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Wie viel und wie lange ist denn "normal" beim trauern?

Alias 745790 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich will es kurz halten.

Mein Opa ist sehr unerwartet vor fast einem Jahr gestorben. Ich konnte mich noch verabschieden. Trotzdem hat mich dieses Erlebnis sehr tief erschüttert. Es ist nicht nur die reine Trauer, sondern auch die Tatsache das mir bewusst wurde, wie schnell das Leben urplötzlich vorbei sein kann.

Es ist das der erste so enge Angehörige, der gestorben ist. Und es treibt mich in den Wahnsinn, wenn ich daran denke, dass jederzeit wieder jemand der mir so nah ist sterben könnte. Oder ich selbst. Ich halte es aktuell emotional kaum aus, vielleicht liegt es auch daran, dass der erste Todestag so nah ist.

Wie lange geht das noch so? Ich habe nicht das Gefühl, dass die Trauer besser geworden ist, ganz im Gegenteil. Nur der erste Schock ist nicht mehr da.

Antworten
K&an-ga


Das ist bei jedem Mensch unterschiedlich. Manche brauchen Jahre, manche Wochen, manche sind sofort danach wieder Ok.

Da gibt es keine gültigen Regeln. Vielleicht gibt es bei euch sowas wie eine Trauerberatung? Informier dich dahingehend mal.

H ype^rioxn


Wie lange geht das noch so?

3 oder 5 Jahre

Je nachdem wie eng die Bindung war. Manche brauchen 3 Jahre um den Verlust zu verarbeiten oder zu verdrängen, andere 5 Jahre und wieder andere trauern ihr Leben lang.

Alias 745790


Kanga, danke.

Da habe ich schon dran gedacht, ich bin aber momentan so emotional, dass ich nicht mal drüber reden kann ohne das ich emotional total neben mir laufe (und heule). Ich bin auch gerade etwas verbohrt bei dem Thema, ich will nicht drüber reden und schon gar kein Mitgefühl erhalten...

Alias 745790


Hyperion, aber doch nicht so intensiv oder?

Ich mein...das war mein Opa. Der Mittelpunkt unserer Familie. Ein ehrwürdiger Mensch, der in einem guten Alter gestorben ist. Ich konnte tschüß sagen. Also nichts wo man sagen könnte es war nicht okay. Und trotzdem haut es mich so um.

celeasaOn-temine


Hm... Ich denke eher, dass du prinzipiell nicht gut mit dem Tod umgehen kannst. Ist es okay für dich, dass Menschen sterben? Dass das Leben deiner Lieben und das eigene endlich ist? Der Tod deines Opas hat dir diese Gedanken wohl erstmals bewusst gemacht und im Moment sagst du dir: "Nein, es ist nicht okay." Daher rührt deine Angst und du kannst nicht loslassen. Da hilft leider nur drüber reden und ich empfehle dir, eine Psychotherapie zu machen. Da steckt mehr dahinter als der Tod deines Opas, sondern die tiefgreifende Angst vor Kontrollverlust durch einen Todesfall. Sowas kann man aufarbeiten.

LPichtYAmHorixzont


@ Hyperion

3 oder 5 Jahre

Je nachdem wie eng die Bindung war. Manche brauchen 3 Jahre um den Verlust zu verarbeiten oder zu verdrängen, andere 5 Jahre und wieder andere trauern ihr Leben lang.

Woher um alles in der Welt nimmst Du diese Zahlen? 3 oder 5 Jahre?!

Es ist absolut und vollkommen individuell. Der erste Tod in meiner Familie hat mir auch den Boden unter den Füßen weggezogen, aber die richtig schlimme Zeit war bei mir verhältnismäßig schnell vorbei. Natürlich zieht man nicht irgendwann einen Strich drunter und es ist als wäre nie etwas gewesen. Mir haben Gespräche mit anderen dabei sehr geholfen.

@ TE

Vielleicht könnte Dir ein Gespräch bei einer psychologischen Beratungsstelle helfen? Oder einfach Gespräche mit Freunden, die auch schon so etwas hinter sich haben?

cTleaspan-teixne


Und: Das mit den 3 - 5 Jahren leuchtet mir nicht so richtig ein. Manche Menschen brauchen zu so einer Verarbeitung doch auch nur Monate? Und manche brauchen 6 Jahre, und nach den 5 Jahren nicht lebenslang?

Meiner Erfahrung nach - ich habe schon ein paar Menschen und auch Tiere verloren - vergeht der Schmerz nie. Man lernt nur irgendwann, damit zu leben, und er wird normaler und zu einem Teil von einem. So gesehen trauert man lebenslang, aber irgendwann ist es einfach nicht mehr so extrem präsent. Am Anfang packt einen jeden Tag mehrmals der Schock und die Fassungslosigkeit, der brennende Verlustschmerz, und die Albträume kommen jede Nacht. Irgendwann werden die brennenden Momente und die Albträume einfach seltener. Man kann sowas akzeptieren, aber nicht vergessen. Das Loch bleibt und das zu akzeptieren, tut irgendwie auch gut. So weiß man, dass der Verstorbene wichtig war und nie vergessen wird, im Herzen eben weiter lebt. Und man kann sich ja auch an die schönen Momente erinnern.

Vielleicht musst du einfach lernen, dass Tod, Schmerz, Verlust und Leiden genauso zum Leben gehören wie Geburt, Freude, Familie und Liebe. Das eine geht nicht ohne das andere. Das zu akzeptieren und auch anzunehmen ist sehr wohltuend und man lebt irgendwie tiefer, intensiver. Das wäre sicher auch schön für deinen Opa :)_!

Mir hilft übrigens auf der spirituellen Ebene, dass ich mir sicher bin, dass der Tod nicht das Ende ist. Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Auf der biologischen Ebene hilft mir der Gedanke, dass meine späteren Kinder und Enkel - oder auch Großcousinen und -cousins - meine Gene weitertragen werden und so ein Teil von mir immer weiterleben wird. Und ein Teil von deinem Opa lebt ja auch in dir weiter :)-.

Übrigens sind die Menschen früher noch ganz anders mit dem Tod umgegangen. Es gab richtige Friedhöfe mit lustigen Sprüchen, die auch recht makaber waren. Der Tod war allgegenwärtig; mit Glück erreichte die Hälfte der Kinder das Erwachsenenalter - da musste man einfach anders mit umgehen, auf Gott (oder an wen oder was auch immer du glaubst, und sei es die Liebe) vertrauen und das Beste draus machen.

"Carpe diem!" und "Memento mori!" als Motti in der Barock-Zeit gingen auch nicht umsonst Hand in Hand.

Ich hoffe, du konntest aus meinen Gedanken etwas Hilfreiches und Tröstendes für dich mitnehmen :)*!

Zuletzt noch: Lass die Trauer und die Angst zu - sonst werden sie nur noch stärker.

LG

H1yIperivon


LichtAmHorizont

Woher um alles in der Welt nimmst Du diese Zahlen? 3 oder 5 Jahre?!

Erfahrung

Alias

Hyperion, aber doch nicht so intensiv oder?

Ich mein...das war mein Opa. Der Mittelpunkt unserer Familie. Ein ehrwürdiger Mensch, der in einem guten Alter gestorben ist. Ich konnte tschüß sagen. Also nichts wo man sagen könnte es war nicht okay. Und trotzdem haut es mich so um.

Das kommt darauf an wie stark die Bindung zu deinem Opa war und wie eng er zur dir stand. Wenn er ein Teil von dir war, der dir plötzlich weggerissen wird dauert es Jahre um das einigermaßen zu verarbeiten oder zu verdrängen, lernen damit zu Leben.

Je mehr du Kontakt zu ihm hattest oder je öfters du ihn gesehen hast, desto mehr nimmt es dich bewusst oder unbewusst mit.

Du schreibst auch das es der erste Angehörige war. Bei mir sind es 5. Die erste Erfahrung mit dem Tod in der eigenen Familie ist ganz anders, emotionaler als wenn es andere betrifft die nicht zur Familie gehören.

cElea=san-tDexine


Wobei ich persönlich Verdrängung nicht empfehlen würde. Meine Erfahrung damit ist, dass verdrängte Gefühle wie eiternde Wunden sind. Es tut immernoch weh und eitert und heilt nie ganz. Klar, Heilung im Sinne von "Der Schmerz geht weg." gibt es eh nie, aber im Sinne von "Ich kann den Schmerz annehmen." Und dann wird mit der Zeit - wie lang, ist extrem individuell und alles ist okay dabei, ob 1 Tag oder lebenslang - die Bürde zu tragen einfacher, selbstverständlicher.

sEchWlu0cky


Ein ehrwürdiger Mensch, der in einem guten Alter gestorben ist. Ich konnte tschüß sagen. Also nichts wo man sagen könnte es war nicht okay. Und trotzdem haut es mich so um.

Kann es sein, das du selber Probleme damit hast, das du so Fühlst wie du fühlst?

Wenn es so ist, dann darfst zu es nicht so machen. Es ist in Ordnung wie du dazu fühlst. Bei jeden ist es anders und auch wechselt oft. Du hast ihn wohl geliebt und war ein wichtiger teil deines Leben, da darf du deswegen traurig sein.

Versuche aber was zu finde was in den Momenten dir gut tut, wie du damit am besten umgehst. Manche wollen reden andere nicht, das ist so verschieden. Jeder muss sein Weg finden

Und es treibt mich in den Wahnsinn, wenn ich daran denke, dass jederzeit wieder jemand der mir so nah ist sterben könnte.

Das solltest du aber schon versuchen zu unterdrücken. Selbst wenn es passiert, was bringt es dir, dich jetzt schon deswegen wahnsinnig zu machen? Du versaust dir nur die Zeit die zu jetzt mit den hast und das es weniger passiere tut es auch nicht.

Versuche ehr, jetzt mit den Intensiver die Zeit zu nutzten.

Ich hatte in sehr kurzer Zeit meine Komplette Familie verloren. Mit 5 Jahren mein Vater, mit 6 Jahren meine Mutter und mit 9 Jahren mein Bruder.

Ich bin mit jeden Tod anders umgegangen. Und hatte so viele Phasen damit durchlebt. Es gab auch Phasen, wo jede Erinnerung mich zur Verzweiflung brachte, z.b wenn jemand fragte, wieso ich im Heim lebe. Wo dann die Antwort kam, weil meine Eltern Tod sind.

Dann dann gab es aber auch Tage da wollte ich jeden Erzählen , was wir zusammen früher zusammen gemacht haben(schöne Erinnerung). Über die reden. Anderen Tag, einfach nur traurig deswegen sein. Das brauchte ich auch in manchen Zeiten.

Was ich mir aber immer versucht habe zu sagen, wenn ich tief verzweifelt war und dachte ich werde noch wahnsinnig und halte den Schmerz nicht mehr aus, was die die Gestorben dann zu mir gesagt hätten, wenn die mich so sehen würden .Mich gefragt ob die das so gewollt hätten und was die jetzt für mich Wünschen würden.

Und da war ich mir sicher, das hätten die nicht gewollte das ich so Leide und immer heulend im Bett liege und hätten lieber gewollte das ich freute am Leben habe und nicht deswegen zu Grunde gehe.

Es waren viele Sprüche die mir in Kopf kamen, die sie mal zu mir gesagt haben. Auch was meine Mutter zu mir gesagt hat, als mein Vater Tod war und mich damit aufbauen wollte oder mein Bruder.

Mich haben auch tlw. winzige Sprüche aufgebaut, die mal von den kamen. Da konnte ich manchmal heulend lachen können z.b hatte mal mein Bruder als er noch lebte und ich geweint hatte, weil er mich geärgert hatte, noch weiter geärgert und hatte weil ich beim heulend dabei so geschnieft hatte, 2 Stunden hinter mir hehr gelaufen und lachend immer Schiefi, Schiefi gerufen. An die Situation musste ich immer später denken, wenn ich wegen ihn und weil er Tod war geweint habe. Es tat mir gut.

Aber wie gesagt, jeder muss das für sich ausbekommen, was er in den Situation braucht.

f)abi7ennKe33


Wie meine Vorredner schon sagten. Da gibt es keinen festen Zeitraum, wie lange das dauert. Da ist alles möglich. Aber ich glaube auch, dass Dein Hauptproblem nicht der Tod des Opas ist, sondern sein Tod der Auslöser für ein anderes Problem bei Dir war. Der Tod ansich. Die Endlichkeit akzeptieren. Ich kenne das Problem. Ich habe es auch immer noch nicht akzeptieren können. Das ist wirklich schwer, wenn man damit ein Problem hat. Dann ist jeder Tod eine Kastrophe und der auch der eigene Tod versetzt einen in höllische Panik. %:|

f=abieznnxe33


Wie meine Vorredner schon sagten. Da gibt es keinen festen Zeitraum, wie lange das dauert. Da ist alles möglich. Aber ich glaube auch, dass Dein Hauptproblem nicht der Tod des Opas ist, sondern sein Tod der Auslöser für ein anderes Problem bei Dir war. Der Tod ansich. Die Endlichkeit akzeptieren. Ich kenne das Problem. Ich habe es auch immer noch nicht akzeptieren können. Das ist wirklich schwer, wenn man damit ein Problem hat. Dann ist jeder Tod eine Kastrophe und der auch der eigene Tod versetzt einen in höllische Panik. %:|

CFhomiskxy


Es ist das der erste so enge Angehörige, der gestorben ist. Und es treibt mich in den Wahnsinn, wenn ich daran denke, dass jederzeit wieder jemand der mir so nah ist sterben könnte. Oder ich selbst.

Alias, das wundert mich nicht.

Wir alle wissen, dass das Leben irgendwann endet und wir sterben. Es aber erstmals zu erleben und diese Endgültigkeit zu begreifen ist etwas ganz anders. Das kann jemanden unter Umständen richtig, richtig umhauen, nicht nur, aber gerade wenn man eine sehr enge Beziehung zu dem Verstorbenen hatte. Da kommt noch hinzu, dass man denjenigen schmerzlich vermisst und damit fertig werden muss, dass er oder sie nicht mehr da ist.

Ich glaube, den Tod zum ersten Mal so nah mitzuerleben ist eine sehr elementare Erfahrung, die den eigenen Zugang zum Leben sehr verändern kann und wenn man zugleich auch sehr trauert, ist es einfach sehr, sehr schwierig sich da neu auszuloten.

Ich halte es aktuell emotional kaum aus, vielleicht liegt es auch daran, dass der erste Todestag so nah ist.

Das kann durchaus sein. Ich kann mir vorstellen, dass viele Erinnerungen an die Zeit kurz vorher und die ersten Wochen danach wieder sehr nah und präsent sind und das muss sehr schmerzhaft für dich sein. Das tut mir sehr leid.

Alias, es gibt wirklich keinen Grund, streng mit dir selbst zu sein und von dir zu erwarten, dass es okay für dich ist, weil du dich verabschieden konntest und dein Opa ein schönes Alter hatte. Vielleicht macht es das irgendwann leichter, seinen Frieden damit zu finden und froh darüber zu sein, dass dein Opa ein langes Leben hatte und du Abschied nehmen konntest. Aber, dass es erstmal beschissen ist, ist nicht falsch oder verwerflich.

Es ist schlimm, weil es dir damit sehr schlecht geht. Aber nichts daran ist unnormal oder müsste anders sein. Man kann das nicht an einer Zahl festmachen, nicht an Jahren, nicht an Monaten und schon gar nicht an den Erfahrungen einzelner Personen.

Es ist individuell, genauso wie es individuell ist, was einem gut tut und was in dieser Zeit ein wenig hilft. Manchen tut es gut, zu reden. Manchen tut es gut, sich abzulenken. Manchen tut es gut, sich damit auseinanderzusetzen und zu konfrontieren. Oder, oder, oder.

Du schriebst, dass du nicht darüber reden möchtest. Vielleicht irre ich mich, aber es klingt ein wenig danach, als hättest du Sorge, dass dann "alle Dämme" brechen und du den Schmerz, der dann aufkommt, kaum aushalten kannst? Vielleicht kann das aber auch erleichternd und befreiend sein. Wenn du das Gefühl hast, nicht reden zu wollen: vielleicht wäre es eine Möglichkeit, deine Gedanken aufzuschreiben? Nur für dich? Oder auch für deinen Opa? Das wäre etwas kontrollierbarer und geht auch in kleinen Portionen, soweit du es eben schaffst.

Es gibt aber auch Unterstützung, die gut tun kann. Trauergruppen wurden schon genannt, aber auch Trauerbegleiter, mit denen man alleine ein Gespräch führen kann. Das kann auch bei dem Aspekt weiterhelfen, mit Sterblichkeit an sich besser zurecht zu kommen.

Alles Gute!

f&abiexnnex33


Wir alle wissen, dass das Leben irgendwann endet und wir sterben. Es aber erstmals zu erleben und diese Endgültigkeit zu begreifen ist etwas ganz anders. Das kann jemanden unter Umständen richtig, richtig umhauen, nicht nur, aber gerade wenn man eine sehr enge Beziehung zu dem Verstorbenen hatte. Da kommt noch hinzu, dass man denjenigen schmerzlich vermisst und damit fertig werden muss, dass er oder sie nicht mehr da ist.

Ich glaube, den Tod zum ersten Mal so nah mitzuerleben ist eine sehr elementare Erfahrung, die den eigenen Zugang zum Leben sehr verändern kann und wenn man zugleich auch sehr trauert, ist es einfach sehr, sehr schwierig sich da neu auszuloten.

Das hast Du richtig toll gesagt. Genau so ist es.

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