Angst & Verzweifelung

    Vor ca. 3 Monaten habe ich meinen Vater verloren , der leider seit langer Zeit mehr Zeit im Krankenhaus verbracht hat als zu Hause und zudem sich in den letzten Jahren ein sehr inniges Verhältnis aufgebaut hat.


    Meine Mutter sitzt im Rollstuhl ist schwer pflegebedürftig , wird zwar zweimal wöchentlich von einem Pflegedienst versorgt , aber die wirkliche Betreuung she ich als meine Pflicht an.


    Meine Firma kratzt immer mehr an der Insolvenz weil mir alles zu viel wird , ich keinen Antrieb mehr habe und aus dem "Macher" ein "Stillhalter" geworden ist.


    Meine Frau unterstützt mich wo Sie nur kann aber auch bei Ihr ist die Belastungsgrenze erreicht da Sie auch Vollzeit arbeiten geht.


    Vielleicht hat einer einen Tip wie ich diese Anzahl von Problemen lösen könnte oder wie ich meine Sicht der Dinge so ändern kann das ein normales Leben wieder möglich wäre.

  • 2 Antworten

    Hallo dica

    aus deinem Text geht hervor, dass du jetzt und in naher Zukunft drei Probleme bewältigen musst.


    1. um deinen Vater trauern


    2. deine Mutter angemessen unterstützen (und trösten?)


    3. deine Firma wieder auf Vordermann bringen.


    Du bist wirklich in einer schwierigen Situation. Jedes Problem bräuchte eigentlich deine ganze Kraft.


    Du kannst eigentlich nur versuchen, von aussen Hilfe zu bekommen, vorallem für die Pflege deiner Mutter. Lässt sich da nichts machen? Ich finde es schön von dir, dass du dich für deine Mutter verantwortlich fühlst, aber könnte der Pflegedienst nicht täglich kommen oder könnte sich deine Mutter zum Beispiel eine andere Wohnform (z.B. Wohngemeinschaft) vorstellen (ich nehme an, dass sie allein wohnt)? Bitte schreibe zur Situation deiner Mutter etwas mehr.


    Dein Text deutet darauf hin, dass du an einer Depresson - verursacht durch den Tod deines Vaters - leidest. Vielleicht wäre es gut, wenn du zum Arzt gehst und vorübergehend ein Medikament gegen Depressionen einnehmen würdest.


    Die Firma leidet unter deiner Antrieblosigkeit (typisches Zeichen einer Depresson). Ein mildes Antidepressivum könnte hier Abhilfe schaffen.


    Die Trauer um deinen Vater sollte unbedingt genügend Raum haben. Ich weiss nicht, wie sich deine Frau dazu stellt. Aber es wäre sicher hilfreich, wenn du mit ihr sehr oft über deinen Vater sprechen könntest, so im Sinn von: weisst du noch wie es letzte Weihnachten war ...oder: was würde jetzt Vater dazu sagen... So wird dein Vater in euren Erinnerungen und Gesprächen weiter leben.


    Ich wünsche euch viel Kraft und liebe Grüsse

    "Re.: Angst und Verzweifelung"

    Hallo Inkjet,


    erst einmal Danke für Deine Antwort.


    Ich versuche der Übersichtlichkeit halber mal tabellarisch auf Deine Vorschläge einzugehen.


    1. Die Trauer um meinen Vater stellt bestimmt das größte Problem dar , da ich nicht weiß wie ich mit der gesamten Situation umgehen soll. Aufgrund seines Alters habe ich in den letzten Jahren eigentlich alles für meine Eltern erledigt , aber immer war er noch der "Big Boss" ( im angenehmen Sinne ) den man um Rat fragen konnte , da er auch mit seinen schweren Erkrankungen immer ein Kämpfer war.


    2. Das mit der "angemessenen" Unterstützung meiner Mutter trifft den Nagel auf den Kopf. Ich befürchte das ich da etwas zu gut meine , habe aber meinem Vater schon zu Lebzeiten versprochen das es Ihr immer gut gehen wird. Ich habe noch zwei Schwestern , wovon eine ausfällt weil sie einfach zu weit entfernt lebt und die zweite hat meiner Mutter gerade eine Pflichteils-Klage an den Hals gehangen , ich glaube da kommt auch keine Unterstützung!!!. Die Situation stellt sich also so dar das meine Mutter ( 75 Jahre , auf Rolli angewiesen da ein Bein amputiert wurde) jetzt in zwei Zimmern mit Veranda wohnt die ich Ihr behindertengerecht umgebaut und eingerichtet habe und der Rest vom Haus ( 9 Zimmer ) leersteht. Ihr Problem ist das meine Schwestern sich 10 bzw. 17 Jahre nicht um Sie gekümmert haben , eine jetzt "zurück" in die Familie gefunden hat aber zu weit weg wohnt und die andere halt nur auf´s Geld aus ist. Das meine Mutter nochmal umzieht halte ich persönlich für ausgeschlossen und das der Pflegedienst täglich kommt ändert die Situation nicht – die Nähe fehlt einfach.


    3. Die Firma wieder in Gang zu bringen halte ich für möglich – sehe aber den momentanen Durchhänger vielleicht auch als Neuanfang da mir der Job schon seit geraumer Zeit keine Befriedigung mehr bringt und ich mich lieber andersweitig orientieren möchte.


    4. Meine Frau ist seit dem Tod meines Vaters immer mehr mein "Fels in der Brandung" , unterstützt mich wo sie nur kann. Da sie mich aber immer nur als Kämpfer kannte kommt bei Ihr die Sorge um mich hinzu weil ich so eine schlechte Zeit noch nie hatte – egal was auch passiert ist in der Vergangenheit. Da Sie auch unheimlich an meinem Vater hing sind die Gespräche über Ihn und die Erinnerungen an Ihn aber für uns beide mit sehr viel Traurigkeit verbunden , es graut mir schon jetzt vor den kommenden Tagen.


    Wenn ich meine ganzen Pakete betrachte die ich mit mir rumtrage habe ich das Gefühl mich immer mehr in Verantwortung , Traurigkeit , Antriebslosigkeit und Hilflosigkeit zu verfangen und weiß nicht ob ich mir selber mal eine Auszeit nehmen kann und die Probleme erst mal auf Eis lege um selber mit mir wieder ins Reine zu kommen. Klingt vielleicht komisch aber ich bin mir nicht sicher ob ich das Recht dazu habe oder einfach weiter machen muß?


    Ich habe auf jeden Fall mal einen ersten Schritt gemacht und mir professionelle Hilfe gesucht , denn so wie es zur Zeit ist kann es nicht weitergehen.