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Trauer um Kinder die man nie hatte?

H@off&naungslWosigkxeit hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich wurde mit 21 nach einer Krankheit unfruchtbar. Damals hatte ich mir über das Thema Kinder noch gar keine Gedanken gemacht.

Jetzt bin ich in einem Alter wo jede normale Frau Kinder hat. Nur ich nicht.

Das nimmt mich sehr mit, es tut einfach richtig weh. Ich spüre immer mehr wie mir etwas fehlt. Ich denke fast jeden Tag daran wie schön es doch gewesen wäre Kinder zu haben und wie anders mein Leben dann verlaufen wäre. Es hätte vor allem einen Sinn bekommen.

Ganz ehrlich bin ich deswegen auch fast jeden Tag am Heulen. Das geht jetzt schon seit Wochen so.

Ich fühle mich ausgegrenzt, kann nicht mitreden. Die Leute fragen wie selbstverständlich ob ich Kinder habe. Wenn die Antwort dann nein ist wird man indirekt als Kinderhasser dargestellt und man wendet sich von mir ab. Ich glaube die Leute denken, dass ich keine Kinder mag oder sie glauben, dass mit mir im Kopf etwas nicht stimmt.

Beziehungen gingen in die Brüche, weil die Männer irgendwann eine Familie gründen wollten.

So oder so glaube ich, dass kinderlose Menschen in unserer Gesellschaft einfach nicht akzeptiert werden. Bestimmt würde es etwas ändern, wenn ich direkt sagen würde, dass ich gerne Kinder gehabt hätte, aber keine kriegen konnte.

Doch zum einen möchte ich nicht über so private medizinische Aspekte reden und zum anderen haben die Leute dann Mitleid.

So oder so egal was man macht man wird immer schief angeschaut.

Schlimmer als die Ausgrenzung ist für mich aber, dass mir einfach etwas fehlt. Nämlich Kinder.

Ich habe geschaut ob es eine Selbsthilfegruppe für ungewollt Kinderlose gibt, aber die gibt es nicht in meiner Nähe.

Wem geht es noch so? Wie geht ihr mit eurer Trauer um? Geht das irgendwann vorüber? Ich habe mir vor 2 Jahren als Kinderersatz einen Hund gekauft, was sich aber nicht als tröstend herausgestellt hat.

LG

Antworten
CYhouvpett+e_FKinnian


Für deinen Trauer-Aspekt habe ich keine Lösung, aber auf die Frage nach Kindern würde ich mit "Leider nein" antworten. Da können die Leute sich selber ausdenken, ob du nicht willst, nicht kannst oder nicht den richtigen Partner hattest. Die wenigsten würden wohl nachfragen. Wäre mir zumindest unangenehm, weil es mich nichts anginge.

Ansonsten denke ich, dass es nicht stimmt, dass man keine Kinder haben darf und die Leute einen für Kinderhasser halten. Das wird dir eher so vorkommen. Den Gedanken würde ich beiseiteschieben und mich auf mich konzentrieren. Notfalls mit Hilfe eines Therapeuten o.ä. Jeden Tag trauern ist ja schon sehr ausgeprägt. @:)

NwiEke ~Zoxê


Hallo Hoffnungslosigkeit,

mir geht es leider ganz ähnlich. Mit dem Unterschied, dass ich dreimal schwanger war und drei Fehlgeburten erleiden musste. Ich bin über meine Kinderlosigkeit totunglücklich und empfinde es ähnlich wie du. Alle meine Bekannten und Freundinnen haben ganz selbstverständlich und problemlos Kinder bekommen, nur ich nicht. Ich fühle mich ausgegrenzt und wertlos. Zumal in meinem Leben noch vieles andere nicht stimmt, zum Beispiel der Beruf.

Jedesmal, wenn wieder eine meiner Bekannten sich über eine Schwangerschaft freuen darf, leide ich wie ein Hund. Auch ich habe mich bereits nach einer Selbsthilfegruppe erkundigt, aber bei mir in der Nähe gibt es auch keine.

Ich fürchte leider, dass ich Dir nicht konstruktiv helfen kann, denn das könnte wohl nur jemand, der das durchlitten und irgendwie verkraftet hat. Ich weiß für mich leider, dass ich das nie verkraften werde.

Ich wollte Dir eigentlich nur sagen, dass Du nicht allein bist.

LG, Nike

FYrau xErdmqännchen


Ich kann dich schon verstehen. Ich habe mir auch immer Kinder gewünscht und konnte mir nicht vorstellen, selber nie welche zu bekommen. Das war immer mein Ziel im Leben - eine eigene Familie. Aber so wie es aussieht werde ich kinderlos bleiben und mittlerweile kann ich etwas besser damit umgehen. Bei mir ist es nichts körperliches (obwohl ich garnicht weiß, ob ich auf normalem Wege schwanger werden könnte, wegen Hormonchaos), sondern die psychischen Erkrankungen. Ich bin halt nicht dauerhaft stabil genug, um einem Kind gerecht werden zu können. Viele sagen mir, das würde wohl irgendwie werden und ich rede mir das nur ein, aber ich spüre es ja selber am Besten. Dazu kommt noch, dass es für mich sehr schwer ist, eine dauerhaft stabile und glückliche Beziehung zu führen und dann später alleinerziehend zu sein, weil es mit dem Partner nicht klappt - nein lieber nicht. Ich glaube eben nicht, dass ich eine langjährige Beziehung führen kann... Und ich bin mittlerweile auch in einem Alter, in dem ich selbst nicht mehr Mutter werden möchte und es auch vermutlich nicht mehr lange werden könnte.

Die letzten Jahre waren sehr schlimm für mich, weil alle um mich rum Kinder bekommen haben und ich es mir für mein Leben ja auch so sehr gewünscht hatte. Es hat gedauert, aber mittlerweile kann ich besser damit umgehen. Ich weiß garnicht, ab wann es genau besser wurde.. Ich hab viel getrauert, viel darüber gesprochen. Ich hätte so gerne Schwangerschaft und Geburt erlebt, die Liebe zum eigenen Kind gespürt.... Aber das werde ich nicht erleben. Ich kenne auch einige kinderlose Frauen in meinem Alter bzw. schon ältere. Heute bin ich auch manchmal noch traurig, aber nicht nur wegen dem nichterfüllten Kinderwunsch, sondern eher, weil aufgrund meiner Erkrankung mein komplettes Leben so anders verlaufen ist, als ich es mir gewünscht habe. Beruflich gescheitert, keine funktionierende Partnerschaft, ständige psychische Krisen, Erschöpfung....

Es hätte vor allem einen Sinn bekommen.

Das wäre für das Kind eine große Belastung, wenn das Kind der Sinn für dein Leben wäre. Ein Kind kann dein Leben bereichern, aber nicht deinem Leben den Sinn geben.

Ich habe mir vor 2 Jahren als Kinderersatz einen Hund gekauft, was sich aber nicht als tröstend herausgestellt hat.

Ein Kind ersetzen wird kein Lebewesen können. Ich hoffe aber, dass zu die Zeit mit deinem Hund dennoch genießen kannst, dieser kann dir auch sehr viel geben.

Mir hat auch geholfen, mir die Vorteile ohne Kinder vor Augen zu führen. Gerade wenn es mir mal wieder richtig mies ging und ich mich zu nix aufraffen konnte, habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, wenn da jetzt ein Kind wäre, das auf mich angewiesen ist. Mittlerweile für mich unvorstellbar. Oder auch einfache Dinge: abends mal spontan was mit Freunden unternehmen, morgens lange ausschlafen... Ungestört durch die Stadt bummeln. Ohne Kinder auf jeden Fall leichter als mit.

Bei dir ist es ja nun anders und hat körperliche Ursachen. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen, dass ich auch schon Männer kennen gelernt habe, die selbst keinen Kinderwunsch haben. Oder ich kenne Paare, die keine eigenen Kinder bekommen konnten und dann adoptiert haben. Wäre das vielleicht eine Möglichkeit für dich?

Ich fühle mich ausgegrenzt, kann nicht mitreden. Die Leute fragen wie selbstverständlich ob ich Kinder habe. Wenn die Antwort dann nein ist wird man indirekt als Kinderhasser dargestellt und man wendet sich von mir ab. Ich glaube die Leute denken, dass ich keine Kinder mag oder sie glauben, dass mit mir im Kopf etwas nicht stimmt.

Wie wäre es mit der Antwort: "Nein. Heißt aber nicht, dass ich nicht gerne welche hätte." Das hat mir mal jemand gesagt, weil eine zeitlang gingen mit diese Fragen auch tierisch auf die Nerven. Mittlerweile sag ich einfach: Das hat bei mir halt nicht sein sollen.

Ich kann dich auf jeden Fall gut verstehen. Bei mir wurde es nach einigen Jahren besser. Was aber nicht heißt, dass es auf Dauer überstanden ist. Ich denke, Trauerphasen werden immer mal wieder kommen. Aber man kann im Leben nichts erzwingen.

H&offnun;gsl9osigkeixt


Nein Adoption warvkeine Möglichkeit für mich.

S{hXojo


Die Leute fragen wie selbstverständlich ob ich Kinder habe. Wenn die Antwort dann nein ist wird man indirekt als Kinderhasser dargestellt und man wendet sich von mir ab. Ich glaube die Leute denken, dass ich keine Kinder mag oder sie glauben, dass mit mir im Kopf etwas nicht stimmt.

Ich bin ganz, ganz sicher, dass das nicht stimmt (es sei denn, Du wohnst ländlich im tiefsten Bayern oder so, dann wäre ein Umzug nach Berlin vielleicht einen Gedanken wert). Ich kenne so viele Kinderlose, und keiner stellt sie als Kinderhasser dar oder wendet sich ab. Reaktionen anderer nimmt man immer über einen Filter wahr. Ich zum Beispiel habe eine schweineharte Woche hinter mir mit Todesfall in der Familie und Riesenchaos, und dann bin ich gestern mit jemandem per Mail aneinandergeraten, später schrieb mir ein gemeinsamer Bekannter, und ich fand seinen Ton sehr kühl, dachte, fuck off, ihr alle, und bin ins Bett gekrochen.
Heute habe ich mir die Mails noch mal angesehen. Und weder war die Auseinandersetzung auch nur ansatzweise so scharf, wie ich sie gestern empfunden habe, noch war der gemeinsame Bekannte kühl - im Gegenteil, er hat sich kurz gehalten, war aber sehr herzlich. Ich war nur gestern so fertig, dass mein albernes Hirn alles passend zu meinem Zustand umgedeutet hat.

So. Wenn also Dein Umfeld auf etwas heutzutage so Verbreitetes und Normales wie Kinderlosigkeit krass zu reagieren scheint, dann hast Du entweder ein sehr, sehr eigenartiges Umfeld - oder, was wahrscheinlicher ist: Die Reaktionen beziehen sich gar nicht auf die Kinderlosigkeit oder sind nicht so krass, wie Du sie empfindest, oder gar beides. Vielleicht reagierst Du auf die Frage irgendwie irritierend, weil sie bei Dir so viel auslöst - vielleicht wirkst Du, ohne es selbst richtig zu merken, sehr verkrampft, angespannt, feindselig, traurig, und die Leute ziehen sich zurück, weil sie nicht wissen, wie sie darauf reagieren sollen. Oder sie fragen nach Kindern, Du sagst, Du hast keine, sie merken irgendwie, das Thema ist Dir nicht so angenehm, und dann entsteht diese kurze Pause beim Suchen nach einem unverfänglicheren Thema, die Dir wie ein Vorwurf vorkommt, obwohl die Leute in Wirklichkeit nur Rücksicht nehmen wollen. Oder sie merken gar nix, denken nur, "Oh, hm, Gesprächssackgasse, öh, haben wir schon übers Wetter geredet? Ja, scheiße. Worüber denn jetzt? Oh - das Buffett ist eröffnet, ein Glück ... Smalltalk und ich, das wird einfach in diesem Leben nix mehr."

Schlimmer als die Ausgrenzung ist für mich aber, dass mir einfach etwas fehlt. Nämlich Kinder.

Ich vermute, das ist wirklich das Hauptding.

Ich hoffe sehr, dass Du Dich damit mit der Zeit besser arrangieren kannst. Es ist wirklich Trauer, würde ich sagen. Trauer um ein Leben, das Du nicht führst. Trauer, weil ein starker Impuls in Dir ist, der nicht erfüllt werden kann. Trauer ändert sich mit der Zeit. Glücklich wirst Du vermutlich nie darüber sein, und es kann sein, dass es Dich immer mal wieder belastet. Ich hoffe aber, Du findest einen Weg in einen Umgang damit, dass es nicht mehr Dein Leben überschattet.

L&ian-Jxill


Ich bin ganz, ganz sicher, dass das nicht stimmt (es sei denn, Du wohnst ländlich im tiefsten Bayern oder so, dann wäre ein Umzug nach Berlin vielleicht einen Gedanken wert). Ich kenne so viele Kinderlose, und keiner stellt sie als Kinderhasser dar oder wendet sich ab.

Ich wohne im tiefsten Bayern, und da ist es nicht anders als es in Berlin sein wird.

Slho8jo


Sobald man Liederliches über Bayern schreibt - hallo Lian, und ich bitte untertänigst um Verzeihung. ;-D

Lbin(e8x5


Hallo,

ich kann dich auch gut verstehen. Es ist tatsächlich Trauer.. Ich gehe (noch) recht offen damit um. Also wenn mich jemand Fremdes nach Kindern fragt, antworte ich mit einem knappen "nein, habe keine" und wechsle dann das Thema. Bei Freunden /Familie rede ich aber drüber, auch darüber, dass es mir damit nicht gut geht.

Es ist total schwierig, wenn alle um einen drum rum schwanger werden, teilweise schon mit dem 2. Kind und ich immer noch nicht schwanger bin. Manchmal sehr schwer auszuhalten.

Ich denke und hoffe aber, dass ich damit klar kommen werde, auch wenn ich sicher bin, dass es immer wieder Phasen geben wird, in denen die Trauer überwiegt.

Ansonsten versuche ich auch mein Leben so zu gestalten, dass es mir gut geht. Der Schatten "Kinderlosigkeit" begleitet mich aber beständig. Und ja, in der Gesellschaft wird man damit beständig konfrontiert.

Ich wünsche dir alles Gute, dass du lernst, damit klar zu kommen. Selbsthilfegruppen oder therapeutische Hilfe finde ich eine gute Idee. :)_

Sap_ülin 09


Ich fühle mit dir.

Habe fünf negative künstliche Befruchtungen hinter mir, was mich viele Tränen gekostet hat. Und psychisch, physisch und auch finanziell (17.000Euro) auch sehr viel.

Ich trauere jeden Tag, das Thema ist allgegenwärtig.

In meinem Umfeld haben alle Kinder. Wir probieren es seit fünf Jahren, innerhalb dieser Zeit haben mehrere Bekannte schon zwei Kinder bekommen, wir nichtmal eins.

Ich fühle mich nicht als vollwertige Frau. Letztendlich ist eine Frau "dazu da" (sorry, das klingt sehr unemanzipiert, aber du weißt sicher, was ich meine), Kinder zu kriegen und sich fortzupflanzen. Das Natürlichste der Welt, aber ich kriege es nicht hin.

Hab noch keinen neuen Sinn in meinem Leben gefunden. Fühle mich sehr einsam mit dem Thema.

Eine Freundin von mir hatte Krebs . Das ist schrecklich und natürlich sagt jeder "ach die Arme, hoffentlich gehts ihr bald besser". Gott sei Dank ist sie jetzt geheilt. Bei mir sagt keiner "ach, die Arme". Und ich kann nicht geheilt werden, ich werde bis an mein Lebensende unter der Kinderlosigkeit leiden. Und ich hasse mich für solche Gedanken.

Und ja, ich habe mal gelesen, um sein ungeborenes Kind zu trauern bzw um das Kind, das man nie hatte, ist wie das Trauern um einen realen Menschen. Auch wenn es dieses Kind nie gegeben hat.

S0ola#mie


Spüli

Bei mir sagt keiner "ach, die Arme".

Ich denke, wenn Du Dir das wünscht, dann müsstest Du nur entsprechend offen damit umgehen. Jeder, der den Wunsch nach Kindern kennt und von Deiner Geschichte weiß, würde das sehr für Dich bedauern, da bin ich sicher.

Hoffnungslosigkeit

Ich wünsche Dir, dass Du für Dich einen guten Weg findest, damit umzugehen. Ich denke auch nicht, dass Du als Kinderhasser gesehen wirst - auch nicht im ländlichen Bayern 8-) - aber die Leute sind eben eventuell verunsichert oder aber, sie bemerken es gar nicht und Du siehst es nur durch Deine Brille. Eventuell solltest Du bei Leuten, bei denen Du Dir mehr Kontakt wünscht, etwas offener damit umgehen? Obwohl das sicher nicht in jedem Fall der richtige Weg ist... die Vorschläge wie "es hat nicht sollen sein" oder "leider nein" fand ich auch nicht schlecht, wenn man sich positionieren will, ohne viel preiszugeben.

SBpülix 09


Da denkst du falsch ;-) . Jeder in meinem Umfeld kennt meine Geschichte und verstehen tut es trotzdem keiner. Sie wissen zwar, dass ich darüber traurig bin, aber wie ich jeden Tag leide, und dass jeder verdammte Tag ein Kampf für mich ist nur aufgrund dieses Themas, das weiß keiner bzw kann auch keiner nachvollziehen

Habe das vielleicht auch falsch ausgedrückt. Ich möchte gar nicht bemitleidet werden. Ich meinte es eher, so Krankheiten, die man "nach außen hin" sieht werden für schlimm befunden, aber mir sieht man ja nicht an, dass es mir richtig beschissen geht.

Ich hatte dann schon so Scheiß-Gedanken wie "ja, sie hatte zwar Krebs, aber sie ist ja nun geheilt. War also nicht so schlimm. Ich werde von meiner Kinderlosigkeit aber nie geheilt werden". Sowas darf man doch nicht denken oder gar aussprechen. Und für solche Gedanken hasse ich mich.

bEluec(attxa


Ich bin jetzt fast 31. Ich bin mit einer chronischen Krankheit geboren, später kamen weitere dazu, sodass mir immer klar war, dass es sehr schwierig werden würde mit Kindern. Aber etwas Hoffnung und gewissermaßen auch Vertrauen in die medizinischen Möglichkeiten hatte ich immer. Bis ich 2 Tage nach meinem 23. Geburtstag erfuhr, dass ich definitiv keine Kinder bekommen habe und dass es auch keine Möglichkeit gibt, dass die Medizin hier irgendwie "nachhelfen" kann.

Meine Reaktion darauf war nach dem Schock sehr sehr lange einfach nur Wut - Wut auf meine Krankheit, auf die Medizin und die Ärzte, auf Gott und die Welt, auf das Leben ganz allgemein, auf meine Eltern, meine Geschwister und vor allem auf mich selbst. Es gibt ja diese Trauerphasen... später folgte eine extreme Phase der Trauer und Traurigkeit. Und ja, natürlich kann man auch um ein Kind trauern, das nie geboren, ja, das nie gezeugt wurde. Zumindest bei mir ist das auch nicht nur Trauer um meine ungeborenen Kinder und deren Leben, es ist Trauer um ein ganzes Leben, nämlich mein Leben, um einen Lebensentwurf, darum wie ich mir mein Leben immer gewünscht und vorgestellt hätte... jede Freundin, die schwanger wurde, war eine Verräterin für mich, ich war verletzt und unendlich neidisch. Ich fand es einfach nur ungerecht... die sind gesund, erfolgreich im Beruf und kriegen auch noch Kinder - ich bin schwer krank, froh, wenn ich meinen Teilzeit-Job halbwegs auf die Reihe kriege und nicht mal das Glück Kinder zu haben ist mir vergönnt. Viele Freundschaften sind daran zerbrochen, wenige haben es überlebt.

Irgendwann war mir klar, dass es so nicht weiter gehen konnte. Ich bin eigentlich ein Mensch, der sich sehr schnell auf neue Situationen einstellt und versucht, das beste daraus zu machen, und niemand, der Ewigkeiten lang vergebenen Chancen und Möglichkeiten nachtrauert. Als mir klar wurde, dass ich es in diesem Fall alleine nicht schaffe, habe ich mir therapeutische Hilfe gesucht und damit geschafft es zu akzeptieren. Die Trauer ist nicht weg, das wird sie nie sein - aber sie bestimmt nicht mehr mein ganzes Leben. So, wie es mir manchmal immer noch einen Stich gibt, wenn ich Fotos meiner Großeltern ansehe, passiert das auch manchmal, wenn ich daran denke, dass ich nie Kinder haben werde. Und an manchen Tagen bin ich einfach so aus heiterem Himmel tief traurig und könnte nur heulen (weil ich z.B. am Heimweg eine Frau mit einem Kinderwagen gesehen habe, der mir super gut gefallen hätte). Aber an ca. 360 Tagen im Jahr geht es mir gut und ich habe meinen Frieden damit gemacht. Ich wünsche dir wirklich von ganzem Herzen, dass es bei dir auch eines Tages so sein wird! @:)

NFikek Zoê


@ Spüli

Du weißt gar nicht, wie gut ich Dich verstehen kann und wie nahe mir Deine Worte gehen. Bei mir ist es ganz genauso - alle meine Freundinnen haben Kinder und erwarteten von mir zusätzlich, dass ich mich immer irre freue, wenn sie mit dem nächsten schwanger waren. Das habe ich auch lange Zeit getan, irgendwann konnte ich es nicht mehr. Da habe ich Ihnen doch mal meine Situation geschildert. Reaktion: Verständnis = 0. Es war wirklich so: Hauptsache ich habe mein Kind, DU brauchst doch keins. Das Leben kann doch auch ohne Kind so schön sein. Klar. Das hat mich echt sehr getroffen. Ich empfinde es inzwischen auch als eine Art "Krankheit" und mein Leben als verpatzt.

Bei uns kommt dazu, dass wir mit künstlicher Befruchtung vielleicht eine Chance gehabt hätten, aufgrund unseres Alters aber alles hätten selber zahlen müssen und 17.000 Euro oder auch nur die Hälfte davon, das haute einfach nicht hin.

Es ist einfach alles nur furchtbar traurig und gerade heute hab ich wieder einen furchtbar schlechten Tag ... :°(

LLian-"JilYl


Spüli

Da denkst du falsch ;-) . Jeder in meinem Umfeld kennt meine Geschichte und verstehen tut es trotzdem keiner. Sie wissen zwar, dass ich darüber traurig bin, aber wie ich jeden Tag leide, und dass jeder verdammte Tag ein Kampf für mich ist nur aufgrund dieses Themas, das weiß keiner bzw kann auch keiner nachvollziehen

Habe das vielleicht auch falsch ausgedrückt. Ich möchte gar nicht bemitleidet werden. Ich meinte es eher, so Krankheiten, die man "nach außen hin" sieht werden für schlimm befunden, aber mir sieht man ja nicht an, dass es mir richtig beschissen geht.

Ist es tatsächlich dein Wunsch, rund um die Uhr von deinem Umfeld für dein Schicksal bedauert zu werden, so wie du glaubst, dass es bei Sterbenskranken der Fall ist?

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