Fassungslos - Frau tot und die Geliebte kommt wieder

    Hallo Forum

    Ich weiß nicht wohin mit mir. Ich bin so fassungslos.


    Vor 4 Wochen verlor ich meine Mutter, sie starb nach kurzem, heftigem Kampf. Meine Eltern waren 48 Jahre verheiratet.

    Mir war bekannt (uns allen war das bekannt, weil es damals aufflog), dass mein Vater sie 7 Jahre lang mit ein und derselben Frau betrogen hat. Für ihn war es bequem beide Frauen zu haben. Zu Hause meine Mutter, die sich um alles kümmerte und ihn versorgte. Und draussen die Geliebte.

    Damals, als das raus kam, knallte es heftig und er stand kurz davor sich zu trennen um mit R. zusammen zu sein. Also gingen wir alle schon damals auch davon aus, dass da Gefühle waren und nicht nur Sex.


    Er entschied sich dann doch für seine Ehefrau. Die Geliebte zog (angeblich) weg und der Kontakt brach (angeblich) ab.


    Kurz vor ihrem Tod fand ich heraus, dass er zumindest per Whats App noch Kontakt zu ihr hat. (nein ich habe nicht geschnüffelt, er zeigte mir ein Video auf seinem Handy und ging danach im Menü zurück auf die Chatliste, so dass ich ihr Bild und ihren Namen dort in einem der Chats sehen konnte.)

    Jetzt ist seine Frau, meine Mutter (die er so verletzt hat damit!) 4 Wochen tot. Jetzt sagte er bei einer Feierlichkeit mit etwas viel Bier im Körper, dass demnächst mal R. vorbeikäme, und da ja jetzt Platz sei habe er ihr natürlich auch angeboten zu übernachten.


    Ja, man kann sich also da irgendwie eins und eins zusammenreimen. Ich bin momentan zu perplex um dazu etwas zu sagen. Ich möchte auch nicht falsch verstanden werden. Ich gönne ihm eine neue Liebe, er soll ja nicht alleine bleiben und im Prinzip ist es seine Sache. Ich kenne auch R., sie ist eigentlich ok (bis auf die Tatsache, dass sie sich damals als reine Bekannte ausgab und sich mit an den Esstisch setzte! - dafür muss man schon sehr abgebrüht sein).

    Ich weiß einfach nicht wie ich damit umgehen soll, deshalb habe ich bislang gar nichts dazu gesagt.


    Ich weiß auch nicht, was ich hier erwarte. Ich bin sehr durcheinander.Muss ausgerechnet die Frau zurück kommen, mit der er sie über so viele Jahre betrogen hat? War sie je wirklich soweit weggezogen, wie gesagt wurde? Lief das ganze doch weiter? Mich macht das wirklich fertig.

  • 41 Antworten

    Wie du geschrieben hast ist war das schon mehr als abgebrüht (das Essen mit ihr am am gemeinsamen Familienessen). Aber dein Vater ist alt genug, das selber zu entscheiden, das du das unmöglich findest das sich die Geliebte so kurz nach dem Tod deiner Mutter wieder auftaucht und er ihr eine Übernachtung anbietet. Das finde ich auch geschmacklos, gegen ein Treffen kann man ja nichts sagen aber übernachten geht gar nicht. Das würde auch in der Nachbarschaft kein gutes Bild/Zeugnis abgeben und Getuschel hinter vorgehaltener Hand geben wie

    "kaum ist seine Frau unter der Erde schon wirft er sich einer neue an den Hals"

    Dabei ist es ja egal ob ehemalig Geliebte oder neue Freundin, es ist und bleibt geschmacklos nach so kurzer Zeit sowas zu tun.

    Letztlich ist er wie er ist, und eine Abgebrühtheit JETZT ist nichts anderes als eine Fortsetzung der Abgebrühtheit von damals. Wenn ich lese "er hat sich damals für die Ehefrau entschieden" frage ich mich "aha, und hatte die da kein Wörtchen mitzureden? Hat die das einfach so mit sich machen lassen?". Wundert mich etwas.


    Also, ändern kannst Dus eh nicht. Vielleicht erkennen dass er möglicherweise ein Mensch ist, der nicht so nett und empathisch ist, und das dann Konsequenzen für euren weiteren Kontakt haben lassen.

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    Vermutlich kann man ohne eine etwas genauere "Innenansicht" auf diese Ehe nicht viel dazu sagen. Welche (geschriebenen und ungeschriebenen) Vereinbarungen hatten die Eheleute?

    Wie funktionierte die wieder "zusammengeflickte" Ehe? Was war vorher?


    Der Beitrag des TE klingt für mich recht moralisch verurteilend.


    Kann ja sein, dass der Mann wirklich rücksichtslos und wenig "emphatisch" ist. Und dass er nur die Bequemlichkeit einer Ehefrau quasi als Haushälterin geschätzt hat, und seine emotionale und sonstige Befriedigung sich anderswo holte.


    Aber aus dem Verhalten allein, dass er seine alte Freundin jetzt offen einlädt, lässt sich das m.E. nicht schließen. Immerhin hat er ja diese Freundin bereitwillig auf dem Handy vorgezeigt, wenn ich das richtig verstehe - wollte vielleicht Schluss machen mit der Heimlichtuerei?

    Ich verurteile nicht. Ich hatte ja extra noch geschrieben mich bitte nicht zu verurteilen. Aber ich bitte auch zu bedenken, dass auch ich ein Mensch bin und meine Mutter war es, die damals extremst verletzt war.

    Sie war nie eigenständig und immer "nur Hausfrau", sie wäre alleine nicht zurecht gekommen. Er sagt ganz klar, dass er aus Mitleid mit ihr zusammen blieb.

    Für mich wäre das nichts, aber es war auch ihre Sache ihn unter den Umständen trotzdem "zu behalten".

    Er war damals extrem genervt, dass es überhaupt rauskam. Er hätte es gerne weiter bequem gehabt.

    Und mich persönlich greift es eben schon an, dass es ausgerechnet diese Frau ist, wobei ich ihr wirklich nichts will. Und ja, ich kann es in der tat nicht ändern und werde mich auch nicht einmischen. Dennoch bin ich involviert und eben durcheinander.


    Wie ich auch bereits schrieb, gehe ich und auch alle anderen im Umfeld davon aus, dass da sowohl bei R. als auch bei meinem Vater durchaus Gefühle im Spiel waren und auch noch sind, das kann ja auch niemand einfach so abstellen.

    Die Ehe war nicht dass, was ich zum Beispiel mit meinem Mann führe. Wir heirateten aus Liebe und respektieren uns. Bei meinen Eltern war es eine Heirat, weil ich unterwegs war.


    Ja, vielleicht schäme ich mich auch ein wenig dafür, dass auch ich R. eigentlich mag. Sie ist nett (aber eben auch abgebrüht, das gilt aber auch für meinen Vater - da gehören ja nunmal zwei zu)

    ach mensch...falsch geschrieben, schnelle Finger. Im zweiten Satz soll es heißen: "....mich nicht falsch zu verstehen"

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    Ich finde es auch etwas geschmacklos, was ich ihm auch sagen würde.

    Wahrscheinlich wirst du trotzdem nicht viel machen können und dein Vater wird die Sache sicher auch herunterspielen anstatt ehrlich zu sein und etwas Rücksicht zu nehmen.


    Was ich auch komisch finde ist, das das deine Mutter damals so mitgemacht hat und ihn nicht rausgeworfen hat aber gut dafür mag sie ihre Gründe gehabt haben.


    Ich wünsch trotzdem alles Gute.

    Liebe TE, erst einmal mein aufrichtiges Beileid zum Verlust Deiner Mutter. Die Situation ist, glaube ich, sehr schwer für Dich.


    Zitat


    Muss ausgerechnet die Frau zurück kommen, mit der er sie über so viele Jahre betrogen hat?

    Es ist natürlich für Dich sehr schmerzhaft, weil die Person einem Dir sehr nahe stehendem Menschen sehr viel Leid zugefügt hat. Früher oder später hätte Dein Vater wieder kontakt aufgenommen. In diesem Fall sehr früh. Und ich kann verstehen, dass Dich das verletzt. Dein Vater benimmt sich nicht so, wie man es von ihm erwartet.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du einen Weg findest, damit umzugehen.

    Wenn die Mutter nur Hausfrau war und da womöglich noch ein Einfamilienhaus gebaut wurde in jungen Jahren dann ist doch klar warum de Mutter den Mann nicht verlassen hat.

    Würde der Vater hier tatsächlich trauern, dann würde er sich anders verhalten.

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    Erstmal auch von mir mein aufrichtiges Beileid. Und ja, ich kann DEINE Fassungslosigkeit verstehen.


    Aber: Dein Vater handelt ganz offensichtlich nach anderen Maßstäben. Er hat zu Zeiten der Affäre wenig an Deine Mutter gedacht, sondern an sich. Ob es bequem war, ob er sich nicht entscheiden konnte: Wir wissen es nicht. Fakt ist, dass er sich damals für den Weg entschieden hat. Was ich ganz persönlich (!) mies finde. Die Abhängigkeit/Vorteile der Ehefrau gerne annehmend sich noch mehr Vergnügen zu verschaffen: Pfui. Aber: Sein Leben. Die Entscheidung Deines Vaters und letztlich auch Deiner Mutter, da sie geblieben ist. Aus Abhängigkeit, Unsicherheit, Bequemlichkeit, Angst,... Es gibt viele Möglichkeiten.


    Aber: Dein Vater hat sich damals wenig um Fairness, Ehrlichkeit, Meinung anderer, moralische Werte gekümmert. Dass jetzt direkt die Affäre wieder ins Spiel kommt, ist - wie andere schrieben - die logische Konsequenz/Fortsetzung. Mehr als SEINE Wünsche/Bedürfnisse hat ihn DAMALS nicht gekümmert, was sollte da JETZT anders sein? Seine Argumentation könnte sein, dass er ja bis zum Tod zu Deiner Mutter gehalten hat. Er hätte ja auch gehen können... Das ist nicht meine Meinung, aber eine Argumentation,die in derartigen Situationen nicht selten erfolgt. Er war für sie da bis zum Tode - und jetzt, im Danach, lebt er, was ER will. Böse formuliert (ich hoffe, nicht so drastisch): Jetzt gibt's halt nix mehr, was ihn davon abhält.


    Bitter und pietätlos - aber das scheint ihn einfach nicht zu kümmern.


    Du wirst ihn nicht ändern - aber Du kannst für Dich entscheiden, wie Du mit ihm und der Situation umgehen willst...


    Viel Kraft!

    Jeder sollte das nachvollziehen können, wenn die Mutter kaum unter der Erde ist und sie sofort ersetzt wird als hätten die beiden nur auf ihren Tod gewartet. Das ist für das Kind ein Schlag ins Gesicht. Egal wie verständnisvoll man einer neuen Partnerschaft gegenüber steht.

    Wie alt ist denn dein Vater?

    Ich denke hier handelt es sich um eine andere Generation, in der andere Werte gelebt werden. Dein Vater und deine Mutter wussten jahrelang Bescheid. Also werden sie eine Art agreement ausgehandelt haben. Gerade weil du beschreibst, dass deine Mutter nicht allein lebensfähig gewesen werden, ist es deinem Vater hoch anzurechnen, dass er deine Mutter versorgt hat bis zum Lebensende. Andere Männer machen sich in solchen Situationen aus dem Staub.

    Ich sehe hier auch das Recht des Vaters auf ein glückliches Leben. Offensichtlich scheint er kein Hallodri zu sein, der jede Woche/jeden Monat eine andere Frau abschleppt. Er liebt diese andere Frau seit vielen Jahren. Was kann an Liebe falsch sein?


    Ich empfinde es als sehr einseitig, deinen Vater zu verurteilen. Heute heiratet man eher seltener als vor 50 Jahren. Heute lässt man gern auch die Mutter der Kinder im Stich inklusive keine Zahlung des Unterhalts. Der Staat soll es regeln. Dein Vater hat Verantwortung übernommen. Dafür gebührt ihm Respekt.

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    Die Freundin kannst Du nicht verbieten, aber ich würde ihn bitten, dass er sich mit ihr außerhalb trifft und die neue Freundin (bald seine Frau?) nicht im Bett Deiner Mom schläft.

    heute_hier schrieb:

    Ich empfinde es als sehr einseitig, deinen Vater zu verurteilen.

    Finde ich auch. Im Grunde ist es eine Sache Zwischen dem Vater und seiner Freundin, und dass es die TE fassungslos macht, könnte ihr Grund geben, darüber nachzudenken, warum es sie so fassungslos macht.


    In meiner Verwandtschaft gab es ein Ehepaar, wo er an den Rollstuhl gefesselt war. Sie war viele viele Jahre für immer für ihn da, und sie war gerne und mit Selbstverständlichkeit für ihn da, soweit erkennbar. Als er dann verstarb, hat sie sich sehr sehr schnell neu gebunden. Vermutlich kannte sie den schon vorher. Man hätte es ohne weiteres so interpretieren können, als hätte sie nur auf den Tod ihres Mannes gewartet ... Die nächsten Verwandten, vor allem die Eltern des Verstorbenen waren auch fassungslos! Ich war eher der Meinung: Sie hat die ganze Zeit treu zu ihm gehalten, und jetzt ist er nicht mehr da - was wollt ihr denn jetzt noch von ihr? Treue über den Tod Eures Sohnes hinaus?


    Dies nur, damit klar wird, vor welchem eigenen Erfahrungshorizotn ich diese Geschichte sehe.


    Nunja, der Fall ist vielleicht auch nicht recht vergleichbar. Aber es gibt nicht nur eine sexuelle Treue, es gibt auch so etwas wie soziale Treue. 7 Jahre lang hat er seine Ehefrau mit "ein und der selben Geliebten betrogen", heißt es im Eröffnungstext. Um was hat er sie nochmal eigentlich betrogen? Hat er ihr was vorenthalten? Oder hat er nur etwas gesucht, was sie ihm nicht geben konnte oder wollte? Sieben Jahre - das zeigt ja nun auch eine gewissen Konstanz in Beziehungsdingen. Wäre es etwa besser gewesen, er hätte sie mit -zig verschiedenen Weibern betrogen? - Natürlich gibt diese Erzählung auch das her, dass der Alte ein blöder A.... sei.


    Wir sehen, im Rahmen der hier gegebenen Informationen sind recht verschiedene Interpretationen möglich, und vielleicht wird es der TE leichter, wenn sie diese mitbedenkt. Immerhin hat man nur zwei Eltern, und wenn einer davon verstorben ist, bleibt nur noch einer übrig - wäre doch besser, diesen zu verstehen und im - Rahmen seiner und der eigenen Möglichkeiten - zu akzeptieren.

    Ich kann es nachempfinden wie du dich fühlst, und das er so schnell wieder die alte neue hat, ist schon sehr seltsam

    Das es dir den Boden unter Füßen zieht, ist normal, denn deine Mutter ist noch nicht lange tot und er hat wieder Kontakt mit der Frau R.


    Wenn er sich nach so kurzer Zeit wieder mit der anderen einlässt, wieso hat er sich damals nicht getrennt, oder ist er aus Mitleid was weiß ich bei deiner Mutter geblieben? Das ist genauso falsch

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