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Wie viel und wie lange ist denn "normal" beim trauern?

Cdomrxan


Ich bin auch gerade etwas verbohrt bei dem Thema, ich will nicht drüber reden und schon gar kein Mitgefühl erhalten...

Hast du denn das Gefühl, dass dir Mitgefühl aufgedrängt wird? Hast du das mal irgendwo thematisiert (dass du noch stark trauerst) und schlechte Erfahrung damit gemacht? Du möchtest nicht darüber reden, aber hier fragst du im Forum schon danach ;-) . Vermutlich, weil dich niemand dabei kennt und du hinter der schützenden Wand der Anonymität stehst. Aber möglicherweise ist das der Weg, wie du doch darüber reden kannst und deinen Frieden dabei finden kannst.

Trauer muss kein negatives Gefühl sein. Diese Erfahrung habe ich gemacht - man assoziiert die Trauer aber schnell mit negativen Gefühlen. Mit der Angst des nahen Todes, die man in der Sterbephase empfindet. Mit den Schmerzen des Verlustes. Dabei ist die Trauer aber das Gefühl, was erst anschließend kommt, und was helfen soll, den Verlust zu überwinden. Man sollte Trauer nutzen können und sie vor allem akzeptieren. Das "Dichtmachen", wie du etwas andeutest, verlängert Trauer. Und das Verdrängen, dass wir alle eines Tages sterben, funktioniert nicht - dieses Gefühl bleibt als Angst dann dauerhaft unterschwellig vorhanden. Du musst dich diesem Gefühl öffnen, es zulassen. Und dich damit auseinandersetzen, was der Verlust für dein Leben bedeutet (auch Verluste, die irgendwann noch kommen werden). Das ist ein schmerzhafter Prozess, aber wenn du diesen überwunden hast und deinen Frieden mit dem Tod geschlossen hast, dann wirst du auch wieder frei sein. Dein Leben wird bewusster, und aus Trauer wird liebevolle Erinnerung, während du deinen Weg durchs Leben weiter gehst.

Loslassen ist der wichtigste Prozess, der aus Trauer erwachsen kann. Loslassen für die Vergangenheit und für die Zukunft.

Wie alt bist du jetzt im Moment und lebst du allein oder mit jemandem zusammen? Je nach Lebenssituation würde ich dir unterschiedliche Strategien empfehlen, wie du diesen Trauerberg überwinden kannst, anstatt ihn vor dir herzuschieben. :)*

C5hmrisK64


Hallo Alias,

Trauern kennt keine Zeit und keine Grenzen. Trauern ist individuell unabhängig von Zeit und Raum. Es kommt nicht auf das wie und wann an, sondern wie eng bzw. nahe derjenige einem stand. Egal ob es der Nachbar, Freund, Oma , Opa ist oder die Eltern sind. Das allererste Mal ist immer schwer. Du bist noch jung.Es ist emotional ganz normal ,wenn sich der erste Todestag nähert. Genauso Geburtstag oder Weihnachten, wenn alle im Kreise der Familie zusammen sind aber einer fehlt. Trotzdem wird es mit der Zeit besser, glaube mir. Hast du allerdings das Gefühl, das es dich innerlich zerfrisst, dann scheue dich nicht Hilfe, professionelle Hilfe anzunehmen.

Seit 2012 ist jedes Jahr jemand aus der Familie gestorben. Dazu 2014 mein Vater einen Tag vor seinem Geburtstag und meine Mutter nun dieses Jahr im Juni. Das ist der Lauf des Lebens und niemand ist unendlich. Obwohl ich zugegebenermaßen auch etwas Schwierigkeiten habe das zu akzeptieren.

Alles Liebe und Gute wünsche ich dir.

Liebe Grüße

SQhojo


Diesen Quatsch mit den festen Zeiträumen nimm mal nicht weiter ernst, das ist Unsinn. Trauer ist tatsächlich ein ungeheuer individuelles Ding und hängt mit ganz vielen unterschiedlichen Faktoren zusammen.

Alias 745790


Erstmal lieben Dank für die Zeit die Ihr Euch hier nehmt und die vielen Antworten!

cleasan-teine04.11.17 23:13

Hm... Ich denke eher, dass du prinzipiell nicht gut mit dem Tod umgehen kannst. Ist es okay für dich, dass Menschen sterben? Dass das Leben deiner Lieben und das eigene endlich ist? Der Tod deines Opas hat dir diese Gedanken wohl erstmals bewusst gemacht und im Moment sagst du dir: "Nein, es ist nicht okay." Daher rührt deine Angst und du kannst nicht loslassen. Da hilft leider nur drüber reden und ich empfehle dir, eine Psychotherapie zu machen. Da steckt mehr dahinter als der Tod deines Opas, sondern die tiefgreifende Angst vor Kontrollverlust durch einen Todesfall. Sowas kann man aufarbeiten.

Ja und Nein.

Einerseits würde ich sagen: Ja ich kann gut mit dem Tod umgehen. Ich weiß, dass alles endlich ist (zumindest das, was wir hier auf der Erde begreifen können). Seit dem Tod meines Opas ist es auch so, dass ich weiß - sofern es irgendwo einen Ort gibt, an dem man sich wieder sieht, dass dort jemand ist der auf mich wartet.

Andererseits: Nein, ich habe Kinder. Wenn ich daran denke eines meiner Kinder könnte sterben, oder ich und sie in so jungen Jahren alleine zurück lassen... Nein, in gewisser Weise kann ich da nicht gut mit umgehen.

Chomsky

Danke! Dein Text hat mich sehr berührt.

Du schriebst, dass du nicht darüber reden möchtest. Vielleicht irre ich mich, aber es klingt ein wenig danach, als hättest du Sorge, dass dann "alle Dämme" brechen und du den Schmerz, der dann aufkommt, kaum aushalten kannst? Vielleicht kann das aber auch erleichternd und befreiend sein. Wenn du das Gefühl hast, nicht reden zu wollen: vielleicht wäre es eine Möglichkeit, deine Gedanken aufzuschreiben? Nur für dich? Oder auch für deinen Opa? Das wäre etwas kontrollierbarer und geht auch in kleinen Portionen, soweit du es eben schaffst.

Ja, wenn ich darüber nachdenke. Es ist tatsächlich so, dass meine größte Befürchtung ist, dass die Dämme sprichwörtlich brechen. Wahrscheinlich sollte ich es doch mal aufschreiben, allerdings muss ich erstmal überlegen was genau es da aufzuschreiben gibt.

Ich bin ab und zu bei meiner Oma (geht aufgrund der Entfernung nicht so oft) - das letzte Mal hat es mich beim Abschied schier zerrissen. Es ist nicht nur die Trauer um meinen Opa, sondern auch die Tatsache, dass ich es so furchtbar für meine Oma finde. Man sieht und empfindet Ihren Schmerz wenn man sie beobachtet (gerade dann, wenn sie sich mal nicht offensichtlich vor uns zusammen reißen muss).

Comran05.11.17 08:58

Ich bin auch gerade etwas verbohrt bei dem Thema, ich will nicht drüber reden und schon gar kein Mitgefühl erhalten...

Hast du denn das Gefühl, dass dir Mitgefühl aufgedrängt wird? Hast du das mal irgendwo thematisiert (dass du noch stark trauerst) und schlechte Erfahrung damit gemacht? Du möchtest nicht darüber reden, aber hier fragst du im Forum schon danach ;-) . Vermutlich, weil dich niemand dabei kennt und du hinter der schützenden Wand der Anonymität stehst. Aber möglicherweise ist das der Weg, wie du doch darüber reden kannst und deinen Frieden dabei finden kannst.

Naja, wenn man drüber redet ist jeder betroffen...Ich möchte das einfach nicht. Ich will keine Betroffenheit spüren, kein Mitgefühl und keine Sprüche die dann doch leicht über die Lippen gehen alla "die Zeit macht es besser".

Den Rest der Familie wollte ich bisher nicht so sehr damit belasten. Es ist mehr oder weniger für alle sehr schwer und das auch offensichtlich. Es ist ja nicht so, dass ich gar nicht offensichtlich trauere. Aber wie oben schon erwähnt, ich habe große Sorge, dass ich, wenn ich zuviel zulasse dann doch mal einen Komplettzusammenbruch habe und das hilft dann keinem.

Wenn Trauer kein negatives Gefühl sein muss, wie würdest du das Gefühl dann beschreiben das es sein sollte?

Ich bin sehr dankbar, dass er ein großer Teil meines Lebens war. Das ich so viel von ihm lernen darf - auch jetzt noch.

Aber ich bin auch so unendlich traurig.

Vielleicht hatte ich auch noch gar keine richtige Zeit zu trauern.

Als er gestorben ist war es erstmal Schock und Trauer. Danach kam dann sehr schnell ein Todesfall in der Familie meines Mannes. Ich bin dann (den Mut habe ich erst nach dem Tod meines Opas gefasst, also dank ihm) einen neuen beruflichen Weg gegangen, der mir zwischenzeitlich kaum Zeit zum nachdenken über überhauptirgendwas gibt. Ich habe zwar getrauert...aber vielleicht einfach nicht genug? Aber woher soll ich auch wissen was genug ist? Wann ist es denn genug? Und wie trauert man denn überhaupt so richtig? Keine Ahnung. Wahrscheinlich ist das ja alles auch nicht so pauschal zu beantworten und jeder muss seinen eigenen Weg finden.

Wahrscheinlich muss ich doch mal mit jemandem der mir Nahe steht sprechen. Vielleicht versuche ich es mit einem meiner Geschwister, die waren beim Tschüß sagen dabei.

Alias 745790


Schlucky

Kann es sein, das du selber Probleme damit hast, das du so Fühlst wie du fühlst?

Wenn es so ist, dann darfst zu es nicht so machen. Es ist in Ordnung wie du dazu fühlst. Bei jeden ist es anders und auch wechselt oft. Du hast ihn wohl geliebt und war ein wichtiger teil deines Leben, da darf du deswegen traurig sein.

Versuche aber was zu finde was in den Momenten dir gut tut, wie du damit am besten umgehst. Manche wollen reden andere nicht, das ist so verschieden. Jeder muss sein Weg finden

Nein. Ich fühle mich ja nicht schlecht das ich solche Gefühle habe. Das Trauern an sich macht mich kaputt. Ich bin echt traurig. Und nicht nur mal 15 Minuten und dann ist wieder gut, sondern ich habe das Gefühl mein Herz ist ein Stück kaputt gegangen. Und das heilt nicht mehr.

Ich bin mit jeden Tod anders umgegangen. Und hatte so viele Phasen damit durchlebt. Es gab auch Phasen, wo jede Erinnerung mich zur Verzweiflung brachte, z.b wenn jemand fragte, wieso ich im Heim lebe. Wo dann die Antwort kam, weil meine Eltern Tod sind.

Dann dann gab es aber auch Tage da wollte ich jeden Erzählen , was wir zusammen früher zusammen gemacht haben(schöne Erinnerung). Über die reden. Anderen Tag, einfach nur traurig deswegen sein. Das brauchte ich auch in manchen Zeiten.

Was ich mir aber immer versucht habe zu sagen, wenn ich tief verzweifelt war und dachte ich werde noch wahnsinnig und halte den Schmerz nicht mehr aus, was die die Gestorben dann zu mir gesagt hätten, wenn die mich so sehen würden .Mich gefragt ob die das so gewollt hätten und was die jetzt für mich Wünschen würden.

Und da war ich mir sicher, das hätten die nicht gewollte das ich so Leide und immer heulend im Bett liege und hätten lieber gewollte das ich freute am Leben habe und nicht deswegen zu Grunde gehe.

Es waren viele Sprüche die mir in Kopf kamen, die sie mal zu mir gesagt haben. Auch was meine Mutter zu mir gesagt hat, als mein Vater Tod war und mich damit aufbauen wollte oder mein Bruder.

Mich haben auch tlw. winzige Sprüche aufgebaut, die mal von den kamen. Da konnte ich manchmal heulend lachen können z.b hatte mal mein Bruder als er noch lebte und ich geweint hatte, weil er mich geärgert hatte, noch weiter geärgert und hatte weil ich beim heulend dabei so geschnieft hatte, 2 Stunden hinter mir hehr gelaufen und lachend immer Schiefi, Schiefi gerufen. An die Situation musste ich immer später denken, wenn ich wegen ihn und weil er Tod war geweint habe. Es tat mir gut.

Aber wie gesagt, jeder muss das für sich ausbekommen, was er in den Situation braucht.

Das berührt mich auch sehr.

Aber zu sagen "das hätte er nicht gewollt" finde ich...nicht den richtigen Weg. Zumindest für mich.

Ich hab auch nicht gewollt das er stirbt. 10 Jahre hätte er schon noch schaffen können (so mal ganz flapsig und unverschämt daher geredet - ich weiß, den Tod haben wir nicht in unseren Händen).

Er hat sicherlich auch einiges nicht so gut gefunden, was ich so gemacht habe, als er noch gelebt hat.

Es gibt nicht so viele Situationen an die ich mich bewusst erinnere, aber ich höre noch oft seine Stimme. Sein trösten.

Cyomrafn


Naja, wenn man drüber redet ist jeder betroffen...Ich möchte das einfach nicht. Ich will keine Betroffenheit spüren, kein Mitgefühl und keine Sprüche die dann doch leicht über die Lippen gehen alla "die Zeit macht es besser".

Mir geht es da ähnlich. Ich habe Verluste oder sterbende Angehörige nie groß in meinem Umfeld thematisiert. Weil ich eben diese meist aufgesetzte Betroffenheit nicht wollte. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich damit nicht weiterkomme. Als dann binnen eines Jahres zwei sehr nahe und liebe Angehörige im Sterben lagen, war es einfach zuviel. Ich brauchte für diese Traurigkeit ein Ventil. Bei mir sah es so aus, dass ich es erst lernen musste, das Weinen zuzulassen. Meine Frau war mir da eine große Hilfe. Einfach mal weinend im Arm zu liegen. Und ich habe gemerkt, dass es mir hilft, bei jemandem die Trauer offen zu zeigen, der ein ehrliches Verständnis dafür aufbringt. Vielleicht kann dein Mann ja dieser Jemand sein? Oder eben deine Geschwister. Irgendjemand, mit dem du offen über deine Gefühle sprechen kannst. Allein der Dialog darüber gibt Kraft und hilft bei der Bewältigung. Auch für dich selbst, dich mit dem Thema "Tod" auseinanderzusetzen und eine größere Akzeptanz aufzubauen.

Man sieht und empfindet Ihren Schmerz wenn man sie beobachtet (gerade dann, wenn sie sich mal nicht offensichtlich vor uns zusammen reißen muss).

Warum muss sie sich zusammenreißen? Warum spricht es niemand an?

Ich war mit meiner Frau kürzlich am Grab meiner Mutter. Da kam uns eine alte Klassenkameradin entgegen, die ihren Vater dieses Jahr ebenfalls verloren hat. Auf die Frage, wie es ihr ginge, antwortete sie "Nicht gut." und lächelte fast dabei. Dieser offene Umgang ist sehr hilfreich. Besonders, wenn man sich gegenseitig versteht und Ähnliches durchgemacht hat.

Wenn Trauer kein negatives Gefühl sein muss, wie würdest du das Gefühl dann beschreiben das es sein sollte?

Die Verlustgefühle sind negativ. Trauer nur die Konsequenz. Aber Trauer ist nicht negativ, wenn sie dir hilft, die Verlustgefühle zu überwinden. Und sie ist nicht negativ, wenn du sie zum Anlass nimmst, für dich und dein Leben Erkenntnisse herauszuziehen. Dass in dir das Gefühl wächst, vorbereitet zu sein (auf die nächsten Verluste, auf deinen eigenen Tod). Solange alles gut ist, schiebt man diese Dinge einfach weit weg. Wenn ich den wochenlangen Sterbeprozess meiner Mutter nicht miterlebt hätte, hätte ich mich niemals so intensiv damit auseinandergesetzt. Ich habe es zugelassen - es war schmerzhaft, aber nun kann ich Trauer als etwas betrachten, was einen Akzeptanzprozess begleitet und vor allem das Loslassen ermöglicht. Es bleibt wirklich nur noch liebevolle Erinnerung.

Wahrscheinlich muss ich doch mal mit jemandem der mir Nahe steht sprechen. Vielleicht versuche ich es mit einem meiner Geschwister, die waren beim Tschüß sagen dabei.

Wenn du über deinen Opa reden möchtest, sind Familienmitglieder natürlich eine gute Adresse. Wenn du aber über deine Trauer sprechen möchtest, hätte ich zuerst an deinen Mann gedacht, da dieser ja der nahestehendste Mensch in deinem heutigen Leben ist. Da ich nun auch abschätzen kann, wie alt du bist, kann ich dir auch den Besuch einer Trauergruppe empfehlen. Diese werden oft zwanglos von den regionalen Hospizvereinen veranstaltet, meist als kleines Cafe, wo man einfach mal unverbindlich vorbeischauen kann. Dort wirst du verstanden und du kannst im Dialog viele Aspekte der Trauer ergründen und auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Manche würden bei zu langer Trauer eine Therapie empfehlen, aber davon halte ich nichts (solange man nicht in eine Depression rutscht). Ich finde es wirklich gut, wenn man der Trauer Raum gibt und sie dadurch an Schrecken verliert. Solche geschützten Räume in einem Trauercafe können dabei sehr helfen. Und keine Sorge, da geht es nicht total depri zu, sondern sie werden von sehr erfahrenen Ehrenamtlichen moderiert. Diese Menschen haben mit "pflichtbewusster Betroffenheit" nichts zu tun, weil sie den Tod nicht als Tabuthema erfahren, sondern lehren, damit umzugehen. :)z

saugaOrlxove


ich habe sicherlich 1en Monat in tiefer Trauer verbracht.

Geträumt habe ich etwa 3 Monate mehrfach die Woche davon und ich würde sagen, etwa nach einem halben Jahr konnte ich mich von der Trauer lösen.

Jetzt - 1,5 Jahre nach dem Tod kann ich mir auch die Fotos ansehen mit positiver Erinnerung, ohne weinen zu müssen. Und auch die Gedanken sind nostalgisch schön und nicht mehr traurig. :)-

Gesprochen hab ich über den Verlust im übrigen durchaus. Es gibt Menschen die brauchen das darüber reden. Wieder andere belastet es mehr.

Alias 745790


Comran,

Da ich nun auch abschätzen kann, wie alt du bist, kann ich dir auch den Besuch einer Trauergruppe empfehlen.

Ich glaube dafür bin ich (noch) nicht bereit. Es widerstrebt mir, mich darüber auszustauschen. Zumal ich auch von anderen nichts hören will. Das klingt sehr verbohrt...so ist es eigentlich nicht. Nur der Gedanke mich über eine Trauergruppe auszutauschen behagt mir noch weniger.

Und ich habe gemerkt, dass es mir hilft, bei jemandem die Trauer offen zu zeigen, der ein ehrliches Verständnis dafür aufbringt. Vielleicht kann dein Mann ja dieser Jemand sein?

Er sieht das und weiß das und er ist da für mich. Aber er hat seinen eigenen Verlust, den er anders verarbeitet - weil er auch darauf vorbereitet war. Nicht dass das dazwischen steht aber ich will auch nicht die Zeit die wir zu Zweit haben permanent mit meiner Trauerbewältigung überlasten. Es ist eh wenig Zeit und oftmals bin ich in der wenigen Zweisamkeit dann auch in einer nicht-traurigen-Phase.

Was gerade etwas "schwierig" ist, die Leute in meinem Umfeld mit denen ich sprechen könnte, die haben selbst ihre eigenen Themen die sie verarbeiten müssen.

Ich glaube ich brauche noch ein bisschen Zeit um zu merken, an wen ich mich wenden kann ohne dabei das Gefühl zu haben ich laste meine Trauer jetzt auch noch auf.

Warum muss sie sich zusammenreißen? Warum spricht es niemand an?

Geschriebene Worte sind so missverständlich.

Sie ist eine ehrwürdige, extrem disziplinierte Frau. Sie hat z.B. bei keiner Geburt (und es waren einige) auch nur einmal geschrien. Ihre Aussage dazu "das wäre mir zu peinlich mich so gehen zu lassen". Kann man jetzt sehen wie man will, aber das einfach nur als Beispiel. Sie ist noch von dem Schlag: "Wenn etwas kaputt ist, repariert man es und schmeißt es nicht weg." Da wird auch die Wäsche noch akurat aufgehängt - was sagen denn sonst die Nachbarn.

Sie zeigt uns ihre Trauer und sie muss gar nichts. Aber sie ist diszipliniert, ich denke schon alleine das hilft ihr mit ihrer eigenen Trauer und dem Schmerz umzugehen und an schweren Tagen wahrscheinlich auch zu "überleben".

Ich war mit meiner Frau kürzlich am Grab meiner Mutter. Da kam uns eine alte Klassenkameradin entgegen, die ihren Vater dieses Jahr ebenfalls verloren hat. Auf die Frage, wie es ihr ginge, antwortete sie "Nicht gut." und lächelte fast dabei. Dieser offene Umgang ist sehr hilfreich. Besonders, wenn man sich gegenseitig versteht und Ähnliches durchgemacht hat.

So ein Mensch bin ich auch. Ich gebe zu wenn es nicht mehr geht. Ich habe gelernt das ich nicht immer gute Miene zum bösen Spiel machen muss und das man nur gegenseitig in einer Gemeinschaft leben kann, wenn man dem anderen auch zeigt wer man ist und wie es gerade um einen steht.

Viele wissen auch das ich mit der Trauer kämpfe...aber ich muss einem "es geht mir nicht gut" nicht noch einen halben Roman meines Seelenlebens ranhängen. Das bin ich nicht. Mal sehen...ich arbeite an mir. Lieben Dank jedenfalls für deine sehr starken Worte.

CbomrHaxn


Nur der Gedanke mich über eine Trauergruppe auszutauschen behagt mir noch weniger.

Das kann ich verstehen. Man geht da hin und offenbart eine vermeintliche Schwäche. Natürlich ist das unbehaglich. Aber dafür gibt es keinen Grund (was man aber erst merkt, wenn man sich darauf einlassen kann).

Wenn du mal in Trauer ganz tief unten sein solltest, denk vielleicht nochmal darüber nach, dass es diese Möglichkeiten gibt. Wir hatten uns seinerzeit vom regionalen Hospizverein ambulant begleiten lassen, und ich muss wirklich sagen, dass ich diesen Menschen extremst dankbar war. Sie machen eine tolle Arbeit in einem Tabu-Thema und haben unserer Familie so manchen Tag gerettet.

Da ich selbst den Gedanken in mir trage, mich später im Ruhestand zum ehrenamtlichen Sterbe- und Trauerbegleiter ausbilden zu lassen, magst du mir die kleine Promotion in der Sache verzeihen.

Ich glaube ich brauche noch ein bisschen Zeit um zu merken, an wen ich mich wenden kann ohne dabei das Gefühl zu haben ich laste meine Trauer jetzt auch noch auf.

Viele Menschen, die selbst noch keine Trauer erfahren haben, sind mit diesen Gefühlen etwas überfordert. Man will ja auch nichts falsch machen. Dabei tut es den meisten Trauernden einfach nur gut, sich auszutauschen. Man erwartet ja nicht gleich seelischen Beistand, sondern jemand, mit dem man reden kann. Du wirst das Gespür noch entwickeln, wo du auf bedingungsloses Verständnis stößt und darfst die Menschen nicht unterschätzen. Dreh es mal rum - wenn eine gute Freundin oder Geschwister zu dir kommen würden, um mit dir ausführlich über ihren Verlust und die Gefühle zu sprechen: wie würdest du reagieren? Würdest du dich damit belastet fühlen?

Lieben Dank jedenfalls für deine sehr starken Worte.

Sehr gerne. Es freut mich, wenn es dir hilft, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und deinen Weg zu finden. :)_

HVasehnreixch


Hallo,

Das ist ganz normal, besonders, wenn es der aĺlererste Verlust ist. UND vor allem, wenn sich der Gedenktag nähert.

DER ALLERERSTE Verlust, der mich auch sehr geprägt hat, war der ganz plötzliche Tod meines Vaters. Auch das hat mich sehr mitgenommen und für mein ganzes weiteres Leben geprägt.

Weñn die Beziehung zu Deinem Opa sehr eng war, wird es sicherlich noch eine ganze Weile dauern. Lass Dir Zeit, soviel Du brauchst. Trauer dauert so lang wie sie dauert.

Versuche, die schönen Erinnerungen ins Gedächtnis zu holen. ERINNERUNGEN sind ganz wichtig und sehr tröstlich!

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft. :)* :)* :)* :)-

Alias 745790


Lieben Dank für all Eure Worte.

Ich versuche mich im Laufe der Zeit an den ein oder anderen Tipps.

Aktuell geht es mit den Gefühlen ein wenig Bergauf, wir werden sehen...

Lieben Dank @:)

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