Was nicht heißen soll das ich das sehr souverän oder erwachsen finde oder auch nur angenehm. Aber ich kann es verstehen wenn man irgendwie glaubt nur jemanden lieben zu können der 100% passt dann ist es ein Affront für die Eltern die Cousine zu kritisieren, weil dann nämlich immer ein "Stell dich nicht an. Um die wars ja so schade auch nicht." mitschwingt.

    Liebe TE, ich finde, Du schreibst sehr liebevoll von Deiner Cousine, vor allem hast Du es nicht nötig, sie Dir gewissermaßen nachträglich schönzureden.


    Das Leute eher das Bild, das sie von einer Person haben, mögen als die Person selbst, das gibt es häufiger, manche können das eine noch nicht mal vom anderen unterscheiden. Dabei bedeutet Liebe ja, einen Menschen so zu lieben wie er wirklich ist (das tust Du) und nicht, wie man ihn gerne hätte.


    Jemanden nachträglich zu idealisieren ist einfach, man muss nur einen Teil der Realität verdrängen, den anderen überbetonen - und man wird von der betreffenden Person auch definitiv nicht darin korrigiert.


    Mir ist aufgefallen, dass vor allem ältere Personen dazu neigen, sich die Vergangenheit rosa-rot zu färben. Muss ja alles schön stimmig sein, wenn man so ins vorgerückte Lebensalter kommt.

    Liebe TE, mMn schreibst du sehr liebevoll über deine Cousine. Von "schlechtreden" kann hier keine Rede sein. Ich finde es wichtig, dass auch verstorbene Menschen so in Erinnerung behalten werden, wie sie zu Lebzeiten wirklich waren und nicht "in den Himmel gelobt" (in diesem Zusammenhang eine hübsche Metapher, find ich 8-) ) werden. Das, was du über deine Cousine schreibst, klingt authentisch, ehrlich und unglaublich liebevoll. Vielleicht wurde sie von der älteren Generation (sprich von deinen Eltern, ihren Eltern etc.) zu Lebzeiten anders wahrgenommen als von dir und es ist ihnen jetzt ein Bedürfnis, das wieder gutzumachen/zu relativieren oder sie wollen sich einfach nur an die "gute" Cousine erinnern und sich nicht mehr damit auseinandersetzen, wie es früher war.


    Die Reaktionen auf deine Anmerkungen über diese Darstellung zeigen ja schon, dass ihr deine Cousine einfach anders in Erinnerung behaltet.


    "Über Tote redet man nicht schlecht" - hab ich irgendwie nie so ganz verstanden, trotzdem würde ich es vermutlich nicht machen, weil es mir einfach für mich, innerlich falsch fühlen würde. Wenn ich über jemanden was Positives zu sagen habe, sag ich das; hab ich nichts, lass ich es nach Möglichkeit bleiben.

    Shojo

    Ich muss ehrlich sagen, ich habe diesem Spruch nie besonders viel Bedeutung begemessen, er war eher sowas wie ein Sprichwort und in dem Zusammenhang erschien mir die Begründung irgendwie logisch. Mehr war und ist das nicht. Erst durch diesen Faden hier komm ich ins Grübeln, denn die Toten, die mir näher standen und dich ich gut kannte, werden und wurden nie irgendwie idealisiert.

    Das ist manchmal komisch, oder? Dass man solche Sprüche irgendwie "mitnimmt", weil sie in sich schlüssig klingen, und bei näherem Nachdenken feststellt, dass man es eigentlich gar nicht wirklich so sieht beziehungsweise sie gar keine Praxisrelevanz für einen haben?