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    Ich konnte mehrere Zeugen benennen.


    Diese wurden aber gar nicht befragt, sondern das Verfahren direkt eingestellt.

    Auch das ist für mich nicht nachvollziehbar.


    Ich selbst habe nämlich auch mal einen Fahrer angezeigt, der mich trotz Gegenverkehr überholt und dann so eng vor mir eingeschert ist, daß er mich dabei fast in den Straßengraben gedrängt hätte.


    Und auch ich hatte keine besonders "starken" Zeugen aufzubieten.


    Trotzdem bekam der Typ eine Strafe aufgebrummt, weil ich es scheinbar glaubwürdig genug darlegte.


    Man kann also nicht von deinem Fall auf alle anderen schließen und eine strafbare Handlung bleibt es in jedem Fall.

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    Ich finde eher, dass solche Leute aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Nicht weil er mich persönlich bedrängt hat, sondern weil er drängelt.

    Richtig, aber bis jemand wirklich nachhaltig aus dem Verkehr gezogen wird, muß schon viel passieren.


    In meinem Fall hat es mir jedenfalls Genugtuung verschafft, daß er durch meine Anzeige eine saftige Geldstrafe und Punkte bekommen hat. Denn mein Ärger war in dieser Situation enorm und hätte ich ihn da direkt vor mir gehabt, hätte ich für nichts mehr garantieren können.

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    Nehmen wir ruhig mein Beispiel des Nachbarn, der demonstrativ weggeguckt hat, als ich an ihm vorbeigegangen bin – weil er mich für unwürdig, asozial oder wasauchimmer hält.


    Ich würde diesem Menschen in Zukunft so gut es geht aus dem Weg gehen und damit wäre der Fall erledigt.

    In diesem Fall würde ich wohl auch nichts anderes machen und ihn ignorieren.


    Denn was sollte ich ihm da denn schon "heimzahlen" können?


    Mich nicht anzusehen und nicht zu grüßen ist nichts, was mir das Recht geben würde, es mit noch schärferen Mitteln zu ahnden als eben mit denselben.


    Nur andere würden ihn aber trotzdem sogar weiterhin freundlich grüßen, weil sie sich ja nicht "auf sein Niveau" herablassen wollen.


    Und da beißt es für mich eben aus.

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    Nur andere würden ihn aber trotzdem sogar weiterhin freundlich grüßen, weil sie sich ja nicht "auf sein Niveau" herablassen wollen.

    Ich denke in solchen Fällen an den alten Satz meiner Oma "Niemand hat dein Lächeln nötiger als der, der selbst keins mehr zu verschenken hat." Damit kann man auch ganz gut leben. Ich mag es, wenn in mir Frieden ist.

    Ich lese fasziniert mit und muss dabei immer an die Worte meiner Mutter denken, wie die Beerdigung ihrer dreijährigen Tochter ablief.


    "Ich kann mich nicht erinnern, wer mir die Hand geschüttelt hat und wer überhaupt da war. Ich hab niemanden gesehen".


    Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie man sich angesichts eines wirklichen Verlustes mit solchem Kleinkram beschäftigen kann.


    Viel wichtiger ist es doch, wer mich in den Wochen später auch mal anruft, mich besucht, mich einlädt und mir tatsächlich zum Reden zur Seite steht.

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    Nur andere würden ihn aber trotzdem sogar weiterhin freundlich grüßen, weil sie sich ja nicht "auf sein Niveau" herablassen wollen.

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    Ich denke in solchen Fällen an den alten Satz meiner Oma "Niemand hat dein Lächeln nötiger als der, der selbst keins mehr zu verschenken hat." Damit kann man auch ganz gut leben. Ich mag es, wenn in mir Frieden ist.

    Schön gesagt, Schwimmerin. Ja, solche Leute grüße ich sogar besonders freundlich, weil mir alles andere viel zu albern und dumm wäre. Ich finde sogar, damit lebt es sich besser. An Shojos Stelle hätte ich der chronisch doofen Nachbarin den Sattel aber genauso wenig trocken gerubbelt.

    Leute, bringen wir es doch einfach auf den Punkt, daß es jede/r so machen soll, wie er/sie es für richtig hält.


    Wenn ihr meint, daß eure Einstellung die bessere ist, dann lebt nach ihr.


    Und ich lebe eben nach meiner.


    Dafür sollten wir uns nicht gegenseitig kritisieren.


    Können wir so verbleiben?

    Das sowieso, dass jede/r es so machen soll, sie er/sie es für richtig hält.


    Es ist weder was gegen Deine Art des Umgangs mit Deinen Mitmenschen was auszusetzen noch an jener, die die Menschen pflegen, die Deiner diametral entgegensetzt scheinen.


    Aber, es gibt sympathische, sehr sympatische, unsympathische und sehr unsympathische Menschen. Auf dieser Skala stehst Du eben ganz hinten, für mich bist Du sehr unsympathisch. Dass Du damit gut leben kannst, glaube ich natürlich. Aber wenn Dein Umfeld Dich so wahrnimmt wie ich, dann hast Du verloren, weil Du bei denen einfach keinen Fuß mehr auf den Boden bekommst.


    Vielleicht hat der thread bei Dir was angestoßen, wäre schön für Dich.

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    Aber wenn Dein Umfeld Dich so wahrnimmt wie ich, dann hast Du verloren, weil Du bei denen einfach keinen Fuß mehr auf den Boden bekommst.

    Ich bin einfach zu allen so, wie sie zu mir sind.


    Und das schafft mir eben einen Kreis von dreierlei Personengruppen:


    1. Solche, die ich mag und die mich auch mögen.


    2. Solche, die mir weitgehend neutral gegenüberstehen.


    3. Solche, die ich nicht mag und die mich auch nicht mögen.


    Das wird wohl bei allen Menschen so sein, aber die Mehrheit der Menschen, die ich kenne, befinden sich in Gruppe 1 oder 2.


    Und das ist es letztendlich worauf es ankommt.


    Nur Menschen aus der 1.Gruppe wird wohl niemand um sich haben.


    Und wer das glaubt oder behauptet, der lügt sich selbst was vor.


    Ziel sollte nur sein, mit möglichst wenigen Menschen der 3.Gruppe zu tun zu haben bzw. sich diese nach Möglichkeit vom Leib zu halten.


    Dann macht man eigentlich nicht viel falsch im Leben.

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    Ich lese fasziniert mit und muss dabei immer an die Worte meiner Mutter denken, wie die Beerdigung ihrer dreijährigen Tochter ablief.


    "Ich kann mich nicht erinnern, wer mir die Hand geschüttelt hat und wer überhaupt da war. Ich hab niemanden gesehen".

    Exakt so ging es mir mit der Beerdigung meiner Mutter vor 2 Jahren. Ich habe eine ungefähre Idee, wer so alles da war, aber konkret, wer mir wie konduliert hat, ob ich in den Arm genommen wurde etc – keine Ahnung. Und ich hab kein Alzheimer, es war für mich in dem Moment einfach nur sowas von unwichtig, es rauschte einfach an mir vorbei......

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    Ich bin einfach zu allen so, wie sie zu mir sind.

    das könnte ich nicht. es gibt gerade im Job Menschen, die nett zu mir sind, die ich aber für komplette Idioten halte und sie mir nach Möglichkeit vom Leib halte. Für die mürrische Putzfrau hege ich aus unerklärlichen Gründen große Sympathie und wenn es mir durch meine Freundlichkeit doch mal gelingt, sie zum lächeln zu bringen, freue ich mich.

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    Und was bringt mir das unterm Strich?

    Selbstverständlich ist es dein gutes Recht, nach den von DIR gewählten Prinzipien zu leben, solange die nicht verbrecherisch sind. Und das sind sie ja nicht, du hältst halt nur viel von "ausgleichender Gerechtigkeit".


    Kommen wir doch noch mal darauf zurück, was es dir bringen würde, dieses Prinzip fallenzulassen. Oder anders gefragt: Was macht das Leben nach dem Prinzip der ausgleichenden Gerechtigkeit/Vergeltung für andere unattraktiv?


    Ich gehe da von mir selbst aus, andere haben es ja auch schon aus ihrer Sicht dargestellt.


    Was mich angeht, ich setze mich nicht gern unnötigem Leiden aus. Ich glaube auch nicht, daß andere etwas Besseres verdient haben als ich.


    Ich finde es bloß einfach sehr anstrengend, zu beobachten und zu berechnen, was jeder verdient hat. Dazu muß ich ja auch sehr detailliert wahrnehmen, was jeder Einzelne tut.


    Z.B. hatte ich neulich eine wichtige Prüfung. Viele Menschen aus dem privaten und dem Arbeitsumfeld haben mir dazu Glück gewünscht und/oder mich praktisch unterstützt und/oder hinterher nach dem Ausgang gefragt. Das fand ich toll, ich fühlte mich unterstützt, ich habe mich über die allgemeine Anteilnahme gefreut.


    Was ich mich noch nicht gefragt habe: Wer genau sich da engagiert hat und wer nicht. Auswendig könnte ich es auch nicht sagen, da müßte ich mich hinsetzen und eine Liste machen "hat was gesagt/hat nichts gesagt". Wahrscheinlich würden mir auch gar nicht alle Leute einfallen, die etwas hätten sagen KÖNNEN. Denen, die mir hätten Glück wünschen können und die es nicht getan haben, sehe ich das nicht nach – sondern es ist mir schlicht nicht bewußt. Es berührt mich in keiner Weise. Und das spart jede Menge emotionalen Aufwand.


    So, durch das Schreiben dieser Zeilen fallen mir nun zwei, drei Leute ein, die hätten nachfragen KÖNNEN und es nicht getan haben. Warum nicht? Tja... eigentlich interessiert es mich nicht, aber ich unterstelle Gründe, die nichts mit mir zu tun haben: Sie beschäftigt halt anderes gerade stärker. Sie haben selber eine Arbeit, Familie... und haben wohl auch nicht meine Termine in ihrem Kalender stehen. Daß ich diesen Leuten nicht grundsätzlich egal bin, weiß ich, das brauchen sie mir nicht bei jeder Gelegenheit zu beweisen.


    Wie gesagt, es spart Kraft, es erspart unnötige Sorgen und Aggressionen, Grübeleien, Zweifel an sich, an anderen und am gegenseitigen Verhältnis, wenn man sich nur darauf konzentriert, ob man INSGESAMT ein gutes Verhältnis zu einer bestimmten Person hat, ohne Details aufzurechnen. Als Grundhaltung ermöglicht das auch eine andere Wertung einzelner Verhaltensweisen.


    Also wenn dir etwa eine bestimmte Person nicht kondoliert hat, dann gibt es ja zwei Möglichkeiten (wenn es einem überhaupt auffällt – mir würde es nicht auffallen):


    - Entweder, man stellt fest: "X hat mir nicht kondoliert. Da wir aber insgesamt ein gutes Verhältnis zueinander haben, hat das wohl nichts weiter zu bedeuten, vielleicht hat sie gerade selber Probleme, wußte in der Situation nichts zu sagen oder oder oder, ist egal."


    - Oder man stellt fest: "X hat mir nicht kondoliert, na schau an. Das beweist, daß sie etwas gegen mich hat, obwohl sie das ja bisher nie hat durchblicken lassen, die falsche Schlange."


    Wer es angenehm findet, von (gefühlten) Feinden umgeben zu sein, der sollte den zweiten Weg wählen. Ich finde es nicht angenehm und wähle daher den ersten.