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Prüfungsthema Tod und emotionales Problem damit

Fdelshmelxdin hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich habe bald meine Abschlussprüfung im Studium, in der ich zum Thema Tod mündlich geprüft werden (ist im Fach Philosphie und speziell Didaktik der Grunschule). Jetzt ist es so, dass ich leider überhaupt nicht über das Thema sprechen kann, ohne dass mir die Tränen kommen. Ich finde, dass es ein sehr wichtiges Thema ist. Häufig wird es in Familien tabuisiert aber trotzdem kann der Tod alle unerwartet treffen, weswegen sich auch Kinder natürlich kindgerecht damit auseinandersetzten sollten. Ich kann philosophische Ansichten zu dem Thema ohne zu weinen lesen, aber sobald es um konkrete Unterrichtsideen und Hinführungen über Bilderbücher etc. geht kommen mir die Tränen. Ich weiß dass es schwach ist, aber mich nimmt das Thema sehr mit. Ich habe auch Angst, in der Prüfung zu heulen.

Andererseits denke ich, dass es vielleicht keine gute Möglichkeit ist, mich in Vorbereitung auf die Prüfung intensiv damit zu beschäftigen, damit ich es auch irgendwann in der Schule schaffen kann. Wäre ja auch blöd, wenn die Lehrerin beim Lesen den Buches schon (meist bevor eine Person dort stirbt) anfängt zu heulen ;-D

Würdet ihr versuchen ein Ausweichthema zu bekommen? Oder habt ihr vielleicht Hinweise, wie man lernen kann, damit umzugehen?

Ich habe schon mehrere Verluste erlebt aber ich denke, dass ich die recht gut verarbeitet....meine Angst ist, dass Menschen, die ich liebe und die noch da sind sterben. Ein Familienmitglied ist todkrank und ich kann den Gedanken nicht ertragen :°(

Antworten
a#nfangmit%freugde


Würdet ihr versuchen ein Ausweichthema zu bekommen? Oder habt ihr vielleicht Hinweise, wie man lernen kann, damit umzugehen?

ich würde mir kein ausweichthema besorgen. jeder hat themen, mit denen er sich ungern auseinander setzt, aber grade als lehrkraft musst du dich in deinem fachgebiet nunmal mit allem auseinander setzen können. ob es dir nun liegt oder nicht.

in so weit sehe ich es schon als gute chance, da zu üben, denn früher oder später wird dich das thema auch im berufsalltag einholen.

was ich in meinen didaktikseminaren dazu gelernt habe: es ist OK, als lehrer auch nur ein mensch zu sein und ggf. gefühle zu haben oder zu zeigen. wenn du also im unterrichtsalltag mal eine stunde zu dem thema machst, kann es gut sein, dass die SuS dann einfach von ihren erlittenen verlusten erzählen und du eben auch von deinen und dass ihr euch dann darüber austauscht, wie ihr damit umgeht - womöglich hilft dir das dann langfristig.

für die prüfung würde ich versuchen, mir eine gewisse professionalität zuzulegen. versuch, die verbindung zwischen dem eher abstrakten gedanken an den tod und den gedanken an deine persönlichen sorgen und erlebnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen. in der prüfung steht dann da nicht felsheldin die gebeutelte, die schon so viele tode miterlebt hat und nur daran denken kann, sondern felsheldin die wissenschaftlerin, die es schafft losgelöst von ihren eigenen emotionen über ein wissenschaftliches thema zu referieren.

EAhemUaliger N0utzer '(#60x5677)


Ich kann philosophische Ansichten zu dem Thema ohne zu weinen lesen, aber sobald es um konkrete Unterrichtsideen und Hinführungen über Bilderbücher etc. geht kommen mir die Tränen.

Weil du sofort den persönlichen Bezug zu dir und z. B. deinem todkranken Familienmitglied herstellst oder dem irgendwann eintretenden Sterben deiner dir nahestehenden Mitmenschen damit verknüpfst?

Sollst du bei der Prüfung eher allgemein über das Thema reden oder ist das mehr eine - sorry für die Formulierung - "öffentliche Therapiesitzung", in der du über deine tiefsten und inimsten Gefühle und Gedanken zu dem Thema reden musst?

Vielleicht fällt es dir ja leichter, wenn du das Thema - auch wenn es für Grundschüler ist - eher wissenschaftlich angehst und aufbereitest. Z. B., welche Prozesse im Körper ablaufen, wenn der Organismus abstirbt. Wieso sich die Haut von Verstorbenen verfärbt; wie lange die Leichenstarre anhält und wann sie eintritt etc. - oder wäre das zu weit weg vom "philosophischen Hintergrund"?

Du könntest ansonsten auch die verschiedenen (idR religiösen) Vorstellungen dazu präsentieren, was nach dem Tod mit der Seele des Verstorbenen passiert und dass niemand beweisen kann, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, noch widerlegen. Um den philosphischen Dreh reinzukriegen.

C3omrxan


Du hast dieses Fach belegt, welches (wie andere Fächer auch) irgendwann zum Thema Tod kommt. D.h. es ist fast unausweichlich, damit konfrontiert zu werden. Natürlich kann man sich davor drücken, aber dann kommt es irgendwann wieder und man ist genauso unvorbereitet. Daher würde ich dir raten, es durchzuziehen.

Ein Familienmitglied ist todkrank und ich kann den Gedanken nicht ertragen :°(

Wäre es eine Möglichkeit, dies notfalls in deine Ausführungen einzubringen? Ich glaube, gerade für Grundschuldidaktik ist die Nähe und eigene Verbundenheit mit dem Thema sehr geeignet. Natürlich nicht um jeden Preis, aber wenn dir die Tränen kommen sollten, kannst du dahin ausweichen und erklären, warum das so ist. So hast du einen doppelten Boden. Emotionalität ist einem Lehrer nicht untersagt - im Gegenteil. Es sollte nur keine unprofessionelle Emotionalität sein. Aber ich glaube, wenn du einen solchen Not-Moment dahingehend überspielst, indem du es mit deiner persönlichen Sicht anreicherst und Beziehungen zum sonstigen Gesagten herstellen kannst, würde man dies vermutlich sogar positiv auffassen. Also das Problem ins Gegenteil umkehren.

Viel Glück dafür, und übe die Vorträge vor einer Vertrauensperson. Das wird auch dir helfen, persönlich mit dem Thema routinierter und mit weniger Ängsten umzugehen. Denn wenn du schon Angst hast, dass du weinen wirst, dann wirst du auch weinen. Wenn du es :)* gelassen betrachtest, wird es vielleicht gar nicht passieren.

Fzels'helxdin


ich würde mir kein ausweichthema besorgen. jeder hat themen, mit denen er sich ungern auseinander setzt, aber grade als lehrkraft musst du dich in deinem fachgebiet nunmal mit allem auseinander setzen können. ob es dir nun liegt oder nicht.

in so weit sehe ich es schon als gute chance, da zu üben, denn früher oder später wird dich das thema auch im berufsalltag einholen.

Danke, dass ist glaube ich auch der richtige Weg!

Weil du sofort den persönlichen Bezug zu dir und z. B. deinem todkranken Familienmitglied herstellst oder dem irgendwann eintretenden Sterben deiner dir nahestehenden Mitmenschen damit verknüpfst?

Sollst du bei der Prüfung eher allgemein über das Thema reden oder ist das mehr eine - sorry für die Formulierung - "öffentliche Therapiesitzung", in der du über deine tiefsten und inimsten Gefühle und Gedanken zu dem Thema reden musst?

Konkret geht es denke ich um einen didaktischen Bezug...wie kann ich das Thema in der Grundschule bearbeiten, was ist zu beachten, eventuell Möglichkeiten aufzeigen wie eine Stunde aussehen könnte etc.

Vielleicht fällt es dir ja leichter, wenn du das Thema - auch wenn es für Grundschüler ist - eher wissenschaftlich angehst und aufbereitest. Z. B., welche Prozesse im Körper ablaufen, wenn der Organismus abstirbt. Wieso sich die Haut von Verstorbenen verfärbt; wie lange die Leichenstarre anhält und wann sie eintritt etc. - oder wäre das zu weit weg vom "philosophischen Hintergrund"?

Wahrscheinlich wäre das zu weit weg. Wenn es in die Richtung geht mit Kindern zu thematisieren, wie sich sich ein Leben nach dem Tod vorstellen oder "Was wäre wenn niemand sterben müsste?" etc. fällt es mir super leicht. Oder auch verschiedene Ansichten von Philosophen zum Tod kann ich problemlos wiedergeben..nur die direkte Auseinandersetzung mit dem Tod ist für mich sehr schwierig, z. B. wenn man über Kinderbücher einsteigt oder solche Fragen thematisiert wie "Was bedeutet es jemanden zu vermissen? Wie habt ihr den Verlust erlebt? " etc.

Wäre es eine Möglichkeit, dies notfalls in deine Ausführungen einzubringen? Ich glaube, gerade für Grundschuldidaktik ist die Nähe und eigene Verbundenheit mit dem Thema sehr geeignet. Natürlich nicht um jeden Preis, aber wenn dir die Tränen kommen sollten, kannst du dahin ausweichen und erklären, warum das so ist. So hast du einen doppelten Boden.

Danke, dass habe ich auch schon überlegt!

Ich würde mir schon wünschen, dass ich ohne Tränen darüber reden kann. Oftmals ist es ja so, dass das Thema in Familien tabuisiert wird und das Kind vermittelt bekommt, dass es etwas ganz furchtbares ist, worüber man nicht gerne spricht. Aber häufig haben Kinder darauf ja eine ganz andere Sicht und es wäre schon wünschenswert, wenn es die Lehrerin schafft, mit den Kindern darüber ganz offen und neutral zu reden....darüber wie es ist jemanden zu vermissen, Vorstellungen was nach dem Tod passiert, wie das verschiedene Religionen sehen usw. Ich hoffe, dass ich, wenn ich mich die nächsten Monate damit intensiv beschäftige auch selbst daran wachse! Danke euch allen für eure hilfreichen Tipps!

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