Mein Bruder hat Selbstmord begangen

    Hallo,


    ich weiß ehrlich gesagt nicht genau warum ich das jetzt hier eröffne, denn ich habe Menschen um mich herum die mich auffangen und für mich da sind.
    Vor zwei Tagen bekam ich den Anruf, dass mein kleiner Bruder sich am Vorabend das Leben genommen hat.
    Eigentlich war es abzusehen, so im Nachhinein. Denn in den vergangenen 3 Jahren hat er viermal versucht sich umzubringen. Ist aber an der Umsetzung gescheitert.
    Zweimal davon war er in der KJP. Zweimal haben meine Eltern ihn entgegen ärztlichen Rat wieder rausgenommen. Zweimal gab es einen Abschiedsbrief. Diesmal nicht.

    Ich finde es schwierig zu begreifen. Mal denke ich, es ist halt so. Dann muss ich weinen, weil er tot ist. Also eine richtige Gefühlsachterbahn. Ist das so?

    Es war auch keine Depression bekannt. Bzw. wurde sowas bis dahin nicht diagnostiziert.


  • 20 Antworten

    Mein Beileid erstmal! :)-

    So etwas ist ein Schock und es ist schwierig zu verarbeiten. Manches versteht man wohl auch erst mit der Zeit. Auch möglich das ein Brief noch auftaucht.

    Dein Bruder muss aber in irgendeiner Form auffällig gewesen sein. So aus dem Nichts heraus macht man das nicht. Wie alt war er denn und wie alt war er beim ersten Versuch?

    Danke. :-(
    Er ist gerade erst 17 geworden.

    Der erste Versuch war vor 3 Jahren. Also mit 14 jahren.
    Er war schon früh Mobbingopfer. Auf der Schule wurde er dann mit Drogen konfrontiert. Dann kam der Alkohol.


    Ist die Frage was man unter Auffällig versteht. Er war eigentlich immer ein lieber Junge. Überhaupt nicht aufmüpfig, gerne in der Natur unterwegs.

    Ich habe eigentlich so viele Fragen. Warum hat das KJP nicht verhindert dass meine Eltern unterschreiben? Es war doch nach dem zweiten Mal offensichtlich dass es nichts bringt. Es ist ja vier Wochen her.

    Mittags war er noch so gut drauf und hat quatsch gemacht.

    Aber er muss sich informiert haben, damit es diesmal klappt.

    Zumindest wissen wir, dass er keine Schmerzen hatte.

    Sehr schwierig dir dazu etwas zu schreiben :°_ Ich versuche deine Fragen zu beantworten.

    Kinder und Jugendliche die Mobbin Opfer sind, und dann eine Übersprungshandlung auf Alkohol und Drogen unternehmen haben grosse seelische Qualen. Auch wenn das nicht immer so nach außen getragen wird.

    Die KJP hat deinen Bruder den Erziehungsberechtigten übergeben. Das ist vermutlich legitim. Wenn auch nicht unbedingt klug.

    Das dein Bruder mittags noch gut drauf war ist nicht ungewöhnlich. Mit dem gefassten Plan ist eine Last von ihm gefallen. Er war sozusagen befreit.

    Und das er sich anscheinend gründlich vorbereitet hat spricht für sich.

    Es tut mir sehr, sehr leid. Eventuell ist es gut wenn ihr euch selber Hilfe holt. Auch nochmal Rücksprache mit behandelnden Ärzten und Lehrern könnte helfen.

    Du darfst traurig, wütend und verzweifelt sein. All diese Gefühle stehen dir jetzt zu.

    Mein aufrichtiges Beileid.:)-:)-:)- Fühl dich ganz lieb gedrückt. :°_:°_:°_


    Bei uns war es der Vater meines Mannes, der sich vor über 14 Jahren das Leben genommen hat. Es ist immer schwer, das Ganze zu begreifen. Bei meinem Schwiegervater gab es vorher Anzeichen und er hat auch öfter davon gesprochen. Letztendlich hätte aber trotzdem keiner gedacht, dass er es in die Tat umsetzt.


    Dein Bruder wird unter dem Mobbing sehr gelitten haben, wenn er dann auch auf Drogen und Alkohol zurückgegriffen hat. Nicht jeder kann darüber mit seinem näheren Umfeld sprechen.

    Die KJP hat meinen Eltern dringend davon abgeraten. Zweimal. Sie hatten Angst er würde sie hassen.

    Was mir noch eingefallen ist; er hat sich auch oft geritzt.


    Ich will so viel dazu schreiben aber auch doch nicht.


    Wird es besser? Kann man irgendwann rückblickend lächelnd zurückdenken und sagen er hat Ruhe gefunden?


    Zumindest bei meinem Opa ist es so. Aber er war schwer krank-also körperlich.

    Drachenblut schrieb:

    Mein aufrichtiges Beileid.:)-:)-:)- Fühl dich ganz lieb gedrückt. :°_:°_:°_


    Bei uns war es der Vater meines Mannes, der sich vor über 14 Jahren das Leben genommen hat. Es ist immer schwer, das Ganze zu begreifen. Bei meinem Schwiegervater gab es vorher Anzeichen und er hat auch öfter davon gesprochen. Letztendlich hätte aber trotzdem keiner gedacht, dass er es in die Tat umsetzt.


    Dein Bruder wird unter dem Mobbing sehr gelitten haben, wenn er dann auch auf Drogen und Alkohol zurückgegriffen hat. Nicht jeder kann darüber mit seinem näheren Umfeld sprechen.

    danke :-(

    Tja, man sagt immer, jemand der sich wirklich umbringt, der redet nicht drüber.

    Da sieht man mal dass man das nicht verallgemeinern kann.


    Er hat ja darüber gesprochen. Dazu kam noch dass seine damalige Freundin Schluss gemacht hat.


    Ja, es ist sehr schwer zu begreifen.

    Ja es wird im laufe der Zeit anders :°_ Mein Mann starb vor 6 Jahren innerhalb von wenigen Monaten an Krebs. Wir waren auch erst in den viezigern....

    Er fehlt mir bis heute und ich bin auch manchmal sehr traurig aber ich denke mit einem Lächeln an ihn zurück :)-

    Du brauchst aber viel Zeit dafür :°_

    Mittags war er noch so gut drauf und hat quatsch gemacht.

    Aber er muss sich informiert haben, damit es diesmal klappt.


    Und genau das ist der Grund warum er so gut drauf war.

    Er hat eine Lösung gefunden für sein Problem und das hat ihn in eine gute Stimmung versetzt.

    Familienangehörige denken bei einer gelösten Stimmung häufig irrtümlicherweise dass der Kranke so langsam aus dem depressiven Tief wieder herauskommt.

    Ich habe im Bekanntenkreis, bei Verwandten und einer Kollegin Suizide mitbekommen.

    Und da war es immer so, dass vor dem Suizid Aktivitäten stattfanden oder geplant wurden.

    Die eine Person hatte noch den Frühstückstisch gedeckt, die andere Person Wasser aufgesetzt

    Das tut mir sehr leid für dich dass dein Bruder nicht mehr da ist.


    Hey,


    auch von meiner Seite erstmal mein aufrichtiges Beileid und viel Kraft für die kommende Zeit.


    Bei mir ist es so, dass mein Freund sich vor knapp einem halben Jahr das Leben genommen hat; ich kann also ein bisschen aus Erfahrung sprechen.


    Es ist schwer zu begreifen. Sehr schwer. Ich glaube manchmal, ich habe das bis jetzt noch nicht richtig gerafft, dass er einfach nicht mehr anrufen wird.


    Wenn es keinen Brief gibt - und selbst wenn es den gibt - werden die Fragen bleiben. Die Suche nach den Antworten auch.


    Zitat

    Wird es besser? Kann man irgendwann rückblickend lächelnd zurückdenken und sagen er hat Ruhe gefunden?

    Ich weiß es nicht. Noch nicht. Ob es besser wird. Und wie sich das dann anfühlen wird. Ich hadere auch immer noch ziemlich damit, kann ich Dir sagen.


    Zitat
    Zitat

    Warum hat das KJP nicht verhindert dass meine Eltern unterschreiben? Es war doch nach dem zweiten Mal offensichtlich dass es nichts bringt. Es ist ja vier Wochen her.

    Auch diese Ohnmacht kann ich nachvollziehen. Mein Freund war vorher auch in der Psychiatrie, sogar mit Psych KG. Und als das abgelaufen ist, haben sie ihn gehen lassen. Er fand es so furchtbar da, da half auch kein auf ihn einreden, oder sonst irgendetwas. Er wollte sein eigenes Bett haben, seine Privatsphäre. Da konnte ich reden, wie ich wollte. Letzten Endes ist ein Krankenhaus kein Gefängnis. Und all das, was die Ärzte dort tun können, hat Grenzen. Ich habs auch lange nicht verstanden. Geglaubt, dass die das doch hätten sehen müssen. Aber gerade im Bereich der psychischen Erkrankungen kann halt nur sprechenden Menschen geholfen werden.


    Ich glaube, man kann Dir dazu gar nicht so viel schreiben. Nur so viel: Nimm Dir die Zeit, die es braucht. Und spüre in Dich rein, was Dir am besten helfen kann. Das was Du da gerade erlebst ist ein Schicksalsschlag, nachdem nicht einfach alles weiter laufen muss. Das wären die Worte gewesen, die ich damals gebraucht hätte.



    Vielleicht tröstet Dich ein kleines Gedicht, dass an einem Martel an einem Bahndamm, dass seit Jahren mit Blumen und Kerzen gepflegt wird, befestigt ist:


    Wenn wir unseren Körper verlassen

    frei von allem, was uns quälte,

    dann können wir leicht wie ein Schmetterling

    heimfliegen zu Gott.




    Nessaja68 schrieb:

    Ja es wird im laufe der Zeit anders :°_ Mein Mann starb vor 6 Jahren innerhalb von wenigen Monaten an Krebs. Wir waren auch erst in den viezigern....

    Er fehlt mir bis heute und ich bin auch manchmal sehr traurig aber ich denke mit einem Lächeln an ihn zurück :)-

    Du brauchst aber viel Zeit dafür :°_

    Das tut mir leid :-(:°_

    Danke für deine Worte.

    Meine Güte-das ist hart. So oft. Das muss hart gewesen sein :-(

    Puuuuh. Das ist ja auch noch relativ frisch. Das tut mir leid. Vor allem das die Therapie nicht anschlug. Nahm er denn Medikamente, wenn ich fragen darf?