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    Viele Menschen fordern für sich selbst etwas ein, das sie aber nicht bereit sind, anderen zu geben.

    Du weißt doch gar nicht, warum derjenige dir damals nicht kondoliert hat? Warum gehst du automatisch davon aus, dass er es gemacht hat, weil deine Trauer ihn "kalt gelassen" hat?

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    Und dann gibt es die Menschen, die sich sagen: "Ich wurde so sehr enttäuscht. Diesen Schmerz, den ich fühle, sollen andere auch fühlen. Warum soll es ihnen besser gehen als mir?"

    Moment! Nicht "andere"! Sondern nur dieser eine Mensch, der mir diesen Schmerz auch zugefügt hat!


    Das ist schon ein großer Unterschied!


    Niemals käme ich auf die Idee, andere Unbeteiligte, die gar nichts dafür können, "pauschal" für etwas Negatives zu bestrafen, das mir widerfahren ist.

    Zitat

    Du weißt doch gar nicht, warum derjenige dir damals nicht kondoliert hat? Warum gehst du automatisch davon aus, dass er es gemacht hat, weil deine Trauer ihn "kalt gelassen" hat?

    Es war ja auch nicht so, sondern es wurde nur die Frage aufgeworfen "Was wäre gewesen, wenn...?"


    Denn das hätte ich damals ganz sicher nicht auf mir beruhen lassen und wäre der Sache auf den Grund gegangen.


    Und erst wenn es wirklich aus Gleichgültigkeit oder gar böswilliger Absicht unterlassen worden wäre, dann hätte ich auch meine Konsequenzen daraus gezogen.

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    Ich fühle aber mit niemandem mit, den meine Trauer auch kalt gelassen hat.

    Ich glaube dir ist das Konzept des "Mit-" ziemlich fremd.

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    Und was bringt mir das unterm Strich?

    Das ist die Frage die dich umtreibt und darum geht es in dieser Art Situation nicht. Nicht alles was man tut muss immer auch etwas für einen bringen. Manchmal bringt es nur dem Gegenüber etwas und dadurch vielleicht der Gemeisnchaft und über den Umweg dann auch einem selbst, vielleicht aber auch nicht.

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    Viele Menschen fordern für sich selbst etwas ein, das sie aber nicht bereit sind, anderen zu geben.


    Gibt man ihnen es dann dennoch, halten sie es für selbstverständlich und begreifen oft nicht einmal, daß sie es von anderen bekommen haben, obwohl sie es selbst nicht gegeben haben.

    Na und? Da es nicht darum geht etwas heimzuzahlen oder ein Geschäft auszugleichen ist das bedeutungslos.


    Bestätigt mich eindeutig in meinem Eindruck einer schon fast zwanghaften Konzentration auf sich selbst, ein verteidigen von Grenzen lange bevor das nötig wird um ja nicht ein Fitzelchen einfach so zu geben um nur nicht ein einziges Mal eventuell etwas aus dem eigenen Fundus (finanziell, emotional) abgegeben zu haben ohne gleich viel zu bekommen. Am Ende des Tages (metaphorisch gesprochen) musst du immer mit genausoviel zu Bett gehen wie du beim Aufstehen hattest und das ist auf eine ganz besondere Weise geizig und extrem unsympathisch.

    um bei dem beispiel zu bleiben:

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    Ja was wohl?


    Dann hätte ich es natürlich auch "vergessen".

    wenn besagter kollege zu dem zeitpunkt des kodulierens nun 2 wochen nicht in der firma gewesen wäre (urlaub/krankheit) und nach 2 wochen wiederkäme und dann nicht konduliert, weil diese "phase" vorbei ist... was dann?


    aber ich merke auch, deine lebensmaxime sind:


    - wie du mir, soich dir


    - was bringt mir das, wenn ich was für andere tue


    sehr männlich :-X

    Zitat

    Es war ja auch nicht so, sondern es wurde nur die Frage aufgeworfen "Was wäre gewesen, wenn...?"


    Denn das hätte ich damals ganz sicher nicht auf mir beruhen lassen und wäre der Sache auf den Grund gegangen.

    ehrlich? das heißt, du weißt tatsächlich genau, wer dir vor ca 7 Jahren kondoliert hat und würdest denjenigen, der es gewagt hätte, es nicht zu tun, zur Rede stellen?


    au weia.

    Und ich frage mich, Alias, ob Du Freunde hast. Langjährige, gute Freunde, die Dich schon seit einer langen Zeit durchs Leben begleiten. Oder ob Deine Freundschaften, wenn Du denn welche pflegst, die starke Neigung und Gemeinsamkeit aufweisen, früher oder später in einer gewissen Bitterkeit und Enttäuschung zu enden. Das ist keine Frage, die hier eine Antwort erfordern würde, aber falls es so sein sollte, dann findest Du möglicherweise in diesem Faden einige Antworten darauf, warum das so ist.

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    Und was bringt mir das unterm Strich?

    Ja, schade, dass du immer nur Rechnungen aufstellst. Empathie mal beiseite gelassen: Das könnte dir die erhebliche Chance bringen, dass sich der andere dir gegenüber in Zukunft anders verhält. Und selbst wenn nicht, wenn der andere ein Riesen-Arsch ist, gibt es dir das sichere Wissen, nicht auf seinem Niveau und damit auch ein riesen Arsch zu sein – und das fühlt sich für einen selbst nicht schlecht an.


    Musst du selbst wissen. Tritt mal einen Schritt zurück und betrachte dich von außen: Ich sehe da jemanden, der sein Leben damit verbringt, engstirnig, kleingeistig und geradezu verbittert immer und überall darauf zu pochen, dass nur ja jede vermeintliche Ungerechtigkeit auf Heller und Pfennig an den Verursacher zurückgezahlt wird und sich darüber wundert, dass die Ungerechtigkeiten, oh Wunder, irgendwie gar nicht weniger werden. Wenn dir das Bild gefällt, nur weiter so. In meiner Galerie hat so ein Machwerk keinen Platz.

    Ich überlege schon seit Tagen, ob ich in diesem Faden schreiben soll oder ob ich bei meiner Meinung bleibe, dass der TE für andere Ansichten nicht offen ist. Diese Meinung habe ich immer noch, gerade nach den letzten Postings von ihm, aber ich mag es jetzt trotzdem loswerden.


    Vor einigen Monaten habe ich einen mir ganz wichtigen Familienangehörigen verloren. Nachdem es ein paar Wochen zwischen dem Auslöser und dem Tod gedauert hat, wussten meine Arbeitskollegen und auch Freunde über die Situation Bescheid und ich habe viel Verständnis erfahren.


    Als dann der Tod eingetreten war, habe ich natürlich auch meinen Chef und die Kollegen informiert, weil ich ein paar Tage wegen der Organisation der Beerdigung usw. nicht in der Arbeit war. In dieser E-Mail habe ich darum gebeten, dass ich bitte nicht möchte, dass mir kondoliert wird, egal ob per Händedruck oder Karte. Ich für mich mag es nicht und die Vorstellung in der Arbeit einer Trauerkarte auf meinem Schreibtisch zu finden bzw. übergeben zu bekommen, war echt Horror.


    So habe ich mich auch bei der Beerdigung am Friedhof geweigert, mich hinzustellen und mir nochmal von allen Anwesenden das Beileid ausdrücken zu lassen. Das passt einfach für mich nicht und hat auch aus meiner Sicht nichts mit dem Respekt vor dem Verstorbenen oder mir zu tun.


    Mit meiner Bitte waren einige Menschen echt überfordert, denn sie wollten mir ihre Teilnahme ausdrücken und hatten Sorge, dass ich es nicht wahrnehmen würde. Ganz ehrlich, mir war es so lieber, denn so haben sie meine Trauer akzeptiert, aber auch meine Grenzen. Das war für mich echt wichtig und so konnten sie mir am Meisten zeigen, dass ihnen meine Empfindungen wichtig sind.


    Es passt halt nicht für jeden Menschen der Plan aus der Schublade - Kondolenzkarte mit Unterschriften für alle Trauerfälle. Ein Wort, ein Blick oder was auch immer sind mir persönlich viel mehr Wert als ne Karte mit Unterschriften.

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    Ich fühle aber mit niemandem mit, den meine Trauer auch kalt gelassen hat.

    Das Mitgefühl kann man doch aber nicht ein- oder ausschalten, ich jedenfalls nicht. Entweder bewegt mich ein Verlust, (weil er mich an meinen eigenen erinnert oder weil ich mir vorstellen kann, wie schwer das ist) oder nicht. Erst danach setzt doch der Verstand ein, der das ggf. wieder etwas runterzuregeln vermag.