Großmutter liegt im Sterben

    Hallo!


    Meiner Großmama geht es schon lange nicht mehr gut, aber seit dem letzten Wochenende liegt sie im Sterben. Ich habe am Sonntag noch mal kurz mit ihr telefoniert (meine Mutter hat den Höhrer an ihr Ohr gehalten). Am Montag sagte mir meine Mutter, dass es sich vielleicht doch noch ein paar Tage/Wochen hinziehen kann. Als meine anderen "Großelternteile" starben, war ich natürlich auch traurig, aber an dieser Oma hänge ich ganz besonders, weil wir sehr viel zusammen erlebt haben. Der Gedanke, dass sie bald nicht mehr "da" ist, quält schon sehr. Obwohl ich für SIE hoffe, dass sie bald "einschläft". Nun habe ich mir schon mehrmals die Frage gestellt, ob ich nochmal hinfahre oder nicht. 1. Wäre es noch mal eine Unruhe für sie und 2. möchte ich sie gerne so in Erinnerung behalten, wie ich sie sonst erlebt habe. Ich war Anfang Oktober noch mal da und habe auch da schon gemerkt, wie sie "abgebaut" hat. Nun habe ich etwas Angst, dass sich in mir das Bild festsetzt, wie sie jetzt auf dem Sterbebett liegt und sich noch mehr "verändert" hat. Meine Schwester war nämlich letzte Woche noch da und sagte, wie "erschrocken" sie war. Nun frage ich mich die ganze Zeit, ob es von mir egoistisch ist, dass ich sie so in Erinnerung behalten will, als es ihr zumindest nicht TOTAL schlecht ging. Auf der anderen Seite würde ich ihr aber auch gern noch mal sagen, wie lieb ich sie habe, und dass ich niemals vergessen werde, was wir alles erlebt haben. Bin da sehr ratlos.


    Wie würdet IHR entscheiden?


    Es grüßt die kleine traurige Hexe

  • 7 Antworten

    Hallo kleine Hexe...

    als damals mein Opa im Sterben lag bin ich nicht hingefahren. Ich habe ihn mir auch nicht mehr angeschaut als der Sarg offen war, da er verbrannt wurde. Ich muß im nachhinein sagen, es war gut so.


    Würde sie Dich denn gerne nochmal sehen? Die frage wäre wohl wichtig, denn dann sollte man ihren wunsch respektieren.


    LG Maike

    Ich weiß es leider nicht...

    .... ob sie mich noch mal sehen will, bzw die Kraft dazu hat. Werde meine Mutter fragen, ob es angebracht wäre oder nicht. Glaube nämlich, dass meine Großmama schon zu geschwächt ist, um sich da noch Gedanken drüber zu machen. Aber vielleicht geht es ja doch etwas besser.


    Meinen Großvater habe ich damals noch gesehen, als er im Sarg lag und habe es nicht in schlechter Erinnerung.


    Na, ich werde es mal in Erfahrung bringen.....


    Dankeschön!!!!


    Die kleine Hexe

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    Hallo Kleine Hexe,


    > Der Gedanke, dass sie bald nicht mehr "da" ist, quält schon sehr.


    Ich habe das mit meinem Vater erlebt und kann deine Situation gut nachvollziehen. Mit dem persönlichen Verlust wird man fertig und man sollte ihn bewußt durchleben. Das ist harte Arbeit ("Trauerarbeit"), aber es ist notwendig, um loslassen zu können. Und loslassen muß man, wenn man den Verstorbenen liebt.


    > Obwohl ich für SIE hoffe, dass sie bald "einschläft".


    Oh, es ist kein Einschlafen, es ist mehr ein Aufwachen. Im Grunde ist es das gleiche wie die Geburt, nur auf der anderen Seite. Der schönste Vergleich, den ich dafür kenne ist der des Kinobesuchs. Wir alle sind im Grunde im gleichen Film und ab und zu verlassen einige das Kino und gehen nach draußen. Wir sind immer noch im Film und lassen uns von den Bildern und Gefühlen fesseln, wir trauern denen nach, die nicht mehr neben uns sitzen und irgendwann werden wir auch den Film verlassen und schauen, was draußen los ist. Und dort werden wir die anderen wieder treffen, falls sie nicht inzwischen in einen anderen Film gegangen sind.


    > Nun habe ich mir schon mehrmals die Frage gestellt, ob ich


    > nochmal hinfahre oder nicht.


    Würdest du deinem Sitznachbarn nicht Tschüß sagen, wenn er aufsteht und gehen will?


    > 1. Wäre es noch mal eine Unruhe für sie


    Oder eine Freude?


    > und 2. möchte ich sie gerne so in Erinnerung behalten, wie


    > ich sie sonst erlebt habe.


    Das wirst du sowieso. Letzendlich behalten wir uns nur die schönen Bilder und Erinnerungen zurück. Die unschönen verblassen irgendwann im Licht der Liebe, die wir für den anderen empfinden. Daran ändert sich ja nichts.


    > Nun habe ich etwas Angst, dass sich in mir das Bild festsetzt,


    > wie sie jetzt auf dem Sterbebett liegt und sich noch mehr


    > "verändert" hat.


    Das ist gut möglich, aber ist das nicht auch eine etwas egoistische Einstellung? Das, was du möglicherweise siehst, ist das Altern und der Verfall des physikalischen Körpers. Das ist ein ganz normaler Vorgang, der uns zwar erschreckt - nicht zuletzt, weil wir das auf uns reflektieren - aber man muß sich im Klaren sein, daß es sich dabei ja nur um die Hülle des geliebten Menschen handelt, sein 'Fahrzeug' für die physikalische Existenz. Der Mensch selbst stirbt ja nicht, er geht nur an einen Platz, den wir im Moment nicht erreichen können. Jedenfalls nicht so einfach...


    > Nun frage ich mich die ganze Zeit, ob es von mir egoistisch


    > ist, dass ich sie so in Erinnerung behalten will,


    Oh, das hatte ich noch nicht gelesen, als ich das oben schrieb. :-)


    > Auf der anderen Seite würde ich ihr aber auch gern noch


    > mal sagen, wie lieb ich sie habe, und dass ich niemals


    > vergessen werde, was wir alles erlebt haben.


    Dann gehe hin und sage ihr das, auch wenn es viel Mut erfordert. Es ist wichtiger als alles andere.

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    Dankeschön...

    .... für die schönen und ermutigenden Worte! Hat sehr gut getan!


    Ja, ich werde morgen noch mal hinfahren. Habe eben noch mal mit meiner Mutter telefoniert, die die ganze Zeit da ist. Ich habe noch länger drüber nachgedacht, mit meinem Freund gesprochen und bin zu dem Schluß gekommen, dass ich sie gerne noch mal sehen möchte und ihr sagen will, dass ich sie ganz doll liebhabe und ihr sehr dankbar bin für alles, was sie für mich getan hat.


    Das Beispiel mit dem Kino finde ich sehr treffend. Ich glaube auch daran, dass wir uns alle einmal wiedersehen werden. Das Buch: "Das Kind, das ich nie hatte" beschäftigt sich auf ganz rührende Weise mit dem Thema Tod und ist sehr tröstlich.


    Ich bedanke mich noch mal für die ganzen lieben Worte von euch allen und eure Meinungen dazu! Hat mir geholfen.


    Liebe Grüße,


    die kleine Hexe

    Ich wünsch dir viel kraft.


    Ich hab meine Oma auch sozusagen begleitet. Im August letzten Jahres hatte sie eine Not-Op (Darmdurchbruch) und ihr Weg in den Tod dauerte bis Ende Dezember an.


    Nach der Op war ich jeden Tag auf der Intensiv und danach auch mindestens 3 Mal die Woche auf der Normalstation. An den tag vor der nacht in der sie starb kann ich mich noch genau erinnern. Es war an Weihnachten.