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Komme mit dem Tod meines Bruders nicht zurecht

F<liehderxina hat die Diskussion gestartet


Hallo,

keine Ahnung, weshalb ich diesen Thread erstelle. Vielleicht deshalb, weil ich hoffe, ob jemand von euch mir helfen kann, diesen Verlust zu verarbeiten.

Ich habe schon in der Schwangerschaft meine Kinder verloren und ich brauchte einige Jahre, um das zu verkraften. Es gab gute Tage, aber auch wieder schlechte. Besonders meinen Sohn, denn ich wegen einer Muttermundschwäche in der 24. SSW verloren habe, fehlt mir sehr. Wir hatten gerade angefangen, die ersten Babyartikel zu kaufen und wenige Tage später kam er spontan zur Welt. Das machte mich so fertig, denn die Ärzte meinte, wenn es für einen Kaiserschnitt gereicht hätte, hätte er überleben können. Mich tröstet nur, dass ihm viel Leid erspart bleibt und er womöglich nicht gesund entlassen worden wäre.

Nun zu meinem Bruder. Er war für mich wie mein Kind. Er bedeutete mir so viel. Ich wickelte ihn, gab ihm das Fläschchen, ging mit ihm spazieren. Als er älter war, haben wir viel zusammen unternommen. Seit vier Jahren ist er nicht mehr da (Suizid) und oft klappt es ganz gut, damit zurecht zu kommen. Weil er nicht mehr leben wollte und ich finde es egoistisch von mir, ihm nachzuweinen, anstatt mich für ihn zu freuen, weil er es geschafft hat. Meine Mutter hat ein Tagebuch von ihm gefunden, darin stand, dass er bereits mit 12 Jahren nicht mehr leben wollte. Dennoch kämpfte er 17 Jahre weiter gegen den Wunsch, sich selbst etwas anzutun. In einem anderen Tagebuch fand sie aber auch Nachrichten von ihm, das er oft versucht hatte, Suizid zu begehen mit verschiedenen Methoden. So fühlten wir uns nicht mehr so schuldig, weil wir alles versucht haben, dass er Freude am Leben hat und immer für ihn da waren. Meist zeigte er sich freudig und glücklich. Wenn wir mit den Nerven am Ende waren war er es, der uns wieder zum Lachen gebracht hat und umgekehrt (hatten wir jedenfalls gehofft).

Mein Vater macht mir das Leben sehr schwer. Wir versuchen uns so gut es geht aus dem Weg zu gehen. Aber er provoziert Streit und auch meine Mutter meinte mal, sie würde sich scheiden lassen, fühle sich aber zu alt für einen Neuanfang. Damals war mein Bruder da, er nahm die Art meines Vaters locker und sagte, ich solle mich nicht aufregen und schon gar nicht Contra geben, denn dann hat er sein Ziel erreicht und schreit, knallt Türen und erzählt herum, wie schlimm ich bin. (Dasselbe bei meinem Bruder damals und bei meiner Mutter).

Seine Aufheiterung fehlt. Das Ausgehen mit ihm. Die gemeinsame Zeit. Sein lachen, seine Art. Mir geht es zur Zeit wieder sehr schlecht ohne ihn. Dabei dachte ich, dass ich seinen Freitod endlich akzeptiert habe. Die Dame, die zu uns kam (meine Mutter wollte mich dabei haben), um einen Sarg für ihn auszusuchen, meinte damals zu meinen Eltern, dass sie gut auf mich aufpassen sollten. Sie spürt, dass ich nicht klar komme und hat bedenken, ob ich meinem Bruder nicht folgen möchte. Dies hat mir meine Mutter erzählt und ich tat es als "Spinnerei" von ihr ab. Denn wie soll es einem schon gehen, 2-3 Tage nach dem Tod eines geliebten Menschen und meinen Eltern ging es auch nicht gut, verständlich oder?

In Therapie bin ich schon, was kann ich noch machen, damit es endlich aufwärts geht? Ist es normal, nach vier Jahren noch zu trauern? (Mit guten Tagen, Wochen dazwischen).

Antworten
Xiir]aixn


Schwierig.

Ich wünschte ich könnte dir eine Allzwecklösung präsentieren...aber es gibt keine.

Mir half die Therapie sehr viel nach dem Tod meiner Schwester (Sie starb innerhalb von 4 Wochen an einem Rückfall von Krebs. Sie war 26 und es ist jetzt fast 4 Jahre her. Ich konnte sie nicht noch einmal sehen, da ich sehr weit weg wohne und sie nicht wollte, dass sie jemand im künstlichen Koma sieht außer Mama und Papa). Ich hatte irgendwann selbst "Existenz-Zweifel". ich woltle nicht sterben, aber ich wollte so auch nicht weiter leben / existieren.

Wie sieht es denn bei dir aus? Du sagst, du trauerst immernoch sehr...Hast du Selbstmordgedanken?

Mir half es, dass ich bei meinem Therapeuten eben auch solche Gedanken aussprechen konnte. Außerdem nahm ich ein Antidepressivum.

Wir reden viel und oft über meine Schwester. Das tut uns als Familie gut.

Was aber wichtig war, war mit mir selbst wieder leben lernen...aufhören auf die Forderungen anderer zu hören...

Mir wurde auf der Beerdigung ein paar mal gesagt "Du musst jetzt auf deine Eltern aufpassen, du bist jetzt die einzige."

Sie meinten es nicht böse, aber es machte mich alle...ich war überfordert mit der Situation.

Einfach mit allem.

Hast du das Gefühl, du machst Fortschritte in der Therapie?

Ist dein Bruder oft Gesprächsthema?

Inwieweit ist dein Bruder immernoch Teil deines Lebens? Mir tut es gut, über sie zu reden.

Sie totzuschweigen, hilft mir garnicht....

F'lieOdexrina


Furchtbar, wie schnell es dann bei deiner Schwester ging. Es tut mir sehr leid, dass du sie auch so früh schon verlieren musstest. Bei dir sind es auch vier Jahre her. Wie geht es dir jetzt? Ja, das kann ich mir vorstellen, dass es eine schwere Bürde ist, wenn es heißt, dass du auf deine Eltern aufpassen sollst, wenn du selbst lernen musst, mit diesem schweren Verlust zu Recht zu kommen. Wenigstens das blieb mir erspart. Kommst du damit zurecht, keine Geschwister zu haben?

Ich beneide meine Eltern. Meine Mutter hat ihre Schwester, mein Vater noch alle drei älteren Brüder.

Ob ich Fortschritte in der Therapie mache, kann ich nicht sagen. Es wird besser, dann kommt wieder etwas und das wirft mich zurück. Allerdings kann es auch nicht an der Therapie, sondern an der Zeit liegen, dass ich oft bessere Zeiten erlebe.

Ja, besonders am Anfang hatte ich Suizidgedanken. Aber nicht so, dass ich es ernst meinte, alleine wegen meiner Kinder, sondern eher so, wenn ich ihm folge, dann sind wir wieder zusammen und ich muss diesen Schmerz nicht mehr ertragen.

Meine Mutter spricht oft über ihn, mein Vater ist das Gegenteil. Es ist so erdrückend bei meinen Eltern in der Wohnung. Überall Fotos von ihm. Egal wo man sitzt, man sieht ein Foto. Im Wohnzimmer an der Wand, auf dem Schrank und im Esszimmer. Meine Mutter braucht das, mein Vater akzeptiert es.

Weißt du, sogar wenn wir einkaufen waren, gab es bei ihm etwas zu lachen. Wenn langweilige Familienfeiern anstanden (runde Geburtstage, goldene Hochzeit), saßen alle da und plapperten miteinander. Er machte seine Späße z. B. sagte er dann "Jetzt sprechen Onkel X und Onkel Y über .... (irgendwas erfundenes) und es kamen oft die witzigsten Dinge dabei heraus. Bei den runden Geburtstagen meiner Eltern konnte ich nicht mit ins Gasthaus, weil meine Magennerven es nicht ertragen haben, den Gedanken, ohne ihn da zu sein. Auch bei sonstigen Festen saßen wir immer nebeneinander, immer.

Besonders schlimm ist das übliche: Sein Geburtstag, Weihnachten, Sylvester/Neujahr. Immer fünf Minuten vor Mitternacht ging er raus, weil er pünktlich die Raketen in die Luft schießen wollte.

Wenn unsere Lieblingsfilme im TV kommen, wird es mir schwer ums Herz. Es gibt auch einen Film, den ich bis heute nie wieder angesehen habe, weil er meinte, dieser Film zeigt sein Leben, genauso fühlt er sich.

Einen Rückschlag hatte ich vor drei Tagen. Wir waren wieder bei meinen Eltern und unsere Jüngste wollte den Film sehen, als ihre älteste Halbschwester ein Kleinkind war. Ihr wurde der Wunsch erfüllt. War süß, bis, ja bis mein Bruder zu sehen war. Lebendig, wie er mit Hingabe mit meiner Tochter spielte und ein Bilderbuch ansah und mit ihr darüber sprach, was da zu sehen war und viele Dinge mehr. Nach einer halben Stunde musste ich das Zimmer verlassen.

Wann hört das endlich auf? Wann kann ich in froher Erinnerung an ihn diese Filme ansehen? Das frage ich mich oft.

Dazu kam, das es gerade wieder heftigen Streit mit meinem Vater gab, obwohl ich ihn vermeiden wollte. Da fehlt er dann besonders.

Wenn du möchtest, kannst du gerne über deine Schwester schreiben. War sie älter oder jünger als du?

Xhiraixn


Weißt du was ich glaube? Dir fehlt ein Ort wo du all deine Gedanken einfach so loswerden kannst, ungefiltert.

Du schreibst so viele schöne Dinge über deinen Bruder und auch diese Gedanken und Erinnerungen sollten ihren Platz haben, anstatt eine Qual zu bedeuten.

:)_

Das ist nicht ganz einfach, irgendwann will man auch vor Freunden nicht mehr sagen und zeigen, wie sehr man immernoch trauert, ich versteh das ganz gut. Ich bin froh, dass ich da meinen Freund habe, der weiß, dass ich oft immernoch traurig bin, dass meine Schwester immer irgendwo einen Platz hat und er geht damit sehr gefühlvoll um.

Bei vielen anderen Freunden hatte ich nach einiger Zeit das Gefühl, sie wollten das alles nicht mehr hören. Mein Ex-Freund mit dem ich damals zusammen war, fragte nach ihrem Tod nicht einmal, wie es mir damit geht, ob er irgendwas tun kann...er hat die Situation einfach ignoriert und das hat mich damals noch mehr zerbrochen. Ich kann im nachhinein froh sein, den Idioten los zu sein ;-D

Wie geht es dir jetzt?

Es geht mir oft gut, aber es gibt immernoch Tage, wo ich einfach ein Lied höre, und weine. Sie war totaler Coldplay Fan, wenn Coldplay im Radio kommt, dann fließen da an schlechten Tagen ganze Sturzbäche... Aber eigentlich geht es mir gang gut. Ich habe auch eine Therapie gemacht, hab ich ja schon erwähnt, da ich den Tod und meine eigenen Probleme nicht allein auf die Reihe bekommen habe. Ich habe täglich auf Arbeit mehrmals geweint...und kein süßes Tränchen, ich habe geschluchzt und war eigentlich die halbe Zeit eher weg als da.

Das ist jetzt nicht mehr so.

Und ich glaub sie wär stolz auf mich, dass ich so lebe, wie ich es jetzt tue.

Das ist ein gutes Gefühl.

Weihnachten, ihr Todestag (Mai), Ihr Geburtstag (November), Ostern...alles ganz schlimm...mir gehts da...traurig. Also im grunde gehts mir ein halbes Jahr gut...und dann ein halbes Jahr irgendwie mehr schlecht als gut. Aber es tut weniger weh...

Es tut nicht mehr so allumfassend weh, also ja es ist besser geworden. Die Verzweiflung ist weg, die Trauer bleibt.

Das ist, glaube ich auch ganz normal.

Kommst du damit zurecht, keine Geschwister zu haben?

Du bist auch die Einzige jetzt oder?

Weißt du, bis heute fällt es mir schwer... Es sind die einfachen Sachen, die mich aus der Bahn werfen. Wenn neue Bekanntschaften fragen, ob ich Geschwister hab, weiß ich nie, was ich antworten soll... Meist "Ich hatte eine Schwester, aber sie ist gestorben". Dann immer diese bedröppelten Gesichtsausdrücke. Aber ich will sie nicht verschweigen. Ich war nie Einzelkind und werde nie eins. Ich bin mit einer Schwester groß geworden!

Ob ich Fortschritte in der Therapie mache, kann ich nicht sagen. Es wird besser, dann kommt wieder etwas und das wirft mich zurück. Allerdings kann es auch nicht an der Therapie, sondern an der Zeit liegen, dass ich oft bessere Zeiten erlebe.

Darf ich fragen, worum es in der Therapie hauptsächlich geht? Um die Trauerverarbeitung, oder um dich und dein Leben?

Bei mir war es so, dass ich eigentlich wegen der Trauer in Therapie wollte.

Ungefähr einen Monat nach ihrem Tod wusste ich schon "Ich schaff das nicht allein". Ich ging dann zu einer Therapeutin, die mir aber nach 2 Stunden sagte "Lesen sie ein Buch übers Trauern". Würd sie heute noch gern an die Wand klatschen ]:D Leider traute ich mich damals nicht, dann sofort einen andren aufzusuchen.

Erst im Januar, also 8 Monate später, nach einem schlimmen Zusammenbruch auf Arbeit vertraute ich mich meinem Hausarzt an und dann kam ich sehr schnell in Therapie.

Sehr schnell stand auch fest, dass da mehr im Argen liegt, als ihr Tod. Ungesunde Verhaltensweisen, ein emotional-impulsiver Charakter, die eigenen Gefühle nicht kennen, Depressionen, Verlustängste, Abhängigkeiten von andren Personen. Ich lebte für andre...

Also war der Anfang der Therapie schon auch die Verarbeitung ihres Todes, aber hauptsächlich...arbeitete ich an mir...daran glücklich zu werden.

Ja, besonders am Anfang hatte ich Suizidgedanken. Aber nicht so, dass ich es ernst meinte, alleine wegen meiner Kinder, sondern eher so, wenn ich ihm folge, dann sind wir wieder zusammen und ich muss diesen Schmerz nicht mehr ertragen.

Bei mir war es so, dass ich mir wünschte, an ihrer Stelle gestorben zu sein. Ziemlich seltsam, oder? Ich wollte einfach, dass sie weiter leben kann, und ich selbst war...eh schon immer son bisschen eher traurig, sie war ein Sonnenschein.

Mein Therapeut sagte mir dann irgendwann "Das sind aber unnütze Gedanken, denn so läuft das nunmal nicht. Sie müssen das vergessen." Gott hab ich ihn in dem Moment dafür gehasst, aber irgendwie hatte er Recht.

Wir wissen doch garnicht, was nach dem Tod kommt... ":/

Meine Mutter spricht oft über ihn, mein Vater ist das Gegenteil. Es ist so erdrückend bei meinen Eltern in der Wohnung. Überall Fotos von ihm. Egal wo man sitzt, man sieht ein Foto. Im Wohnzimmer an der Wand, auf dem Schrank und im Esszimmer. Meine Mutter braucht das, mein Vater akzeptiert es.

Erdrückt es dich, weil du dann immer wieder die Trauer spürst?

Bei meinen Eltern sind auch viele Fotos und meine Schwester hat einen deutlichen Foto Platz über meinem Fernseher. Ich habe die Dosis gefunden, sodass es mich in meiner Wohnung nicht erschlägt, und das empfinde ich als wichtig. Man denkt an den Verstorbenen und gleichzeitig nimmt er nicht die Luft zu atmen.

Oftmals nehme ich ihr Bild schon garnicht mehr wahr, eher wenn ich darauf achte und an sie denke, dann ist es schön, dass es da so zentral steht und ich nicht erst suchen muss.

Ich kann mir deine Eltern etwas vorstellen, meine haben...Ähnliche Eigenschaften. Beide haben gleich schlimm getrauert, das will ich garnicht abwägen, aber meine Mutter ist inzwischen selbst in Therapie, weil sie es nicht schafft. Mein Vater war...eher Realist, meine Mutter griff als sie so schlimm krank war, nach jedem Strohhalm.

Weißt du, sogar wenn wir einkaufen waren, gab es bei ihm etwas zu lachen. Wenn langweilige Familienfeiern anstanden (runde Geburtstage, goldene Hochzeit), saßen alle da und plapperten miteinander. Er machte seine Späße z. B. sagte er dann "Jetzt sprechen Onkel X und Onkel Y über .... (irgendwas erfundenes) und es kamen oft die witzigsten Dinge dabei heraus. Bei den runden Geburtstagen meiner Eltern konnte ich nicht mit ins Gasthaus, weil meine Magennerven es nicht ertragen haben, den Gedanken, ohne ihn da zu sein. Auch bei sonstigen Festen saßen wir immer nebeneinander, immer.

Tun dir solche Erinnerungen denn weh? Ich finde es total schön, dass du so positive Anekdoten von deinem Bruder erzählen kannst. Zu Beginn, wenn man damit anfängt, so offen über den Gegangenen zu reden, tut es weh, aber mit der Zeit...empfinde ich es schön. Der Gestorbene lebt weiter in jeder Geschichte, die man über ihn/sie erzählt. Jede Anekdote lässt ihn kurz in dieser Welt verweilen...

Bei uns in der Familie reden wir inzwischen sehr oft von meiner Schwester und meiner Mutter und meinem Vater tut das sehr gut. Sie erinnern sich an die schönen Momente mit ihr, statt an ihre letzten Wochen.

Am Anfang war es sehr dominierend, wie sie von ihrem "Sterben" berichteten. Das ist nun nicht mehr so und das tut mir auch gut.

Adaptiv in eurem Fall wäre es so, dass es besser wäre, darüber zu reden, was für ein toller Mensch er war, seine schönen Geschichten, statt über seine Suizidgedanken und seinen inneren Schmerz.

Vielleicht magst du das mal versuchen?

X4iraixn


Einen Rückschlag hatte ich vor drei Tagen. Wir waren wieder bei meinen Eltern und unsere Jüngste wollte den Film sehen, als ihre älteste Halbschwester ein Kleinkind war. Ihr wurde der Wunsch erfüllt. War süß, bis, ja bis mein Bruder zu sehen war. Lebendig, wie er mit Hingabe mit meiner Tochter spielte und ein Bilderbuch ansah und mit ihr darüber sprach, was da zu sehen war und viele Dinge mehr. Nach einer halben Stunde musste ich das Zimmer verlassen.

Ich denke du bist einfach noch nicht soweit. Wenn dich die Fotos schon erschlagen, wie sollst du dann das Video ertragen? Bisher habe ich noch kein Video meiner Schwester gesehen und ich glaube...das möchte ich auch nicht. Ich kann das voll verstehen!

Wann hört das endlich auf? Wann kann ich in froher Erinnerung an ihn diese Filme ansehen? Das frage ich mich oft.

Irgendwann, wenn wir alt und schrumpelig sind. :)_ Erzwinge es nicht, tue nur das, wo du denkst, es tut dir gut dich an ihn zu erinnern.

Wenn du möchtest, kannst du gerne über deine Schwester schreiben. War sie älter oder jünger als du?

Phew ich hab ja jetzt schon so viel geschrieben ;-D Sie war Baujahr 87'. Ich Baujahr 90'.

Allerdings haben wir ein etwas...kompliziertes Verhältnis gehabt. Eigentlich nicht direkt kompliziert. Nur eben anders.

Sie erkrankte schon als ich 15 war das erste mal an Krebs, Chemotherapien, Hochdosis Chemo, Bestrahlung, Erhaltungschemo...sie hat da alles gemacht. Da ist sie grad mal 18 geworden. Da wir beide aufs Gymnasium gingen, musste sie ein Jahr pausieren. Unsere Lehrer fragten mich oft, was mit ihr ist, aber sie wollte nicht, dass es jemand erfährt, also sagte ich niemandem irgendwas. Nur 2-3 Freundinnen, die mich aber dann im Stich liessen und mich sogar mobbten. Das hat dann auch einige Ursachen meiner späteren Depression ausgemacht.

Nach ihrer Behandlung kamen wir wegen Umstellung von 13 auf 12 Schuljahren in die gleiche Klasse und obwohl ich jünger war, hatte ich immer das Gefühl auf sie aufpassen zu müssen... Da wurde es dann kompliziert, denn andererseits, wollte ich meine da neu gewonnen Freunde nicht mit ihr teilen (17Jährige können sehr egoistisch sein). Es war einfach schwer, weil wir uns dann 24/7 sahen. In der Schule, zuhause, Freunde...und wir waren nie Schwestern wie aus ner Wendy-Zeitschrift. Wir haben uns gekabbelt und genervt, angeschrieen und gezankt, aber ich habe mir seit dem sie das erste Mal Krebs hatte sehr viele Sorgen gemacht...ständig...damals hatte ich auch meine ersten Suizidgedanken...mit 16.

Heute sage ich, meine Eltern hätten merken müssen, das mit mir etwas nicht stimmt.

Meine Mutter betitelte mich als Eiskalt meiner Tante gegenüber, dabei hatte ich immer nur das Gefühl vor ihnen stark sein zu müssen, Nachts weinte ich mich in den Schlaf. Ich wollte meine Eltern nicht zusätzlich noch belasten.

Aus diesen Gefühlen von damals heraus entstanden dann eben viele Probleme, die ich in der Therapie bearbeitete.

Meine Schwester zog weit weg, für ihre Ausbildung und ich zog weit weg für meine Ausbildung. Wir sahen uns also nur so 5-6mal im jahr, wir wurden erwachsen, stritten uns immernoch.

Ich glaub am meisten belastet hat mich an ihrem Tod, dass ich ihr nicht Lebwohl sagen konnte. Ostern 2013 bekam sie dann die Diagnose Krebs-Rückfall. Ich fuhr "heim"...und ging zur Arbeit. Sie bekam ihre 1. Chemo. Sie erkannte niemanden mehr...war geistig weg...ich telefonierte noch einmal mit ihr...aber nur kurz...belanglose Sachen...ich hab ihr nichtmal gesagt, dass ich sie gern hab *Tränen aus den Augen wisch*. Einen Tag später wurde sie ins künstliche Koma gelegt. In mir drin wusste ich, sie wird nicht mehr aufwachen...in mir drin wünschte ich ihr auch, dass sie das nicht mehr muss.

Ein krebsrückfall ist mies...sie hatte einen 8cm Tumor zwischen Herz und Lunge...und die Chancen standen schlecht.

Als sie ins Koma gelegt wurde, ließ ich mich krank schreiben, ich war geistig nicht fähig irgendwas zu machen. Ich wartete auf den Anruf.

Er kam...morgens um 6. Ich zog mich an und fuhr in Jogginghose, ohne irgendwas dabei außer Unterwäsche zu meinen Eltern.

Dadurch dass sie in der Schweiz wohnte, mussten wir auch ihre Wohnung dann sehr schnell leer räumen...alles ging so schnell...ich kann mich heute kaum noch an ihre Beerdigung erinnern... Sie wurde im geschlossenen Sarg beerdigt, da sie von den medikamenten so aufgequollen war, laut Bestatter...

Was ich mir wirklich wünsche, wäre noch einmal mit ihr reden zu können...und ihr zu sagen, dass ich sie vermisse und gern hab.

Auch wenn wir keine herzallerliebsten Schwester waren, war sie wichtig für mich...

[Musste ich doch tatsächlich meinen Beitrag teilen, weil er zu lang war...wusste garnicht, dass Med1 zu lange Beiträge hasst ]

Ddie{ Seghe\rxin


auch ich habe meinen bruder verloren, auch er wollte nicht mehr leben. auch in meiner familie verarbeitet das jeder extrem anders und nicht immer sind wir uns dabei eine hilfe.

was mir sehr geholfen hat war zum einen, dass ich tatsächlich keine probleme hatte, seinen weg zu akzeptieren (was du ja wohl auch tust) und mir bewusst zu machen, dass er ja immer noch da ist :-D

ich habe ganz unterschiedliche erinnerungen - manchmal bringen die mich zum lachen, manche stimmen mich sehnsüchtig, bei manchen werde ich sogar im nachhinein noch sauer auf ihn... ich habe sein lachen im ohr und manche seiner charakterzüge entdecke ich in wildfremden menschen.

und was das verhältnis zu deinem vater angeht: das ist jetzt deine baustelle! das war sie schon immer und vielleicht stand dir dein bruder dort sogar eher im weg... sieh das doch als chance und laste nicht tief in dir drin deinem bruder an, dass er dir da nicht mehr zur seite steht :)_

BfaldTurhxh


Auch ich habe einen Bruder verloren. Er starb nicht an einer Krankheit, oder durch Suizid, sondern an den Folgen eines Autounfalls. Ich war damals Anfang zwanzig, mein Bruder 14 Jahre älter als ich.

In den ersten Jahren hatte ich oft das Gefühl, ich stehe neben mir. Erinnerungen brachen über mich hinein und es gab immer wieder Phasen, wo ich minutenlang nicht ansprechbar war. Ich habe wenig und selten geweint, weil ich damals u. a. mitten in meiner Abschlussprüfung steckte und mir dachte: Das kannst Du Dir jetzt nicht leisten, verschieb Deine Trauer und mach erstmal die Prüfung.

Den Beruf in dem ich ausgebildet wurde, habe ich gehasst. Ich konnte mir nicht vorstellen, bis zur Rente darin zu arbeiten.

Ich habe alles in Allem etwa 6 Jahre gebraucht, um einigermaßen wieder ins Leben zu finden. Geholfen hat mir ein Satz:

Er hätte nicht gewollt, dass Du Dich hängenlässt.

Diesen Satz habe ich wie ein Mantra vor mir hergebetet. Ich habe erkannt, dass das Leben sehr kurz sein kann und es jeden Menschen jederzeit erwischen kann. Das kann einen ängstigen, aber es kann auch sehr befreiend sein. Bei mir hat es auf jeden Fall dazu geführt, dass ich alle Pläne meine berufliche und persönliche Zukunft betreffend über den Haufen geworfen habe. Ich habe nochmal studiert und arbeite heute in einem Beruf der mir im Großen und Ganzen Spaß macht. Es hat meinem Leben auch Tiefe gegeben. Ich denke über die meisten Sachen ganz anders nach, lebe "bewusster", freue mich über einen sonnigen Tag und hoffe, dass er sich auch darüber gefreut hätte.

Eine Therapie habe ich nach seinem Tod auch gemacht. Sie hat mich nicht sehr viel weiter gebracht, was nicht bedeutet, dass sie schlecht war, aber die wesentlichen Impulse zur Verarbeitung kamen aus mir heraus und viele Fragen (z. B. die warum gerade er sterben musste) lassen sich tatsächlich nicht beantworten.

Trauer, Zorn, Hilflosigkeit sind wichtige Gefühle, gar keine Frage, aber ich gebe ihnen nicht zu viel Raum. Wenn ich über seinen Tod auch depressiv geworden wäre, hätte das weder mir, noch irgendwem sonst geholfen.

Eigentlich bin ich nicht religiös, aber in einem kleinen Winkel meines Herzens hoffe ich natürlich doch, ihn eines Tages wiederzusehen. Auch wenn dieser Gedanke wahrscheinlich eine Art Strohalm ist, an den ich mich klammere, er schadet mir ja nicht, also kann ich ihn auch behalten.

F2l=ied"ergina


Entschuldigt die späte Antwort. Ich habe Phasen, da möchte ich mich mit dem Thema nicht auseinander setzen und brauche Abstand. Schlimm, wie viele von euch das gleiche/ähnliche Schicksal haben und ich wünsche euch viel Kraft, um euren Verlust verarbeiten zu können. Selbstverständlich könnt ihr über eure Gefühle ebenso hier schreiben. :°_

Xirain, finde ich schön, dass du die Lieder, die deine Schwester gerne gehört hat, jetzt ohne Tränen hören kannst. Das geht bei mir nicht. Er liebte die Ärzte, Fanta 4 und vor allem die Toten Hosen. Sein Lieblingslied "An Tagen wie diesen" springe ich auf und davon oder ich weine. Meine große Tochter sagt mir, in dem Lied geht es um schöne Zeiten, dass sie nicht aufhören sollten. Glaube ich auch nachdem ich mir das Musikvideo angesehen habe. Höre ich aber NUR das Lied, habe ich das Gefühl, dass es um Todessehnsucht geht. Denn mein Bruder erwähnte oft: "Immer nur Pech, jeden Tag, UND KEIN ENDE IN SICHT" und so empfinde ich das Lied. Es muss aufhören, das Leid muss ein Ende haben. Meinen ältesten Sohn bereitete er auf seinen Suizid vor, ohne das er es geahnt hat. Mein Sohn war damals 14 Jahre alt. Nach seinem Tod wurde ihm so viel klar. Weshalb er erwähnte, dass der Tod durch erhängen schnell geht und man in wenigen Sekunden bewusstlos wird. Das man nicht um jemanden trauern soll, der Suizid begeht, sondern sich für ihn freuen soll, dass er es geschafft hat usw.

Ja, ich bin jetzt auch die Einzige. In der Therapie geht es um alles mögliche. Je nachdem, nach was es mir ist, wird die Stunde gemacht. Oft muss sie mich viel Fragen, manchmal kommt alles aus mir raus, wie ein Wasserfall. Sie lässt mich dann auch, weil sie weiß, ich brauche das in diesem Moment. Ja, es erdrückt mich regelrecht. Überall Fotos, meine Zwillinge trauten sich lange nicht mehr zu den Großeltern gehen deswegen. Dennoch änderten sie nichts, was ihnen auch zusteht. Es ist ihre Wohnung. Die Erinnerungen schmerzen sehr, ja. Besonders die Orte, wo wir gemeinsam waren. Zum Beispiel der Freizeitpark, wir saßen IMMER nebeneinander, unser Dorffest, wir hatten immer so viel Spaß. Ach man, es nützt nichts, er ist nicht mehr hier. Ich finde es toll, wie gut du damit umgehen kannst. Ich wünschte, ich wäre auch schon soweit.

Dich als eiskalt hinzustellen ist das Allerletzte. Jeder leidet anders. Manche zeigen es nicht und machen es mit sich aus, andere können nicht anders, und zeigen es. Ja das stimmt, ein Krebsrückfall ist furchtbar. So eine junge Frau, das Leben ist einfach nicht fair.

Ein Jahr nach dem Tod meines Bruders erkrankte auch meine Mutter an Krebs. Angeblich galt sie als geheilt. Es gab einen Rückfall und eine Stammzellen Transplantation mit ihren eigenen Zellen. Die fünf Jahre sind noch nicht um (2. Jahr) und mal sehen, wie es weitergeht. Eine Ärztin meinte zu ihr: Sie werden sowieso wieder einen Rückfall bekommen. Wie sauer ich war, kannst du dir denken. Mein Vater ist schwer Herz- und Lungenkrank und wurde oft Nachts ins Krankenhaus gebracht. Nach dem Tod meines Bruders war es sehr oft. Kaum war er hier, ging es wieder in die Klinik.

Kann verstehen, dass es dir schwer fällt, daran zu denken, dass du dich nicht von ihr verabschieden konntest. Aber sie wusste, wie wichtig sie dir war. Bei meinem Bruder war es auch so, wie hätten wir uns auch verabschieden können. Schlimm für mich war, dass er es Nachts getan hat, während ich mit meinem Freund lachte und eine gute Nacht hatte, war es die letzte Nacht meines Bruders voller Verzweiflung. Darüber bin ich bis heute nicht hinweg.

Die Seherin, ich bin nicht sauer oder enttäuscht, dass er mir wegen meinem Vater nicht mehr beistehen kann. Und ich weiß, dass er mir nicht im Weg stand, denn jetzt ist der Kontakt zu meinem Vater komplett abgebrochen.

Baldurhh, ein Autounfall ist auch sehr schlimm. Wenn ein gesunder, fröhlicher Mensch aus dem Leben gerissen wird, ist das sehr schlimm. Mir geht es wie dir. Ich bin eigentlich auch nicht religiös, aber ich hoffe auch sehr, dass ich meinen Bruder, meine Sternenkinder und alle Lieben wiedersehen werde. Ohne diesen Gedanken weiß ich nicht, ob ich noch hier wäre. Auch meine Kinder geben mir Kraft, dass ich mich nicht hängen lassen kann.

f=irecyxber89


hallo

habe nicht denn ganzen artikel gelesen aber trotzdem mein beileid

muss auch etwas loswerden da mein kleiner bruder seit kurtzem selbstmord gemacht hatt ist es auch gerade schwer für mich er wurde gemobbt und psychisch attackiert ! und zur zeit schlafe ich nicht gut ich schlafe fast nicht sehr unruhe gedanken habe auch schon einbisschen wahnvorstellung

hätte nie gedacht das er uns so verlassen hatt mit 22 jahre

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