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Mein Vater wird sterben. Ich komme damit nicht klar...

SBamESi7x0


Hallo PradaTeufel,

vielen lieben Dank für deine Worte. Eure Erfahrungen/Antworten helfen mir sehr viel. Ich habe vorgestern das Medikament genommen, es heißt Tavor oder Lorazepam aber es hat bei mir keinerlei Effekt gezeigt. Ich war sogar noch aktiver als ohne. Ich war gestern über ein Notfalltermin beim Neurologen. Er hat mir ein anderes verschrieben das ich mir heute holen werde. Es ist so unerträglich nicht schlafen zu können. Allerdings sagte mir der Arzt das es auch eine Wahrnehmungsstörung ist da der Mensch so lange gar nicht ohne Schlaf bleiben kann. Ich merke anscheinend nicht wenn ich schlafe... naja alles sehr sehr merkwürdig. Ich mag meine Arbeit sehr und das ist das Einzige was mich gut ablenkt. Aufgrund der aktuellen Phase bin ich aber krank geschrieben. Ich steigere mich Nachts rein... Zuerst denke ich an meinen Vater und dann denke ich mir na los schlaf doch endlich, du willst zur Arbeit und hast nicht mehr all zu viel Zeit um einzuschlafen sonst bin ich nicht fit... Ich kann diesen Gedanken einfach nicht abschalten und danach kommt die Wut...

Das was du wegen Deinem Vater schreibst ist so warmherzig :°( . Ich schaue mir Videos an in denen er mit meinen Kindern tanzt, er ist so fröhlich und jetzt ist er im Ausland beerdigt. Auf einem andern Bild habe ich eine Wunde kurz vor seinem Tod fotografiert die er sich vom heißen Wärmebeutel zugezogen hat weil er sehen wollte wie schlimm es ist. Das erscheint jetzt so klein, sich wegen einer Wunde Sorgen zu machen wo der Tod nicht all zu weit war... natürlich hat er es nicht gewusst aber ich mache mir gerade nur noch Gedanken...

Ich musste bei seinem Tod alles selbst organisieren, die Überführung, den Flug mit der Familie, Beerdigung und Trauerbekundungen bei dem über 500 Leute über 5 Tage dort waren und dann auch noch in Deutschland... Der Papierkram... Jetzt erst kommen die letzten Tage auf die ich damals so gut weg gesteckt habe...

Grüße

PRradaFTeufel


Hallo lieber Samsi,

hat das Medikament vom Neurologen angeschlagen? Kannst du jetzt besser schlafen? Tavor ist ein Notfallmedikament.. da hast du wohl paradox drauf reagiert, denn normalerweise hätte es dich eher sedieren sollen... Aber dann war es wohl tatsächlich das Falsche für dich. Ich hoffe, mit dem neuen Medi kommst du besser klar!

Kann sein, dass du durch den ganzen Stress zur Zeit nicht wirklich in die Tiefschlafphase kommst und deshalb das Gefühl hast, nicht wirklich zu schlafen. Das Gefühl kenne ich. Und auch diesen Gedankenteufelskreis wenn man auf die Uhr blickt, es immer später wird und man weiß, dass bald der Wecker zur Arbeit klingelt.. Diese Wut die einen dann überkommt, kenne ich auch und dann geht gar nichts mehr.

Ich hab mir dafür mal eine App runtergeladen, da ist auch eine Einschlafmeditation dabei. Die dauert ca. 35 Minuten. Ich dachte immer, die reichen niemals aus damit ich einschlafe. Doch irgendwie hab ich es geschafft dabei abzuschalten und mich von dem leisen Gesäusel ablenken zu lassen und bin darüber immer gut eingeschlafen. Vielleicht findest du was Ähnliches für dich...?

Ich musste bei seinem Tod alles selbst organisieren, die Überführung, den Flug mit der Familie, Beerdigung und Trauerbekundungen bei dem über 500 Leute über 5 Tage dort waren und dann auch noch in Deutschland... Der Papierkram... Jetzt erst kommen die letzten Tage auf die ich damals so gut weg gesteckt habe...

Klar, in den Tagen warst du völlig abgelenkt mit all diesen Aufgaben. Da blieb kaum Zeit zum Grübeln und zum Nachdenken, da funktioniert man einfach nur und steht noch unter Schock. Erst wenn man zur Ruhe kommt, kann der Körper mit der eigentlichen Trauerarbeit beginnen und anfangen, zu verarbeiten. Eine harte Zeit, durch die man leider durch muss. Gönn dir die Zeit der Trauer, nimm sie an, weine, schreie, verprügele dein Kopfkissen! Klingt bescheuert? Ist aber wichtig... solange man dabei nicht total in die Depri-Phase abrutscht, da muss man natürlich aufpassen.

Ich hatte damals keine Zeit zum Trauern. Ich war gerade frisch angekommen im eigenen Leben. Ich hatte meinen Job nach der Ausbildung frisch begonnen, war gerade erst von zu Hause ausgezogen, hatte zum Überleben noch 3 Nebenjobs und meine Mutter, für die ich mich verantwortlich fühlte. Ich habe kaum geweint und die Trauer so lange, lange, lange vor mir hergeschoben. Klar war ich traurig, aber ich konnte es nicht rauslassen. Über Monate hab ich funktioniert, bis ich zusammen gebrochen bin.

Daher.. trauere! So hart es auch ist.... aber diese Zeit braucht man nun einmal leider..

Ich wünsche dir dafür ganz ganz viel Kraft und Hilfe zum rechten Zeitpunkt @:)

SnamSPi70


Hallo PradaTufel,

leider war es mir nicht möglich eher zu antworten. Ich habe das Medikament nicht genommen. Ich schaff es mittlerweile nachts selbst runter zu kommen und habe nur noch gelegentlich mit Schlafstörungen zu kämpfen. Tagsüber komme ich mal sehr gut klar und dann habe ich Phasen wo ich nur noch durchdrehen könnte. Aktuell plagen mich Schuldgefühle. Mein Vatter hatte ein CT und Skelettszintigramm gemacht worauf eine Woche später die erste Chemo folgte. Zwei Tage danach habe ich ihn ins KH gefahren weil er starke Schmerzen hatte. Es war ein kleineres KH wo man nur eingeschränkt diagnostizieren konnte. Ich hatte dem Arzt aber die Befunde gegeben und die haben Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen gehalten.

Er hat dann im KH die zweite Chemo bekommen und wurde einen Tag danach im guten Zustand entlassen. Er war so fröhlich. Er hat an diesem Tag sehr sehr viel gesprochen und Pläne für den Sommer gemacht. Am nächsten hatte er keine Stimme mehr und ich meine zu ihm er soll sich schonen und nicht so viel sprechen (heute bereue ich es).

Während seinem ersten Aufenthalt hat ihn eine Bekannte mit einer Erkältung besucht, was ich nicht verstehe nachdem man wusste wie es ihm geht.

Ich habe ihn dann mit Atemnot ins KH gefahren und ihn am nächsten Tag besucht. Im Zimmer lag ein anderer Patient der mir erzählte ihm sei es gleich gegangen aber er hat sich nach 3 Wochen erholt. Als die Visite rein kam (und ab da mache ich mir Vorwürfe), wollte sie weitere Untersuchungen machen obwohl sie nicht einmal wusste wer mein Vater ist (sie hatte einen anderen Namen genannt). Ich habe ihr aber die Befunde vom letzten KH Aufenthalt indem die Ergebnisse des CT's hauptsächlich drauf waren gegeben. Ab dann sagte sie nur er sei im Sterben und es folgten überhaupt keine Untersuchungen mehr...

Ich denke mir: Hätte ich ihr die Befunde nicht gegeben wäre er untersucht worden. Vlt. hatte er einen angehenden Infekt (CRP Wert lag bei über 50) wie der andere Patient im Zimmer. Er hat auch Antibiotika bekommen. Dann kommt die Sache mit den Morphin... Ich hatte nach einem Medikament verlangt was ihm das Atmen erleichtert. Hier denke ich mir selbst wenn das AB angeschlagen hat, ist er vlt. an dem Morphin an einer Atemdepression verstorben. Er ist ja am nächsten Tag nochmal aufgewacht und hat nach Essen verlangt. Auch hatte er in der ersten Nacht Fieber...

Die Ärztin meinte das Medikament wird durch die Leber ausgeschieden die in seinem Fall gar nicht funktioniert hat. Er wurde nicht überwacht. Das Sterben hat meine Mutter mitbekommen die im Zimmer mit ihm lag (Das Bett wurde für uns frei gemacht). Seine täglichen Medikamente wurden abgesetzt weshalb er kein Wasser und nix ausscheiden konnte...

Ich habe vieles hier schon mal aufgeschrieben. Sorry wenn ich mich wiederhole aber diese Gedanken fressen mich auf und ich habe das Gefühl in diesen Phasen nicht mehr klar denken zu können. Hätte ich nicht nach dem Medikament verlangt und ihr die Befunde nicht gegeben wäre er vlt. noch am Leben und hätte seine Chemo weiterhin gemacht. Er hätte vlt. noch zwei oder drei Jahre wie es der Onkologe zu Beginn gesagt hat, gelebt :°(

Viele Grüße und einen schönen Wochenstart

E8hemaliKger Nuwtzer (x#15)


Hallo samsi,

weißt Du, was neben der Trauer um den Verlust mit das schlimmste Gefühl bezüglich des Sterbens ist?

Die eigene Hilflosigkeit. Dass es eine unabwendbare Sache ist. Mit einer Endgültigkeit, die es ansonsten in keinem anderen Bereich des Lebens gibt. Egal wie man sich verhält in anderen Bereichen, es mag zwar oft auch negative Konsequenzen haben aber trotzdem geht es immer weiter, man bekommt neue Chancen, neue Wege.

Aber nicht beim Tod.

Und das löst bei unserer Psyche diese (Schuld)Gefühle aus: "Hätte ich nicht das und das tun sollen?....wäre es dann doch abwendbar gewesen?..." usw., und zwar aus dem Grund, weil es uns ein gewisses Gefühl der Kontrolle gibt, die wir real gar nicht haben.

Schuldgefühle eigenen sich (nicht nur beim Verlust durch den Tod) sozusagen hervorragend um der wirklichen Trauer aus dem Weg zu gehen.

Fakt ist: Du hast nichts tun können. Nichts ändern können. So unsagbar schlimm wie das auch ist. :°_

Tue Dir selbst einen Gefallen und lasse diese Schuldgefühle los. Fange an "gesund" zu trauern. Vermisse ihn, fühle den Verlust - das tut unglaublich weh, ja, aber es ist ebenso heilsam.

:)* :)*

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