man einem todkranken Wesen unnötiges Leiden ersparen konnte - mir hats bei unserer Mieze geholfen.

E:hemalilger xNutzer j(#5Z88x574)


Gib dir keine Schuldgefühle, dein Kater tut das bestimmt auch nicht.

Der Fluchtreflex ist bei manchen Menschen normal, du wusstest dass es die letzten Minuten deines Rackers waren mit dem du eine sehr lange Zeit verbracht hast und so schnell wie sowas plötzlich auf einem einprasselt kann man das nicht verarbeiten bzw. akzeptieren.

Meistens hat man ja die Hoffnung dass es noch einen Ausweg gibt.

Natürlich ist es in der Vorstellung immer so ausgemalt dass man bis zum letzten Atemzug zusammenbleibt, aber es hätte nichts gebracht wenn du dich durch die Situation gezwungen hättest und auf ewig diese schlimmen Szenen in Kopf gehabt hättest und darunter leiden würdest. Das hätte dein Kater ja auch nicht gewollt.

Ich musste meinen Hund auch vor paar Jahren einschläfern lassen, ich war bis zum Schluß dabei und ich kann dir sagen dass mir diese Szenen bis heute nicht aus den Kopf gehen. Es ist schlimm ein geliebtes Wesen sterben zu sehen, zu sehen wie plötzlich die Atmung aussetzt und immer mehr Leben aus dem Tier erlischt.

Und für diese Bilder ist man nicht dankbar, selbst jetzt wenn ich darüber nachdenke kommen mir noch die Tränen obwohl ich mich als "harten Hund" bezeichnen würde.

Halte doch bitte die schönen Zeiten und Bilder in Erinnerungen die du mit deinem Kater verbindest. Ihr hattet sicher sehr schöne intensive Zeiten. Mach dir keine Vorwürfe dafür dass du ihn nicht sterben sehen wolltest.

Alles Gute

DLieKruu_emi


Es ist schlimm ein geliebtes Wesen sterben zu sehen, zu sehen wie plötzlich die Atmung aussetzt und immer mehr Leben aus dem Tier erlischt.

Und für diese Bilder ist man nicht dankbar, selbst jetzt wenn ich darüber nachdenke kommen mir noch die Tränen obwohl ich mich als "harten Hund" bezeichnen würde.

Das ist so individuell, wie wir Menschen es auch sind. Ich habe alle meine Tiere bis zu ihrem letzten Atemzug im Arm gehalten und empfand es als Geschenk, dass ich dabei sein durfte. Es war immer ein sehr friedlicher Akt, in unserem Zuhause, der gewohnten Umgebung, sind sie sanft eingeschlafen. Jedes einzelne Tier hat mein Leben bereichert, als Dank und aus Respekt habe ich ihnen einen schmerzfreien Tod ermöglicht, als es keine medizinische Hilfe mehr gab. Es auf diese Weise zu betrachten, hilft.

Lkil+aLi(nxa


Unser ehem. Tierarzt hat es nie gewollt, dass die Besitzer beim Einschläfern dabei sind. Er begründet es damit, dass zu viele umkippen, in den Arm genommen werden wollen etc.

Daher - versuch dich nicht selber zu zerfleischen vor Schuldgefühlen. Eine so emotionale Reaktion ist normal - gerade wenn es nicht eine lang durchdachte und absehbare Situation war sondern schnell und vor Ort entschieden werden musste. Du hast in der Situation so entschieden ohne nachzudenken, vermutlich weil dein Kopf mit dem Geschehen überhaupt nicht hinterher kam.

Egal ob du weiter dageblieben wärst oder nicht, die Geschichte ist einfach nur traurig. Lass die Trauer jetzt zu. Erinner' dich an die schönen Zeiten, in denen es deiner Katze gut ging. An gemeinsame Momente und nach und nach wird die Trauer weniger. Auch wenn es jetzt kaum vorstellbar ist.

LIil<aLinxa


Dass du ihn alleine gelassen hast auf dem letzten Weg ist schwer nachzuvollziehen und da musst du jetzt einfach durch und deine Schuld annehmen.

Das ist so individuell, wie wir Menschen es auch sind.

Das solltest du vielleicht bei deinen eigenen Aussagen auch berücksichtigen. Ich find es z.B. nicht "schwer nachzuvollziehen", warum honeymoon in der Situation überfordert war, gegangen ist und es nun bereut.

LGo=ui;siaHna


:�( :)-

EFhemRalig!er Nutzery (#588574x)


@ DieKrümi

Natürlich ist das sehr individuell, kommt halt viel darauf an wie man zum Thema Tot steht und wie Emotional man ist und ob man halt auch schon viel Erfahrung mit dem Thema Sterben hat.

Ich kann aber nur sagen dass ich es nicht verurteile wie die TE gehandelt hat und finde man solte da auch nicht mit Sätzen wie "da musst du jetzt einfach durch und deine Schuld annehmen" reagieren.

Denn es bringt einfach nichts wenn man sich durch eine Situation zwingt und hinterher dann so aus der Bahn geworfen wird das man selbst schwierigkeiten hat normal weiterzuleben. Gerade das Todesthema ist so heikel.

Manche Menschen haben die Stärke bei dem Einschläfern dabei zu sein, manche eben nicht. Manche empfinden das als starke Bürde dabei zu sein, manche empfinden Dankbarkeit.

Worauf es letztendlich aber ankommt ist wie sehr man für das Tier da war zu Lebzeiten, zu anderen schwierigen Zeiten. Gestorben wird im Endeffekt so oder so alleine.

Ich weiß nicht ob du ein Kind hast, aber stell dir mal vor du bist irgendwann an dein Lebensende angelangt, liegst im Sterben und dein Kind geht aus dem Krankenzimmer wenn es soweit ist.

Stellt das dann eure ansonsten harmonische Beziehung und Loyalität in Frage? Würdest du deinem Kind dann Schuld auferlegen weil sie nicht mitansehen konnte wie du stirbst?

Ich will dich nicht Angreifen, sehe es bitte auch nicht irgendwie als scharfe Kritik. Aber ich find es immer ein bisschen schade wenn ein Mensch trauert, sich Schuldgefühle macht und die Person dann noch in ihre Schuld bestätigt wird. Letzteres ist sowieso immer so ne Sache weil jeder Mensch anders ist und auch mit dem Thema Tot anders umgeht.

grüße

D\ieKkruexmi


Ich kann aber nur sagen dass ich es nicht verurteile wie die TE gehandelt hat und finde man solte da auch nicht mit Sätzen wie "da musst du jetzt einfach durch und deine Schuld annehmen" reagieren.

Da hast du mich falsch verstanden. Hätte sie geschrieben, dass es für sie die richtige Entscheidung war, dass sie nicht dabei war, hätte ich es nicht kritisiert--das muss jeder für sich entscheiden, wie er es handhaben will. Aber sie gibt sich ja eine Schuld bzw fühlt sich schuldig und macht sich Vorwürfe. Und da kann man ihr doch nicht sagen, dass ihre Empfindungen falsch sind, denn sie kommen ja aus ihrem Innersten.

DQieKrxuemi


Aber ich find es immer ein bisschen schade wenn ein Mensch trauert, sich Schuldgefühle macht und die Person dann noch in ihre Schuld bestätigt wird

Das hat mit Bestätigen nichts zu tun. Die Gefühle der Schuld sind ja da und sie zu negieren wäre falsch. Ich hatte z.B. bei meiner ersten Katze zu lange gezögert mit der Einschläferung, und habe mir dann Vorwürfe gemacht, dass ich ihr ein paar tage Leid hätte ersparen müssen. Da war es auch unerheblich, was mein Umfeld sagte, ich fühlte so, dass ich aus Egoismus, das Tier nicht verleiern zu wollen, es unnötig lange leiden ließ. Erst, als ich das als für mich falsche Entscheidung angenommen hatte, und mir vorgenommen habe, bei allen anderen Tieren nicht den selben -für mich-Fehler zu machen, konnte ich damit Frieden machen.

D/ieKrcuemxi


verleiern= verlieren

DZieKrue{mi


Ich weiß nicht ob du ein Kind hast, aber stell dir mal vor du bist irgendwann an dein Lebensende angelangt, liegst im Sterben und dein Kind geht aus dem Krankenzimmer wenn es soweit ist.

Stellt das dann eure ansonsten harmonische Beziehung und Loyalität in Frage?

puh, das ist eine gute, aber schwere Frage. Ok, ich arbeite in einer Uni-Klinik, daher ist mir das Thema Tod nicht so fern wie anderen. Und das in meinen Augen traurigste, was einem Menschen passieren kann, ist alleine zu sterben-wenn er bis zum Tod bei Bewußtsein ist.

Viel wird sicher durch Erziehung und das soziale Umfeld geprägt, in unserer Familie wurde schon viele Generationen lang sehr unbefangen und natürlich mit dem Tod als endlicher Bestandteil des Lebens umgegangen. Ich habe beide meiner Omas tot gesehen, meine Mutter ebenfalls. Nichts davon hat mich traumatisiert. Ist ein Sterbevorgang jedoch sehr schmerzvoll, ist es sicher viel, viel härter, dabei zu sein, als wenn der Sterbende ganz friedlich einschläft.

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