Asche Verstorbener im Garten verstreuen?

    In Bremen darf man ab nächstem Jahr die Asche (Urne) verstorbener Angehöriger mit nach Hause nehmen und ggf. auch im Garten verstreuen, wenn der Verstorbene das vorher so gewünscht hat.


    Was haltet ihr von dieser Veränderung der Begräbniskultur?


    Ich denke, dass Angehörigen und Freunden damit die Möglichkeit genommen wird, an einem neutralen Ort, z.B. Friedhof oder Friedwald, der Trauer in irgendeiner Form Ausdruck zu geben und immer wieder ohne Beschränkung an diesen Ort zu gehen. Es gäbe noch viele Argumente mehr, dieser Neuerung skeptisch gegenüber zu stehen.


    Gruß

  • 42 Antworten

    ich denke, daß die orte der trauer auch gemietet werden, und die miete ist normalerweise endlich. das ist eine ganz reale beschränkung. abgesehen davon ist es verstorbenen durchaus zuzutrauen, eine solche entscheidung nach einigem nachdenken getroffen zu haben (egal, wo nun letztendlich die begräbnisstätte ist). da sind dann entweder die befindlichkeiten der hinterbliebenen schon miteingerechnet oder aber der wunsch des verstorbenen war dennoch dahingehend, einen eigenen, nicht ursprünglich dafür vorgesehenen ort zu wählen.


    für die angehörigen kann dann der gewählte ort der ort der trauer sein.


    ich wüßte jetzt nicht, was daran skeptisch zu betrachten wäre.

    Die grosse Mehrheit wird sich auch mit dieser Möglichkeit auf einem Friedhof begraben lassen.


    Bei uns in der Schweiz kann man die Asche Verstorbener schon heute nach Hause nehmen. Trotzdem sind die Friedhöfe nach wie vor der Standard.


    Für Menschen, die aber kein Begräbnis wünschen, ist diese Möglichkeit ideal. Die Bedürfnisse anderer sind da meiner Meinung nach sekundär. Ausserdem versteh ich ortsgebundene Trauer sowieso nicht.

    @ IceLady

    Bei mir löst diese Änderung keine Ängste aus, warum auch? Jede/r wird für sich entscheiden, wie und wo er/sie bestattet werden möchte. Ich bin auch kein Bestatter (beruflich) und fürchte um mein Einkommen ;-)


    Mich interessiert mit dem Anstoßen dieses Threads nur, wie Menschen in unserer Gesellschaft dieses Thema sehen.

    Zitat

    Es gäbe noch viele Argumente mehr, dieser Neuerung skeptisch gegenüber zu stehen.

    Nunja, ich sehe keinen großen Unterschied zu einer, jetzt schon legalen, Seebestattung.


    Man kann doch auch in den Garten gehen, um einen Ort der Trauer zu haben?


    Ich persönlich finde das eine schönere Alternative als einen Friedhof (alles nur Tote um einen rum ;-) )

    Für mich ist die Lockerung des Friedhofszwangs eine Herzensangelegenheit. Ganz ehrlich. Schon Jahre finde ich die Vorstellung, dass man selbst oder der geliebte Partner ein Reih und Glied irgendwo auf einem furchtbaren Gelände liegt und damit ganz weit weg vom Lebensmittelpunkt. Ich habe mich auch längst für den möglichen Fall erkundigt, wie man den Friedhofszwang umgehen kann (Verbrennung im Ausland, Einfuhr der Urne) und dies auch für mich verfügt. Ich möchte nicht, dass meine Hinterbliebenen sich irgendwann um Grabgestaltung kümmern müssen und meine Frau vielleicht irgendwann im hohen Alter mich nicht mehr besuchen kann. Ich möchte zuhause bleiben, solange ich zuhause liebe Menschen habe. Wenn ich nicht mehr da bin, erinnern wenigstens neben Fotos auch noch meine Überreste daran. Und meine Frau möchte ich genauso wenig auf einem fernen Friedhof wissen, wenn sie zuerst gehen sollte. Wir haben das so besprochen und sind uns da einig. Wenn der letzte von uns geht (wir haben keine Kinder), dann ist es mir auch relativ egal. Warum dann also ein Grab für 30 Jahre mieten, eine aufwändige Steinfassung und Grabstein gestalten lassen, nur damit im Herbst Laub darauf fällt und vielleicht schon längst niemand mehr da ist?


    Mir ist klar, dass man keine Leichen im Garten verbuddelt, aber mit Asche ist das alles kein Problem. Sie schadet der Umwelt nicht, und das Totengedenken ist eine sehr individuelle Sache. Geregelt ist das durch Länderrecht, und ich finde es eine Anmaßung, dass mir die Gesetzgeber der Bundesländer reinreden wollen, wo ich als verbrannter Rest mal aufbewahrt werden muss.


    Insofern Daumen hoch für Bremen (ich habe das in den Nachrichten gar nicht mitbekommen), und ich wünsche mir, dass zu meinen Lebzeiten hier auch noch andere Länder schnell folgen werden und mit diesem unsäglichen Anachronismus aufräumen. :)^

    Hoffe, das wird nicht nur in Bremen so erlaubt werden, sondern in ganz D.


    Ich hätte gerne, dass meine Asche ins Meer gestreut wird. Gerne vor der Insel Juist.... Von einem kleinen Kutter aus... Niemand müßte Unkraut auf dem Friedhof jäten, keine zwanghaften Nachkommensversammlungen dort....


    Jeder weiß, wie sehr ich die See liebe und wer an mich denken will, kann das mit freudigen Gedanken an Wellen, Sand und Möwenkreischen tun....

    Mit der Begrifflichkeit kann ich immer noch nichts anfangen, aber nicht so schlimm. |-o


    Aber man wird doch nicht sagen können: "Tochter xy muss meine Urne zuhause aufbewahren", obwohl sie das vielleicht gar nicht will. ":/ Also denke ich, entweder können die Angehörigen sich über den Wunsch des Toten hinwegsetzen und die Urne sonstwo begraben, oder aber sie sind einverstanden und keiner hat ein Problem. ???

    Wenn ich die Asche eines geliebten Menschen mit nach Hause nehmen dürfte, würde ich das auf jeden Fall machen. :-/ Im Garten verstreuen dennoch nicht.


    Aber man stelle sich vor Kind oder Mann zu verlieren, da würde ich es -in Ermangelung passenderer Wörter- schön finden diese bei mir zu haben. Andererseits bedarf es dafür erst einmal einen Feuerofen... und ich weiß nicht ob ich das wollen würde

    .


    Meine Oma würde das zum Beispiel (ihre eigene Verbrennung) nicht wollen, nein, ganz und gar nicht. Und ich bin zum heutigen Zeitpunkt auch nicht scharf drauf meine Überreste ein paar Stunden im Ofen zu brutzeln. Nicht dass mir zwei Meter unter der Erde besser gefallen würden, ich leide doch so an der Angst vor engen Raumkapazitäten und überhaupt unter der Erde zu sein. Nicht dass mir nicht bewusst wäre dass es mir egal sein wird wenn ich leblos vor mich hingammel. :=o

    Tag,


    ich finde die Neuregelung in Ordnung. Warum auch nicht?

    Zitat

    Ich denke, dass Angehörigen und Freunden damit die Möglichkeit genommen wird, an einem neutralen Ort, z.B. Friedhof oder Friedwald, der Trauer in irgendeiner Form Ausdruck zu geben und immer wieder ohne Beschränkung an diesen Ort zu gehen. Es gäbe noch viele Argumente mehr, dieser Neuerung skeptisch gegenüber zu stehen.

    Und? Wenn es der verstorbene so wünscht, ist den Wünschen mMn folge zu leisten. Welche Gründe er dafür auch immer hat. Abgesehen davon kann ja auch verfügt werden, die Urne auf den Kaminsims zu stellen. Was gäbe es für einen neutraleren Ort zu trauern, als das eigene Heim?


    Ich würde gerne die "vielen Argumente" hören. Mir fallen spontan keine ein. Die Asche ist in keinster Weise toxisch, im gegenteil, sie ist sogar gut für die Erde (klingt jetzt makaber, ich weiß).


    Ich finde jeder soll selbst entscheiden, wie die überreste nach dem Tod behandelt werden. Wird ein Körper der Wissenschafft zur verfügung gestellt, wird einem ja auch (zumindest eine ganze Weile lang) die möglichkeit genommen, an einem Zentralen Ort zu trauern.


    Man sollte das ganze nicht zu eng sehen. Ist ja nicht so, als das jedem die möglichkeit genommen wird, weiterhin auf einem Friedhof begraben zu werden...

    Gibt es diese Gesetzesänderung nur für das Bundesland Bremen?


    Das hätte ich nicht für möglich gehalten, dass in Deutschland so etwas erlaubt wird. Ich kenne das auch nur aus den USA und der Schweiz. Wobei ich dachte, dass das in der Schweiz nur bei Tieren erlaubt wäre.


    Ich finde diese neue Möglichkeit aber viel schöner, als ein Begräbnis auf dem Friedhof. Und wenn die Asche nicht einmal unter die Erde muss, sondern im heimischen Garten verstreut werden darf, in dem der Verstorbene sich zu Lebzeiten oft aufgehalten hat, dann ist das doch angenehmer als auf einem Friedhof neben unzähligen anderen Toten drei Meter unter der Erde liegen zu müssen. Ist jedenfalls meine Meinung. Außerdem fällt dann die jahrelange Grabpflege für die Hinterbliebenen weg.


    Ist aber die Frage, ob die Angehörigen den Wunsch des Verstorbenen dann auch respektieren und umsetzen oder ob sie mit der Tatsache, die Asche im eigenen Garten zu haben, gar nicht umgehen könnten und den Verstorbenen dann doch auf einem Friedhof beisetzen lassen.


    Und man sollte auch bedenken, dass Haus und Grundstück irgendwann an fremde Leute verkauft werden und man danach keine Möglichkeit mehr hat, dem Verstorbenen nahe zu sein.

    Zitat

    Hoffe, das wird nicht nur in Bremen so erlaubt werden, sondern in ganz D.


    Ich hätte gerne, dass meine Asche ins Meer gestreut wird. Gerne vor der Insel Juist.... Von einem kleinen Kutter aus...

    Dazu brauch es aber keine "neue" Regelung klick

    Gerade in heutigen Zeiten wo der Normalfall nicht mehr die Mehrgenerationen-Großfamilie ist, ist eine Lockerung des Friedhofszwangs ein Schritt in die deutlich richtige Richtung. Wer kann/will über Jahrzehnte eine Grabstelle auf einem Friedhof pflegen? Kinder leben heute oft weit weg von ihren Eltern.


    In den letzten Jahren ist ein Trend zu Bestattungsformen bei denen keine zu pflegende Grabstelle bleibt klar erkennbar.


    Friedwälder erleben einen großen Boom.


    Es gibt und gab natürlich noch andere Möglichkeiten. Eine Seebestattung, eine anonyme Urnenbestattung oder das Verstreuen der Totenasche.


    Bei alle diesen Formen ist es aber nach wie vor so das der Verstorbene zu Lebzeiten eine handschriftliche Willenserklärung hinterlassen haben muss.


    Es gibt sogar die Möglichkeit einen Teil der Totenasche zu einem echten Diamanten pressen zu lassen...


    Trauer ist immer eine persönliche und individuelle Sache. Aber was nützt einem ein schönes Grab auf dem Friedhof wenn der nächste Angehörige 300km weit weg wohnt...


    Heutzutage ist es auch oft so das die Gebühren der Stadt/Gemeinde für eine Grabstelle auf einem Friedhof höher sind als die Kosten für den Bestatter, also für alles andere.


    Auslöser dafür ist u.a. eine falsche Prognose der Nutzung der Friedhöfe. Wo früher eine Erdbestattung im Sarg auf dem Friedhof das normale war und die Friedhöfe entsprechend groß angelegt wurden hat man heute deutlich häufiger nur kleine Urnengräber. Und die Lebensumstände heutiger Familienstrukturen haben sich auch geändert so das es oft niemanden mehr gibt der überhaupt ein Grab auf dem Friedhof besuchen/pflegen könnte.

    Zitat

    Bei alle diesen Formen ist es aber nach wie vor so das der Verstorbene zu Lebzeiten eine handschriftliche Willenserklärung hinterlassen haben muss.

    Sind die Angehörigen dann auch dazu verpflichtet, die Bestattung so umzusetzen, wie der Verstorbene es gewollt hat oder dürfen sie trotzdem eine andere Entscheidung treffen?

    Ich würde mich schon verpflichtet fühlen, den Wunsch des Verstorbenen zu erfüllen.


    Aber nicht immer sind die Angehörigen mit dem Wusch "zufrieden" (oder wie man es auch ausdrücken möchte).


    Für mich persönlich habe ich daher entschieden, daß ich es meinen Angehörigen überlassen möchte, wie ich beigesetzt werde. Denn sie sind diejenigen, die trauern und damit fertig werden müssen. So wie sie es entscheiden, ist es gut.


    Ich selber empfinde Friedhöfe als Ort der Ruhe und der Besinnung. Ich kümmere mich gerne um die Pflanzen auf den Gräbern, stelle mal eine Kerze oder ein Gesteck auf und hänge meinen Gedanken nach.


    Und ich finde es schön, auf dem Friedhof andere Menschen zu treffen, sich etwas zu unterhalten, was ja in der Alltagshektik oft zu kurz kommt. Auf dem Friedhof wird uns allen bewußt, daß das Leben endlich ist und wir alle im selben Boot sitzen. Da sind wir alle gleich. Deswegen würde ich für mich/meine Familie die oben beschriebene Möglichkeit eher nicht in Erwägung ziehen, denn das ist ein weiterer Schritt, nicht mit Trauernden und Menschen überhaupt, in Berührung/ins Gespräch zu kommen.