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„Photodynamische Therapie“ an der Prostata – Behandlungsschäden

P|rost$atit^is7x2 hat die Diskussion gestartet


Achtung: "Photodynamische Therapie" an der Prostata –

Behandlungsschäden und ein Urteil des VG München zur "Studienlage"

Wem zur Behandlung seiner Prostata von seinem Urologen oder sonstigem Arzt oder Heilpraktiker eine sogenannte "Photodynamische Therapie" angeboten wird, sollte sich vorher unbedingt meinen Erfahrungsbericht und ein diesbezügliches Urteil des VG München durchlesen.

Zur "Therapie"

Die Behandlung der Prostataentzündung ist schwierig, meist helfen Antibiotika nichts und dann wird alles chronisch. Ich leide seit vielen Jahren unter einer solchen Prostatitis (Prostataentzündung), mal mehr, mal weniger, mal gar nicht. Alles sehr unangenehm, aber nicht gefährlich. Trotzdem wollte ich sie nach vielen fehlgeschlagenen Heilversuchen verständlicherweise loswerden.

Vor einiger Zeit wurde ich von einem Arzt auf eine Therapiemöglichkeit ("Photodynamische Therapie") aufmerksam gemacht, die bei Dr. XY, einem Urologen in Bayern, angeboten wird. Dr. XY meinte beim Ersttermin, diese von ihm angebotene Therapie heile laut Studien "in 90 Prozent der Fälle nachhaltig und dauerhaft Prostatitis" (dies würden, so meinte er, "Studien der Universität Hamburg belegen" – dummerweise habe ich mir diese nicht vorlegen lassen, denn dann wäre ich schon damals skeptisch geworden) und sei so gut wie nebenwirkungsfrei, man könne sie bei Bedarf auch mehrfach wiederholen. Auf mein Nachfragen verneinte er die Gefahr von Gewebs- oder Nervenschädigungen und anderer schwerer Nebenwirkungen. Es würden "ausschließlich die entzündeten Zellen geheilt". Das war mir besonders wichtig, da meine langjährige Prostatitis zwar lästig, aber im Prinzip ungefährlich war bzw ist; Gefahren bleibender Schäden wollte ich dafür logischerweise keinesfalls in Kauf nehmen. Ich hatte diesen Umstand deshalb besonders nachgefragt, da sich "Laserbehandlung" für den Laien erst einmal bedrohlich angehört hat. Sodann erfolgte die "Photodynamische Therapie" in der Praxis von Dr. XY. Zum Behandlungsablauf: 10 mg Hypericin und 150mg Curcumin wurden zunächst intravenös injiziert, dann erfolgte je 20minütige transutherale Bestrahlung mit 3 Laserfarben an der Prostata. Dadurch sollte "die Entzündung in der Prostata bekämpft werden".

Zu den Folgen

Trotz chronischer Prostatitis hatte ich vor der Behandlung bei Dr. XY. niemals Erektionsstörungen; seit dem Tag der Therapie bei Dr. X. leide ich allerdings an permanenten Erektionsstörungen. Eine Erektion ist nur noch unter Einsatz von PDE 5 Hemmern (Cialis) möglich, der behandelte Bereich fühlt sich völlig anders an als vorher ("denerviert und leer" würde es am besten beschreiben). Furchtbar. In den ersten Monaten hatte ich noch gehofft, alles werde sich bessern. Leider Fehlanzeige.

Als der Leidensdruck immer weiter stieg, ließ ich auf Anraten eines anderen Urologen ein halbes Jahr später ein MRT der Prostata anfertigen, auch um zu sehen, ob diese "Photodynamische Therapie" vielleicht nicht doch weitere Schäden am Organ hinterlassen hat. Die angefertigten MRT-Bilder zeigten laut Spitalsbefund eine "Einkerbung der Prostata im anterioren superioren Abschnitt 1,5cm breit und 0,6 cm hoch."

Die "Reaktion" von Dr. XY: Schweigen und dann leugnen

Um diesem doch schwerwiegenden Befund auf den Grund zu gehen, habe ich Dr. XY das MRT-Ergebnis zugeschickt und ihm die Frage gestellt, wie das alles seiner Meinung nach passieren konnte. Ich wollte eine Heilung bzw Linderung meiner lästigen, aber im Prinzip ungefährlichen Prostatitis - und bekomme statt dessen laut Befund ein Loch in die Prostata gelasert und leide unter Erektionsproblemen! Daher wollte ich von Dr. XY auch wissen, welcher Laser mit welcher Eindringtiefe und mit welcher Lichtstärke und an welchen Stellen genau eingesetzt wurde: Das alles auch deshalb, um einen eventuellen Therapieansatz gegen die Störungen bekommen. Zu meinem erneuten Entsetzen kam von ihm mehrere Monate lang keine Reaktion. Erst nach Monaten kam dann doch ein Gespräch zustande, er verneinte jeden Zusammenhang seiner "Behandlung" mit meinen Beschwerden – schließlich habe er so vielen Patienten mit dieser Methode helfen können. Erst durch mehrfache anwaltliche Intervention hat er überhaupt erst die Behandlungsunterlagen herausgegeben.

Eine Zivilklage und eine Strafanzeige gegen Dr. XY sowie eine Anzeige bei der Ärztekammer sind anhängig.

Die Einschätzung des Gerichtssachverständigen zur "Photodynamischen Therapie"

Mittlerweile wurde ein weiteres Gericht mir der "Photodynamischen Therapie" befasst – und zwar von einem Arzt, der genau dieselbe "Photodynamische Therapie" nach dem oben beschriebenen Protokoll (selbes Verfahren, selbe Dosierung) anbietet. Und zwar gegen die gesetzliche Krankenkasse (also die Gemeinschaft der Krankenkasse-Beitragszahler!), die diese tolle neue Therapie künftig doch bitte bezahlen sollte.

Als ich dieses Urteil des Verwaltungsgerichts München (abrufbar unter: [[http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2016-N-54264?hl=true&AspxAutoDetectCookieSupport=1)]] las, wurde mir vieles klar. Ich möchte es daher auf diesem Weg bekanntmachen.

Der Gutachter der Krankenkasse kommt in seiner Expertise zum Ergebnis, für das verwendete "photodynamische" Verfahren nach dem "Protokoll" von Dr. XY bestünden überhaupt keine Studien, es gebe keine Nachbeobachtungszeiträume, es sei vielmehr experimentell und die die Kombination der Substanzen sei recht willkürlich und ohne Prüfung zusammengestellt worden.

Nochmals: Gegenüber mir wurde von Dr. XY vor der Behandlung behauptet, die "photodynamische Therapie" heile "in 90 Prozent der Fälle Prostatitis dauerhaft"; dies würden "Studien der Universität Hamburg belegen". Zudem wurde behauptet, die Anwendung von Hyperizin und Curcumin als "Photosensibilisatoren" sei "sicher" und "in vielen Studien getestet".

Nun kommt der Sachverständige in seinem Gutachten zur Entscheidung VG München vom 16.10.2016 – M 17 K 15.2600 (das dem Gutachten in seiner Entscheidung vollständig folgt) nach einer Analyse der behaupteten Studienlage zur "Photodynamischen Therapie" allerdings zu folgendem Ergebnis, das sich mit den Behauptungen des Herrn Doktors so gar nicht deckt:

Seite 3:

"Der Photodynamischen Therapie fehle es auch wegen der bisher unbekannten Nebenwirkungen (…) an der allgemeinen wissenschaftlichen Anerkennung. Vielmehr stelle die PDT eine experimentelle Behandlung dar (…). Dies gelte umso mehr im Hinblick auf die in diesem Rahmen verwendeten Substanzen Curcumin, Hypericin und Chlorin (…). Nutzen und Schaden der PDT seien bisher nicht in ausreichend kontrollierten Studien (…) untersucht worden. (…) Darüber hinaus unterscheide sich das (…) verwendete Therapieverfahren in entscheidenden Punkten von den Behandlungsmethoden der vorliegenden Studien – erstens in der verwendeten wirksamen Substanz und zweitens in der Applikationsart der Lichtquelle selbst. (…) Dies gelte insbesondere (..) für das angewandte Therapieverfahren (…) unter Einbringung der Lichtfaser über die Harnröhre in die Harnblase. "

Seiten 5 und 6:

"Die (vorgelegten) Publikationen entbehren laut Sachverständigengutachten jeden Bezug zu der durchgeführten ("photodynamischen") Therapie. (Sie können) (…) nicht auf Menschen übertragen werden. (!!) (…) Bei den vorliegenden Studien und Publikationen handle es sich oftmals um hochexperimentelle invitro-Untersuchungen mit unterschiedlichsten photosensitiven Substanzen. In keiner Studie finde sich die Kombination aus der (…) durchgeführten Therapie mit Chlorin E6, Curcumin und Hypericin. (…) Es bestünden auch keine Nachbeobachtungszeiträume. Zuverlässige Aussagen zu den langfristigen Folgen oder Therapieergebnissen mit der PDT seien nicht möglich. Die abgeschlossene Phase 3-Studie benutze als photoaktive Substanz TOOKAD-Soluble. Dies entspreche nicht der (…) verwendeten Therapie mit Chlorin E6, Curcumin und Hypericin."

Seite 7:

"Das angewandte Verfahren verwende drei intravenös gegebene Substanzen, die aus Sicht des Sachverständigen recht willkürlich und ohne Prüfung zusammengestellt worden seien. Vergleiche zu anderen Studien seien daher weder hinsichtlich der gewählten Substanzen noch hinsichtlich der Art der Lichteinbringung in die Prostata vergleichbar" (…)

"Das Gericht folgt den überzeugenden und in sich schlüssigen Ausführungen des Gutachtens. Das Gutachten überzeugt nach Methodik und Durchführung der Erhebungen."

Ich war mir bewusst, dass die Behandlungsmethode neu ist, klar! Nicht aber, dass sie an mir "experimentell" getestet werden sollte!

In den spärlichen Studien, die sich finden und die sich ausschließlich Prostatakrebspatienten beziehen, heißt es, dass sich bei der Photodynamischen Therapie manchen Patienten eine "leichte bis mittelgradige erektile Dysfunktion als Folge der Behandlung" eingestellt habe, und: "Auch bei den fokalen Therapien betont die aktuelle europäische Leitlinie, dass sie den Patienten nicht als alternative Behandlungsoptionen außerhalb von klinischen Studien angeboten werden sollen" [[https://www.prostata.de/wissen/prostatakarzinom/weitere-lokale-therapie-des-prostatakarzinoms]].

Dem schließe ich mich an. Nach meinem Empfinden müsste ist es doch (außerhalb von Studien) unzulässig sein, dass mit solchen wissenschaftlich nicht ausreichend getesteten Methoden überhaupt Patienten behandelt werden! Mir bleibt, die Lektüre des Urteils des VG München zu empfehlen; es geht mir mit dieser Veröffentlichung darum, andere zu informieren, damit ihnen nicht dasselbe passiert wie mir. Ganz generell: Wer Behandlungsschäden erlitten hat, der sollte nicht aus Scham stillhalten, sondern sich rechtlich wehren!

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