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Erbkrankheit und Vererbung
Vererbungsformen der Retinitis Pigmentosa
Dominante RP (adRP)
Rezessive RP (arRP)
Geschlechtsgebundene Vererbung
Es ist nur natürlich, daß jeder RP-Betroffene von der Frage bewegt wird: Können meine Kinder diese unheilbare, oft zur Erblindung führende Erkrankung von mir erhalten?
RP gehört zu den Erbkrankheiten, die jeweils durch eine einzelne Veränderung einer Erbanlage (Gen) verursacht werden (monogene Erbkrankheiten). Die RP-Untergruppen sind genetisch nach drei Vererbungsformen gegliedert, d.h. nach drei Möglichkeiten der Weitergabe der RP an die Kinder.
Die einzelnen Sonder- und Untergruppen der RP beruhen auf den Veränderungen (Mutationen) einer bisher unbekannten Anzahl verschiedener Erbanlagen. Eine exakte Zuordnung bestimmter Krankheitsmerkmale zu einzelnen genetischen Untergruppen, die erst in wenigen Fällen möglich ist, ist ein Hauptziel der heutigen
Forschung.
Die Tatsache, daß jemand an einer Erbkrankheit leidet, bedeutet noch keineswegs, daß die Kinder diese Erbkrankheit bekommen müssen oder können. Jeder pauschale und undifferenzierte Ratschlag, wegen RP auf Kinder zu verzichten, sollte entschieden zurückgewiesen werden. Nur eine Beratung durch einen Fachmann (humangenetische Beratung) kann dem Fragenden eine Antwort geben, die dem heutigen Kenntnisstand entspricht.
Solange in einer Familie die primäre Genveränderung nicht gefunden ist kann die Vererbung nur nach den "Mendelschen Regeln" erklärt werden, die sich vorwiegend an der Familiengeschichte ablesen lassen, d.h. an den bereits aufgetretenen RP-Fällen in der Familie. Hier können nur statistische Werte für die Wahrscheinlichkeit der Weitergabe gegeben werden.
Generell kann gesagt werden, daß wesentlich mehr als die Hälfte aller RP-Betroffenen keine an RP erkrankten Kinder bekommen können, vorausgesetzt sie haben einen nicht verwandten, augengesunden Partner. Die übrigen haben eine Chance von mindestens 50%, augengesunde Kinder zu bekommen.
Eine 100%ige Sicherheit, ein völlig gesundes Kind zu bekommen, gibt es nicht. Die meisten RP-Betroffenen betrachten die RP als eine Herausforderung, die sie auch ihren Kindern zumuten würden.
Eine Reihe von unbehandelbaren Erbkrankheiten werden sicher mittelfristig entschlüsselt und behandelbar sein. Betrachtet man die ermutigenden Forschungsergebnisse der letzten Jahre, so liegt es nahe, auch RP zu diesen zukünftig therapierbaren Erkrankungen zu rechnen. Bedenkt man außerdem, daß RP meist erst im 5. - 6. Lebensjahrzehnt zur Erblindung führt, ist die Chance für ein heute geborenes Kind mit RP, nicht zu erblinden, sehr groß.
Die RP-Untergruppen sind in drei Vererbungsformen gegliedert, d.h. in drei Möglichkeiten der Weitergabe der RP an die Kinder. Im folgenden sollen die Vererbungsformen vorgestellt werden, damit der Einzelne für ein eventuelles Gespräch mit einem Humangenetiker vorbereitet ist.
Zum Verständnis muß darauf hingewiesen werden, daß jede Erbanlage (Gen) in doppelter Version vorhanden ist. Je eine Version eines Gens wurde vom Vater, die andere vor der Mutter geerbt. Die Weitergabe einer Erbinformation an ein Kind kann so aus vier möglichen Genen der Eltern nach dem Zufallsprinzip erfolgen.
Bei der Weitervererbung sind also vier Kombinationen von Genen für ein bestimmtes Merkmal möglich. Dadurch wird verständlich, daß die Voraussage, welche Erbanlagen ein Kind von den Eltern erhält, recht schwierig ist und nur mit Wahrscheinlichkeitswerten arbeitet.
Der zweifache Satz von Erbinformationen ist auf paarweise angeordneten Chromosomen, den Verpackungseinheiten der Erbinformation, aufgereiht. 22 der Chromosomenpaare (Autosomen) sind völlig parallel aufgebaut, das 23. Paar besteht bei der Frau aus zwei sog. X-Chromosomen; beim Mann tritt zu dem von der Mutter geerbten X-Chromosom das vom Vater erhaltene Y-Chromosom hinzu, welches das männliche Geschlecht bestimmt.
Trifft z.B. ein RP verursachendes Gen eines Elternteils mit dem gesunden des anderen Elternteils zusammen, können je nach Erkrankungsgruppe zwei verschiedene Möglichkeiten eintreten:
Das krankheitsverursachende Gen setzt sich durch (dominiert), und der Betreffende erkrankt an RP (
dominante RP), oder das gesunde Gen überdeckt das krankheitsauslösende, der Betreffende erkrankt nicht, hat aber das RP-Gen in verdeckter (rezessiver) Form in sich und kann es weitergeben, ist also Genträger (
rezessive Vererbungsform,
rezessive geschlechtsgebundene Vererbungsform).
Im folgenden soll gezeigt werden, wie sich die Vererbungsformen in den einzelnen Familien auswirken können.
Abb. 4: Autosomal dominante Vererbung (D = verändertes Gen; n = normales Gen). Die dominante Vererbungsform kann in der Regel anhand der Familiengeschichte erkannt werden. Bei etwa 30% aller RP- Die sichere Zugehörigkeit zur rezessiven Vererbungsform (> 50 %) kann nur selten anhand der Familiengeschichte nachgewiesen werden. Meist ist kein weiterer Betroffener in der Familie zu finden (Simplex). In diesen Fällen ist nicht auszuschließen, daß es sich eventuell auch um eine Neumutation handeln kann. Abb. 5: Autosomal rezessive Vererbung (r = verändertes Gen; N = normales Gen). Die Geschwister eines von rezessiver RP Betroffenen können ebenfalls an RP erkranken, oder nur Genträger, oder frei von einem RP-Gen sein. Das statistische Verhältnis ist 1:2:1; in den einzelnen Familien können, da es sich um Kombinationen nach dem Zufallsprinzip handelt, auch alle oder keines der Kinder von RP betroffen sein. Die Kinder von Betroffenen mit rezessiver RP werden vorausgesetzt, der Partner ist nicht verwandt und augengesund in der Regel keine RP ausbilden. Sie sind zwar alle (gesunde) Genträger, ihr Risiko, erkrankte Kinder zu bekommen, ist jedoch äußerst gering. Leider ist eine Gewißheit, ob ein Erkrankter tatsächlich zur Gruppe der rezessiven RP-Betroffenen gehört, anhand der Familiengeschichte nicht immer zu erreichen. Sollte in Zukunft durch eine DNA-Analyse anhand einer Blutprobe die sichere Zuordnung möglich sein, könnte vielen Betroffenen wahrscheinlich mehr als 60 % die Angst genommen werden, RP-betroffene Kinder zu bekommen. Abb. 6: X-chromosomal rezessive (geschlechtsgebundene) Vererbung. Das Krankheitsgen befindet sich auf einem der beiden X-Chromosomen der gesunden Mutter. Der Sohn einer Überträgerin, der das "veränderte" X-Chromosom geerbt hat, erkrankt, da er ja statt des ausgleichenden gesunden X-Chromosoms, das vom Vater ererbte Y hat. Die Söhne einer Überträgerin können also zu 50 % erkrankt, zu 50 % gesund sein. Die Töchter einer Überträgerin können zu 50 % Überträgerin, zu 50 % von einem RP-Gen frei sein. Die Töchter eines an RP erkrankten Mannes sind alle ausnahmslos Überträgerinnen, die Söhne alle gesund. © '95 Pro Retina Deutschland e.V. (PRDV) Selbsthilfe-Vereinigung für Menschen mit Netzhautdegenerationen
Bei der dominanten RP (ca. 25% aller RP-
Forschung).Rezessive RP (arRP)
Ein von rezessiver RP Betroffener besitzt zwei krankheitsGeschlechtsgebundene Vererbung
Bei etwa 8% aller RP-
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