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Bin ich schuld an ihrem Tod?

E0iuneGuBteFraxge hat die Diskussion gestartet


Liebes Forum,

Gestern ist meine Schwiegermutter gestorben, sie war schwer krank und die letzten Wochen nahezu nur im Krankenhaus, bis auf vier Tage.

Gestern lief ich auf Autopilot, heute schlägt die Trauer mit dem Dampfhammer zu. Und das, obwohl ich immer dachte sie bedeutet mir gar nichts. Ich bin ein dummer Mensch.

Vor vier Wochen kam sie ins Krankenhaus, ich war unzufrieden mit der Klinik, dort wurde schnell auf Palliativ gedrängt und schließlich stimmte ich zu.

Was bin ich für eine dumme Idiotin? Ich frage mich Stunde um Stunde ob sie noch leben würde, wenn ich sie nur in eine Uniklinik gebracht hätte.

Sie hatte, wie mittlerweile klar ist, einen NSTEMI-Herzinfarkt. Eine Katheteruntersuchung wurde mangels Führbarkeit der Patientin abgebrochen und es wurde dann entschieden nichts mehr zu tun außer ASS und Clopidogrel zu geben. Ein Fehler? Hätte ein anderes Klinikum den Katheter geschafft? Hätte ich darauf bestehen sollen? Habe ich mich schuldig gemacht als ich die Handlungsvorschläge der Ärzte akzeptiert habe?

Ihre letzten vier Wochen waren geprägt von massiver Verwirrtheit, extremer Schwäche, Ablehnung von Nahrung und Flüssigkeit - eine Peg wurde nicht gelegt.

Ich war jeden Tag bei ihr, hab sie gefüttert, gewickelt, gestreichelt, geküsst - auch nachdem sie gestern eingeschlafen war, habe ich ihr einen Abschiedskuss gegeben. Ich habe noch nie einen toten Menschen so nahe gesehen, ein Bild was ich nie vergessen werde.

Ich war so dumm zu Lebzeiten, hab ihr so viel nachgetragen, erst als sie am 6.8 zusammenbrach, bin ich aufgewacht. Sie weiß dass ich in den letzten vier Wochen für sie da war, sie hat mir vertraut, sie hat mich lieb gehabt.

Als ich sie am Freitag erneut in die Klinik brachte, weil sie massivst ausgetrocknet war, bat sie mich inständig, dass ich sie mit nach Hause nehme. Sie sagte: "Schatz, du hast es versprochen". Ich hab sie dagelassen, damit ihr geholfen wird und habe sie nie wieder bekommen.

Gestern Mittag plante ich mit der Ärztin die Reha, drei Stunden später der Anruf, dass sie sehr schwach ist und ich mit dem schlimmsten rechnen muss. Ich bin gerannt in die Klinik, zu spät. Sie starb als ich auf dem Weg war. Ein einziges Mal habe ich einen Anruf verpasst, weil ich sorglos war, weil die Ärztin mir zuvor Optimismus gegeben hatte. (Sie war seit Freitag allerdings in einer anderen Klinik, zwischen Montag und Freitag zu Hause. Die Klinik wo sie jetzt war, hat sich sehr bemüht, alle waren lieb zu ihr, aufmerksam, sie wurde gewindelt, bekam Leckereien von den Pflegern zugesteckt).

Ich werde nie eine Antwort auf die Frage bekommen ob sie noch leben würde, hätte ich sie nur in die Uni gebracht. Das erste Klinikum hat versagt, total versagt. Erst nach 10! Tagen wurde der Infarkt festgestellt. Zuvor wurde sie auf die "Patientin braucht Aufmerksamkeit-Schiene mit Psychopharmaka behandelt". Ein grober Fehler. Sie hatte keine Aufmerksamkeit nötig, sie hatte einen gottverschissenen Herzinfarkt. Der Herzkatheter wurde nicht mehr gemacht, weil schwierige Zugangswege vorhanden wären. Wieder ein Fehler?? Hätte es die Uniklinik geschafft, sie gerettet? Habe ich mich schuldig gemacht weil ich nicht auf die Verlegung bestanden habe? Weil ich sie nicht in eine Fachklinik brachte? Hab ich versagt? Weil ich zu feige war den Ärzten Dampf zu machen?

Gott beschütze sie, ich hab sie geliebt, auch wenn ich es nicht oft gezeigt habe.

:)- :)- :)-

Antworten
P;edxdi


Gehe doch mal bitte davon aus, dass Ärzte helfen wollen.

Das ist schon mal das Erste. Für alles andere sind es zu wenig Infos.Wäre die Sch.mu bei dem Kathter verstorben, dann wäre es genau so schlimm. Er wurde abgebrochen, weil er zu riskant war.

Du weißt nicht, wie es gekommen wäre, hättest Du sie in eine andere klinik gebracht.

Deine Schwie-mu. war krank. Du hast alles getan für sie. Hättest Du sie bei der Austrocknung mit nach Hause genommen, dann hättest Du noch mehr Schuldgefühle.

Dir alles Gute.

ECine^G=utEeFr6age


Gehe doch mal bitte davon aus, dass Ärzte helfen wollen.

Das ist schon mal das Erste. Für alles andere sind es zu wenig Infos.Wäre die Sch.mu bei dem Kathter verstorben, dann wäre es genau so schlimm. Er wurde abgebrochen, weil er zu riskant war.

Genau das fällt mir schwer, davon auszugehen. Weil - wollen Ärzte das wirklich immer? Oder sehen sie es bei einer Frau, die zum Zeitpunkt der Krankenhausaufnahme sehr durcheinander und krank wirkte, vielleicht anders? Mir hat niemand geglaubt dass sie noch einen Tag zuvor gelaufen ist - 2 Stockwerke.

Infos:

Sie hatte eine 3-Gefäß KHK, Zustand nach 3 Bypässen, massive Arteriosklerose in allen Gefäßen. Mitralklappenstenose leicht, chronische Niereninsuffizienz seit 18 Jahren. Apoplex im Jahr 2008, allerdings ohne Folgeschäden. Eingeliefert wurde sie mit massiver Übelkeit und Schwindel, Apoplex wurde ausgeschlossen bzw. soweit wie möglich und erstmal nur auf Gastritis behandelt und auf die Psyche geschoben. Am 16.8! 10 Tage nach Einlieferung konnte sie endlich äußern, dass sie Brustschmerzen hat worauf dann mal das Troponin gecheckt wurde, was deutlich erhöht war. Ein Echo wurde TROTZDEM nicht gemacht, stattdessen wurde ein Herzkatheder anberaumt. Im EKG gabs ne Streckensenkung, es war ein Schenkelblock sichtbar, Diagnose NSTEMI. Bevor der Katheter stattfinden konnte, hat sie Seroquel gekriegt und war somit nicht mehr zur Mitarbeit in der Lage. Sie war nicht ruhig zu halten, sie drehte sich weg, eine Katheterisierung war unmöglich. Auf die Idee eine Vollnarkose zu machen kam niemand. Daraufhin wurde gesagt, wir behandeln palliativ. Wäre der Katether erneut gelegt worden, hätte man ihr vielleicht helfen können?

Das ist es, was mir nicht aus dem Kopf geht und ein Heulausbruch folgt auf den anderen.

spchnujpfenx08


In ihrem Zustand hätte sie wahrscheinlich auch eine vollnarkose nicht überleben können.

Die multiplen Krankheiten deiner Schwiegermutter haben zum Tod geführt und kein Arzt hat da Schuld...

Viele Sachen sind halt einfach nicht möglich.

Arteriosklerose in allen Gefäßen... Das heißt früher oder später wäre sowieso vergleichbarea passiert.

Gib deiner Schwiegermutter und dir Frieden.

Alles Gute

B\irkeenz wexig


hi gute frage

abschied von angehörigen is ganz oft gekoppelt mit einer schuldfrage.

als außenstehende und altenpflegerin betrachte ich da snatürlich von einer ganz anderen seite:

nehmen wir an, der herzkatheter wäre gekommen, eine PEG würde gelegt.. dann würde deine schwiegermutter noch einige monate vielleicht leben können- aber unter welcher lebensqualität? im bett liegend und permanent auf hilfe andrer angewisen? stellst du dir das schön vor? ist das das, was du ihr wünscht? gesund war sie nunmal nicht mehr. also wäre das irgendwie so gekommen jetzt.

ich finde, daß man mit der medizin viel machen kann. ich bezweifle, daß das für den betreffenden immer das beste ist.

am leben erhalten um jeden preis? ich finde, das ist ein eingriff in den natürlichen sterbeprozess. oft wird das sterben dadurch verlängert, die betreffenden haben eine sehr lange zeit des quälens, dahinvegetierens und meine erfahrung ist, daß selbst bei "gesunden" alten irgendwann der punkt kommt: es wäre ok, wenn ich jetzt sterben würde. die gehen mit dem thema ganz anders um, als wir.

also: hör auf, dir schuld zu geben. wer weiß, was ihr erspart geblieben ist. viel kraft dir :)* :)-

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