Beste Freundin im Koma

    Hallo,


    mein Anliegen passt zwar nicht zum Thema Abschied, aber Trauer kam mir am ehesten stimmig für das Thema vor.


    Es ist so, dass meine beste Freundin, die ich seit der Geburt kenne, nach einem schweren Unfall, seit etwa 7 Wochen im Koma liegt. Es ist ein ewiges Auf und Ab an guten Nachrichten und schlechteren Diagnosen. Sie ist mittlerweile auf die Normalstation verlegt worden und atmet selbst. Ihr steht ein langer Weg bevor, den sie natürlich nicht alleine gehen wird. Allerdings wurde sie beim Unfall stark am Kopf getroffen, weshalb die tatsächlichen Folgen unklar sind.


    Die Nachricht hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Erst Tage davor hatten wir über unsere Pläne geredet. Zusammen studieren, zusammen in eine WG ziehen, zusammen Kinder bekommen, wenn wir älter sind. Nach und nach wurden mir langsam die Folgen des Unfalls bekannt. Erst hieß es sie würde nächste Woche aufwachen, dann die nächste, dann war es plötzlich völlig unklar. Ich habe die ersten Wochen ständig geweint, nach und nach dann weniger.


    Mein Problem ist folgendes:

    Ich bin derzeit in einer Art Emotionslosigkeit gefangen, die ich kaum beschreiben kann. Ich fühle einfach nichts. Bewusst weiß ich, dass sie im Koma liegt und das die Folgen alles sein können, aber unbewusst, ist das alles so unrealitistisch.


    Diese Emotionslosigkeit macht mir Angst. Ich möchte lieber weinen und traurig sein, als dieses Gefühl von absoluter Leere. Ich frage mich,ob das normal ist?? Es fühlt sich so falsch an und es macht mir Schuldgefühle. Es ist nicht so, dass ich nicht lachen kann bei meiner Familie und meinen Freunden.


    Es ist nur so als wäre das gar nicht meine beste Freundin. Bzw weiß ich, dass sie es ist. Aber es ist sie eben auch nicht.


    Wie mache ich, dass ich wieder etwas fühle? Und ist das normal?


    Ich werde sie am wochenende das erste Mal mit ihren Eltern sehen und habe Angst, dass es mich nicht so umhauen wird, wie gedacht. Das wäre mir furchtbar unangenehm, wenn man mir meine Trauer nicht ansehen würde.


    Ich weiß, dass jeder anders traurig ist aber sie ist mir einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben und gerade deshalb fühl ich mich schlecht mit meiner aktuellen Reaktion darauf.

  • 3 Antworten

    Das ist normal. Zu Anfang dieser schwierigen Zeit hast du ja noch geweint.

    Ich denke, dass sind jetzt Schutzmaßnahmen deiner Psyche, um an der Situation nicht kaputt zu gehen.

    Die Gefühle kommen dann zurück, wenn du sie wieder aushalten kannst.

    Besuche einfach deine Freundin. Ihre Eltern werden sicher nicht auf dich achten, ob du auch die "richtige" Reaktion zeigst.

    Alles Gute!

    Ob du auch genug traurig wirkst wird das geringste Problem sein, um das die Eltern deiner Freundin sich sorgen werden. Da brauchst du dir keinen Kopf machen. Solange du dich nicht total daneben und unangemessen benimmst, zum Beispiel schmutzige Witze reißt, wird denen nichts auffallen.


    Ebenfalls um deine Gefühlswelt musst du dich nicht sorgen, der Mensch ist nicht geschaffen dafür 7 Wochen durchzutrauern. Eine gewisse Taubheit, sogar eine gewisse Akzeptanz für die neue Situation ist normal. Der Mensch passt sich an. Sicher wird die Trauer periodisch wiederkehren, aber zurückwünschen solltest du sie dir sicher nicht. Du bist nicht zur Trauer verpflichtet, und deine Trauer allein hilft auch niemandem.


    Alles Gute und bestmögliche Genesung für deine Freundin!

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    es kann sogar sein, dass es den Eltern ebenso geht. Und es ist völlig okay. Denn es ist eine Art Selbstschutz. Und das zeigt, wie sehr du deine Freundin liebst. Du bist dadurch stark für sie.


    Ich war ein Jahr mit meiner Tochter im Krankenhaus. Herztransplantiert und vorher Koma, allerdings nur wenige Tage. Jedoch zuvor einstündige Reanimation.


    Sie hat Folgeschäden, jedoch nicht so schlimm wie befürchtet.


    Darum, deine Angst ist normal, dein Zustand nochmal, deine Gefühle , auch das nicht fühlen, normal. Total normal.


    Wenn es dich weiter belastet , überlege, ob du therapeutische Hilfe haben möchtest.


    Alles gute