Alles Liebe, Papi!

    Mit fast 90 Jahren bist du gegangen und ich durfte dich in deinen letzten Tagen noch einmal intensiv begleiten.


    So klein und zerbrechlich sah dein Kopf zwischen den Kissen aus, dass ich mich nur noch getraut habe dich ganz zart zu streicheln, um dir nicht wehzutun.


    Lange hast du noch ganz fest nach meiner Hand gegriffen, wenn ich sie in deine gelegt habe, bis du auch dafür keine Kraft mehr hattest.


    Du, mein früher gesunder und aktiver Papi, warst das hilfloseste Wesen, das ich je erlebt habe. Du konntest nicht mehr sprechen, du konntest deine Augen nicht mehr öffnen, du konntest dich im Bett nicht mehr bewegen und am Schluss konntest du nicht einmal mehr schlucken.


    Ich bin froh, dass wir dir trotzdem mit palliativer Begleitung deine letzten Tage und Stunden etwas erleichtern konnten und so spürtest du zumindest keine Schmerzen.


    Ich hatte noch unzählige Male die Möglichkeit, dir ins Ohr zu flüstern, dass ich dich lieb habe.


    Du hast einen Moment gewählt, um zu gehen, als ich nicht bei dir war und das ist in Ordnung so.


    Deine Seele ist jetzt frei und ich hoffe, sie spürt auch in der anderen Dimension - jenseits von Zeit und Raum - meine Dankbarkeit für alles, was du mir gegeben hast und was du für mich warst und immer sein wirst.

  • 13 Antworten

    Danke, Grottig! Auch wir hatten gute und schlechte Tage, das sehe ich ganz realistsch - aber die Basis des füreinander Daseins hat einfach gestimmt.

  • Anzeige

    90 Jahre ... wenn dein Papi die längste Zeit davon ein erfülltes Leben hatte, kann er sich glücklich schätzen. Und er war sicher froh, in den letzten Tagen eine so innige Begleitung zu haben.


    Alles Gute für dich und deinen Papi. Du solltest nicht über den Lauf der Dinge trauern, du darfst aber traurig sein.


    Mein Vater ist 81 und entwickelt langsam eine Angst vor dem Alter. Bisher war er sehr fit, aber dass er jetzt nach und nach Defizite an sich erkennt, setzt ihm zu. An seinem 81. Geburtstag hatte ich ihn gedrückt und merkte, dass er Muskeln verliert. Er kämpft sehr stark, um autark und handlungsfähig zu bleiben, aber er ist im letzten Jahr nachdenklicher geworden. Ich hoffe, ihm bleiben noch ein paar gute Jahre und er muss sich nicht quälen.

    Gute und schlechte Tage, das gibt es in jeder Beziehung, ja im Leben überhaupt.


    Ich bin gerührt von deinen Worten, weil man trotz der Trauer auch deine Kraft herauslesen kann. Einfach, weil du das Gute sehen kannst, trotz des Verlustes. Das können ganz viele nicht.


    Weisst du, mein Vater ist Ende 2016 verstorben, unsere Beziehung war eher schlecht. Ich habe ihn nicht mehr lebend gesehen, er hatte nicht den Mut mich anzurufen, um mir zu sagen, dass es zu Ende geht. Vieles blieb unausgesprochen.


    Aber ich habe über seinen Tod hinaus Frieden mit ihm geschlossen, seine Seele war noch nicht ganz gegangen. Es ist so wichtig einen Abschluss zu finden, egal ob der Verlust schmerzt oder nicht.

    Ja, Comran, es war ein erfülltes Leben und daher trauere ich tatsächlich nicht über den Lauf der Dinge. Es war für ihn der richtige Moment zu gehen. Gemessen an dem, was andere mitunter beim Sterben durchmachen, ist ihm viel erspart geblieben und ich bin froh, dass er loslassen durfte, bevor es schlimmer wurde.


    Dein Vater hat jetzt auch schon ein stolzes Alter und ich wünsche ihm und dir, dass ihm noch weitestgehend gesunde Jahre bevorstehen, die ihn möglichst oft die guten Seiten des Lebens spüren lassen.

  • Anzeige

    Lieber Melmac 100,


    mein tiefes Mitgefühl.Du schreibst sehr liebevoll und man spürt dabei so viel Gefühl für


    einander.

    Liebe Marie,


    beim Sterben mit dabeisein zu können, war eine der bedeutendsten Erfahrungen meines Lebens. Wenn man die totale Abhängigkeit und Hilflosigkeit, aber auch Tapferkeit eines Menschen in solchen Stunden sieht und spürt, bleibt nichts mehr als Liebe und Dankbarkeit.

    @ Grottig

    Es tut mir leid, dass du und dein Vater eine eher schwierige Beziehung hattet und zunächst vieles unausgesprochen blieb, bis du Frieden mit ihm schließen konntest.


    Eine Seele geht nie ganz. Es wird immer eine Verbindung zwischen euch bestehen und auch dein Vater wird mit Sicherheit die Probleme, die ihr miteinander haattet, längst aus einer ganz anderen Perspektive sehen.

  • Anzeige
    Zitat

    Dein Vater hat jetzt auch schon ein stolzes Alter und ich wünsche ihm und dir, dass ihm noch weitestgehend gesunde Jahre bevorstehen, die ihn möglichst oft die guten Seiten des Lebens spüren lassen.

    Ich danke dir :)_

    Hallo Melmac,


    Du hast Deinen Vater sehr geliebt - er Dich auch. Das spürt man. Ich sende Dir mein aufrichtiges Beileid, auch wenn das irgendwie abgedroschen klingt. :)-

    Zitat

    Deine Seele ist jetzt frei und ich hoffe, sie spürt auch in der anderen Dimension - jenseits von Zeit und Raum - meine Dankbarkeit für alles, was du mir gegeben hast und was du für mich warst und immer sein wirst.

    Dessen bin ich mir sicher. :)z


    Bei meinem eigenen Vater wird es wohl auch bald so weit sein. Erst kürzlich teilte er meiner Mutter mit, dass er nicht mehr ins Krankenhaus, sondern sterben möchte. Er ist 90 und seit Jahren schwerer Pflegefall. Leider war unsere Beziehung nie so liebevoll wie ich bei Euch.

  • Anzeige

    @Monsti

    Danke dir für dein Beileid. Alles ist gut so wie es ist.


    Auch wenn sich die Beziehung zu deinem Vater schwierig gestaltet, gibt es noch etwas, was du für ihn tun könntest, sofern nicht schon geschehen: Sprich mit einem Palliativberater, welche lindernde Unterstützung man ihm als Schwerstpflegefall am Ende seines Lebens vielleicht noch geben kann. So viele Kleinigkeiten -


    oft nur winzige Handgriffe, die man kennen muss - können sehr erleichternd sein!

    @ parazellnuss

    Auch wenn meine Zeilen oben traurig klingen: Mein ganz intensives Miterleben des Sterbens hat mich nicht in erster Linie Kraft gekostet, sondern mir vor allem auch Kraft gegeben.