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Opa möchte sterben

a7smenxt hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich stecke gerade in einer sehr schweren Lage und muss hier einfach mal etwas loswerden.

Letzten Donnerstag wurde mein 86 jähriger Opa mit einem Darmverschluss ins Krankenhaus eingeliefert. Sein Zustand war bereits vor der Operation relativ schlecht, weit fortgeschrittene COPD, Arterielle Verschlusskrankheit in den Beinen und hatte zuletzt im September eine Bypass Operation welche erstaunlich gut verlaufen ist.

Nun, von Donnerstag 22:00 Uhr bis Freitag 05:00 wurde operiert, darunter 1 Meter Darm und viele Verwachsungen entfernt. Die OP selbst verlief verhältnismäßig gut, sein Zustand war aufgrund des Alters und der Vorerkrankungen aber kritisch. Samstag musste ebenfalls wieder operiert werden da es Komplikationen gab, diese OP verlief deutlich schlechter als die erste, man musste schließlich wegen Kreislaufproblemen nach 1,5 Stunden abbrechen.

Bis Mittwoch lag er dann in Narkose und wurde beatmet, beim Aufwachen Mittwochnachmittag wurde schließlich ein Schlaganfall diagnostiziert, die linke Körperhälfte ist gelähmt.

Am Donnerstag war er dann schon wach, zwar noch etwas weggetreten, jedoch reagierte er auf gezielte Ansprache und konnte antworten. Die ganze Familie und auch er haben neue Hoffnung geschöpft.

Gestern schließlich war er sehr blass, immer wieder fielen ihm die Augen zu und er musste ständig höhere Dosen Sauerstoff bekommen da er kaum atmen konnte. Schließlich sagte er mir "Es geht nicht mehr, ich will nicht mehr und möchte sterben". Von dort an musste ich der Tatsache die ich immer verdrängt habe ins Auge sehen: Opa wird sterben.

Beim heutigen Besuch war er ebenfalls in schlechtem Zustand, das Atmen fällt ihm sehr schwer, er durfte nach 3 Tagen nun etwas trinken, erbricht jedoch sofort wieder (über die Magensonde). Er kann nicht richtig schlucken, kann nur die rechte Hand bis auf Brusthöhe bewegen und die Operationswunde am Bauch macht ebenfalls Probleme, ein weiterer Eingriff wäre nötig, allerdings ist das OP Risiko zu hoch. Zusätzlich droht eine Niere zu versagen und musste bereits punktiert werden. Für eine Dialyse wäre er zu schwach.

Er konnte kaum sprechen und es liefen ihm Tränen herunter als er mir sagte "Ich hab versucht für dich zu kämpfen, ich schaffe es nicht mehr". Ich begann ebenfalls zu weinen und sagte ihm, wenn die Kraft zu Ende ist und er nicht mehr kann darf er gehen, er soll nicht leiden müssen meinetwegen. (Unsere Verbindung ist sehr stark, deutlich stärker als ein normales Opa - Enkel verhältnis)

Die Chance auf Heilung ist laut den Ärzten nicht mehr gegeben, alles was man jetzt noch tun kann sind lebensverlängernde Maßnahmen. Es wurde medizinisch alles getan, aber hier stößt die Medizin an ihre Grenzen. Nachdem Opa kaum noch sprechen kann durften meine Mutter und ich an seinem Krankenbett im Beisein des Chefarztes eine Patientenverfügung erstellen die weitere Eingriffe und Reanimation bei einem Herz-Kreislauf Stillstand ablehnt. Von jetzt an sollen nur noch palliative Maßnahmen getroffen werden.

Ich bin einfach nur am Boden, der Mensch zu dem ich mein Leben lang aufgeschaut habe, er muss wirklich qualvoll verrecken. Es ist ihm nicht einmal vergönnt, friedlich einzuschlafen wie er es immer wollte.

Am Mittwoch hatte ich wirklich noch die Hoffnung, noch einmal das Ruder herum zu reißen, ihn noch einmal nach Hause zu holen. Zuerst hoffte ich mit allen Mitteln seinen Tod zu verhindern, nachdem ich von seinen Qualen weiß, hoffe ich für ihn dass der Herrgott so gnädig ist und ihn einfach einschlafen lässt. Niemand sollte einen Todeskampf dieser Art führen müssen.

Vielleicht ist mein Text etwas verwirrend geschrieben aber es fällt mir im Moment sehr schwer einen klaren Gedanken zu fassen.

Antworten
s chnup6fen90x8


Es tut mir leid um deinen Opa und das er so leiden muss :)*

Ich drücke dich unbekannterweise einmal :)_

Können ihm die Ärzte vielleicht mit einem Schmerzmittel die Schmerzen wenigsten erträglich machen?

Alles gute für dich und viel Kraft :)*

Skommelryki.nd003


Es tut mir sehr leid, was du gerade durchmachen musst.

Wenn dein Opa nun palliativ behandelt wird, wird er nicht "qualvoll verrecken müssen".

Ich verlor vor 12 Jahren meinen über alles geliebten Opa und hätte mir gewunschen, er hätte mir noch sagen können, dass er es nicht mehr schafft.

Versuch es als Geschenk anzunehmen, dass du mit deinem Opa diese Unterhaltung führen konntest.

P%iMea0550x9


Es tut mir sehr leid was du durch machst.

Wir haben bei meiner Mutter auch die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt. Einzig Flüssigkeit wurde gegeben und etwas dass sie ohne Schmerzen einschläft. Wir hatten "Glück " und sie hatte es nach einem Tag geschafft.

Ich hatte meiner Mutter das gleiche gesagt wie du deinem Opa. Ich finde es wichtig damit sie in Frieden gehen können.

Ich wünsche dir dass es nicht so lange geht und schicke dir viel Kraft für die kommende Zeit

Mhann0U42


Nichts hilft einem Menschen in der Situation, in der dein Opa ist, mehr als zu wissen, dass es in Ordnung ist jetzt zu gehen. Und du hast es ihm gesagt. Wenn er das weiß, dann wird er recht bald gehen und sich nicht mehr plagen. Vielleicht sogar heute Nacht schon.

arsmeant


Er bekommt schon hochdosierte Schmerzmittel, Schmerzen hat er daher keine. Doch jeder Atemzug ist eine Qual, selbst hoch dosiertes Kortison, eine Lungenspiegelung und die Gabe von hochprozentigem Sauerstoff kann diese Qual nicht lindern. Alles, was die moderne Intensivmedizin bietet ist zum Einsatz gekommen, hier ist eine Grenze erreicht die man mit heutigem Stand der Medizin nicht verändern kann.

Es muss schrecklich sein, in Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, schwer atmend und kaum beweglich (schon ein bewegen des Kopfes und die rechte Hand auf Brusthöhe führen sind wahnsinnig anstrengende Bewegungen für ihn) auf Erlösung zu warten.

LRillyanRn77


Es gibt auch Möglichkeiten, die Atemprobleme in der letzten Phase zu lindern. Das nennt sich "Terminale Sedierung". Die Patienten bekommen Medikamente,die eine Art Dämmerschlaf bewirken. Das hat meinem Papa sehr geholfen und er ist ganz ruhig im Schlaf gestorben.

p$elzCtier8x6


Eigentlich kann Atemnot schon mit Opioiden gelindert werden...

Wenn gar nichts hilft, kann man den Patienten auch sedieren bzw. in einen Dämmerschlaf versetzen.

sNofia34=-39 jahire axlt


:°_ :°_

sende dir liebe grüße aus Hamburg und viel kraft

aqs!men{t


Mein geliebter Opa ist heute um 20:10 friedlich eingeschlafen. Genau 10 Minuten nachdem ich das Krankenhaus verlassen habe.

Was mich fertig macht ist die Tatsache dass er laut der Krankenschwester bis 17 Uhr sehnsüchtig auf mich gewartet hat und ich erst um 18 kam da ich beruflich nicht in der Stadt war, er ist um 17 Uhr endgültig in einen Dämmerschlaf gefallen nachdem er seit heute Vormittag Morphium Infusionen bekam. Ich war nicht da als er mich brauchte, einer Arbeit wegen....

SGchmiTd<tix70


Mein herzliches Beileid! :)-

Und mach Dir nicht zu viele Vorwürfe. Es war ja nicht vorhersehbar, dass es so schnell am Ende geht, manch Einer kämpft noch tagelang. Wir haben damals bei meinem Schwiegervater auch täglich damit gerechnet, es ging dann noch länger als gedacht und kam am Ende gefühlt doch plötzlich.

Vielleicht hat er trotz Dämmerschlaf aber mitbekommen, dass Du noch da warst und konnte dann auch in Frieden loslassen und gehen! :)_

B>ambbiene


@ asment

:)_

Der Tod war für deinen Opa eine Erlösung. Behalte die Erinnerung an eure besondere Verbindung in deinem Herzen, ohne sie mit unnötigen Schuldgefühlen zu belasten.

Mein Beileid :)-

B@esnitxaB.


Ich habe Hospizerfahrung als Ehrenamtliche.

Es scheint manchmal so, dass der Sterbende es gar nicht will, dass jemand dabei ist.

Oft erlebt: da geht der Angehörige nur mal etwas essen oder auf Toilette und geht dann ganz friedlich in die andere Dimension.

Schuldgefühle sollte man nicht entwickeln. Die Gedanken sollten bei den positv erlebten Momenten des Lebens bleiben. Nichts anderes würde sich der Verstorbene wünschen.

Mein aufrichtiges Beileid. :)* :)- :)_

C|oQmrnan


Ich bin einfach nur am Boden, der Mensch zu dem ich mein Leben lang aufgeschaut habe, er muss wirklich qualvoll verrecken.

Ich wollte dir zuerst noch Mut zusprechen, dass die palliative Medizin schon ziemlich viel kann, um Leiden zu verhindern. Aber dann habe ich gelesen, dass dein Opa schon gestorben ist. Mein Beileid dafür. Du kannst dir aber sicher sein, dass ihm das Morphium an dem Tag geholfen hat und schon der Dämmerschlaf eine Erlösung war. Er hat dich zwar nicht mehr gesehen, aber es gibt immer ein "letztes Mal" und nur selten hat man das Glück, in den letzten Minuten bei dem Sterbenden zu sein.

Es ist daher genau das aufgetreten, was du dir für ihn erhofft hattest. Er hatte nur wenige qualvolle Tage und das Morphium hat ihm geholfen. Er konnte noch seine Patientenverfügung mit eurer Hilfe erstellen und ihr wart für ihn da. Nun ist er zwar gestorben, aber dies ist eine Erlösung und war in seinem Sinne, was du daher begrüßen und annehmen solltest. Und bei eurem guten Verhältnis wirst du ihn auch weiter in Erinnerung behalten als jemand, zu dem man aufschauen kann. Er wird dich so dein weiteres Leben begleiten.

Alles Gute für die Zeit der Trauer. :)*

sGofia34-3J9 ja<hre axlt


mein herzliches Beileid asment :)- :°_

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