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Hilfe Trauerbewältigung

cdcdx89 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich wende mich an dieses Forum um evtl Leidensgenossen oder gute Tips zu erhalten um mit meinen jetzigen Situation umzugehen.

Mein Vater ist vor ca. einem halben Jahr gestorben. Es war ein stummer Herzinfarkt - meine Mutter mein Bruder und ich haben direkt mit der Reanimation begonnen und der Notarzt war innerhalb von 4 min da, trotzdem konnten wir ihn nicht zurückholen.

Er war erst 58, hatte vorher nie Probleme gehabt und plötzlich war er Tod. In der Nacht waren plötzlich überall Leute, Sanitäter, Polizei, BKA, Rettungsdienst, Seelsorger und nach einer Stunde haben sie ihn einfach rausgetragen. Das ich keinen ruhigen Moment des Abschieds hatte macht die Situation jetzt für mich nach meinem empfinden nach noch einmal schwieriger.

Mein Vater war Selbständig, d.h. in den anschließenden Tagen mussten wir uns viel mit Bürokratischem "Scheiß" beschäftigen, dazu kamen noch die ganzen Vorbereitungen der Beerdigung - wir haben einfach nur funktioniert. Ich würde sagen nach 3 Wochen habe ich erstmal gedacht, dass hier einfach zu viel passiert und zu wenig getrauert wird. Es kann doch nicht das wichtigste nach so einem Ereignis sein, dass ich irgendwelche Formulare ausfülle! Anschließend ging es zurück in die Arbeit und nach und nach kam der Alltag wieder, natürlich war jeder Tag von einem dunklen Schatten überzogen, aber ich habe versucht wieder zu funktionieren - "anderen Menschen passiert das gleiche und die machen auch weiter".

Das ist auch der jetzige Stand. Ich gehe jeden Tag zur Arbeit und in meiner Freizeit tue ich das was ich vorher getan habe, aber es ist mir gleich. Ob auf der Arbeit etwas gut funktioniert hat, oder etwas nicht so gut läuft, ob ich im Sportverein etwas tolles erlebe oder einfach nicht hingehe - es ist mir egal. Ich empfinde weder Freude noch Angst vor irgendwelchen Konsequenzen. Ich denke nur stündlich oder minütlich an meinen Vater und wie trivial alles andere ist. Es macht mir Sorgen, dass ich permanent alles durch einen Schleier sehe und in mich zurückgekehrt bin. Ich spiele mit dem Gedanken mir professionelle Hilfe zu suchen. Vielleicht ist das aber auch der Weg den man durchläuft, wenn man ein Elternteil verliert. Andererseit sind jetzt auch schon 8 Monate vergangen und es hat sich nicht viel geändert. Es macht mir Sorgen, dass ich keine Freude mehr empfinden kann. Ich habe so einen Zustand noch nie erlebt und möchte nicht, dass es langfristige Auswirkungen, im Sinne einer psychischen Krankheit, auf mich hat.

Gibt es hier vllt. jemanden der ähnliches erlebt hat und sich mit mir austauschen möchte oder Ratschläge für Trauerbewältigung hat.

Viele Grüße

Daniel

Antworten
h#eu;t}e_Lhier


Hallo Daniel,

ich habe vor einer Woche das Elternhaus meiner Schwiegerfamilie geräumt. Die Mutter lebt noch und ist jetzt in unsere Stadt gezogen. Es war hammerhart. Das Gefühl, nur noch zu funktionieren und alles Notwendige zu erledigen, ist zum einen normal und es hilft auch über den großen Abschiedsschmerz hinweg. Das hat die Natur schon nicht verkehrt eingerichtet.

Hast du Erinnerungen an Begegnungen mit deinem Vater? Kommen sie dir zugeflogen. Ich hab mich mit meinem Freund über alle Erinnungen unterhalten. War oft schmerzhaft, aber auch oft schön. Die Erinnerung an einen besonderen Menschen zu bewahren, ist glaube ich das beste was man für die verstorbene liebe Person tun kann.

Alle Erinnerungen, egal wie banal zu erscheinen mögen.

Ist nicht wirklich leicht ... mE einer der besten Wege, die man gehen kann bei einem Abschied.

Ich drück dir die Daumen und hoffe, du hast nette Freunde, die das hier tun :)*

HAase#nrUeich


Hallo Daniel,

zunächst meine herzliche Anteilnahme! :°_ :)* :)-

Das, was Du jetzt durchlebst, ist sehr normal!

Es tut mir sehr leid für Dich, dass Dein Vater so früh und so plötzlich gehen musste, so ohne Vorwarnung!

Und dann auch dieses plötzliche Nicht-mehr-da-sein - gleich so endgültig - ich verstehe es auch nicht, dass man ihn nicht noch diese Nacht bei Euch gelassen hat und ihn dann am nächsten Tag geholt hat...........

Bei uns war dies sehr ähnlich, wobei mein Vater im KH verstorben ist nach 2 Tagen - Schlaganfall. - Auch total plötzlich, ohne jegliche Vorwarnung. - Mein Vater ist vom Einkauf zurückgekommen, meine Mutter etwas später, ich war auf der Arbeit. Ich wurde ca. 1/2 Std. vor Dienstschluss von meiner Mutter auf der Arbeit angerufen, ich soll sofort nach Hause kommen.......Meine Eltern wollten ursprünglich am nächsten Tag für ein paar Tage verreisen, das Auto war schon bepackt............

- Ich war zu dieser Zeit noch daheim bei meinen Eltern - und das war noch schlimmer - da hat man quasi den Verlust IMMER vor Augen.............Mein Vater war auf den Tag genau 62-1/2............

Wenn Du ebenfalls noch bei Deinen Eltern lebst, ist es praktisch gar kein Wunder, dass die Verarbeitung so zäh von statten geht...überall meint man, er müsse da sein, oder gleich zur Tür herein kommen............

Ja, diese Bürokratie ist schrecklich - und kommt einem total unwichtig vor!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :°_ :°_ und irgendwie ist das ganze auch furchtbar störend.....................

Das schlimme ist auch, dass für das Umfeld nach einem halben Jahr "die Schonfrist" quasi "vorbei" ist und man gefälligst zu funktionieren hat....................

Wenn Du das Gefühl hast, Du kommst so nicht weiter, wäre vielleicht eine Auszeit (Krankschreibung / Kur) o.ä. nicht schlecht - eine prof. Trauerbegleitung, wie Du es schon erwähnt hast, ist auch sicher nicht verkehrt. - Erkundige Dich mal im örtl. Hospizverein - das gibt s bestimmt auch in Deiner Nähe - die können Dir sicher weiter helfen oder Dir Trauerseminare bzw. einen Trauerbegleiter empfehlen. - Es gibt zb. sogenannte Trauergruppen, wo man sich in einer größeren Gruppe austauschen kann - manche Menschen fühlen sich in so einer Gruppe gut aufgehoben, andere wieder nicht. Aber vielleicht wäre eine längerfristige Trauerbegleitung dann eine Alternative, wo man sich in regelmäßigen Abständen trifft und man sich mit einem prof. Trauerbegleiter austauschen kann. - Wie geht es Deiner Mutter damit - vielleicht wäre das auch was für sie ? - Ich habe damals 2 Jahre lang die Trauer meiner Mutter hautnah miterlebt, und es war z.T. sehr schwer...........

Gerade ein halbes Jahr - das ist so ein kritischer Zeitpunkt - damals war meine Mutter in den tiefsten Tiefen ihrer Trauer-Depression.....................

Es ist sehr wichtig, sich und der Trauer Zeit zu geben, die Trauer auszuleben mit all den finsteren Facetten, die auf das Umfeld so abschreckend wirkt..................Aber OHNE diese Schritt-für Schritt-Aufarbeitung geht es nicht - eben DAMIT dies kein Dauerzustand wird!

WIE lange das dauert, kann man nicht sagen, das ist von Mensch zu Mensch verschieden - wichtig ist, DASS man sich Zeit für die Trauer nimmt - zumal ja erstmal wochenlang alles mit Bürokratie "zugemüllt" wurde................ja - so empfinde auch ich diese schreckliche Formulare-Ämter-Wand, die erstmal "überwunden" werden muss um frei für die Trauer zu sein........und dann ist man sozusagen schon wieder "in der Pflicht" zu funktionieren - und genau DA muss dieses Funktionieren-Müssen-Netz durchbrochen werden - sonst funktioniert es nämlich nicht...............

Ich gehe jeden Tag zur Arbeit und in meiner Freizeit tue ich das was ich vorher getan habe,

Und hier - bei Deiner Freizeitgestaltung kannst Du zB. für Dich schon mal ansetzen, um diesen ewigen Kreislauf zu durchbrechen - Du musst nicht das tun - in Deiner Freizeit - was Du immer getan hast - gestalte dies Zeit nach Deinen Bedürfnissen, wenn Du das Gefühl hast, die Stille zu suchen oder Dich zurückzuziehen, dann tu es! - Rückzug ist in dieser Situation SEHR wichtig - ganz ähnlich wie wenn man im Krankenstand daheim bleibt und sich auskuriert. Gestalte ein Gedenkplätzchen in einem Zimmer ganz nach Deinen Vorstellungen, mit Kerze, Foto od. ähnlichem, besinne Dich auf schöne gemeinsame Stunden und Erlebnisse - sammle Deine Erinnerungen - sie sind es die Dir bleiben und weiterleben! - Und sie sind so tröstlich! - Wenn Du Lust auf Sport hast, dann tu es, wenn Du Holz hacken oder Dich auspowern willst, dann tu es!, Wenn Dir danach ist, Dich bei schöner Musik und mit einem Buch zurück zu ziehen, dann tu es! - Und wenn Dir zum Weinen ist, dann tu auch das! - Wichtig ist, dass die Trauer raus kommt, ausgelebt wird.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Mut, die Trauer zu leben!

:)* :)* :)-

Cqomxran


Hallo ccd89,

als Mensch im "mittleren Alter" habe ich leider schon viele Familienmitglieder und auch einige Bekannte gehen lassen müssen. Ich habe festgestellt, dass Trauer etwas sehr Individuelles ist. Ich habe Onkel und Mutter nach längerer Krankheit verloren und obwohl der Verlust schlimm war, empfand ich es als Erlösung. Du hast deinen Vater ohne Vorwarnung verloren - genauso erging es meiner Frau mit ihrem Vater. Ich weiß, dass sie damals sehr lange trauerte, zumal sie auch relativ jung war. Sie hatte noch 5 Jahre danach Probleme mit dem Todestag und sie bedauerte stets, dass sie nicht richtig Abschied nehmen konnte.

Was ich bei den ersten Verlusten - gerade bei meiner Frau - auch deutlich merkte, war ein gewisses Pflichtgefühl. Auch sie hatte lange Zeit keine Freude mehr empfunden. Aber später meinte sie selbst, dass sie erkannt hätte, dass es ihrem Vater nicht hilft, wenn sie selbst keine Freude mehr hat. Und dass es eher ein Gewissen war, nach diesem Verlust keine Freude mehr zuzulassen. Prüfe dich mal, inwieweit dich irgendwelche Gewissensfragen oder auch Schuldgefühle (dass du noch leben darfst) belasten und mache dich frei davon.

Noch ein Hinweis, was mir geholfen hat: ich bin öfter mal allein ans Grab meiner Mutter und habe dort mit ihr "gesprochen". Hab ihr Dinge erzählt, die mir durch den Kopf gehen. Dieses Reden tat gut, einfach alles loszuwerden. Auch wenn sie mir nicht antworten konnte. Aber für die Verarbeitung war es wertvoll für mich.

Ich denke, du beobachtest dich ganz gut und hast eine objektive Sicht, machst dir nichts vor. Daher traue ich dir auch zu, dass du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen würdest, wenn du selbst merkst, dass es nicht anders geht. Bis dahin probiere erst einmal deine Haltung zu prüfen und ggf. zu korrigieren, nochmal bewusst in die Trauerarbeit und einen Abschied zu investieren. Ein Abschied bedeutet nicht Vergessen, denn Trauer wird irgendwann zur liebevollen Erinnerung. Aber lass sie nicht zum Loch in deinem Leben werden.

Wenn du dann doch merkst, dass du mehr Hilfe benötigst, kannst du vor einem professionellen Therapeuten auch Kontakt zu einer Trauergruppe suchen - die örtlichen Hospizvereine sind hier sehr kompetente Ansprechpartner (eigene Erfahrung). Und für einen Austausch stehe ich dir natürlich auch hier neben allen anderen zur Verfügung!

Alles Gute :)_

l=al)elCunxala


Hey,

mir geht es genauso wie dir. Mir ist auch irgendwie alles "egal". Oder aber ich habe Panikattacken. Generell fühle ich mich, seit meine Mami vor etwas über einem Jahr gestorben ist (sie war 54, Krebs), überhaupt nicht mehr wie ich. Ich fühle mich wertlos, allein gelassen, ohne Ziele und ohne Zukunft.

Es ist grauenvoll. Einfach nur grauenvoll.

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