Angst vor dem Tag X

    Zum Glück habe ich derzeit niemand in meiner Familie von dem ich mich verabschieden muss, aber ich habe große Angst vor dem Tag X, wenn ich mich von meinen Großeltern verabschieden muss. Ich hoffe der Thread passt hier rein.


    Ich bin 26 und habe das Glück das ich beide Großelternteile noch habe, meine Großeltern waren immer fit, doch nun gegen sie straff an die 80 zu, mein Opa ist vor kurzem schon 80 geworden. Ich bin froh das es meinen Großeltern noch so gut geht, auch wenn sie teilweise schwierige Zeiten durchgemacht haben, wurden schwere OP´s oder "schlimme" Diagnosen weggesteckt und sie haben sich sehr schnell und gut erholt.


    Meine Großeltern verfügen über viel Grundstück, der Garten, das Haus – in das Ganze haben sie sehr viel Zeit, Geld und Kraft reingesteckt, doch ich merke langsam das sie es nicht mehr alles schaffen. Meine Opa wird sein geliebter Garten zuviel, sie haben neben der großen Wohnung auch eine große Gartenlaube mit Wintergarten und viel Blumenbeete. Meine Oma hat so gern und gut gebacken, doch seitkurzem fällt mir auf das der Kuchen nicht mehr so gut schmeckt wie früher und das allgemein das Gedächnis nachlässt.


    Ich bin mit beiden Großelternteilen aufgewachsen, wir haben in gleichen Haus gewohnt, bzw. die anderen Großeltern wohnen paar Häuse weiter. Man hat sich quasi jeden Tag gesehen. Ich kenne noch meine Uromas, beide wurden 86 Jahre alt und nun bewegen sich meine Großeltern auch so langsam dahin.


    Ich wünschte so sehr ich könnte die Zeit rückgängig machen, ich hätte die Zeit viel intensiver gelebt mit ihnen zusammen oder ich hätte gerade als Kind auf manch böses Wort verzichtet.


    Ich hoffe so sehr das meine Großeltern, natürlich auch meine Eltern, noch ganz lange leben werden. Vor dem Tag X graut es mir ;(

  • 10 Antworten

    Hallo Dodo,


    du hast noch die Zeit, um diese intensiv mit ihnen zu leben. Nutz dies aus.


    Ich hab meine Mutter vor 6 Jahren verloren, sie wurde 85 1/2 und damals hab ich mir ihr gegenüber nicht so verhalten, wie ich es heute tun würde.


    Sie war schon etwas schwierig, immer am jammern, wie schlecht es ihr doch gehen würde, obwohl es ihr trotz gesundheitl. Probleme noch relativ gut ging.


    Die letzten Jahre hat sie im Heim verbracht, ich hab sie auch regelmäßig besucht, aber die ständige Jammerei ging mir schon auf die Nerven.


    Ca. 3 Jahre nach ihrem Tod hatte ich in eben diesem Heim ein Praktikum, wollte damals auf Alltagsbegleitung hinaus.


    Durch ein weiteres Praktikum lernte ich die älteren Menschen näher kennen und ich konnte auch einen Bezug zu diesen aufbauen, was bei meiner Mutter nicht so geklappt hat.


    Heute sind mir diese Menschen sehr ans Herz gewachsen und ich hab des öfteren ein schlechtes Gewissen meiner Mutter gegenüber, weil ich sie nie so in den Arm nehmen konnte, wie eben die für mich eigentl. fremden Menschen.


    Ich weiß zwar, daß es ihr "oben" sehr gut geht, aber wenn ich könnte, würde ich sie zurück holen, um ihr mein "neues Ich" zu zeigen.


    Im Gegensatz zu mir leben deine Eltern, Großeltern noch, zeig ihnen wie sehr du sie magst und wie gern du mit ihnen zusammen bist.


    Und warum sollen deine Großeltern nicht auch noch die 90 erleben?


    Ich wünsch dir noch ganz vielen Jahre mit deinen Lieben.

    Ich kann dir auch nur den Rat geben, die Zeit einfach so gut wie möglich zu genießen und den Menschen die du lieb hast das auch zeigen.


    jeder hat mal böse Worte in den Mund genommen aber ich denke man hat es auch immer gemerkt und sich entschuldigt.


    Deine Familie weiß sicher auch dass du sie lieb hast.


    ich weiß wie schlimm so ein verlust ist meine "letzte" Oma die ich noch hatte ist heute vor einer Woche mit 94 Jahren verstorben einerseits wahnsinnig Traurig aber ich habe es ihr auch gegönnt weil sie auch einfach nicht mehr weiterleben wollte und endlich zu meinem Opa wollte.


    Jeder muss irgendwann mal gehen, man weiß nur nicht wann wie und wo aber statt sich darüber Gedanken zu machen muss man die Zeit wirklich genießen, denke ich :-)

    Ich würde in dem Zusammenhang hier mal so verwaltungstechnische Dinge ansprechen wollen. Weil wenn es mal soweit ist und man trauert, dann hat man mitunter keine Kraft, um Verwaltungskram zu regeln, bzw. man kann es sich leichter machen in dem man vorher auskundschaftet, was genau zu tun ist. Ich habe schon bei so manchen Leuten gesehen, dass sie sich in angenehmen Zeiten keine Gedanken darüber gemacht haben. Dann kamen Probleme auf, die durchaus vermeidbar gewesen wären.


    Bei uns ist es so, dass wir Kinder (für unsere Eltern) eine Generalvollmacht bekommen haben, die man evtl. schon bei Pflegebedürftigkeit brachen kann. Bei unserer Bank ist es allerdings so, dass diese ihre eigene Vollmacht haben wollte, gut, haben wir gemacht. Für den Fall der Fälle eine Patientenverfügung haben wir auch. Testament brauchen wir nicht.


    Dann habe ich, so komisch es klingt, im Beerdigungsinstitut nachgefragt, was in unserem Fall Begrebnisse kosten würden, so wissen wir, was auf uns finanziell zukommen wird. Und dann bei Behörden und Amtsgericht nachgefragt, was man im Fall der Fälle zu tun hat, bzw. in welches Büro man dann muss. Ich bin der Meinung, dass wenn mann einen Fahrplan für solchen Fall hat, mann es sich das Leben etwas leichter macht, wenn man dann kräftemässig am Boden liegt. Und dann wissen wir, wo welche Dokumente zu finden sind.

    Ich hatte als Kind und auch jetzt noch manchmal große Verlustängste. Ich hatte immer Angst, dass meine Eltern, mein Freund oder andere liebe Personen bei einem Unfall ums Leben kommen. Es hat mir den ganzen Alltag versaut.


    Mit der Zeit habe ich gelernt den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren. Klingt abgedroschen, aber früher oder später sterben wir alle- ein Grund mehr, dass Leben im Hier und Jetzt zu genießen.

    Der Tag X hat mich schon getroffen, weder Großeltern noch Eltern vorhanden und ich war mit 27 Jahren sozusagen verwaist.


    Ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht was hätte ich besser machen können, wo mehr helfen.


    Aber letztendlich sind wir alle voller Fehler ;-) .


    Das was ich dadurch gelernt habe ist nie das Haus im Streit zu verlassen und zum Abschied ein "habe dich lieb" rauszudrücken.


    Es kann ja passieren das ich beim Fenster putzen aus dem Fenster stürze, dann haben meine letzten Worte zu meinen lieben wenigsten was nettes bedeutet.


    Das war im übrigen auch das Letzte was ich zu meiner Mutter gesagt habe "Mama ich liebe dich" am Telefon, danach war sie tot mit 53 Jahren.


    Einfach tot. Keine Lebensbedrohende Krankheit, kein Unfall, kein hohes Alter.


    Das war meine schlimmste erfahrung.


    Meine Oma starb ein halbes Jahr früher, sie hat selber schon alles vor ihrem ableben geregelt, wo sie beerdigt werden will, wie usw.


    Als meine Mutter starb war ich ein halbes Jahr fast wie Trance, mußte alles Regeln, hatte kleine Kinder. Dieses du mußt funktionieren und am Boden zerstört zu sein hat mich fast zerrissen.


    Von daher ist Sauergurkes Vorschlag ganz gut.


    Meine Mutter hat mir vor ihrem Tod gesagt das sie eigeäschert wrden möchte, das ihr dieses sehr wichtig sei.


    Ich habe sie damals belächelt und gemeint wieso sie den an ihren Tod denke, sie habe noch Zeit.


    Verbringe eine gute Zeit mit deinem Großeltern und wer weiß, vielleicht werden sie 100 Jahre alt, wer weiß das schon ;-) .

    Also meine Großeltern haben soweit alles geregelt, Generallvollmacht wurde bereits ausgestellt für meine Eltern – sowie haben beide Großelternteile den Wunsch geäußert wie sie beerdigt werden wollen, auch wenn ich da teilweise nicht so einverstanden damit bin.


    Ich hoffe so sehr das mir beide Großelternteile noch ganz lange erhalten bleiben !

    Zitat

    Ich hoffe so sehr das mir beide Großelternteile noch ganz lange erhalten bleiben !

    Sowas wünscht man sich natürlich selber und anderen gerne auch. Ich habe allerdings bei schon recht alten Menschen in meiner Familie anders gefühlt. Wenn das Leben für diese Leute nicht mehr lebenswert war, sprich Altersschwäche, Krankheit und so. Wenn diese Verwandten oder auch Leute, die nur so kannte dann endlich gehen durften, da habe ich mich ein wenig für diese Menschen gefreut.

    @ Sauergurke,

    da geb ich dir Recht.


    Das Leben meiner Mutter war in ihren letzten Tagen nicht mehr lebenswert.


    Ich wußte, daß sie schon sehr lang zu ihrem Vater wollte.


    Und als ich sie dann im Sarg liegen sah, war ich so erstaunt drüber, wie gut sie doch aussah.


    Zufrieden und entspannt. Da wußte ich, sie ist glücklich darüber, bald mit ihrem Vater zusammen zu sein und ich konnte nicht mal weinen, weil ich mich für sie gefreut hab.

    Hallo Dodo


    Dein Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Ich habe die Situation genau so erlebt wie du, nur dass es bei uns halt schon zu einem Teil vorbei ist, weil meine Grosseltern einige Jahre älter sind.


    Meine Oma ist nun Anfang November 13 nach längerem Krebsleiden verstorben, sie wurde 86 Jahre und 4 Monate alt. Mit 83 hatte sie überdies einen dreifachen Hirnschlag er- und überlebt. Sämtliche Ärzte gaben ihr keine 5 % Überlebenschance mehr, aber sie hatte gekämpft und war zurückgekommen, jedenfalls für zwei Jahre, danach wurde sie unheilbar krank und baute zusehends ab und noch mehr ab.


    Insofern kann ich dir nur raten, die Zeit die dir mit deinen Grosseltern noch bleibt gut zu nutzen, ihnen deine Wertschätzung zu zeigen. Das ist alles was du tun kannst. Das Leben ist endlich, damit habe ich mich auch anfreunden müssen. Tu' das auch. Es wird dir beim Abschied etwas leichter fallen.

    Sag ihnen immer wieder, dass du sie liebst. Sprich mit ihnen über schöne gemeinsame Erlebnisse und danke ihnen dafür. Trenne dich nie im Unfrieden von ihnen und verlasse sie nie einem Rest Ärger in dir.


    Ich habe vor 3 Wochen meinen Vater verloren. Schlaganfall, er konnte nicht mehr sprechen. Es gab keinerlei Anzeichen einer Erkrankung, er war richtig fit... Als es passierte, war ich auf Arbeit. Als ich dann bei ihm war, habe ich für 15 Minuten noch seine Augen gesehen. Beim Besuch am nächsten Tag waren sie geschlossen – er hat sie nie wieder geöffnet; 3 Tage danach kam der Anruf, dass er verstorben ist. 10 Tage vor meinem 50. Geburtstag war die Beisetzung.


    Mein Rat deshalb: zeige ihnen deine Liebe, nimm dazu jede Gelegenheit wahr. Das Schlimmste, was es neben der Trauer gibt, sind Schuldgefühle, die du ein Leben lang mit dir herumträgst.


    Ich bin noch immer fassungslos und fühle die Trauer als körperlichen und seelischen Schmerz. Es ist so unwirklich, man kann es einfach nicht akzeptieren. Vieles wäre noch zu sagen und zu tun gewesen – doch es ist zu spät, es gibt keine neue Chance mehr. Leider schiebt man immer alles vor sich her. Später, später und dann ist es irgendwann ZU spät.


    Darum schiebe nichts auf. Die Zeit ist nicht unendlich, nutze sie.