Es komm auf den Wunsch an: Meine kürzlich verstorbene Großmutter wollte auf keinen Fall verbrannt werden - das habe ich natürlich respektiert. Hätte sie sich jedoch gewünscht, bei uns im Bücherregal zu stehen mit ihrer Asche, hätte ich den Wunsch abgelehnt, weil dieser mich in meinem ganz privaten Alltag stören würde. Daher könnte ich das gar nicht allgemein sagen, wann ich den Wunsch ablehne und wann nicht. Wichtig ist mir die Klärung vorher, wenn möglich.

    Man sollte gar keine Willenserklärung unterschreiben, ich sehe es genauso wie N8eule. Die Angehörigen sind die, die entscheiden sollen, denn alle Art von Friedhofskultur ist doch nur für die Hinterbliebenen wichtig. Ich würde mich auch nicht an alle Willenserklärungen halten.

    Deutschland ist bei dem Thema völlig bekloppt, viel zu viele Einschränkungen. Zu Lebzeiten unterliegt man schon zahlreichen Gesetzen und Regeln aber auch noch über den Tod hinaus? Ganz ehrlich, das ist für mich einfach nur pervers.


    Der Verbleib der Asche hat einzig und allein die Angehörigen zu interessieren, meine Meinung.

    Wenn meine Familie meine Asche gern im Garten möchte, bitte schön. Ich merk das ja nicht mehr.


    Mir ist halt wichtig, daß es für die Hinterbliebenen ein schöner Ort ist, an den sie gerne kommen und sich erinnern.


    Scheinbar brauche ich selber diesen bestimmten Ort, den Friedhof eben, an dem ich die Verstorbenen besuchen kann.


    Für mich ist es etwas besonderes, zum Friedhof zu gehen. Die letzte Ruhestätte eines Familienmitgliedes oder Freundes zu pflegen, ist etwas anderes, als den eigenen Garten zu pflegen. Im Garten bin ich fast jeden Tag, das ist Arbeit, auf die ich nicht immer Lust habe und die manchmal schnell und mit wenig Liebe erledigt wird.


    Wenn ich den Friedhof besuche, bleibt der Alltag irgendwie vorm Tor zurück. Sobald ich es hinter mir geschlossen habe, fühlt es sich irgendwie anders, friedlich und ruhig an. Das empfinde ich als tröstend, egal welchen Kummer man gerade hat.


    Mir würde es schwerfallen, die Asche eines Verstorbenen zu verstreuen, wo auch immer. Oder sie gar in einer Urne ins Regal zu stellen.


    Vielleicht bin ich aber auch mit meinen Gedanken ein bisschen altmodisch.

    N8eule

    Zitat

    Mir würde es schwerfallen, die Asche eines Verstorbenen zu verstreuen, wo auch immer. Oder sie gar in einer Urne ins Regal zu stellen.

    Das ist ja völlig in Ordnung, da es bei Trauer kein "richtig" und "falsch" gibt. Daher ist es ja gut, dass man Optionen hat und nicht zu irgendetwas gezwungen wird. Wer aber seine Asche lieber woanders haben möchte, wird heute vom Gesetz zum Friedhof gezwungen, und das ist nicht in Ordnung.

    In NRW ist gerade das Bestattungsgesetz neu geregelt und bzgl. Urnen verschärft worden. Bisher war es unproblematisch möglich, sich in Holland verbrennen zu lassen. Danach hat in Deutschland niemand mehr nachgefragt, was mit der Asche passierte. Jetzt gibt es eine Nachweispflicht.


    Auch eine Möglichkeit die leeren Friedhöfe wieder etwas besser auszulasten.

    Zitat

    Die Angehörigen sind die, die entscheiden sollen, denn alle Art von Friedhofskultur ist doch nur für die Hinterbliebenen wichtig. Ich würde mich auch nicht an alle Willenserklärungen halten.

    Aber vielleicht möchte der Sterbende ja gar nicht, dass seine Angehörigen später auf dem Friedhof um ihn oder sie trauern, weil man sich zu Lebzeiten nicht gut verstanden hat oder weil der Sterbende einfach möchte, dass die Angehörigen ihr Leben glücklich weiterleben. Ich finde, dass der Sterbende darüber zu entscheiden hat, was nach dem Tod mit seinem Körper passiert und nicht die Hinterbliebenen! Auch, wenn der Wunsch des Sterbenden nicht mit den Vorstellungen der Angehörigen konform ist.


    Oder möchtet ihr letztendlich in einem Familiengrab landen, neben Verwandten, die ihr nie gekannt – oder mit denen ihr euch nicht gut verstanden habt, nur, weil eure Angehörigen entschieden haben, dass die Verstreuung der Asche im Garten eine Schnapsidee von euch gewesen ist? Ein Grab, das von euren Verwandten wahrscheinlich sowieso nur einmal alle paar Monate besucht werden würde?


    Ich würde das nicht wollen!

    Mir persönlich wärs egal, ob ich nun neben Stalin, auf dem Mond oder auf dem Petersplatz vergraben oder verstreut werde. Bin dann ja nicht mehr da, krieg davon nichts mit.


    Aber man sollte die Möglichkeiten offen lassen, was mit den Überresten geschieht, für die Menschen, die es interessiert. Und deren Wünsche sollten auch respektiert werden.

    Die Keltin

    Ich kann deine Ansicht schon verstehen. Ich selber sehe es zwar anders, mir wäre es echt egal, weil ja die Angehörigen die sind, die trauern. Und natürlich würde ich es nicht wollen, dass sie trauern müssen, aber deshalb ist es ja auch so wichtig, dass sie das tun, womit sie am besten umgehen können. Wenn das ein Friedhof ist, dann bitte, wenn es Asche verstreuen ist, auch gut.

    Zitat

    Ich finde, dass der Sterbende darüber zu entscheiden hat, was nach dem Tod mit seinem Körper passiert und nicht die Hinterbliebenen! Auch, wenn der Wunsch des Sterbenden nicht mit den Vorstellungen der Angehörigen konform ist.

    Wie gesagt, nachvollziehen kann ich diese Meinung, auch wenn ich es anders sehe. Aber für mich wäre ganz klar, dass ich nicht jeden Wunsch erfüllen würde, denn posthum sich den Willen der Eltern oder sonstiger Verwandter "aufdrücken" zu lassen hat für mich schon Grenzen. Kommt eben darauf an, worin dieser Wille besteht, was es dann konkret bedeuten würde. Siehe das Beispiel mit der Urne im Wohnzimmerschrank. Meine Mutter hat mal geäußert, dass sie nicht verbrannt werden will. Das wäre mir zwar letztlich lieber gewesen, aber diesem Wunsch werde ich nachkommen. Aber nicht dem, dass sie plötzlich meinte, sie will nicht in das ursprünglich und schon seit Jahren bezahlte Grab (mein Vater ist da auch noch bestattet).

    Zitat

    Aber vielleicht möchte der Sterbende ja gar nicht, dass seine Angehörigen später auf dem Friedhof um ihn oder sie trauern, weil man sich zu Lebzeiten nicht gut verstanden hat oder weil der Sterbende einfach möchte, dass die Angehörigen ihr Leben glücklich weiterleben.

    Aus diesem Grund haben zum Beispiel meine Großeltern mütterlicherseits ihre Beerdigung zu Lebzeiten selbst organisiert, geplant und bezahlt. Somit hatten wir als Angehörige gar keine Möglichkeit etwas anders zu machen.


    Ich persönlich respektiere aber auch den Wunsch des Betroffenen. Meine Mutti wünscht sich verstreut zu werden und ich bin gern bereit ihr diesen letzten Wunsch zu erfüllen. Ich gehe auch ehrlich gesagt fast nie auf einen Friedhof. Mein Opa liegt zum Beispiel 300 km weit weg. Ich habe mir als Andenken einen seiner Pokale damals mitgenommen und ein Buch, was mich an ihn erinnert. Für einen Freund, der vor 7 Jahren verstorben ist, haben viele Freunde zusammen ein Graffiti an einer Mauer mit einem Bild von ihm gemacht. Das Bild gibt es nach wie vor und ich laufe oft daran vorbei und denke dementsprechend an ihn. Ich finde das persönlicher als ein Grab.


    Vermutlich liegt es daran, dass ich ihr Gedenken nicht an einen Ort binde, sondern das meist einfach spontan passiert.


    Aber genauso wie jeder seine eigene Art zu trauern hat, geht jeder auch unterschiedlich mit dem Gedenken um. Ich finde die Entwicklung positiv, dass man im eigenen Garten verstreut werden kann. Man muss es ja nicht nutzen, doch die Option ist da! :)z

    Nicht nur der Verstorbene muss das schriftlich festlegen, sondern auch die Person, die die Urne übernimmt muss Unterschrift leisten ob sie einverstanden ist.


    In Österreich schon länger möglich.


    Ich war/bin unendlich dankbar für diese persönliche Entscheidung. Unsere Liebe war etwas Besonderes und niemals könnte ich mir vorstellen von meinem Liebsten getrennt zu werden. Es beruhigt mich, ich bin ihm immer sehr nahe.


    Kann man Liebe loslassen? ich kann es nicht. Als Sterbenden musste ich ihn-schweren Herzens - loslassen.


    Meine intensive neunwöchige Pflege zu Hause war mein letzter Liebesdienst, es war unendlich hart, gleichzeitig hat es mein Leben sehr bereichert. Das Gefühl jederzeit in meinem Tagebuch nachzulesen welch kluge Aussagen er in dieser Zeit getätigt hat, beweist mir immer wieder wie außergewöhnlich dieser Mann war.


    Er hat Wien geliebt, war aber nicht seine Heimat.


    Gestern sagte mir unsere Mobile Hospiz Ärztin, mein Mann spürt nach wie vor, wie sehr ich ihn liebe.


    Daher war es für uns die richtige Entscheidung, dass ich seine Urne zu Hause aufbewahren darf.


    Gemeinsam werden wir im Grab meiner Großeltern beigesetzt.


    Gehe auch gerne auf Friedhöfe, aber mit meinem Mann möchte ich ungestört sein und das kann ich nur zu Hause.

    Ich kann mich dem Beitrag von Comran vollumfänglich anschließen.

    Zitat

    Für mich ist die Lockerung des Friedhofszwangs eine Herzensangelegenheit.

    Für mich auch :)z Ich habe gerade mal nachgeschaut, es ist jetzt bald 2 Jahre her, dass ich eine Diskussion zum Friedhofszwang in Deutschland hier gestartet hatte und ich begrüße es sehr, dass sich endlich etwas tut. Die Lockerung in Bremen betrachte ich als Schritt in die richtige Richtung, wobei es m.E. noch nicht optimal geregelt ist, wenn man sich verpflichten muss, die Asche im heimischen Garten zu verstreuen. Die Möglichkeit hat a) nicht jeder und b) ist es auch keine Lösung für jene, die nicht wissen, ob sie auf ewig am selben Ort wohnen bleiben können.


    Ich möchte, dass meine Angehörigen meine Asche zu ihren Lebzeiten immer in ihrer Nähe haben können, auch wenn sie unser Eigentum aus welchen Gründen auch immer irgendwann einmal aufgeben müssten, sei es aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen.


    Insofern hoffe ich, dass nach der ersten Lockerung in Bremen noch weiter reformiert und der Friedhofs- bzw. Bestattungszwang in Deutschland irgendwann komplett abgeschafft und die "Urne auf dem Kamin" auch hierzulande legalisiert wird.

    Wir haben in der Schweiz ja (unter anderem) die Möglichkeit des Friedwaldes. Mein Partner hat sich dafür entschieden. Wir haben einen schönen Baum im Friedwald ausgesucht und "gekauft", d.h. er gehört für die nächsten 90 Jahre mir. Nach dem Ableben meines Partners haben wir die Asche zur Wurzel des Ahornbaumes gegeben.


    Ich gehe gerne in den Wald, er (und mein Baum) sieht immer wieder anders aus, es ist kein "Grab an Grab" wie auf dem Friedhof, sondern sehr individuell. Man ist ganz alleine, kann die Stille geniessen, einen unbekannten Vogel hören, beobachten wie der Baum wächst oder einfach nur in sich selber gehen.


    Für mich persönlich die schönste Variante; zu Hause aufbewahren wäre auch eine Option gewesen, aber es gefällt mir besser, wenn ich raus in den Wald kann.

    Ich möchte selbst nie auf einem Friedhof liegen. Ich habe mit solchen Orten und auch der Kirche nicht viel am Hut. Ich möchte gerne da wo ich mich wohl fühlte verstreut werden.... frei sein und mit dem Wind ziehen. ;-) Um an mich zu denken braucht es kein Grab.


    Wenn ich einen Mann liebe würde ich ihn wiederum gerne bei mir haben.... nicht irgendwo auf einem Friedhof. Aber ich würde es so akzeptieren wie er sich entscheidet zu Lebzeiten.

    Zitat

    Woher stammt diese Einschränkung?

    Aus der Historie. Ursprünglich hatte es hygienische Gründe, dass solche Gesetze erlassen wurden, denn Feuerbestattungen waren im Christentum ohnehin nicht üblich. Zu Beginn der Nazi-Zeit wurden dann Feuerbestattungen gesetzlich in den Ländern geregelt. Und diese Regeln haben sich bis heute nicht geändert und die Bundesländer sind enorm träge, weil der Druck einfach nicht groß genug ist.


    Man sollte sie aufrütteln. >:(