» »

Das leidige Thema "Erbe" - unangenehme Gespräche und Konflikte

S7userlx23 hat die Diskussion gestartet


hallo!

Vor ca. 3 Wochen ist mein Vater verstorben. Er war nicht mehr der Jüngste und Gesündeste, aber trotzdem war es irgendwie überraschend als er nicht mehr da war :°(

Ich trete hier an euch heran, weil ich irgendwie nicht so recht weiß wie ich das Thema in der Familie - insbesondere der Mutter gegenüber - ansprechend soll. Es geht um das leidige Thema "Erbe". Meinen Bruder habe ich mal darauf angesprochen und habe mir irgendwie wenigstens etwas Unterstützung oder Hilfe erwartet, aber er was das betrifft total passiv und meinte nur "lass das Thema lieber - das sorgt nur für Streit".

Nach der gesetzl. Erbfolge erben wir als Kinder beim Tod eines Elternteils auch was und sind bei einer Immobilie dann auch "Miteigentümer" - sowas muss jedoch eingetragen und organisiert werden. Ich will ja die Mutter jetzt nicht abzocken oder aus dem Haus werfen, aber mir liegt schon was daran, dass es zumindest geregelt und ggf. eingetragen ist. Vorallem, weil ich meinem Bruder ehrlich gesagt nicht so ganz über den Weg traue. Er war schon immer sehr auf seinen Vorteil bedacht und hat auch den Vater bis zum Schluss null unterstützt, hat ihm nie bei den einfachsten Dingen geholfen aber hat sich - trotz gutem und sicheren Job - von ihm und der Mutter aushalten lassen. Zum Dank hat er sie auch regelmäßig noch beschimpft z.B. wenn die Mutter mal nicht das zum Essen gekocht hatte was er haben wollte (und auch nicht gesagt hatte)... trotzdem oder gerade deshalb ist er ihr Liebling und lebt auch jetzt noch auf ihre Kosten. Naja... Ich hoffe ihr verstht warum mir viel daran liegt dass die Aufteilung stattfindet und die Miteigentümer des Hauses eingetragen werden, oder?! Die Mutter ist noch recht fit und lebt sicher noch lange, aber ich habe etwas Angst dass mein Bruder sie vollends abzockt und damit indirekt auch mich... DAs kann ich der Mutter so aber nicht begreiflich machen - selbst wenn mein Bruder sie von früh bis spät beschimpfen und runtermachen würde, wäre er noch ihr "Prinz" und sie würde ihn rundum versorgen.

Meint ihr ich solle das Thema mal näher verfolgen? Die Mutter meint garantiert dass eine offizielle erbaufteilung wg. dem Tod des Vaters nicht nötig ist aber aus den o.g. Gründen liegt mir schon viel daran. Ich muss also wohl oder über damit rechnen, dass ich einen Anwalt nehmen muss. Bruder und Mutter werden natürlich alles andere als begeisterst sein wenn ich das machen sollte...

Was würdet ihr an meiner Stelle tun? Und wie würdet ihr das Thema bei der Mutter ansprechen bzw. - wenn sie abblockt - weiter vorgehen? Es lassen und hoffen dass der Bruder einen Funken Anstand in sich hat und nicht die Mutter auch bis zu ihrem letzten Atemzug für sich arbeiten lässt und am Ende sogar "abzockt" oder "auf nummer sicher" gehen und sich zumindest ein bisschen Geld und die eingetragene Miteigentümerschaft am Haus sichern?

Antworten
EylaOfRemrich0G81x5


Wenn kein "Berliner Testament" vorliegt, in dem geregelt ist das im Erbfalle alles der hinterbleibende Ehepartner erbt, tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Das heißt die Witwe erbt 50% (es sei denn das bei der Eheschließung Gütertrennung vertraglich vereinbart wurde) und 50% die Kinder. Droht es zu Streitigkeiten zu kommen, würde ich dir als erstes raten beim zuständigen Nachlassgericht die Ausstellung eines Erbscheins zu beantragen. Achtung: Nach der Beantragung kann das Erbe nicht mehr ausgeschlagen werden.

EaheYmal5iger Nutzerf (#14x9187)


Jetzt musst Du erst mal warten und schauen, ob es ein Testament gibt und was darin steht. Dann erst kannst Du weiter überlegen.

CRomrxan


Was würdet ihr an meiner Stelle tun?

Da wir deine Familie nicht kennen, kann man das schlecht beantworten.

Als meine Mutter starb hätte ich auch meinen Pflichtanteil einfordern können. Habe ich aber nicht, und zwar aus dem Grund, dass ich meiner Familie vertraue. Ich habe meinem Vater auch gesagt, dass er sich sein Alter gern komfortabel machen soll und es nicht schlimm ist, wenn nach seinem Tod nicht mehr viel da wäre. Der Gedanke an Geld lag mir nach dem Verlust zu fern. Meine Eltern hatten ein Berliner Testament, wonach mein Vater der Alleinerbe wurde. Da weder mein Bruder noch ich unsere Pflichtanteile einforderten, ist er dies auch praktisch. Ich freue mich, wenn er uns irgendwann noch etwas hinterlässt, aber er machte sich ein schlechtes Gewissen wegen unseres Verzichts. Wir bekamen dann jeweils eine großzügige Schenkung - auch diese wollte ich nicht, aber er ließ sich nicht davon abbringen ((mein Bruder wollte bauen und konnte einen kleinen Zuschuss gut gebrauchen - aus Fairnessgründen sollte ich den gleichen Betrag erhalten).).

Bevor meine Mutter starb, war sie lange erkrankt. Ein Jahr vor ihrem Tod hatte ich mich mit meinem Bruder um den Nachlass unseres alleinstehenden Onkels gekümmert, weil meine Eltern das schon nicht mehr konnten. Es lief sehr fair und friedlich ab und meine Mutter meinte noch zu Lebzeiten, dass sie sehr erleichtert ist, irgendwann gehen zu können, ohne dass sich die Familie um den Nachlass streitet.

Du siehst, dass ich da eine ganz andere Herangehensweise habe und unsere Situation vielleicht zu abweichend ist.

Wie du schreibst, hat sich dein Bruder schon zu Lebzeiten deines Vaters von beiden aushalten lassen. Die Situation ist daher keine andere als vorher auch. Wenn dein Bruder mehr Zuwendungen bekam, konntest du dein Leben lang nichts dagegen tun. Aber traust du deiner "fitten" Mutter wirklich zu, dass sie nach der Einspruchszeit sich dazu überreden lassen könnte, deinem Bruder das Haus zu überschreiben? Ohne dabei an dich zu denken? Oder traust du deinem Bruder zu, dass er sich Dinge unter den Nagel reißt, ohne dass du es erfahren sollst? Ich habe so Dinge selbst erlebt, aber da war die Mutter jeweils komplett überfordert. Am Ende wollte jeder schnell seinen Anteil und in der ganzen Familie spricht heute keiner mehr ein Wort mit dem anderen. An Erben sind schon zig Familien zerbrochen. Die Frage ist, um was es dir wirklich geht - der Familie vertrauen und deiner Mutter ihr Leben lassen, oder deinen Pflichtanteil einkassieren auf die Gefahr hin, dass ihr im Streit für immer auseinandergeht.

Da solltest du sensibel vorgehen - und vor allem mit deinem Bruder ein Gespräch über eine gemeinsame Vereinbarung führen. Und mit einem gemeinsamen Ansinnen solltet ihr dann gegebenfalls mit der Mutter über ein weiteres Vorgehen sprechen. Oder eben nicht, wenn es keinen Bedarf gibt. Als Miteigentümer des Hauses wärt ihr übrigens auch zum anteiligen Tragen von Kosten verpflichtet. Auch ein schöner Streitpunkt, wenn viele Interessen zusammenprallen und man nicht haarklein vorher geklärt hat, nach welchem Modus dies laufen wird.

EklafReSmiDch08x15


Es kann sogar sein das dein Bruder verpflichtet ist Leistungen die er zu Lebzeiten vom Vater bekommen hat nun auszugleichen, da per Gesetz eine gleichmäßige Aufteilung des "Vermögens" angestrebt wird.

S?user2lQ2x3


@ Comran:

Ja, so wünscht man sich das. Aber wenn der Zusammenhalt in einer Familie nicht so gut ist, dann ist es mit dem Vertrauen leider auch nicht weit her. Ich hatte viele Jahre ein Problem mit den "Familienverhältnissen", aber habe gelernt es zu akzeptieren wie es halt ist. Es ist schwierig Anerkennung zu bekommen wenn man "nur" das Mädchen ist und nicht der Prinz ;-)

Zwischen meinem Bruder und mir ist das Verhältnis so: wenn die Eltern (bzw. nun die Mutter) nicht wären, dann würde gar kein Kontakt bestehen. Selbst wenn wir uns mal sehen reden wir höchstens 2-3 Sätze miteinander - wir sind uns praktisch total fremd. Es ist traurig und ich habe lange genug wirklich probiert es zu ändern, aber ich glaube er wollte es auch nicht. Er gratuliert mir ja noch nicht mal zum Geburtstag... Ich weiß über entfernte Bekannte/Freunde/Kollegen teilweise mehr als über meinen eigenen Bruder. Mein Leben interessiert ihn auch gar nicht - er fragt nie was und wenn ich beim Familienessen mal was erzählt habe, dann ging das bei einem Ohr rein und beim anderen raus. Wenn ich mal das Wort direkt an ihn richte, dann kommen auch nur einsilbige Antworten und meistens beendet er das Gespräch (wenn man es denn so nennen kann) auch direkt.

Der Vater hat übrigens kein Testament gemacht, das steht bereits fest.

k`aterc harlixe


blöde situation, aber auch eindeutig.

beantrage einen erbschein.

kostet zwar was, aber schafft klarheit.

kopf in den sand stecken hilft nix.

AIlidce_x_


Also ich lebe in Österreich aber ich nehme an in D wird es ähnlich sein: der Nachlasskurator (Notar) word die Angelegenheit regeln und du wirst ganz normal ins Grundbuch eingetragen. Zu einem Verzicht solltest du dich nicht drängen lassen.

Darf ich fragen ob deiner Mutter bereits die Hälfte des Hauses gehört?

S\üntjxe


geht es "nur" um das Haus?

meine Eltern haben keines, und als mein Vater starb blieb das "Vermögen" bei meiner Mutter.

Weder meine Schwester noch ich sind auf die Idee gekommen, da was erben zu wollen?

S/userlx23


@ Süntje:

Naja, das genaue Vermögen (außer Haus) kenne ich gar nicht. hab also null Ahnung wie groß oder klein der Anteil wäre...

Ich finde das halt eine extrem schwierige Situation. Ich will natürlich auch nicht unnötig für Streit sorgen, aber aufgrund der Familienverhältnisse bin ich halt etwas misstrauisch...

AGlAicce__


Keinen Streit aufkommen lassen, die gesetzliche Erbfolge sieht alles vor....

CioHmrxan


Der Vater hat übrigens kein Testament gemacht, das steht bereits fest.

Wird dann nicht ohnehin von Amts wegen der Nachlass eröffnet? Schließlich hat der Fiskus ja ein Interesse daran, die Vermögenswerte auf den Tisch zu legen, deren Aufteilung zu regeln und die entsprechende Erbschaftssteuer zu kassieren.

Möglicherweise wirst du dann ohnehin mit dem gesetzlichen Teil als Erbe eingesetzt. Dazu fehlt mir aber die persönliche Erfahrung, da es in unserer Familie immer Testamente gab. Auch darüber solltest du dich schlau machen.

t6inkxa


So wie ich das noch weiß, muss einer der Erben den Erbschein beantragen. Das gilt dann für alle Erben. Und du kommst dann automatisch ins Grundbuch. Ich glaube, dass du da dann mehr gar nicht machen musst. Ich habe auch mal ein Stück Haus geerbt von einem Großonkel, der keine Kinder hatte. Einer der Erben hat dann einen Notar beauftragt und da musste ich garnichts machen. Ich glaube aber, dass man den Notar garnicht unbedingt braucht. Der kostet ja nur...

S;chmxid1ti7x0


Ja, es gibt die gesetzliche Erbfolge, aber wenn z.B. Geld weg ist, dann ist es weg, dann kann man zwar seine Ansprüche anmelden, aber ob man die dann durchholen kann, ist die andere Frage.

Wobei ich jetzt nicht dazu aufrufen möchte, sich zu holen, was es geben könnte. Den Anteil am Haus wirst Du behalten, ob Du jetzt eingetragen wirst oder nicht. Stellt sich noch die Frage, ob es Gemeinschaftseigentum Deiner Eltern war (dann reden wir ja noch über die Hälfte des Hauses, von der Deiner Mutter dann auch noch die Hälfte gehören würde) oder es z.B. Deinem Vater alleine gehört hat.

Ehrlich gesagt wüsste ich nicht, wie ich mich verhalten würde. Wie ist denn unabhängig von Deinem Bruder das Verhältnis zu Deiner Mutter?

Das Finanzamt fordert im Nachlassfall in der Regel eine Aufstellung der vorhandenen Vermögenswerte und legt dann anhand dessen die Erbschaftssteuer fest. Das Finanzamt kümmert sich natürlich nicht darum, ob z.B. Gelder dann auch auf die Erben übertragen werden.

Leider zerbrechen an solchen Dingen wirklich Familien, diese Erfahrung mussten wir auch nach einem Todesfall machen. Insofern bin ich froh, dass meine Eltern alles geregelt haben und wir auch schon offen gesprochen haben, wie sie sich das mal wünschen. Meine Verbindung zu meinen Geschwistern ist leider auch nicht eng, trotzdem wird es mir nicht einfallen, gegen den Willen meiner Eltern zu handeln. Und mein Mann und ich haben auch schon unser Testament gemacht. Man weiß nie, wann es wie kommt und klare Regelungen kommen allen Beteiligten zugute.

Liebe TE, ich wünsche Dir das richtige Händchen! Und mein Beileid zum Tod Deines Vaters! :)-

k]athXariina-die]-große


Dass dein Bruder nicht auf deiner Seite steht, ist doch logisch. Immerhin ist es sein schönes Leben, was davon beschnitten wird, wenn du dein Erbe einforderst.

Wie ist das Verhältnis zur Mutter? Ist sie eure gemeinsame Mutter? So distanziert, wie du von ihr schreibst, ist das Verhältnis eh nicht das beste? Dann hast du ja eigentlich nicht viel zu verlieren, wenn du auf deinen Anteil bestehst.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Abschied und Trauer oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

Gedenken


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH