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Abschiedsbrief vorsorglich verfassen?

U#niv erxse hat die Diskussion gestartet


Hi,

ich habe ein Anliegen, wozu ich gerne mal eine andere Meinung hören möchte:

ich bin mitte 20 und im Großen und Ganzen einigermaßen gesund und ich hoffe das bleibt auch noch ne Weile so.

Allerdings habe ich schon gleichaltrige Freunde verloren und mir ist bewusst geworden, dass es auch mit mir jeden Tag vorbei sein kann. Auch zB weil ich mit Auto und Motorrad sehr viel unterwegs bin und immer etwas unerwartetes passieren kann.

Irgendwie habe ich das Bedürfnis, für den Fall der Fälle (mein unerwarteter Tod oder auch Koma etc.) mich von meiner Familie und Freunden zu verabschieden. Denn ich bin ein sehr nachdenklicher Mensch der seine Gefühle eigentlich nie zeigt. Auch habe ich oft Streit, aber im nachhinein denke ich immer wieder, wie unsinnig das mal wieder war.

-> Ich bin am Überlegen, entsprechende Abschiedsbriefe zu schreiben. Evtll einen an die Familie, einen an die Freunde (vielleicht auch jeweils an einzelne Personen). Inhaltlich möchte ich darin einfach nur nochmal Danke sagen, Dinge sagen die ich mich bisher nicht getraut habe, und eben noch meine Wünsche äußern.

Klar ist natürlich, dass die Briefe nicht so formuliert werden, dass jemand beleidigt wird oder dass ich gar jemandem Vorwürfe etc machen würde.

Nun bitte eure Meinung. Findet ihr das ist ne dumme Idee oder was meint ihr dazu?

Ich würde mich ehrlich gesagt freuen wenn meine Kumpels auch sowas machen würden. Denn ich hab letztes Jahr nen guten Freund bei nem Unfall verloren. Und da hätte es mir glaub sehr geholfen, irgendeinen letzten Willen von ihm an mich lesen zu dürfen. Aber da er so jung gestorben ist war er eben von heute und morgen weg und nix ist mir geblieben.

Gruß

Antworten
PWiMla05x09


Ich finde es ne tolle Idee und habe da auch oft dran gedacht. Gemacht hab ich es einmal vor einer grossen op. Damals wollte ich meiner Tochter was hinterlassen.

ajutummnA-likxe


Ich finde es ebenfalls gut von dir.

Viele werden plötzlich mitten aus dem Leben gerissen. Bei meiner Freundin starb vor Jahren ihr Schwager plötzlich durch einen Unfall.

Von meiner Mutter fand ich auch ein paar Zeilen an mich gerichtet, das hatte sie 2 Jahre vor ihrem Tod geschrieben. Diese wenigen Zeilen werde ich für immer aufbewahren.

Ewhemalyiger Njutzer (s#586592)


Hallo Universe,

auch ich finde es eine gute Idee von dir diese Briefe zu schreiben .

Es wäre für die die zurückbleiben ein schöner Trost und zeigt ihnen dass du sie wertgeschätzt hast .

Ich würde mich sehr über so eine Nachricht von einem mir nahestehenden Menschen freuen . Wäre es doch eine Verbindung die Bestand hätte.

Dein Post hier zeigt dass du dir Gedanken machst und dies finde ich gerade in unserer heutigen immer kälter werdenden Zeit etwas sehr schönes und wertvolles.

Ich wünsche dir alles Gute für dein weiteres Leben !

Cvomr,axn


Universe, auch wenn es vielleicht auf dein gleichaltriges Umfeld befremdlich wirken würde, finde ich es toll, dass du dir diese Gedanken früh machst. Ich habe mich auch mit Mitte 40 entschieden, schon einen Abschiedsbrief vorzubereiten und mit meinen Unterlagen (Patientenverfügung) zu hinterlegen. Meine Frau weiß auch von dem Brief. Es war für sie etwas unheimlich und sie hofft, dass sie ihn nie öffnen muss. Aber mir war es einfach zu wichtig zu wissen, dass ich niemals plötzlich gehen muss, ohne dass ich nicht nochmal ein paar Sätze an sie richten könnte. Ich fühlte mich anschließend vorbereiteter und ruhiger, weil ich nun das Bewusstsein habe, vorgesorgt zu haben.

Auch ich bin übrigens kerngesund und es gab keinen konkreten Anlass, dass ich diesen Brief schreiben müsste. Gerne werde ich auch über 100. Mir war es aber wichtig und du hast völlig Recht, dass niemand weiß, was morgen sein könnte.

Was ich mittlerweile gemerkt habe, ist, dass sich der Inhalt im Laufe der Jahre wandelt. Das Leben ist ja nicht statisch. Daher habe ich den Brief auch in meinen PC-Daten und kann ihn alle paar Jahre überarbeiten und neu ausdrucken.

U5nivejrsxe


Okay, vielen Dank.

Dachte erst die Idee ist etwas makaber, aber schön dass andere das auch als gute Sache sehen.

Für Familie uns Freunde ist das ein trostspendender Abschluss und auch für mich ist es sehr beruhigend zu wissen dass für so einen Fall trotzdem alles mitgeteilt wird was, ich noch los werden wollen würde.

Mal sehen, vielleicht gehe ich sogar soweit, dass ich was schreibe was dann vielleicht bei der Beerdigung verlesen wird.

Lwav'endelxblüte


Ist zwar etwas ungewöhnlich für dein Alter, aber nach dem Tod deines Freundes eine wundervolle Geste!

Deinem nahen Umfeld wären diese Erinnerungen sicher sehr tröstlich.... (was hoffentlich gar gar nicht die nächste Zeit eintreten wird...)

Mach das alles so nach deiner Intuition, ich hab das Gefühl, du bist da auf einem gutem Pfad....

herzliche Grüße

DVerRaxbe


Schliesse mich meinen Vorredner(innen) an, finde das eine sehr gute Idee und eine schöne Geste. Eine "dumme Idee" ist das ganz bestimmt nicht. Einzig hier...

Denn ich bin ein sehr nachdenklicher Mensch der seine Gefühle eigentlich nie zeigt. Auch habe ich oft Streit, aber im nachhinein denke ich immer wieder, wie unsinnig das mal wieder war.

[...]

Inhaltlich möchte ich darin einfach nur nochmal Danke sagen, Dinge sagen die ich mich bisher nicht getraut habe, und eben noch meine Wünsche äußern.

...würde ich etwas aufpassen. Der Brief sollte Dich natürlich nicht beim Versuch hindern, Unausgesprochenens anzusprechen und den Dir nahestehenden Personen Deine Gefühle zu zeigen...auch wenn es schwer fällt. Kenne das von mir selbst auch.

S2cho7kol>ade0nsücht!igxe


Seit mein Schwiegervater im letzten Jahr unerwartet gestorben ist habe ich mehrfach darüber nachgedacht, Briefe für meine Kinder und meinen Mann zu schreiben, so ähnlich wie Comran, in einer Art und Weise, daß sich sie verändern oder immer mal weiterschreiben kann. Ich habe es noch nicht gemacht, aber ich habe es definitiv auch vor. Bin allerdings etwas älter als Du.

Egal in welchem Alter - ich finde es eine gute Idee, denn ja, es kann einen immer und überall treffen. Und dann ist unter Umständen so manches nicht gesagt worden. Oder zu wenig. Ich persönlich halte es für einen guten Abschluß (natürlich in der Hoffnung, daß ein solcher Brief nicht so bald gelesen werden muß).

V.erscZhw-pr0aaktikexr


Ich finde deine Idee in Ordnung.

Andererseits - wenn du nach deinem Tode noch etwas ganz Wichtiges mitzuteilen hast, warum verschiebst du das auf den Sankt-Nimmerleins-Tag?

Sind es Dinge, bei denen dir die Reaktionen peinlich wären?

Wenn ich jemanden besonders mag, warum sollte er erst nach meinem Tode davon erfahren? Du schreibst also einen Brief, Stand von heute. Und die Überlebenden lesen dann in Jahren einen alten Brief. Wo ist der Sinn?

ETlla7x1


Finde die Idee auch schön. Aber noch besser, so wie auch Verschw-praktiker schreibt: durchgehend so leben, dass man mit allen Lieben im Reinen ist und so oder so nichts offen bleibt für den Fall, dass eine/r der Beteiligten plötzlich stirbt.

Ich schreibe selber solche Briefe nicht - da bin ich wohl ein wenig komisch "abergläubisch" im Sinne davon, dass ich unterschwellig fürchten würde, die Briefe könnten greifen (oder sind eine Art Schritt hin zur Manifestation des Todes - klingt doof, ich weiß)...

Chombran


Andererseits - wenn du nach deinem Tode noch etwas ganz Wichtiges mitzuteilen hast, warum verschiebst du das auf den Sankt-Nimmerleins-Tag?

Ich hatte mich in die Lage versetzt, einen geliebten Partner zu verlieren. Das ist eine Ausnahmesituation. Es geht in meinem Brief z.B. nicht nur um Dank für die zurückliegende Zeit, sondern auch um die Zeit danach, wenn ich weg bin. Was ich mir für sie wünsche.

Ich stelle fest, dass so etwas viel zu wenig ausgesprochen wird. Das ist ein unangenehmes Thema. Natürlich unterhält man sich über ein paar grundlegende Dinge, wie man dies oder jedes persönlich gut oder schlecht findet. Aber zu selten über die eigene Situation. Natürlich sollte man das auch machen. Aber wenn dann doch diese Ausnahmesituation da ist, wird der hinterbliebene Partner in einer emotional sehr belastenden Situation sein. Vielleicht sogar das Eine oder Andere nicht mehr so genau wissen oder unbedingt nichts falsch machen wollen. Und diesen Zustand möchte ich lindern, indem ich einfach nochmal alles niederschreibe. Darin könnte meine Frau nochmal genau lesen, was mir wichtig ist - für mich, für sie, was meine Wünsche für sie sind usw.. Mag sein, dass man über die Hälfte der Punkte schon mal gesprochen hat, aber "manifestiert" ist es sicherlich einfacher. Und irgendwie ein Stück, was von einem selbst bleibt. Das kann für beide Seiten tröstlich sein.

J4uleCs Mxumm


Obwohl ich den Gedanken des Trostes als sehr schön empfinde, halte ich die Idee doch für nicht gut. Ich muss da immer an selbsterfüllende Prophezeiungen denken :-X

CHo|mrSan


Ich muss da immer an selbsterfüllende Prophezeiungen denken :-X

Glücklicherweise bin ich nicht abergläubisch :-D

TGapxs


Ich persönlich halte nichts von so einem Brief, sondern teile meinen Lieben meine Gefühle und Gedanken lieber zeitnah mit. Bei uns bleibt nichts lange ungesagt und auch keine ungeklärten Dinge offen. Wir haben schon zu viele aus unserem Umfeld verloren.

Ein nachträglicher Brief von meinem Mann/von mir würde uns in unserer Trauer nicht helfen. Und unsere Kinder möchte ich nicht mit (evtl. unerfüllbaren) Erwartungen beeinflussen.

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