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Trauer um einen lieben Menschen

C?hri+s64 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

der Tod gehört zum Leben, nur selten wird auch darüber gesprochen.Diesen letzten Weg muss jeder von uns alleine gehen. Schwer ist es immer für diejenigen, die zurück bleiben (müssen). Sicherlich kommt es auf die Umstände an. War der Verstorbene sehr krank oder kam es plötzlich und unerwartet.....und nicht zuletzt das Alter. Schlimm ist es zweifellos, wenn jemand noch (sehr) jung ist und noch viele Jahre hätte leben können. Aber ist die Intensität/die Art der Trauer wirklich abhängig vom Alter eines Verstorbenen? Er/Sie hat ein schönes Alter erreicht. Worte die tröstend klingen sollen. Heisst das gleichzeitig weniger schmerzhaft? Was ist normal und was ist nicht normal? Wie seht ihr das?

Liebe Grüße

Antworten
N/.I.C./K.199x5.


Hallo Chris64,

ich denke der Tod ist immer noch ein Thema, über das die Gesellschaft nicht gerne redet. Grundsätzlich gibt es denke ich kein "richtig" oder "falsch", die einen gehen mit dem Tod so um, andere so, andere wieder ganz anders. Manche haben Angst, dass es irgendwann nahestehende Menschen oder sich selbst irgendwann trifft, andere nehmen es hin und sagen es ist halt so. Manche trauern offensichtlich, andere halten sich eher zurück und versuchen das im Inneren zu verarbeiten.

Schlimm finde ich es immer, wenn Eltern die Kinder überleben. Der Vater meines besten Freundes starb im jungen Alter von 47 Jahren. Die Familie meines besten Freundes ist fast wie meine eigene Zweite, die Eltern des Verstorbenen taten mir dabei am Meisten Leid. Ich las oder hörte letztens ein passendes Zitat: "Verlierst Du eine Eltern, verlierst Du deine Gegenwart. Verlierst Du deine Kinder, verlierst Du deine Zukunft." - ich fand diesen Spruch total passend und zum Nachdenken.

Gruß.

X;iraixn


Ich denke der moderne Umgang mit dem Tod ist schwer.

Unsere Lieben sterben in Krankenhäusern, oder bei schweren Unfällen.

Oftmals erlebt man den Tod...das Sterben nicht.

Als meine Schwester starb mit 26, war ich am Ende. Ich verstand es nicht, und wollte es doch verstehen...

Sie starb im künstlichen Koma nach einer einzigen Chemodosis, bei einem Rückfall.

Ich denke, ich bereue einfach sehr, dass ich mich nicht richtig verabschieden konnte, da ich so weit weg war und sie eine Patientenverfügung unterschrieben hat, dass sie nur meine Eltern im Koma besuchen durften.

Ich habe den Sterbeprozess nicht miterlebt und konnte nicht realisieren, wieso...weshalb... rational begriff ich, sie ist an einem besseren Ort...

Irrational, wär ich gern an ihrer Stelle gestorben...

Meine Eltern kämpften lange damit.

Jetzt 4 Jahre später reden wir über unsere schönen Erinnerungen mit ihr. Das hilft uns, aber bis wir soweit waren, hat es lange gedauert. Ich brauchte eine Therapie. Meine Mutter brauchte eine Therapie.

Sie war die erste Person dessen Tod ich bewusst erlebt habe. Und ich glaube auch das erschwerte mir den Umgang.

Bei Großeltern trauert man auch sehr, denke ich, aber tief im inneren weiß man: Sie haben ihr Leben gelebt und das ist der Lauf der Dinge.

Der Tod meiner Schwester hätte mich allerdings fast selbst umgebracht, da ich so nicht leben konnte...erst die Therapie half mir zu realisieren und anzunehmen.

C3o4mraxn


Aber ist die Intensität/die Art der Trauer wirklich abhängig vom Alter eines Verstorbenen? Er/Sie hat ein schönes Alter erreicht. Worte die tröstend klingen sollen. Heisst das gleichzeitig weniger schmerzhaft? Was ist normal und was ist nicht normal? Wie seht ihr das?

Die Trauer hängt meines Erachtens von zwei Faktoren ab: zum Einen, wie nahe der Verstorbene jemandem stand. zum Anderen, wie oft man schon Menschen verloren hat. Trauer kann man lernen und sie ist am schwierigsten, wenn man unerfahren mit ihr ist.

Wenn jemand jung stirbt, kommt glaube ich noch ein anderer Faktor dazu, der mit der Trauer an sich nichts (oder nur wenig) zu tun hat: die empfundene Ungerechtigkeit. Das vermischt sich sicherlich mit der Trauer, aber ich würde wagen, dass die Trauer für sich betrachtet bei jungen Verstorbenen nicht anders ist als bei älteren.

ELhe"mal=iger Nu5tTzer (#q5865r92)


Ich habe schon sehr früh einige mir sehr nahestehende Personen verloren und da wir alle eine große Familie waren ( ich wuchs bei meinem Großeltern auf und damals war es üblich dass man sich jedes WE besuchte ) waren diese Verluste schwer für mich zu ertragen .

Früher hatte der Tod etwas bedrohliches für mich und vielleicht habe ich deshalb später immer wieder lange gebraucht um mir liebgewordene Menschen und Beziehungen loslassen zu können .

Heute weiß ich der Tod gehört zum Leben dazu aber es ist trotzdem nicht leicht jemanden durch ihn zu verlieren.

Als der Cousin meiner Kinder mit 26 Jahren tödlich verunglückte haben wir alle lange gebraucht bis wir darüber einigermaßen hinweg kommen konnten .

Eyllax71


Was für mich (neben den genannten) noch ein wichtiger Punkt ist: ob (was man als Außenstehender nicht zu 100% beurteilen kann, bei sehr nahe stehenden Menschen aber ja doch so einigermaßen erahnt) der Tod zumindest so "einigermaßen" im Sinne der betroffenen Person war (z.B. im Endstadium einer schweren Krankheit) oder das Sterben so absolut nicht zu ihr gepasst hat (da aktiv, lebensbejahend, Pläne schmiedend usw.).

In sämtlichen Fällen ist schlimm die Ungewissheit, was nun mit dem geliebten Menschen "passiert" ist, ob es ihn noch gibt oder ob er einfach ausgelöscht ist. Dazu gibt es die unterschiedlichsten Erklärungen, aber keine Beweise; und somit fühlt sich für viele die Trennung so gnadenlos endgültig an.

CMh_ris6#4


Hallo ihr Lieben,

erst einmal herzlichen Dank für eure Antworten. Einen Liebsten in einem jungen Alter zu verlieren, sei es durch Krankheit oder Unfall ist sehr sehr hart. Wie @ NICK schon passend schrieb, Verlierst du deine Kinder verlierst du deine Zukunft. Gott sei Dank musste ich diese Erfahrung nicht machen bisher....

***

Verlierst du deine Eltern, verlierst du deine Gegenwart. Mein Vater verstarb vor fast 3 Jahren und nun meine Mutter Anfang diesen Monats. Beide waren krank und in den letzten Jahren ihres Lebens auf meine Hilfe angewiesen. Was ich gerne gemacht habe, auch wenn es nicht leicht war. Eines Tages werde ich sie wiedersehen, wenn es ein Leben nach dem Tod wirklich geben sollte. Das tröstet ein wenig....und nicht zuletzt, wie sagt man so schön,das Leben geht weiter trotz allem.....

LG

FErühlXinggskixnd5


Interessantes Thema

Ja in Gesellschaft wird dieses Thema noch immer gern verschwiegen. Man redet nicht darüber :-X Obwohl es aber zum Leben gehört.

Meine Tochter war fast 16 als sie tödlich verunglückte - zum begreifen half der Abschied von ihr - auch wenn man den Anblick niemals vergessen wird, kein Jahr später verstarb meine Pflegemama an Krebs, hier durfte ich den Sterbeprozess ein wenig miterleben wenn ich dort war - erfahren das bereits verstorbene Angehörige schon warten einen abzuholen. Hat etwas tröstendes *:) finde ich zumindest.

Ich glaube wenn man gewisse Erfahrungen mit dem Tod gemacht hat, verliert man den Schrecken davor, schlimm ist WIE es passieren wird, was keiner von uns weis.

Selbst habe ich auch bereits vorgesorgt, erfreue mich bester Gesundheit keine Sorge, aber ich will das so wie ich das mal will eben Musik die mir gefällt - Leute die ich nicht dabei haben will ect ect. es kann so schnell gehen, Verkehrsunfall ect.

Außerdem so finde ich nimmt man dem Partner viel Arbeit ab - wo die Trauer eh so groß ist und der übrig bleibende Partner weis wie man sich das alles vorstellt.

Das ist meine Erfahrung und Einstellung zu diesem Thema 8-)

BHenuitWaxB.


Das 1. Mal mit dem Tod konfrontiert wurde ich mit 25 Jahren, als meine Freundin 20 Minuten nach der Geburt ihres 2. Kindes an einer Gehirnembolie starb. Sie hatte, was keiner wußte, Arterien, die der einer 80 jährigen Person entsprachen..

Sie hatte sich das Kind so gewünscht, aber schon während der Schwangerschaft hatte sie Probleme, aber Anfang der 70er Jahren war die Medizin nicht so weit, das zu erkennen, und wenn, weiß man auch nicht, was geholfen hätte...

Ich war damals untröstlich, der Ehemann hatte Schuldgefühle über Jahre hinweg, weil er meinte, hätte ich sie nicht geschwängert, würde sie noch leben.

Meine 3 Partnerschaften endeten mit dem Tod des Partners. Unfall, Krebs. Ich war nicht mit jedem verheiratet, das ändert aber nichts an der Trauer. Ein Unfall macht einen aber fassungsloser, wie auch der Tod der Freundin s. o.

In diesem Jahr habe ich bereits 5 Todesfälle in meinem Umfeld gehabt, davon war die Jüngste Mitte 40, hatte zum 3. Mal Krebs und es ging nach der Diagnose diesmal auch sehr schnell. Gerade 3 Wochen vorher war auch noch ihr Vater gestorben, ein lieber Freund seit 20 Jahren. Er erfuhr von seinem Krebs genau eine Woche zuvor.

2 weitere Personen waren eher im weiteren Bekanntenkreis, aber die starben unvermutet, einer kippte tot um, der andere lag morgens tot im Bett.

Und am meisten getroffen hat mich der Tod meiner besten Freundin, sie bekam vor einem Jahr Pacreaskrebs, wurde noch stundenlang operiert, Chemo wurde abgesetzt, sie war auskuriert, steckte voller Metastasen. 3 Wochen vor ihrem Tod siedelte sie in ein Hospiz um, das war eine sehr gute Entscheidung, weil sie gut mit Schmerzmitteln versorgt wurde, so dass sie frei davon einfach schlafen hintergehen konnte. Ich habe sie (600 km entfernt) noch kurz vor ihrem Tod besucht und Abschied nehmen können.

Es hängt mir immer noch sehr nach, meine Freundin fehlt mir, ich kann es immer noch nicht fassen.

H!asen>reicEh


Ich habe schon sehr viele Trauerfälle gehabt, kleine und große - die allererste Trauersituation war die, als ich mit gerade 22 meinen Vater verlor. Die anderen Trauerfälle waren u. a. unsere 4-beinigen Familienmitglieder, die auch sowas wie Kinder für uns sind.

Ich persönlich habe das Empfinden, dass man immer wieder versucht, den Schmerz messen zu wollen und die verschiedenen Arten in Kategorien einstuft - das "allerschlimmste" ist der Tod eines Kindes - dann kommt der Partner usw.

Ich habe da meine Schwierigkeiten.

Wie @ NICK schon passend schrieb, Verlierst du deine Kinder verlierst du deine Zukunft.

Das ist eine sehr schöne Formulierung, die auch die besondere Tragik deutlich macht, wenn jemand sein Kind verliert.

Dennoch ändert es an der Intensität einer andersartigen Trauer (z.B. Ehepartner oder Eltern od. Freunde) nichts. Der Schmerz kann genau so stark sein - egal um wen oder was man trauert.

Ich persönlich denke, dass man die verschiedenen Verlustarten (darunter auch die Trauer um ein innig geliebtes Tier) nicht in Vertikal-Kategorien (Stufe 1 Stufe 2 usw) einteilen oder messen sollte sondern in horizontaler Ebene (nebeneinanderstehend) ohne Wertung und ohne Einstufung einfach nebeneinander liegend respektieren sollte.

Was die Intensität der Trauer angeht, so denke ich, hängt diese wohl sehr stark vom Bezug zu dem Verstorbenen ab - und der räumliche Abstand (in einem Haushalt lebend oder in einer weiter entfernten Stadt) hat zwar auch nicht in dem Sinn mit der Intensität des Schmerzes als solches zu tun - wohl aber mit der Häufigkeit der Konfrontation mit dem unmittelbaren Verlust. DH. in einer weiter entfernten Stadt ist man nicht ständig mit dem Verlust konfrontiert, doch wenn der Verstorbene mit mir in einem Haushalt oder direkt im unmittelbaren Umfeld gelebt hat, werde ich auch ständig mit diesem Verlust konfrontiert. Und das wirkt sich wiederum schmerzverschlimmernd aus..............

Was die Häufigkeit der erlebten Verlustsituationen angeht, so denke ich, das auch dies nicht unbedingt die Intensität des Schmerzes beeinflusst - wohl aber den Umgang mit der Trauerbearbeitung - dh. man kann Rituale entwickeln, die einem den Weg durch die Trauer erleichtern können - die Intensität bzw. der Schmerz selbst ist aber doch wiederum abhängig von der Beziehung zum Verstorbenen.

Alles in allem denke ich braucht Trauer unbedingt eine größere Lobby, sie braucht einen Raum - und ZEIT (unbegrenzt von der Außenwelt zu respektieren!!!) wo sie ausgelebt werden kann, sie braucht öffentliche Aufmerksamkeit (Akzeptanz!) und eben eine viel stärkere Lobby. Sie darf nicht ausgegrenzt und verdrängt werden (in sterile KH, Pflegeheime usw - auch Arbeitsplatz - man MUSS funktionieren....) Trauer muss wieder einen Platz IM Leben finden, sie muss ausgelebt werden DÜRFEN.

Soweit mal meine Gedanken hierzu.

C omraxn


Mich hatte damals sehr inspiriert, welche Sicht die Vertreter des Hospizvereins hatten, die uns zur Seite standen, als meine Mutter im Sterben lag. Es war irgendwie ... erleichternd und hat Perspektiven geboten, während man selbst versucht, sich sein Trauermuster irgendwie aus einer Erwartungshaltung heraus zurechtzubasteln. Es hat uns allen sehr geholfen, egal wie schwer es am Schluss doch war. Diese Art der professionellen Beratung fristet leider ein Schattendasein zu einem Thema, welches jeden Menschen früher oder später einnimmt. Das müsste viel mehr in der Öffentlichkeit stehen.

Ich trage mich seitdem mit dem Gedanken, mich später selbst mal zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter ausbilden zu lassen, wenn ich im Ruhestand mehr Zeit habe. Das ist Hilfe, die wirklich helfen kann und sich nicht aufdrängt oder ideologisch vereinnahmt ist.

Mxess{agLgio


Hospizvereins

Das ist Hilfe, die wirklich helfen kann und sich nicht aufdrängt oder ideologisch vereinnahmt ist.

Comran

du sprichst es an, ohne der Hilfe vom Mobilen Hospiz hätte ich diese besonderen 9 Wochen Pflege meines Liebsten nicht geschafft.

Der Widerstand der Ärzte im Krankenhaus war groß, als ich auf Wunsch meines Mannes den Heimtransport organisierte.

Es waren besondere Wochen und der letzte Liebesdienst an einen besonderen Mann.

Dass ich oft an seinem Bett gesessen bin und mir gewünscht habe, dass er gehen kann, hat mich zu tiefst bestürzt.

Ein lieber Mensch hat mir geraten: "Du darfst dir Zeit lassen mit deiner Trauer."

Das Gefühl, dass er nach wie vor - bedingt durch besondere Ereignisse - noch da ist, macht es mir etwas leichter.

Hzudipf9upxf1


Mein Vater ist vor zwei Monaten verstorben. Er war in seinen letzten zwei Jahren sehr krank. Mit 85 durfte er Zuhause, im Beisein meiner Mutter sanft sterben.

Der Tod war eine Erlösung für ihn und irgendwie auch für uns und die Art seines Todes tröstet ein wenig.

Trotzdem, mein Vater hat mich mein ganzes Leben begleitet, war immer für mich da, wenn ich ihn brauchte. Ich konnte ihm leider nur einen Bruchteil davon zurückgeben.

Plötzlich ist er fort und ich vermisse ihn jeden Tag.

Die Intensität der Trauer richtet sich klar danach, wie nah einem jemand im Leben stand.

Das Alter und die Umstände des Todes machen mich, je nach dem, bei mir unbekannten Menschen sehr betroffen.

Erfahre ich von toten Kindern, oder Gewaltverbrechen, macht mich das sehr traurig. Sehe ich jedoch eine Todesanzeige eines mir fremden 85 Jährigen, berührt mich das überhaupt nicht.

Wir hatten nie Krebs, oder schwere Krankheiten in der Familie und mein Vater verdrängte seine Krankheit bis zum Schluss. Er kannte keine Schwäche und verhielt sich, als würde er ewig leben. Was nicht sein durfte, war einfach nicht!

Irgendwie habe ich ihm das auch ein wenig geglaubt, er war wie ein Stehaufmännchen.

Als er dann doch starb, war ich sehr erschüttert und auch meine eigene Sterblichkeit wurde mir bewusster.

Mein Trost ist mein Glaube, dass er nicht ganz fort ist. Ich weiss, dass er mich seit seinem Tod schon zweimal aufgesucht hat. Die Zeichen waren überdeutlich.

Und doch weine ich noch jeden Tag, seit zwei Monaten. Jetzt werden die Spuren seines Lebens beseitigt, Kleider in die Sammlung, persönliche Dinge entsorgt, Auto und Motorrad verkauft, Schreinerwerkstatt aufgelöst. So schwer das auch ist, vermutlich gehört das zur Trauerbewältigung dazu.

XFirsaiMn


Dennoch ändert es an der Intensität einer andersartigen Trauer (z.B. Ehepartner oder Eltern od. Freunde) nichts. Der Schmerz kann genau so stark sein - egal um wen oder was man trauert.

Darf ich dazu etwas ergänzen?

Ich fand es ganz schrecklich, dass einem ständig gesagt wurde wie man zu trauern hat. Vielleicht liegt das auch am Dorfleben, aber in dieser verzweifelten Situation in der ich war, wurde mir ständig gesagt, was ich denn zu tun und zu lassen hatte. Nicht von meiner Familie, die unmittelbar betroffen war, sondern von Fremden.

"Du musst jetzt auf deine Eltern aufpassen", "Wieso trägt sie kein schwarz, ihre Schwester ist doch noch nichtmal unter der Erde, wie pietätlos", "Das Leben muss weitergehen, deine Schwester hätte es so gewollt."

Gottverdammt ich war 23 und diese Leute machten mich alle. Ich bin dazu übergegangen garnichts mehr zu sagen, oder eventuell zu fragen, ob ich irgendwas tun kann, aber dieses Getratsche und Bevormundende hat mich unheimlich belastet.

Ich wollte nicht auf meine Eltern aufpassen müssen, ich musste erstmal selber auf mich aufpassen, was ich aber fast 1 Jahr nicht konnte, weil ich mir dann selbst einredete, meine Eltern zuerst. Das erschwerte meinen Trauerprozess ziemlich.

Ich war nach 2 Wochen wieder arbeiten und alles ging seinen Weg. Ich funktionierte. Ich heulte zwar jeden Tag meinen Schreibtisch voll, aber hey, ich funktionierte.

Und man muss kein schwarz tragen um zu trauern. Meine Schwester war ein so lebensbejahender Mensch, der unheimlich gern bunt rumlief und ihr zu ehren tat ich das auch. Denn ich war früher ein ziemlicher schwarztrager.

Ich finde es richtig unheimlich, dass die Leute erwartungen haben und kluge Sprüche. Ich weiß auch, dass sie es nicht böse meinen, aber ich denke wegen der modernen Art des Sterbens haben sie verlernt richtig damit umzugehen. Nämlich jeden individuell trauern zu lassen und einfach nur Essen vorbei zu bringen um die Familie zu unterstützen.

All diese Beileidskarten sind total doof. Steht in allen das gleiche drin und sie ziehen nun einen riesen rattenschwanz für meine Eltern, da erwartet wird, dass man zu jedem Trauerfall einer dieser 100(!!!!!!!) Karten dann auch eine schreibt.

Passiert das nicht, wird geredet...

HDudipJfupf1


Die lieben Leute und was sie so sagen. Das kenne ich auch.

Ich werde immer gefragt, wie es denn meiner Mutter geht, sie hat ja ihren Mann verloren. Ich muss stark sein für meine Mutter, klar.

Aber ich habe auch meinen Vater verloren....

Mein Vater fuhr eine Harley Davidson und war auch in einem Chapter. Wir hatten uns sehr gefreut, dass seine Kumpels in ihren Ledermonturen an die Beerdigung kamen. Sie gaben ihm so die letzte Ehre.

Es gab aber tatsächlich Trauergäste, die sich daran gestört haben. Das sei doch keine passende Kleidung für eine Beerdigung.

Aus Protest sind diese Leute dann auch nicht mit ans Grab gekommen.

Unmöglich so etwas!

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