» »

Mein Vater wird sterben. Ich komme damit nicht klar...

Syam)SiA7x0 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich habe meinen Vater wegen Atemnot am Sonntag ins KH gefahren. Am nächsten Tag hat sich sein Zustand extrem verschlechtert. Seitdem liegt er nur noch regungslos da. Die Ärte meinten, er befindet sich im Sterben.

Ich bin jeden Tag vor der Arbeit morgens vorbei gefahren um guten Morgen zu sagen, jeden Abend um ihnen eine gute Nacht zu wünschen. Ich werde ihn nie wieder mehr vorfinden. Als wir ins KH gefahren sind bat er mich für Daheim ein paar Rezepte abzuholen bzw. beim Arzt auszustellen. Mir geht es permanent durch den Kopf... das er die ausgestellten Rezepte niemals einlösen wird.

Ich mache mich teilweise schuldig. Sein jetziger Zusantand ist eine starke Nebenwirkung der Chemo. Ich hatte ihm mitunter zugesprochen es zu versuchen.

Er hat in seinem Leben extrem viel schlechtes durchgemacht aber so viel Gutes für andere getan. Er hat so vielen Menschen geholfen und niemals aber auch niemals ein Danke dafür verlangt. Er hat mein Hochzeitsvideo mind. 2-3x im Monat angeschaut. Als ich ihn fragte wieso er das tut sagte er: ,,das wäre der glücklichste Tag seines Lebens gewesen mich glücklich zu sehen". Ich habe ihm öfters nicht zugehört wenn er gesprochen hat aber mich eigentlich nie mit ihm gestritten. Ich bereue so vieles. Ich komme mit dem Gedanken nicht klar ihn zu beerdigen, ihn dort zurück zu lassen ganz alleine auch wenn es nur der Körper ist. Ich glaube nicht an einem Leben nach dem Tod.

Er soll wieder zu uns kommen :°(

Antworten
E?hemaliger 8Nuctzexr (#15)


Es tut mir sehr leid für Dich und natürlich für ihn :°_

Aber:

Mache Dir keine Vorwürfe, bereue nichts. Du hast ihm zu der Chemo geraten, weil Du dachtest es sei das Beste für ihn. "Schuldig" würdest Du Dich gemacht haben, wenn es anders herum gewesen wäre. Doch diesen Ausgang konntest Du nicht wissen und auch nicht erahnen (ich nehme an er hatte Krebs?). Noch nicht mal Ärzte können genaue Prognosen abgeben was Chemos/Bestrahlung, generell Krebsbehandlung angeht. Jeder Mensch, jeder Krebs reagiert da anders.

So wie es aussieht, steht Ihr Euch sehr nahe, ist er denn ansprechbar, wach? Dann rede mit ihm, verabschiede Dich. Das wird Dich später sehr trösten und auch ihn (wenn man das so sagen kann) friedlicher sterben lassen.

Ich komme mit dem Gedanken nicht klar ihn zu beerdigen, ihn dort zurück zu lassen ganz alleine auch wenn es nur der Körper ist.

Ja, das ist der schlimmste Gedanke, kann ich sehr gut nachempfinden (meine Mutter ist vor einem 3/4 Jahr gestorben). Was ich aber gelernt habe ist, dass dieser doch recht abgedroschene Spruch "Sie lebt in mir weiter" einen sehr großen Wahrheitsgehalt hat.

Das zu verinnerlichen braucht aber seine Zeit, nimm' sie Dir.

Er soll wieder zu uns kommen :°(

Ja, ich weiß :°_ :°_

SWhovjxo


So wie es aussieht, steht Ihr Euch sehr nahe, ist er denn ansprechbar, wach? Dann rede mit ihm, verabschiede Dich. Das wird Dich später sehr trösten und auch ihn (wenn man das so sagen kann) friedlicher sterben lassen.

Und auch, wenn er nicht wach ist: Rede mit ihm. Niemand kann sagen, was ein Mensch noch mitbekommt.

Es tut mir sehr leid.

pMlacexs


Hallo SamSi, das tut mir sehr leid :°_

Auch wenn dein Vater nicht bei Bewusstsein ist kann er deine Anwesenheit merken und auch dein Gesagtes nimmt er wahr.

Alles Gute für diese schwere Zeit. :)_

ELhemalfiger Njutze'r (#1x5)


Und auch, wenn er nicht wach ist: Rede mit ihm. Niemand kann sagen, was ein Mensch noch mitbekommt.

Das stimmt natürlich - habe mich blöd ausgedrückt.

CDomrxan


Ich mache mich teilweise schuldig. Sein jetziger Zusantand ist eine starke Nebenwirkung der Chemo. Ich hatte ihm mitunter zugesprochen es zu versuchen.

So darfst du nicht denken, denn dafür gibt es sicher keine klaren Belege. Klar schwächt die Chemo, aber wenn sie nicht hilft, dann richtet der Krebs unbehandelt seinen Schaden noch schneller an. Meine Mutter habe ich auch durch Krebs verloren und sie hatte die Chemo ein halbes Jahr vor ihrem Tod freiwillig eingestellt. Dennoch habe ich die letzten Wochen genauso erlebt, wie du es schilderst - auch ganz ohne Chemo. Sie war kaum noch bei Bewusstsein und die meiste Zeit nicht ansprechbar. Die Metastasen haben ihren Körper geschwächt, nicht die Chemo, die es schon lange nicht mehr gab.

Daher gräme dich nicht; du hast ihn ermuntert, gegen die Krankheit zu kämpfen, und das kann sehr hilfreich sein.

Ich habe ihm öfters nicht zugehört wenn er gesprochen hat aber mich eigentlich nie mit ihm gestritten. Ich bereue so vieles.

Von diesen Gedanken solltest du dich trennen. Ich lese nichts aus deinem Beitrag, was du wirklich bereuen müsstest. Jeder denkt über den "verlorenen Moment" nach, in dem man einen reinen Tisch machen will oder irgendwie alles richtig machen will. Aber es gibt immer einen Moment, der der letzte war. Da hast du keinen Einfluss drauf.

Ich kann dir empfehlen, in der aktuellen Phase eine ambulante Hospiz-Betreuung hinzuzuziehen. Sie kümmern sich nicht nur um den Sterbenden und wissen viele Tipps, wie man seine letzten Tage so gut wie möglich betreuen kann. Sie sind auch sehr erfahren im Umgang mit dem Tod und stehen auch Angehörigen zur Seite. Das Reden mit Sterbebegleitern wird dir gut tun, meine Erfahrung damals war sehr gut. Um nicht zu sagen: wir waren als Familie während des Pflege- und Sterbeprozesses wirklich am Boden, und die Kräfte vom Hospizverein haben uns den Arsch gerettet. Auch mental haben sie Sichtweisen gezeigt, die uns sehr geholfen haben.

Dir und der Familie wünsche ich alles Gute und viel Kraft :)* . Wenn du deine Sorgen mitteilen möchtest oder einfach nur plappern möchtest, findest du auch hier einen Platz, wo man dir zuhört. Versuche aber auch unbedingt, einen Ansprechpartner vor Ort zu finden.

EhhemaliPgeer Nuxtzer (#15)


Ich kann dir empfehlen, in der aktuellen Phase eine ambulante Hospiz-Betreuung hinzuzuziehen.

Das ist ein sehr, sehr guter Tip! :)^

SamSi, frage einfach den Arzt wenn Du Deinen Vater besuchst danach, er wird Dir da weiterhelfen. Ärzte selbst sind da ja auch oft hilflos (sind ja auch nur Menschen) und müssen mal angestupst werden.

Die Menschen vom Hospiz aber sind erfahren mit solchen Situationen und können den entsprechenden Halt und die Unterstützung geben.

ARnkelixna


Es tut mir sehr leid für dich es ist sehr schwer was du im Moment durchmachen musst. Ich kann es so gut nachvollziehen weil ich gerade ähnliches erlebe.

Bei mir liegt meine Mutter im Sterben und obwohl wir kein sehr gutes Verhältnis zueinander haben tut es mir sehr weh sie so zu sehen .

Ich habe mir so sehr gewünscht mich mit ihr auszusprechen ihr den Übergang etwas leichter machen zu können aber dies geht leider nicht mehr sie dämmert nur noch dahin . Ist schon halb in einer anderen Welt und ich kann sie nicht mehr erreichen . Trotzdem gehe ich häufig zu ihr streiche über ihre Hände und rede mit ihr und hoffe sie spürt dass ich da bin .

Du tust alles was du kannst und du solltest dir keine Vorwürfe machen dass du deinen Vater zur Chemotherapie überredet hast du hast es doch nur gut gemeint.

Verbringe die letzte Zeit mit ihm ich denke er spürt dass du bei ihm bist und ihn sehr lieb hast .

Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die nächste Zeit und dass du ihn loslassen kannst und ihm dadurch den letzten Weg etwas erleichterst. Alles Gute für dich !

SYamSi97x0


Hallo Zusammen,

mein Vater ist am selben Tag noch gestorben um kurz vor Mitternacht.

Ich habe zuletzt viel Zeit mit ihm verbracht. Er war so zerbrechlich und auf Hilfe angewiesen. Ich habe nichts schlechtes von ihm zu erzählen. Ich bereue es so sehr, dass ich ihm nicht so oft zugehört habe. Jeder noch so kleiner Streit kommt jetzt hoch und ich bereue es. Ich habe mich öfters mit meiner Frau gestritten und er hat geweint weil er sich Sorgen über die Kinder gemacht hat weil er dachte wir trennen uns. Wir hatten unterschiedliche Ansichten über die Ehen weshalb ich hierzu kein Dialog mit ihm führen wollte.

Jetzt habe ich im Koffer meines Vaters einen Brief gefunden den er für mich geschrieben hat weil ich eben kein Gespräch mit ihm führen wollte. Es beginnt mit: "Hey mein Lieber Sohn..." :°( :°( :°( weiter bin ich nicht gekommen.

Ich habe ihn die ganze Zeit vor meinen Augen. Den Tag an dem wir die Termine für die Chemo ausgemacht haben und er auf mich hinter den Glastüren gewartet hat. Er hatte eine Jacke an in dem er fast verschwunden ist weil er so abgenommen hatte. Er konnte zuletzt nicht richtig laufen, nur in kleinen Schritten. Wir dachten es wären die Knochen dabei war es der Tumor. Er hat so ein liebes uns herzhaftes Lachen gehabt.

Ich habe jeden Morgen zu meinen Eltern vorbei geschaut und guten Morgen gesagt. Er war wach und hat auf mich gewartet um mir einen guten Tag zu wünschen und um mir zu sagen ich soll vorsichtig fahren. Jeden Abend war er bei uns und hat auf mich gewartet und mich gefragt wie es bei der Arbeit war und er sich Sorgen macht weil ich so weit fahren muss... Nun werde ich ihn morgens nie wieder sehen und sein Platz am Abend wird leer sein.

Am letzten Tag brachten die Schwestern was zu essen wonach er mit leichter Mimik verlangt hat. Als ich merket das er nicht einmal mehr den Mund aufmachen kann musste ich das Essen weg nehmen. Er wirkte etwas verärgert und schloss die Augen. Danach machte er sie nur noch ein einziges Mal auf als meine Tochter sich von ihm verabschiedete.

Am Donnerstag habe wir ihn im Ausland nach unserer Tradition ohne Sarg beerdigt. Es ist schwierig für mich zu wissen er liegt unter der Erde und wir kehren zurück ohne ihn :°(

Ich Danke Euch für Eure Anteilnahme.

Bei mir liegt meine Mutter im Sterben und obwohl wir kein sehr gutes Verhältnis zueinander haben tut es mir sehr weh sie so zu sehen .

Wie lange ist sie schon krank?

C5omxran


Es beginnt mit: "Hey mein Lieber Sohn..." :°( :°( :°( weiter bin ich nicht gekommen.

Lass dir Zeit. Mir ging es genauso - meine Mutter hatte Briefe für jedes Familienmitglied hinterlassen. Als mir mein Vater den Brief gab, habe ich ihn erst einmal in die Jackentasche gesteckt. Ich habe ihn dann später gelesen und bewahre ihn seitdem bei ihren Sachen auf.

Noch mein Beileid wegen deinem Vater. Wenigstens hat er sich das lange Leiden erspart. :°_

EPhemLaliger }NutzeVr (x#15)


Auch von mir mein herzliches Beileid :°_

Ich stimme wieder Comran zu, lasse Dir Zeit. Und gestatte es Dir wenn Du zum Lesen bereit bist, Deinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Schaffe Dir dafür das Umfeld welches Dir in diesem Moment am angenehmsten ist. Sei es alleine im Bad oder im Beisein einer anderen Person oder, oder....egal. DU bestimmst den Zeitpunkt, Niemand sonst.

S`aGmSwi7x0


Ich habe den Brief gelesen. Ich und meine Frau haben uns oftmals gestritten. Er wusste davon und wollte mit mir darüber sprechen. Ich allerdings hatte nur meinen Weg im Kopf und wollte mir nicht rein reden lassen. Der Brief dürfte schon älter sein... Er schreibt darin: "nachdem du mit mir über dieses Thema nicht reden willst, schreibe ich dir..." :°( Ich werde mir das niemals verzeihen können das ich ihm nicht wenigstens zugehört habe...

Der Schmerz zerreißt mich. Ich will ihn unbedingt zurück haben obwohl ich weiß das es nicht geht. Ich komme mit dem Gedanken nicht klar ihn niemals wieder zu sehen, seine Hand zu halten, ihn zu küssen, ihn einfach da zu haben. Ich bereue alle Gedanken oder die Wut die ich in manchen Phasen gehabt habe. Auch das kann ich nicht mehr ändern. Ich hatte sehr viel Stress bei der Arbeit da sie so weit weg von mir ist und viel Verantwortung Daheim (4 Kinder und eine schwerbehinderte Schwester). Deshalb habe ich ihm oft nicht zugehört weil ich mit den Nerven schon fertig war.

Ich bin heute um 4 Uhr morgens aufgestanden. Ich musste daran denken wie ich warm im Bett liege und er unter der kalten Erde... Ich werde noch verrückt mit allem weshalb ich bei meiner Hausärztin einen Termin plane die mir evtl. einen Psychotherapeuten empfehlen kann. Ich selbst werde nicht damit fertig. Zudem habe ich Angst das meine ganze Familie darunter leiden wird.

Grüße und besten Dank!

pYlac|exs


SamSi, mein herzliches Beileid. Fühl dich aus der Ferne gedrückt :°_

Ich hoffe, dass du beim Therapeuten Hilfe findest. Das ist bestimmt eine gute Idee und ein guter Weg für dich. :)_

F<lamqechenQ79


:)-

deine Zeilen sind so herzlich....ich wünsche dir alles Gute :°_

Scheu dich nicht,dir Hilfe zu holen :)*

SnamSi}70


Vielen Dank.

Wir musste bisher noch nie trauern. Ist das noch normal? Ich habe gestern die Klamotten vom Krankenhaus ausgepackt da wir die Gelegenheit nicht dazu hatten. Ich war mit ihm in der Notaufnahme. Davor habe ich meine große Schwester zum Bodensee (180km) hingefahren und danach die Wohnung der schwerbehinderten Schwester renoviert. Im Krankenhaus war ich so fertig vom ganzen Tag. Er wollte sich viel unterhalten und meinte die ganze Zeit: "jetzt musst du wegen mir so lange warten". Ich habe nur gesagt: "das macht mir nichts aus, ich habe sowieso nichts anderes zu tun..." aber ich habe mich nicht großartig unterhalten können. Natürlich wird man im Nachhinein schlauer. Hätte ich gewusst wie es kommt, hätte ich so viel gesagt bzw. die letzten Kraftreserven raus geholt...

Als ich dann die Klamotten ausgepackt habe war es so extrem hart. Sie riechen noch alle nach ihm... Sein Hut, die Jacke, seine Hose und das Hemd... Ich habe diese Sachen und seine Gegenstände behalten und alle anderen zur Caritas gebracht.

Ist es Euch auch so ergangen? Wird dieser Schmerz irgendwann vergehen?

Danke nochmal

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Abschied und Trauer oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Gedenken


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH