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Welche OP?

CEatch-22222 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

habe mittlerweile bei an 3 verschiedene Urologen in meiner Umgebung

eine Email geschrieben zwecks Verödung. Wollte wissen wie das so abläuft.

Der eine hat geschrieben,dass die OP ambulant abläuft. Soweit ich weiß,heißt das ich kann direkt nach Hause. Stimmt das?

Und der Arzt hat mir anstatt der Verödung eine andere OP empfohlen.

"Wir können bei Ihnen wunschgemäß eine Verödung der Varicocele durchführen. Wir empfehlen Ihnen aber heute ein moderneres und zuverlässigeres Verfahren, die Unterbindung der Varikocelengefäße mittels Schlüsselloch-Operation (Laparoskopisch). Der Eingriff erfolgt ambulant."

Kann mir jemand die Vor-und Nachteile der 2 OP's mal erläutern?

Danke

Antworten
FwraaPnXk


@Catch22222

Wer die Wahl hat, hat die Qual ...

Dieses Problem kenne ich bestens und hab mich auch noch nicht endgültig entschieden :-/

Hier im Forum sind einige Threads von mir über die verschiedenen Varikozelen-OPs. Ich glaube, es gibt ca. 7 verschiedene Verfahren.

Kannst ja mal lesen :)D

Jetzt muss ich erst mal los, melde mich ggf. heute Abend noch einmal.

Ciao,

Flraaxnk


@Catch22222

Hallo,

ich bin's nochmal :-)

Bei der Wahl der bestmöglichen Operationsmethode sollte man(n) sich meiner Meinung nach nach den wichtigsten Risiken orientieren.

Ob die eine Technik angenehmer, weniger aufwendig oder moderner ist als die andere, ist da nicht so entscheidend.

Entscheidend ist vor allem, wie hoch das Risiko des Hodenverlustes ist, denn das wär irreversibel.

Folgende Varikozelen-OP sind mir bekannt:

1. Antegrade Sklerosierung (AS):

Ist das von der Urologischen Gesellschaft empfohlene Verfahren und in Deutschland am weitesten verbreitet.

Die AS kann ambulant oder stationär, mit oder ohne Vollnarkose durchgeführt werden.

Es wird ein kleiner Schnitt in den Hodensack gemacht, eine verdickte Vene aufgesucht, ein Transkatheter gelegt und zunächst Kontrastmittel gespritzt. Dann wird beurteilt, ob die Vene zur Behandlung geeignet ist, und anschließend das Sklerosierungsmittel gespritzt.

Risiken:

Bei einer Verwechselung von Vene und Arterie kann der Hoden absterben. Dies dürfte aber nicht vorkommen und wäre schon ein schwerer Kunstfehler.

Das Sklerosierungsmittel kann aber auch ohne Verwechselung zu einer Entzündung des Hodens führen, welche in sehr seltenen Fällen in einem Hodenverlust resultieren kann.

In verschiedenen Studien wird dieses Risiko mit mehr oder weniger als 1% angegeben.

Googlet man nach "Varikozelen OP" und "Hodenverlust" oder "Hodenatrophie", beziehen sich die Ergebnisse fast immer auf die AS. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass dieses Verfahren so häufig angewendet wird und daher solche schweren Komplikationen dann auch hin und wieder tatsächlich in Erscheinung treten.

Außerdem kann es auch zu einer Samenstrang-Thrombose oder einer Nebenhodenentzündung kommen. Eine Nebenhodenentzündung muss dann mit Antibiotika behandelt werden. Bei einer Nebenhodenentzündung kann es zu einer narbigen Verklebung der Nebenhodenkanälchen kommen, wodurch dann kaum oder gar keine Spermien aus dem betroffenen Hoden nach außen gelangen können. In diesem Falle wäre dann eine weitere (komplizierte) OP möglich, wobei so eine Art Bypass im Nebenhoden gelegt wird, um die Verstopfung zu umgehen.

2. Retrograde Sklerosierung (RS):

Dieses Verfahren gilt mittlerweile als veraltet und ich hab auch kein Krankenhaus gefunden, an dem die RS noch durchgeführt wird.

Hierbei wird ebenfalls ambulant oder stationär, mit oder ohne Vollnarkose ein Katheter in die rechte Oberschenkelvene eingeführt und über die unter Hohlvene und die linke Nierenvene bis zur linken Hodenvene gebracht - das alles unter Röntgenkontrolle.

Die linke Hodenvene wird dann mit einem Sklerosierungsmittel verklebt und zusätzlich mit einem Draht verschlossen.

Risiken:

Auch hierbei kann es durch das Sklerosierungsmittel zu Entzündungen im Hoden kommen, die aber wohl nicht zu einem Hodenverlust oder einer Hodenatrophie führen.

Das Verfahren ist aber etwas aufwendig und wird in ca. 20% der Fälle abgebrochen, da es für den Patienten zu belastend ist oder auf Grund anatomischer Besonderheiten.

Rezidive sind hierbei wohl häufiger als bei der AS.

3. Hohe Ligatur (HL) nach Bernardie oder Palomo:

Dieses Verfahren ist der Klassiker.

Unter Vollnarkose wird ein Schnitt im Unterbauchbereich durchgeführt und die Vasa Spermatica aufgesucht.

Bei der Palomo-OP wird die Vasa Spermatica komplett, also alle Venen, Arterien und Lymphgefäße, durchtrennt.

Bei der Bernardie-OP wird die Vasa Spermatica eröffnet und es werden verdickte Venen aufgesucht und durchtrennt - es wird versucht, die Samenstrangarterie und die Lymphgefäße zu schonen.

Risiken:

Da bei der Palomo-OP ja auch immer (!) die Arterie mitdurchtrennt wird, wird der Hoden nun von einer Arterie weniger versorgt. Zwar gibt es noch zwei weitere Hodenarterien, aber beide zusammen haben gerade einmal den Durchmesser der Samenstrangarterie - bei manchen noch weniger.

Reicht die Blutversorgung über die beiden verbliebenen Arterien nicht aus, kommt es zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Hodenatrophie mit entsprechender Funktionseinschränkung bis -verlust.

Dieses Risiko wird mit einer Häufigkeit von so gut wie nie bis ca. 5% angegeben.

Die Rezidiv-Wahrscheinlichkeit ist aber gleich Null.

Bei der Bernardie-OP wird zwar versucht, die Arterie und die Lymphgefäße zu schonen, aber in der Praxis ist das ohne optische Hilfsgeräte nicht so wahrscheinlich.

Ein Durchtrennen der Samenstrangarterie beinhaltet die gleichen Risiken, wie bei der Palomo-OP. Wird die Samenstrangarterie geschont, werden aber die Lymphgefäße durchtrennt, können Hydrozelen (Wasserbrüche) im Hoden entstehen, die dann ggf. operativ entfernt, punktiert oder einfach nur beobachtet werden müssen. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Hydrozelen liegt bei ca. 7-10%.

In englischsprachigen Fachartikeln wird von der Hohen Ligatur (bei Kinderwunsch) eher abgeraten.

4. Laparoskopische Varikozelenligatur (LVL):

Dieses Verfahren ist relativ neu und zählt zum Bereich der "Knopfloch-Chirurgie".

Unter Vollnarkose werden über drei kleine Öffnungen im Unterbauchbereich das Laparoskop und weitere Instrumente in den Körper eingeführt. Das weitere Vorgehen entspricht dann der HL nach Bernardie oder Palomo.

Risiken:

Die Risiken/Komplikationen bei Anwendung der Bernardie-Technik sind fast gleich mit denen der HL nach Bernardie. Auch mit dem Laparoskop scheint die Schonung von Arterie und Lymphgefäße nicht so einfach zu sein.

5. Mikrochirurgische Varikozelenligatiur (MVL):

Dieses Verfahren wird in der englischsprachigen Fachliteratur als Goldstandard bezeichnet und wärmstens empfohlen.

Es ist die zweitneueste Varikozelen-OP-Technik.

Ebenfalls unter Vollnarkose wird zunächst der betroffene Hoden freigelegt, um ektope Venen zu kappen. Nach Zurückverlagerung des Hodens wird ein Schnitt im Leistenbereich durchgeführt, um mithilfe eines Operationsmikroskopes verdickte Venen aufzusuchen und zu durchtrennen. Mittels einer Dopplersonder wird die Arterie identifiziert und geschont. Durch den Einsatz von Isosulfanblau werden die Lymphgefäße identifiziert und geschont.

Risiken:

Dieses Verfahren ist sehr fortschrittlich und schonend.

Nur in weniger als 1% der Fälle kommt es zu einer Verletzung/Durchtrennung der Samenstrangarterie, was davon dann in ca. 1-5% der Fälle zu einer Hodenatrophie führen kann.

Schwere Komplikationen wie Hodenverlust/Hodenatrophie wurden, soweit ich bisher weiß, bei diesem Verfahren nicht beobachtet.

Auch Hydrozelen treten praktisch nicht auf.

In ca. 2% der Fälle kommt es aber zu Skrotalhämatomen (Bluterguß im Hodensack), wahrscheinlich durch die Freilegung des Hodens. Dadurch kam es bisher aber wohl zu keinem Hodenverlust.

Auch die Rezidivraten sind sehr gering.

6. Kombination aus AS+MVL:

Dies ist das neueste Verfahren, welches nur in wenigen Universitätskliniken durchgeführt/erprobt wird.

Für die größeren Venen kommt dabei die MVL zum Einsatz und für die kleinen Verzweigungen die AS.

Bei den Risiken habe ich mich bisher hauptsächlich auf die Aspekte Hodenverlust/Hodenatrophie und Rezidive beschränkt, da ich die für die wichtigsten halte. Natürlich gibt es noch andere Riskien, wie Blutgerinnsel, Thrombosen, Verletzungen von Nerven oder des Darms (Laparoskopie), die aber alle sehr selten sind.

Gruß

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