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Mein Vater ist tot

pRila*ngo hat die Diskussion gestartet


Hallo liebes Forum,

ich bin ganz neu hier und noch ganz aufgewühlt, dass mein Vater jetzt tot ist. Ich springe von Trauer zu Wut, von Wut zu Verzweiflung, von Verzweiflung zu Angst, dann wieder Trauer, usw. Im Kreise der Familie war es anders. Hauptsächlich waren wir die letzten Tage mit organisatorischen Dingen beschäftigt. Streit gab es auch. Mit meinem Bruder. Und meine Mutter mittendrin. Alte Wunden sind wieder aufgebrochen. Und ich fühle mich wie in die Pubertät zurückversetzt... Als ob ich jetzt wüßte warum mein Leben nur von Pech verfolgt zu sein scheint. Bei dieser Familie! Aber ich trauere auch um meinen Vater. Im Nachhinein kommt er mir vor wie ein Buch mit 7 Siegeln. Er wollte noch nicht sterben. Am Tag seines Todes hatte er auffallend gute Laune. Beklagte keine Schmerzen. Kurz vor seinem Tod sprach er noch mit den Bauarbeitern, die in seinem neuen Haus arbeiteten. Er wollte nur kurz mit dem Auto weg, etwas holen. Dazu kam es nicht mehr. Die Bauarbeiter wunderten sich, dass er nach einer langen Weile immer noch nicht weggefahren war. Und das bei 38 Grad. Als sie sich nur noch wunderten und es komisch fanden, ging einer an sein Auto. Da war er schon tot. Er saß im Auto. Den Schlüssel in der Hand. Er sah aus als würde er ein Nickerchen machen. Mein Papa..

Ich finde es gemein, dass er nach seiner Berentung zurück in seine Heimat ging. Kaum dort, ist er krank geworden und hat Stück für Stück abgebaut. Eigentlich war er schon seit Monaten ein Pflegefall. Seine Heimat. Ein wirtschaftlich armes Land. Die jungen Leute in seinem Dorf sind fast alle weggezogen. Wir, meine Mutter, mein Bruder und ich sprechen die dortige Sprache kaum.

Klar, darf jeder seinen Lebensabend dort verbringen wo er möchte. Aber muss man da nicht auch an seine Familie denken, die vielleicht gar nicht klar kommt an dem Ort, wo er zuletzt leben wollte? Nun ist es zu spät darüber zu diskutieren. Er wollte sich auch nicht pflegen lassen. Meine Mutter hat ihn regelmäßig besucht und war für ihn da. Aber eben auch nicht dauernd. Auch sie ist älter geworden und ihre Kraft schwindet.

Nun hat sie noch mehr Streß als zuvor. Das mein Vater tot ist, hat sich im Dorf rumgesprochen. Die Leute warnten uns, das Haus alleine stehen zu lassen. Plünderer wären in der Lage einzubrechen und das Haus leer zu räumen. In einer Nacht. Da hilft auch nicht der Hund, der da noch ist. Ein Rottweiler. Meine Mutter und mein Bruder pendeln. Heute sind sie weggefahren. Ein verheiratetes Pärchen hat sich angeboten im Haus zu übernachten solange sie weg sind. Das ist komisch. Sie haben in den letzten Monaten den Garten, die Gänse und den Hund versorgt. Ich kenne sie erst seit dem letzten Besuch vor ein paar Wochen. Es war Anfang Juli zum Geburtstag meines Vaters. Uns Hinterbliebenen ist unwohl fast fremde Leute in dem Haus meines Vaters übernachten zu lassen. Aber immerhin wird so das Haus nicht ausgeraubt. Ein schwacher Trost. Es ist komisch auf Hilfe fremder Leute angewiesen zu sein und nicht mal zu wissen, ob man ihnen trauen kann. Überhaupt ist alles vage. Wie geht das weiter? Wie kommen meine Mutter und Bruder zu recht?

Mein Bruder ist 3 Jahre jünger als ich, Ende 30. Er hat die Schule abgebrochen und keine Ausbildung. Er hat nie wirklich gearbeitet und lag und liegt meiner Mutter auf der Tasche. Sie hat ihn verhätschelt. Ich wünschte ich könnte etwas tun. Aber ich kann nicht. Die letzten Tage mit beiden auf engem Raum waren schwer. Ich habe mich oft ohnmächtig gefühlt. Wie früher. Ich bin mit 18 ausgezogen und lebe seitdem unabhängig. Beziehungen? Eigene Familie? Das scheint unerreichbar für mich.

Ich hoffe, wir kriegen bald eine Lösung für die Situation mit dem Haus meines Vaters. Dann kehrt bestimmt wieder etwas Frieden ein...

Liebe Grüße

Pilango

Antworten
pFilanxgo


Eine Sache beschäftigt mich noch. Also eigentlich sind es mehrere. Aber ich fange mal damit, was mich gerade beschäftigt.

Mein Vater ist am 22.07. am späten Nachmittag verstorben. Herzstillstand. Um 18 Uhr hat mich meine Mutter kontaktiert und schon kurze Zeit darauf habe ich einen Flug für den nächsten Tag gebucht. Um 19 Uhr abends kamen wir in dem Heimatdorf meines Vaters an und sind sofort zu ihm gefahren. Ich wollte ihn sehen.

Er sah aus als würde er nur schlafen. Er war ziemlich blaß. Sein Ohren waren violett. Am nächsten Tag, also Sonntag, sind mein Bruder und ich nochmal zu ihm, um ihm etwas in den Sarg zu legen, was er sehr mochte. Dazu mussten wir wie am Abend davor den Sargdeckel heben. Eigentlich wollten wir ihn beide nicht nochmal anschauen, aber wir taten es. Nun sah er gar nicht mehr gut aus. Sein Kopf war völlig aufgedunsen und es ist etwas blutige Flüssigkeit auf sein Kissen ausgelaufen. Wir haben uns sehr erschreckt und es bereut, dass wir ihn noch mal angesehen haben. Warum sah er so aus, frage ich mich? Kann mir das jemand erklären, was mit ihm passiert ist?

Die andere Sache ist, hätte man ihn retten können mit Wiederbelebungsmaßnahmen? Wäre ich bei ihm gewesen, hätte ich alles versucht, glaube ich :°(

D[ie Se9herixn


ach du... lass dich einfach mal nur in den arm nehmen :°_

da strömt ja eine menge auf dich ein - ganz unnormal ist es nicht, dass man im moment des verlustes das ganze leben mit dem verstorbenen revue passieren lässt, sich erinnert und leider eben nicht nur die schönen momente wieder hochkommen.

lass dir zeit, gib dir zeit und habe geduld mit dir und deinen gefühlen - vor allem, lass es zu!

die ganzen körperlichen verfallserscheinungen kann ich dir nicht genau erklären, aber wss du schilderst klingt, als hätte der ganz normale (sehr unschöne) prozess eingesetzt. vielleicht schffst du es ja, schöne bilder von ihm in dir aufleben zu lassen? vielleicht hilft es dir, dir von einem arzt erklären zu lassen, wie die biologoe funktioniert?

und eines noch: bitte hinterfrage nicht, ob du für irgendeine entscheidung seines lebens (oder deines bruders!!!) verantwortlich bist - dein vater war erwachsen und hat das gemacht, was er für richtig hielt!

sZin&afro


Pilango :°_ :°_ :°_ ich drücke Dich auch ganz fest und möchte meine Arme tröstend um Dich legen. Versuche Deinen Vater in schöner Erinnerung zu halten, die Bilder als Toten zu vergessen. Ich habe letztes Jahr meine Mutter verloren. Sie ist lang und elend gestorben. Mir hilft, dass ich der festen Überzeugung bin, dass sie wie mein viel zu früh verstorbener Vater an einem besseren Ort ist. Bei beiden denke ich an die schönsten Erlebnisse mit ihnen, an ihr Lachen, an die glücklichen Stunden. Vielleicht kannst Du das auch lernen. Es war bei mir auch ein Prozess. Und lasse Dir nicht verbieten zu trauern. Man hat von mir erwartet, dass ich spätestens nach zwei Monaten mit dem Tod der Eltern abgeschlossen habe. Das habe ich bedingt nach einem halben Jahr, ganz abschließen werde ich wohl nie. Mein Bruder war wie Deiner immer das Sorgenkind der Familie. Nur Mist im Hirn und keine Ausbildung. Nachdem ich wie Du sehr früh ausgezogen bin, habe ich den Kontakt zu ihm abgebrochen und auch den Tod der Mutter erst ein paar Monate später mitgeteilt. Seine einzige Sorge, ich hätte zu viel für die Beerdigung ausgegeben. Falls Deine Familie nur Belastung ist, gehe Deinen Weg. Du bist für Deinen Bruder nicht verantwortlich. Mir wäre das Haus wohl nicht so wichtig. Wenn Gefühle daran hängen, ist es was anderes. Ich wünsche Dir viel Kraft und erlaube Dir an Dich zu denken. Dein Vater will Dich sicher glücklich sehen. Sei froh, dass er einen schnellen Tod hatte und wohl nicht gelitten hat. Wir müssen uns klar machen, dass wir als Angehörige leiden, der Verstorbene hat seinen Frieden. Dafür können wir dankbar sein.

Alles Liebe

J,anua;rblu-me


Als erstes, möchte ich dir sagen, dass es mir sehr sehr leid tut, was dir gerade widerfahren ist. Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die nächste Zeit.

Tote können sich nochmal verändern. Nun ist es leider passiert, ihr habt nochmal in den Sarg geschaut. Versuche diese Bilder schnell zu vergessen.

In einem Trauerfall ist es schwierig einen kühlen Kopf zu bewahren. In Trance wirst du jetzt einige Dinge erledigen müssen. Darf ich fragen, in welchem Land das war? Hätte man ihn nicht überführen können?

Dass dir unwohl bei dem Gefühl ist, dass dort fremde Menschen übernachten ist doch klar. Dennoch, es geht nicht anders.

Ich hoffe, dass sich alles an Bürokratie bald in Luft auflöst. Mach doch eine Trauertherapie. Oft, kann dieser neutrale Therapeut, den Knoten, der so tief sitzt lösen.

Viel Glück dabei

_@Surf#e]rxin


Von mir auch meine Beileidswünsche! :)-

Beim Elterntod (Verhältnis zu Eltern schlecht gewesen) trauere ich auch sehr seltsam. Alte Wunden reißen auf, es kommt Wut, Trauer kommt trotzdem auch, auch Angst und viele andere schlechte Gefühle rund um das Thema Tod tauchen auf. :-(

Ich habe nur einmal in einen Sarg geschaut, damals bei meiner Oma, und sie sah auch nicht mehr aus wie sie selbst. Aber mein erster Gedanke war: da ist was raus aus meiner Oma, sie ist weg, da liegt nur eine Hülle. Das konnte man einwandfrei sehen. :)z

Ich wünsche Dir jetzt viel Kraft und gutes Verarbeiten der Dinge. :)*

pZilanxgo


Hallo liebes Forum,

ich danke euch für eure Rückmeldungen..

@ Die Seherin:

ja, ich schaffe es ganz gut, schöne Bilder von meinem Vater in Erinnerung zu rufen. Keine Ahnung warum ich mir auch über chemischen/biologischen Zerfallsprozess nach dem Tod Gedanken gemacht habe.. Ich danke dir, dass du darauf eingegangen bist und mich nicht für total bekloppt hälst.

Heute sind es 3 Wochen seitdem mein Vater tot ist. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht weine. Auch gefühlsmäßig ist es nach wie vor eine Achterbahn. Aber die Grundemotion ist traurig und ich spüre tiefen Schmerz. Und Reue, dass ich mir nicht mehr Zeit für ihn genommen habe. Ihn Dinge nicht gefragt habe, die mich interessieren.

@ sinafro:

Ich danke dir von Herzen und umarme auch dich. Mein herzliches Beileid zu dem Verlust deiner beiden Eltern. Ich schaffe es wahrscheinlich nicht den Kontakt zu meinem Bruder abzubrechen. Im Moment sind er und meine Mutter im Haus meines Vaters. Mit meiner Mutter schreibe ich täglich über Skype oder wir telefonieren kurz. Sie hält mich auf dem Laufenden. So wie es aussieht, bleiben sie dort. Ich kann den Kontakt zu meiner Mutter nicht abbrechen. Aber ich habe tierische Angst vor der Zukunft. Ich hinterfrage alles in meinem Leben. Was hat das alles für einen Sinn? Soll ich hier wohnen bleiben? Soll ich auch dorthin ziehen? Soll ich hier bleiben und weiter meiner Arbeit nachgehen? Soll ich überhaupt noch am Leben bleiben? Soll ich eine neue Ausbildung machen, neben meiner Arbeit? Ich brauche Veränderung.. Soll ich ins Kloster gehen und Nonne werden?

@ Januarblume:

Auch dir möchte ich für deine tröstenden Worte danken. Ja, du darfst fragen in welchem Land bei mein Vater verstorben und beerdigt wurde. In Vojvodina. Das ist in Serbien. Er gehörte der ungarischen Minderheit an. Also ungarisch ist auch Amtssprache dort neben serbisch. Über eine Trauertherapie denke ich nach. Überhaupt denke ich über eine Psychotherapie nach.

@ _Surferin:

Du verstehst mich scheinbar. Das Verhältnis ist in der Tat nicht gut. Trotz allem habe ich es nie geschafft den Kontakt abzubrechen. Dass ich an der Beerdigung meines Vaters nicht teilnnehme, stand nie zur Frage. Ich liebe ihn. Im Nachhinhein tut es sehr weh, dass die Konflikte bzw. die Dauerkrise in der Familie nie richtig aufgearbeitet wurden. Ich fühle mich vom Schicksal erdrückt und sehe auch mich selbst als Trauerkloß. Mein Leben scheint nichts Wert zu sein. Wozu das alles? Ich bin einsam und ledig. Habe zwar einen Job und ein Diplom. Aber bin mittlerweile zu alt, um eine eigene Familie zu gründen.

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