Kondolenzbuch: Wie gestaltet man einen Eintrag?

    Ich habe die Nachricht vom Tod eines Menschen erhalten, der mir sehr viel bedeutet hat. Es war jemand aus einem einem beruflichen Kontext (quasi ein "Ausbilder"); wo aber auch ein semi-privater Kontakt über einige Jahre resultierte. Es gab Haustier-Sitten im Urlaub, viele getauschte Bücher, lange Gespräche, die den Rahmen des beruflichen "Muss" doch sprengten. Ohne überschrittene Grenzen, falls das eine Rolle spielt.


    In den letzten Jahren ist der Kontakt relativ eingeschlafen - was auch am Abschluss der Weiterbildung lag, Umzug,... Gelegentliche Mails, oft fachbezogen. Treffen ergaben sich leider nicht mehr. Klarer Fall von "auseinandergelebt" und "war halt nur beruflich".


    Tja, und nun die Todesnachricht. Ausgehend von der Institution, über die wir uns kennengelernt haben. Mit dem Verweis, dass ein Kondolenzbucvh ausgelegt wird. Für mich Wink mit Zaunpfahl, keine direkte Karte zu schreiben.

    Also Kondolenzbuch. Entweder selber hinfahren und etwas eintragen - oder mailen und eintragen lassen.

    Letzteres ist für mich, auch wenn ich mich der Eintrag einiges an Fahrtzeit etc. kosten wird, ein NoGo. Ich möchte SELBER diesen Schritt gehen.


    Aber: ich bin total unsicher, WAS "man" überhaupt einträgt. Es ist keine Prominenz... Und ich habe noch nie in meinem Leben ein Kondolenzbuch gesehen oder etwas eingetragen. Die bislang verfassten Beileidskarten sind auch an einer Hand abzählbar - und da bin ich einfach nach Gefühl gegangen. War ja eine "private" Sache.

    Dine Institution, wo das Buch ausliegen wird, steht für mich nicht unbedingt für Attribute wie "wertungsfrei" etc. Kurzum: Ich befürchte, dass best. Autoritätspersonen das Buch garantiert durchhecheln werde. Und zwar weniger wohlwollend-offen, sondern eher wertend und einen wieder in die alten Vorurteilsecke abschiebend.


    Ich fahre somit mit Bauchschmerzen hin. Unsicherheit wg. der zu erwartenden (Be)Wertung. Bedenken, dort nicht die Fassung zu wahren und einige Tränen zu vergießen. Ich weiß, dass ich mit dieser Person eine Ausnahme-Beziehung hatte. Dieser Person wirklich extrem viel zu verdanken habe. Die Unterstützung ging über das übliche Maß hinaus. D.h. es berührt mich gerade sehr, auch Selbstvorwürfe wie "Hättest du mal mehr nachgebohrt.", "Warum hast Du das mit dem Treffen schleifen lassen?" geistern durch mein Hirn.

    Es wird also kein leichter Gang. Und ich bin gehemmt, was ich schreiben soll. Darf. Was "richtig" ist. Was "man" so schreiben kann/muss/soll in ein Kondolenzbuch.


    Wäre daher für jede Erfahrung, Idee,... dankbar.


    Einen Spruch habe ich schon herausgesucht, aber selbst da bin ich am Zweifeln, obwohl er sich sooo richtig anfühlt...

  • 13 Antworten
    Sunflower_73 schrieb:

    Dine Institution, wo das Buch ausliegen wird, steht für mich nicht unbedingt für Attribute wie "wertungsfrei" etc. Kurzum: Ich befürchte, dass best. Autoritätspersonen das Buch garantiert durchhecheln werde. Und zwar weniger wohlwollend-offen, sondern eher wertend und einen wieder in die alten Vorurteilsecke abschiebend.

    In dem Fall würde ich den Spruch nehmen, den du herausgesucht hast, und darunter eine "Danksagung" plus "Abschiedsformel", die du passend findest (im Zweifel an den Todesanzeigen orientieren bzgl geeigneter Formulierungen. Online findet man bei Kondolenzschreiben auch das ein oder andere).


    Alles in allem würde ich schon die Formulierungen nehmen, die du für dich stimmig findest, aber mich eher bedeckt halten mit Gefühlsäußerungen im Kondolenzbuch oder anderen Äußerungen, aus denen dir besagte Autoritätspersonen einen Strick drehen würden. Ich würde es in das Kondolenzbuch lieber etwas förmlicher und zurückhaltender hinschreiben und später privat alleine in Gedanken gegenüber dem Verstorbenen offener. Das gedankliche Zwiegespräch ist für mich persönlich nämlich der eigentliche Abschied und das eigentliche Gedenken. Das Kondolenzbuch wäre für mich eher etwas offizielles, wenn auch mit persönlichem Bezug, weshalb man schon etwas reinschreiben sollte, hinter dem man auch steht. Das ist aber auch Typsache.


    Wenn du das als nicht richtig empfindest und dich insgesamt wohler fühlst, auch gerade gegenüber dem Verstorbenen, wenn du offener und persönlicher schreibst in dem Kondolenzbuch statt förmlicher, würde ich das machen.


    Als Kompromiss ansonsten eher eine Mischung aus förmlichen und eigeneren, persönlicheren kurzen Aussagen, die auch diese anderen Personen dir gegenüber nicht allzu negativ auslegen können.


    Auf jeden Fall würde ich auch selbst in das Kondolenzbuch schreiben, wie du es vorhast, statt dort etwas von Dritten eintragen zu lassen.

    Sunflower_73 schrieb:

    Einen Spruch habe ich schon herausgesucht, aber selbst da bin ich am Zweifeln, obwohl er sich sooo richtig anfühlt...

    Wenn er sich so richtig anfühlt, würde ich ihn nehmen. Selbst wenn der Spruch selbst der Grund sein sollte, warum du eine negative Bewertung durch diese anderen Personen befürchtest. Oder findest du den Spruch zwar richtig, aber viel zu persönlich inhaltlich für das Kondolenzbuch?

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    Kondolenzbücher dürfen sehr persönlich sein und daher auch individuell. Genauso individuell, wie die Beziehung zum Verstorbenen. Insofern gibt es da keine Regeln. Alles ist erlaubt. Ein rausgesuchter Spruch ist da für mich (für mein Empfinden) eher so die Vollkasko-Variante und klingt nach Pflicht-Kondolenz. Wenn du schon selbst diesen persönlichen Schritt gehen willst, dann solltest du nicht dabei bleiben.


    Was deine Sorgen angeht, dass das anschließend gelesen wird: du musst nirgendwo deinen Namen druntersetzen. Es reicht auch ein "S", ein Sunflower, oder eben gar nichts. Das Buch ist ein Platz für deinen stillen Gruß - kein Platz für die Bespaßung anderer Leser.


    Also trau dich, sei persönlich, und erspar dir einfach die Klar-Unterschrift.:)^

    Danke Euch!


    Blöde Frage, aber ich weiß es wirklich nicht: Richte ich meine Gedanken an den Verstorbenen oder an die Angehörigen, die das Kondolenzbuch letztlich bekommen? Völlige Ratlosigkeit...


    Das man nicht unterschreiben "muss" mit vollem Namen: War mir auch nicht bewusst. Aber wie ich den Laden kenne, wird da genau beobachtet, wer wann auf welche Seite schreibt.

    Eigentlich kann es mir egal sein. Es gibt nichts, woraus man jemandem einen Strick drehen könnte. Nur eine tiefe Traurigkeit über den Verlust eines tendenziell einmaligen Menschen mit großer Bedeutung. Und ich habe mit dem Laden nix mehr zu tun, die könnten eigentlich denken, was sie wollen. Vielleicht muss ich da nochmal hinschauen, warum ich mich wieder kleinmachen lasse.


    Bzgl. Spruch habe ich mir folgenden rausgesucht (und das tatsächlich nur als "Aufhänger" für persönlichere Worte):

    Es gibt nichts, was die Abwesenheit eines geliebten Menschen ersetzen kann. Je schöner und voller die Erinnerung, desto härter die Trennung. Aber die Dankbarkeit schenkt in der Trauer eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich." (Dietrich Bonhoeffer)


    Auch wenn es ein vielleicht viel genutztes Zitat ist, steckt da für mich genau das Gefühl drin, was den Menschen, unsere "Beziehung" und seinen nachhaltigen Effekt auf mich und mein Berufsleben am besten beschreibt.


    (ARGH, ich kann nicht mal hier das Zitat tippen, ohne dass die Tränen kullern. Völlig natürlich, ich weiß, aber... Vielleicht geht es in einigen Tagen besser...)

    Sunflower_73 schrieb:

    Auch wenn es ein vielleicht viel genutztes Zitat ist, steckt da für mich genau das Gefühl drin, was den Menschen, unsere "Beziehung" und seinen nachhaltigen Effekt auf mich und mein Berufsleben am besten beschreibt.

    Genau das könntest du unter das Zitat schreiben.

    Ich finde das Zitat aber sehr allgemein. Das könntest du über jeden geliebten Menschen sagen. Ich denke, dass es den Angehörigen nicht viel gibt. Ich würde lieber etwas Persönliches schreiben.

    Sunflower_73 schrieb:

    Ich habe die Nachricht vom Tod eines Menschen erhalten, der mir sehr viel bedeutet hat. Es war jemand aus einem einem beruflichen Kontext (quasi ein "Ausbilder"); wo aber auch ein semi-privater Kontakt über einige Jahre resultierte. Es gab Haustier-Sitten im Urlaub, viele getauschte Bücher, lange Gespräche, die den Rahmen des beruflichen "Muss" doch sprengten. Ohne überschrittene Grenzen, falls das eine Rolle spielt.

    Ich würde lieber etwas davon schreiben. Das drückt aus, was er dir wirklich bedeutet hat.

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    Normalerweise liegen Kondolenzbücher am Ort der Beerdigungsfeier aus, damit jeder/jede seinen Namen da lassen kann und die Hinterbliebenen nachher rekonstruieren können, wer da war. Manchmal kommen ja Hunderte von Menschen zu einem Gottesdienst oder einer Gedenkfeier und nachher sind sie schnell wieder weg.

    Eigentlich bedeutet das nicht gleichzeitig, dass Karten unerwünscht sind.

    Wenn es nicht ausdrücklich erwähnt wurde, denke ich nicht, dass du mit einer persönlichen Karte ein NoGo begehen würdest!

    Kann mich da hikleines nur anschließen.
    Ein Kondolenzbuch ist definitiv kein Ausschluß für eine private Karte, wenn dir das aus den von dir dargelegten Gründen lieber wäre.
    Bei der Trauerfeier für meinen verstorbenen Freund haben sich auch viele Leute in das Buch eingetragen, die ich dort überhaupt nicht wahrgenommen habe, über die ich mich aber in Nachhinein gefreut habe.
    Ich habe mich aber auch über jede Karte gefreut, denn im Endeffekt ist jede Anteilnahme für die Hinterbliebenen ein kleines Trostpflaster.

    Vielen Dank!


    Das Kondolenzbuch wird ja nicht öffentlich auslegen. Es soll wohl eine Gedenk-/Trauerfeier nächsten Monat geben (klingt nach Einäscherung?); das Kondolenzbuch jetzt ist halt so eine institutionsinterne Sache nur für die Menschen, die ihn darüber kennengelernt/mit ihm zusammengearbeitet haben. D..h es bleibt theoretisch auch etwas mehr Zeit für einen Eintrag als auf einer Beerdigung, wo man sich ja doch mehr beeilen muss.


    @ Junique:

    Diese Dinge sind es aber, die ich nicht so betonen möchte. Neider, Missgunst - oder gar "Wichtigtuerei". Ich bin da einfach nicht unbefangen. Denke schon seit meinem Beitrag hier darüber nach, dass es doch egal sein sollte - aber eben nicht ist. Es waren Dinge, die einige Menschen auch mit ihm geteilt/erlebt haben, aber eben nicht alle. Und es gäbe eigentlich noch mehr Dinge, die noch privater wären. Dieser Mensch war jemand, der Dinge aus meiner Biographie erfahren hat, die ich v.a. in dem Kontext niemals erzählen wollte - und so ungemein positiv und ermutigend reagiert hat plus Infos aus der eigenen Biographie, dass bei mir ein ganz gewaltiger Knoten geplatzt ist. Ich möchte das hier nicht weiter ausführen, aber es war eine für mich sehr bedeutende Entwicklung und Erfahrung. Diese wird ER aber niemandem erzählt haben, da im tiefsten Vertrauen offenbart. Also kann ich davon wirklich nichts schreiben - oder nur sehr verklausuliert.



    Vielleicht schicke ich wirklich noch eine separate Karte... Würdet Ihr damit warten, bis es eine offiziellen Todesanzeige in der Zeitung gegeben hat oder reicht diese halbformelle Info via Mail als Anlass aus?

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    mein aufrichtiges Beileid liebe sunflower73


    Vor einem Jahr starb meine Chorleiterin. Ich habe sie 40 Jahre gekannt, sie war schon in der Grundschule meine Lehrerin. Und eine Persönlichkeit dieser Stadt


    In das kondolenzbuch habe ich das geschrieben, was ich tief empfunden habe.


    Später war ich unsicher, ob ich zu dick aufgetragen hatte, aber es war das was ich empfinde, wenn ich an sie denke. Ihre Schwester schrieb mir, dass sie meine Zeilen wunderbar fand.


    Mach das was aus Dir kommt, von dem Du genau weisst, er würde sich über diese Worte freuen.

    Hallo,


    das tut mir sehr leid!


    Zitat

    Aber: ich bin total unsicher, WAS "man" überhaupt einträgt. Es ist keine Prominenz... Und ich habe noch nie in meinem Leben ein Kondolenzbuch gesehen oder etwas eingetragen. Die bislang verfassten Beileidskarten sind auch an einer Hand abzählbar - und da bin ich einfach nach Gefühl gegangen. War ja eine "private" Sache.

    Dine Institution, wo das Buch ausliegen wird, steht für mich nicht unbedingt für Attribute wie "wertungsfrei" etc. Kurzum: Ich befürchte, dass best. Autoritätspersonen das Buch garantiert durchhecheln werde. Und zwar weniger wohlwollend-offen, sondern eher wertend und einen wieder in die alten Vorurteilsecke abschiebend.

    Also da denke ich, sei unbesorgt, und mach Dir keinen Kopf, wie "Man" das "bewerten" könnte - denn eine kritische Bewertung der Einträge in einem Kondolenzbuch gehören ganz gewiss nicht dahin - und wer es dennoch tut, der hat den Sinn des Ganzen nicht verstanden.


    Ein Kondolenzbuch verstehe ich so, dass man quasi letzte - besondere - Worte an den Verstorbenen richtet - natürlich ist das dann auch später eine große Hilfe für die Hinterbliebenen, wenn sie lesen können, was den Trauergästen der Verstorbene bedeutet hat - und da klingt dann auch schon an, was Du schreiben kannst:


    Du kannst - wie in einem letzten Brief - Deine ganz persönlichen Worte an ihn richten, kannst in hm nochmals Danke sagen für alles, was Du durch ihn gelernt und wieviel Gutes Du ihm zu verdanken hast. Vielleicht nur ein paar kurze Zeilen, ein persönliches Wort - und dieses persönliche Wort, diese Zeilen, die noch mal verdeutlichen, welch eine innige Beziehung Euch verbunden hat, hat NIEMAND zu kritisieren - es ist allein für den Verstorbenen und seine Angehörigen gedacht für niemand sonst.


    Hab also keine Angst oder Scheu, irgend jemand könnte da was kritisieren - gerade das hat dort nichts zu suchen.


    Hier ist nur eines wichtig: Deine Beziehung zu dem Verstorbenen, diese letzten besonderen Zeilen an ihn bzw. seine Angehörigen, für die gerade dieses Kondolenzbuch eine große Trost- und Kraftquelle werden soll, so oft sie darin lesen. Dass ihr Familienmitglied, das sie so sehr vermissen, von so vielen Menschen geachtet, wertgeschätzt, geliebt und hier noch einmal die letzte Ehre für ihn erwiesen wurde.


    Nur das ist wichtig, sonst nichts.


    Ich finde es schön, dass Du selbst hinfahren willst und Deinen Eintrag handschriftlich verfassen willst, ist noch persönlicher als per Mail. - Und ich denke auch, es ist auch ein Stück weit Verarbeitung für Dich, wenn Du selbst dort hin fährst.


    Ich wünsche Dir viel Kraft. - Mach Dir einen Notiz-Zettel und schreib Dir vorher auf, was Du schreiben möchtest, dann brauchst Du Deinen Text nur zu übertragen. :)*

    So wie ich Deine Worte interpretiere, wusste Dein ehemaliger Mentor vermutlich auch von Deinen Problemen mit dem Institut bzw den Oberen dort und deren Eigenschaften, die es Dir nun schwer machen im Kondolenzbuch persönlich zu werden.


    Von daher wäre mein Weg an dieser Stelle wohl nur semipersönlich zu werden. Evtl kannst Du einfach nur etwas in die Richtung schreiben, dass er ein besonderer Mensch war und und Deine Persönlichkeitsentwicklung maßgeblich beeinflußt hat. Vielleicht ist Dir das auch schon zu viel, war nur so eine spontane Idee, weil man daraus alles und nix rauslesen kann. Oder noch viel einfacher: Du kannst auch einfach nur zum Ausdruck bringen, wie dankbar Du bist, ihn gekannt zu haben. Gegebenenfalls auch genau in diesem einen Satz, da Du ja weißt, dass er wüsste, welche Geschichte in diesem Satz verborgen ist.


    Und wenn es Dir ein Anliegen ist, kannst Du meiner Meinung nach selbstverständlich den Hinterbliebenen einen wesentlich persönlicheren Gruß zukommen lassen, in denen Du auch zum Ausdruck bringen kannst, wie Eure Verbindung tatsächlich war. Die halboffizielle Mail vom Institut ist meiner Ansicht nach auch hinreichend als Anlass. Ich persönlich kenne es auch so, dass Karten schon vor der Anzeige in der Zeitung eintreffen. Zumal diese ja auch häufig erst gedruckt werden, wenn das genaue Datum der Gedenkfeier stattfindet. Mitunter auch erst danach.

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    Das tut mir sehr leid, dass du jetzt auch noch so einen Trauerfall erleben musstest.


    Hast du dich denn schon fest entschieden, überhaupt dort hin zu fahren und an der Trauerfeier teilzunehmen?


    Offenbar ist das Umfeld ja keines, mit dem du gern zusammentriffst. Anscheinend sind das Menschen, mit denen du gar nicht gerne gemeinsam um jemanden, der dir viel bedeutet hat, trauern möchtest. Ich an deiner Stelle würde mir das nicht antun. Der Tote hat ja nichts mehr davon, und wenn du die Hinterbliebenen nicht kennst, würdest du auch nicht wegen ihnen hinfahren, also für wen dann?

    Abgesehen davon könntest du den Hinterbliebenen, wenn es dir ein Bedürfnis ist, eben auch eine Beileidskarte oder einen Beileidsbrief schreiben. Da könntest du auch persönlichere Dinge reinschreiben und das unterschreiben, ohne dass du befürchten müsstest, dass sich da irgendwer das Maul drüber zerreißt.

    OK, dann ist dein Beitrag nicht in dem "Werk" enthalten, das zu seinem Tod erstellt wurde, aber käme es dir darauf an?

    Wenn du nur hingehen willst, weil du glaubst, dass "man" das von dir erwartet, würde ich das jedenfalls nochmal überdenken.


    Und ähm, zu dem von dir ausgesuchten Zitat ist mir noch was aufgefallen:

    Ist das "Es gibt nichts, was die Abwesenheit eines geliebten Menschen ersetzen kann." nicht irgendwie unlogisch? Müsste das nicht "Anwesenheit" heißen?

    Nochmals vielen Dank!


    Ich werde Anfang kommender Woche hinfahren und am Wochenende sortieren, was ich schreiben möchte. Nach Bauch, ohne zu viel Zensur. Ich konnte mir jetzt einen halben Tag freischaufeln und habe tatsächlich auch Sorge, zu spät für das Kondolenzbuch zu kommen.

    Die Antworten hier haben mich bestärkt, wirklich nach Bauchgefühl zu schreiben und mich nicht zu sehr zu stressen, was die "Obrigkeit" denkt. Tun die doch eh.


    @ Schubidubbidu:

    Ja, er kannte meine Probleme mit der Institution. Bzw. die Institution an sich, denn es ging aj nicht nur mir so. Eigentlich hat er uns allen deutlich vermittelt, dass die nun mal so sind, wie sie sind. Wir nur geschickt damit arbeiten und nicht ständig dagegen rebellieren können. Und so hat man gelernt, Dinge ein wenig ier und da zu verbiegen, sinnlose Regeln zu untergraben,... Eine kleine stille Rebellion, die den nötigen Freiraum gab und anderes erträglicher gestaltete. Er gehörte halt so halt dazu, war aber immer die Person, die dort bei der Obrigkeit für unsere Interessen gekämpft hat. Details kenne ich nicht mal; er war da auch verschwiegen. Aber grinsende Andeutungen reichten uns.


    @ Peddi:

    Danke! Das mit Deiner Chorleiterin ist auch eine traurige, aber schöne Geschichte. Gut, dass Du den Mut hattest!


    @ Cote Sauvage:

    Ja, das Jahr kann irgendwie weg. Es reicht einfach an Mist und Belastungen. Und dieser Todesfall ist wirklich ein Verlust und bringt viel Traurigkeit bis in die Träume,... Ich bin froh, dass die Woche vorbei ist. Auch mit reduziertem Pensum war's hart.

    Die Fahrt bzgl. Eintrag ins Kondolenzbuch steht fest. Mal schauen, ob ich da Ruhe habe oder noch mehr Personen was schreiben möchten. Bin extra nicht diese Woche gefahren und habe auch nächste Woche einen Termin ausgeguckt, wo ich dort mit wenig Andrang und Publikum rechne. Die festen Termine dort haben sich nicht geändert, und die umgehe ich. Basta.

    Bzgl. Trauerfeier: Es war nur ein P.S. in der Mail. Die Form ist mir völlig unbekannt und davon mache ich es abhängig. Institutsintern werde ich nicht fahren; wenn allg. Trauerfeier auch für die Familie: Dann fahre ich. Ich kenne Frau und jüngstes Kind. Ob die mich noch erkennen, weiß ich nicht. Ist halt etwas her, dass ich dort war (und es gingen viele Menschen dort ein und aus; er hat halt viele Termine zu Hause abgehalten, um sich von der Institution abzugrenzen und uns mehr Raum zu geben). Es gibt aber ein Stichwort/Begebenheit, die eindeutig an mich erinnern dürfte. Notfalls kann man da anknüpfen.


    Ich bin mittlerweile auch etwas gefasster. Hatte Kontakt zu einigen Menschen; da trifft es aber nur einen so hart wie mich. Wir kennen uns eh aus engerer Zusammenarbeit und wollen uns demnächst mal auf einen Kaffee treffen. Auch die Zeit werde ich mir nehmen. Es tut halt gut zu wissen, dass es anderen ähnlich geht.