Mein Vater schafft nur noch 1-3 Tage

    Hallo,


    ich habe leider niemanden mit dem ich so offen über das Problem sprechen kann, deswegen möchte ich euch hier mein Herz ausschütten.


    Mein Vater ist 72 und wird sehr bald sterben. Er trinkt seit einigen Tagen nichts mehr. Vorgestern saß er zum letzten mal am Küchentisch. Nur 10 Minuten. Dann wurde er wieder zu schwach und wollte ins Bett. Mir kamen am Küchentisch die ganze Zeit die Tränen. Meine beiden Halbschwestern und Mutter waren sehr gut drauf und machten Witze. Surreal.


    Ich bin seit ein paar Wochen jeden abend mal nur eine Stunde, aber in letzter Zeit einige Stunden bei ihm und rede mit ihm über Gott und die Welt. Es macht mich immer trauriger.


    Meine eine Halbschwester wollte letzten Freitag in den Urlaub fahren. Wohl wissend, dass mein Vater (ihr Stiefvater) sterben wird. Das macht mich so fertig.


    Ich habe das Gefühl, dass ich der einzige in der Familie bin der trauert und wirklich eine emotionale Beziehung zu meinem Vater hat. Meine Mutter möchte, dass es bald vorbei ist. Ich habe meine Mutter kein mal trauern gesehen. Es ist verstörend.


    Es ist teilweise so schrecklich wie meine Halbschwestern und Mutter mit meinem Vater umgehen. Beispiel: Die letzte Szene am Küchentisch. Mein Vater kann nichts mehr essen (Darmverschluss). Da wollte meine Schwester meinem Vater etwas Wurst geben. Meine Mutter aber sagte: "Nein, das kommt unten alles wieder raus. Die Sauerei machst du dann weg."


    Es ist alles so schrecklich herzlos. Heute abend hat mein Vater alle zu sich gebeten. Er wollte uns sagen, dass wir doch aufgrund der kommenden Bankenkrise Bargeld (ca. 20%) abheben sollen. Meine eine Halbschwester hat erstmal gelacht.


    Ich versuche die letzte Zeit mit meinem Vater so schön wie möglich zu gestalten. Ihn ernst zu nehmen, zu unterhalten, zu respektieren und zu bestätigen. Aber mein Mitleid macht mich fertig.


    Vorallem graut es mich von der Vorstellung, dass er vielleicht schon morgen nicht mehr sprechen kann vor lauter Schwäche.


    Mein Vater ist so ein toller Mensch. So warmherzig. So nett. Leider aber auch oft misverstanden. Er hat so einen Abgang eigentlich nicht verdient. Vielleicht ist es auch das, was mich noch trauriger macht als seinen Tod. :°(


    Gruß an euch da draußen in der weiten Welt des Internets!

  • 52 Antworten

    Hi,


    :°_


    Als erster Gedanke kam mir gerade: Lass es Dir nicht nehmen, diesen Prozess des Abschiednehmens und die Zeit, die Du mit ihm jetzt noch hast. Gleich was die anderen machen, konzentrier Dich auf ihn und auf das, was zwischen euch passiert und was ihr beide jetzt habt. Das ist jetzt wichtig.


    Viele liebe Grüße

    Manche Menschen machen Witze, wenn sie traurig sind. Um nicht verrückt zu werden vor Schmerz. Ich bin zB auch so eine, die gerne in unpassenden Situationen schlechte Witze reißt. Meist sogar deshalb, weil ich die anderen nicht leiden sehen kann.


    Mein Rat: sprich das Problem bei deiner Stieffamilie an. Sag ihnen konkret, dass du es als verstörend und surreal empfindest.


    Ich wünsche dir GANZ VIEL Kraft und Stärke.


    ich bin nicht so gut in sowas, was Emotionen anderer Menschen angeht, aber ich hoffe, mein Rat hilft trotzdem irgendwie. Du bist stark, daß hat meinen Respekt. Geh deinen Weg so, wie du es für gut hältst. Du schaffst das. Auch wenn du nicht weißt wie. Zeig deinem Vater, wie lieb du ihn hast. Und wenn du willst, sag es ihm 1000 mal am Tag. Drück ihn, halt ihn fest. Tu was dein Herz dir sagt. Du schaffst das

    :-(


    Mich macht es auch traurig, was du so erzählt hast, das klingt von der restlichen Familie schon sehr lieblos.


    Aber weißt du, er hat dich! Es gibt so viele Menschen, die den letzten Weg ganz alleine gehen müssen, aber du bist für ihn da und gibst ihm ganz sicher sehr viel damit, dass du dir täglich Zeit für ihn nimmst, ihm zuhörst und liebevoll mit ihm redest. :)z


    Die anderen sind gerade überhaupt nicht wichtig, versuche sie und ihr Gerede so gut es geht auszublenden und bleib gedanklich ganz bei deinem Vater und dir.


    Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit! :)*

    Ich finde das Verhalten der Familie grausam und nicht akzeptabel. Auch könnte ich nicht akzeptieren, wenn es nur deswegen so wäre, weil die Leute nicht wissen, wie sie normal trauern sollen. Solch ein extrem unpassendes flapsiges Verhalten ist in so einer Situation niemals akzeptabel. Einfach nur deswegen, weil der Vater das alles mitbekommen. Wie unendlich grausam für das für den sein.


    Wenn deine Leute schon so abartig damit umgehen, dann doch bitte nur dann, wenn der Vater nichts davon mitbekommt.


    Dein Verhalten finde ich gut, und ich hoffe am meisten für deinen Vater, dass es ihm damit gut geht. @:) :)*

    Zitat

    Die letzte Szene am Küchentisch. Mein Vater kann nichts mehr essen (Darmverschluss). Da wollte meine Schwester meinem Vater etwas Wurst geben. Meine Mutter aber sagte: "Nein, das kommt unten alles wieder raus. Die Sauerei machst du dann weg."

    Und wie dumm die Aussage dann noch zusätzlich ist...wie kann unten alles wieder rauskommen, wenn er einen Darmverschluß hat? Das Problem ist dann ehr, dass es oben wieder rauskommt.

    Zitat

    Ich bin seit ein paar Wochen jeden abend mal nur eine Stunde, aber in letzter Zeit einige Stunden bei ihm und rede mit ihm über Gott und die Welt. Es macht mich immer trauriger.

    sad_, du machst alles richtig. Vergeude jetzt keine Gedanken an die merkwürdige Familie, sondern sei für deinen Vater da. Auch wenn er irgendann nicht mehr sprechen kann, so bekommt er doch noch einiges mit. Als meine Mutter an der Morphium-Pumpe hing und die letzten Tage sehr schwach war, habe ich sehr darunter gelitten, dass sie sich kaum noch äußern konnte. Ich habe sie dann gebeten, mir mit Zwinkern zu antworten. Einmal zwinkern "Ja", zweimal zwinkern "Nein". Es hat nicht immer gut geklappt, aber es war meine einzige Möglichkeit, noch eine Art Antwort zu erhalten. Ich habe aber an manchen Reaktionen gemerkt, dass sie vieles noch mitbekommt. Wie sie einen anschaut, und als mein Bruder zum Abschied anreiste, konnte sie sogar noch mit aller Kraft einen Satz sagen.


    Dich macht es sicherlich noch trauriger, dass du dich bei deinem sterbenden Vater allein fühlst und deine Familie das mehr oder weniger ignoriert. Keine Ahnung, warum das so ist. Du kennst diese Menschen besser als ich. Vielleicht ist die Bindung zum Stiefvater nur schwach. Das Verhalten deiner Mutter verstehe ich aber gar nicht.


    Trotzdem: mach du so weiter. Auch wenn das Abschied-Nehmen schwer ist und man keinen nahestehenden Menschen leiden sehen möchte. Schenk ihm etwas gemeinsame Zeit, wenn es sich einrichten lässt. Was deine Restfamilie betrifft, kannst du nur irgendwelche Lehren daraus ziehen, dass du einige Dinge vielleicht in Zukunft in anderem Licht siehst. Ändern kannst du sie nicht. Aber achte darauf, dass die Wünsche deines Vaters nach dem Tod Berücksichtigung finden. Hat er hierüber mal Wünsche geäußert wie eine Patientenverfügung oder auch Wünsche zur Beerdigung und Grabgestaltung?


    Für die schwere Zeit drücke ich dich mal. :°_


    Es wird wieder besser. Der Abschied ist schwer, das Warten auf die Beerdigung auch. Aber du wirst sehen, dass es danach auch wieder bergauf geht, wenn die eigentliche Trauerarbeit beginnt. :)*

    Danke für die vielen netten Reaktionen. Ich werde mir mir die Beiträge wohl alle noch einige Male durchlesen, da mir das Kraft gibt.


    Dass mir das Verhalten der restlichen Familie nicht gefällt, werde ich nicht ansprechen... Allerdings bin ich sicher, dass sie durch mein Verhalten schon merken, dass mir nicht gefällt, wie respektlos sie sind.


    Insgeheim war meine Familie aber ohnehin immer nur eine Harmonie-Simulation...


    Mein Vater wird in seinem kleinen "Büro" sterben. Nicht im Schlafzimmer (getrennte Schlafzimmer gibts schon ewig) oder Wohnzimmer. Auch das macht mich traurig. In einer herzlichen Familie würde er doch sicherlich im Wohnzimmer sterben. Mit der Familie drumherum. Er möchte aber auch selber in seinem kleinen Zimmer bleiben. Vielleicht auch, weil er spürt, dass die anderen das besser finden. Auf der anderen Seite möchte er aber immer Kontakt haben. Ich spüre es. Es zerreist mir das Herz.


    Es macht mich so traurig, dass mein Vater vielleicht jetzt erst klar wird, wie sehr die Familie doch Patchwork war ohne Herz. Die Fassade musste stimmen. Das war das wichtigste. Vielleicht erkennt er, dass ich vielleicht doch immer recht hatte, als ich Familienfeste meidete, weil mir dieser Umgang innerhalb der Familie nicht gefiel. Ich habe es nicht ausgehalten. Aber das mein Vater immer so an dieser Familie festgehalten hat... ich verstehe es nicht. Er muss eine wahnsinnige Angst vor dem allein sein haben... Er sagt mir im Moment immer wieder, wie wichtig es doch für ihn war nach der ersten Scheidung eine neue Familie zu haben...


    Vor 4 Wochen hat mein Vater das Testament umgeschrieben. Meine eine Halbschwester hat jetzt ein Vorkaufsrecht und wird beim Hauskauf 20% Erlass erhalten. Es ist die selbe Halbschwester, die aktuell bereits oben im Haus wohnt und letzten Freitag noch in den Urlaub fahren wollte, während mein Vater auf dem Sterbebett liegt. Kurzfristig ist sie dann doch nicht gefahren. Ich vermute, weil ich meiner Mutter einen Tag vorher gesagt habe, wie unverschämt ich das finde.


    Heute mittag werde ich wieder rüber fahren.


    Gruß an alle und danke für die netten Worte.

    Zitat

    Es macht mich so traurig, dass mein Vater vielleicht jetzt erst klar wird, wie sehr die Familie doch Patchwork war ohne Herz. Die Fassade musste stimmen. Das war das wichtigste. Vielleicht erkennt er, dass ich vielleicht doch immer recht hatte, als ich Familienfeste meidete, weil mir dieser Umgang innerhalb der Familie nicht gefiel.

    Geht es Dir immer ums Recht haben? Ich meine, wenn Dir so am Vater gelegen war, bist Du einfach trotzdem nicht hingegangen. Das könnte ihn auch traurig gestimmt haben. Und wenn Du eh nie da warst, vielleicht wurde, genau wie jetzt auch, damals schon fröhlich ein Witzchen erzählt. Und wie es Deinem Vater mit seiner zusammenlebenden Familie erging, ist Rätselraten.


    Und wenn die Halbschwester so viel vom Haus bekommt, wird das seinen Grund haben.


    Du solltest Dich konzentrieren auf die letzten STunden, die noch mit dem Vater möglich sind. Sie sind ein Geschenk für Dich, in DEINEM Leben, hier auch noch innerlich drauf zu pochen, mal Recht gehabt zu haben ist schon echt verquer.


    Und ja, man darf seine eigene Trauer haben, und wie andere sie erleben oder auch nicht, geht einen nichts an.

    Das ist eine schwierige Situation...


    Wichtig ist, dass DU das machst, was DIR wichtig ist. Dass Du Dinge machst, von denen Du spürst, dass sie Deinem Vater gut tun, Freude bereiten,...


    Und JA, zumindest der Kommentar bzgl. des "Sauerei wegmachens" ist daneben.


    ABER:


    Menschen trauern unterschiedlich. Menschen reagieren auf einen längeren Sterbeprozess unterschiedlich. Stumpf den normalen Alltag weiterleben, ohne besonders viel Raum für's Abschiednehmen, kann auch sein Zeichen von Hilflosigkeit sein. Von Überforderung. Erschöpfung, Nicht-mehr-können.


    Du schreibst selber, dass Deine Mutter nur noch will, dass es vorbei ist. Ja, Dein Vater ist dann nicht mehr - aber der Wunsch, dass das Unvermeidliche SCHNELL geschieht, ist dennoch legitim. Auch wenn Deine Mutter jetzt so emotionslos rüberkommt: Auch sie wird in IHR Loch fallen. Welches ein anderes sein kann als Deines.


    Und was den Urlaub angeht: Vielleicht hat Dein Vater auch nicht die Erwartung, dass alle Rücksicht nehmen. Auch nicht so selten. Vielleicht hat sie den Urlaub nicht wegen Deiner Kritik abgesagt, sondern weil es sich für sich auch falsch anfühlte. Angesichts des Fakts, wie die Situation AKUT ist. Gerade bei längeren Sterbeprozessen MUSS auch Normalität herrschen, sonst geht den Betroffenen die Puste aus. Denn das Leben der anderen geht weiter. Sie haben ihre Anforderungen, sie müssen weiterhin den normalen Alltag wuppen. Interessant finde ich, dass halt die Personen, die IM Haus wohnen (und nicht nur stundenweise vorbeikommen, so wie Du), halt eine andere Haltung haben.


    Traurig ist, dass ihr offensichtlich nicht MITEINANDER redet. Warum nicht? Das wäre so wichtig, um einander zu verstehen. Setzt aber auch die Offenheit voraus, eine andere Sichtweise wenigstens zu respektieren. Aber gibt die Chance zu sehen, dass sich ggf. die anderen genauso viele Gedanken machen. Es nur anders ausleben.


    Viel Kraft!

    Meine Schwester hatte auch keine Fernreise gebucht, sondern ein Ferienhaus 2 Stunden entfernt für 3 Wochen. Da kann sie auch nachfahren... Was sie ja jetzt auch macht.


    Es ist einfach das flapsige Verhalten, welches mich im Moment irritiert... mir ist einfach nicht zum Lachen zumute im Moment.

    Aber vielleicht gehen meine beiden Halbschwestern auch wirklich anders damit um. Sie sind sowieso sehr extrovertiert und impulsiv (und laut). Ich bin das komplette Gegenteil.


    Und von meiner Mutter weiß ich, dass Sie im Moment Tabletten nimmt.. gegen den Stress bzw. Trauer (weiß nicht genau was).

    Aber dann hast Du doch die "Ursache"... anderer Charakter halt, andere Ausdrucksform grundsätzlich. Das ändert sich auch in Belastungs- und Trauerphasen nicht!


    Deine Ma bekommt vermutlich Beruhigungsmittel oder ein Antidepressivum. Was ein Zeichen ist, dass sie auch am Limit ist. Jeder auf seine Weise.


    Geh DEINEN Weg in der Trauer. Lass' den anderen ihren Weg. Aber redet miteinander, denn betroffen seid Ihr letztlich doch alle.

    Zitat

    Und von meiner Mutter weiß ich, dass Sie im Moment Tabletten nimmt.. gegen den Stress bzw. Trauer (weiß nicht genau was).

    Das kann eine Ursache sein. Ich habe das bei unseren Nachbarn erlebt, deren Sohn mit Anfang 20 an Leukämie verstarb. Sie standen unter Medikamenten und konnten einen ganz nüchternen Alltag bewältigen. Anders haben sie es nicht mehr ausgehalten.

    Das klingt schon wirklich abartig... auf der anderen Seite kommt mir da schon der Gedanke: Wie hat dein Vater deine Mutter wohl behandelt als er noch fit war? Ich meine, so kaltschnäuzig verhält sich niemand ohne Grund...

    Zitat

    Ich finde das Verhalten der Familie grausam und nicht akzeptabel. Auch könnte ich nicht akzeptieren, wenn es nur deswegen so wäre, weil die Leute nicht wissen, wie sie normal trauern sollen. Solch ein extrem unpassendes flapsiges Verhalten ist in so einer Situation niemals akzeptabel. Einfach nur deswegen, weil der Vater das alles mitbekommen. Wie unendlich grausam für das für den sein.

    aha - du könntest das nicht akzeptieren, was willst du also dagegen tun? in der phase des abschieds noch einen riesen familienstreit provozieren weil der umgang mit trauer anderer familienmitglieder nicht gefällt? niemand hier kennt die genauen verhältnisse in der familie und auch nur die sichtweise einer einzigen person! genau so wenig wissen wir hier irgendwas über den charakter des versterbenden und/oder über die beziehung zu anderen angehörigen zu seinen lebzeiten.


    für MICH wäre es im übrigen unendlich grausam, wenn ich im sterben liegen würde und meine ganze familie ständ permament plärrend an meinem bett und allen würde das lachen vergehen. da muss man ja direkt noch ein schlechtes gewissen bekommen, weil man stirbt %:| jeder mensch geht anders mit sterben um. der eine macht witze drüber, der nächste weint viel, den dritten scheint es kalt zu lassen.


    da wir hier keine weiteren informationen haben finde ich es nicht fair, jetzt alle anderen familienmitglieder zu verurteilen.

    Hallo sad,


    was Du (und Deine Familie) zur Zeit durchmachst, tut mir leid. Ich habe in den letzten Monaten ähnliches erlebt, seitdem wir von der Krebserkrankung meines Vaters erfahren hatten, an der er Anfang des Jahres verstorben ist. Neben all der Traurigkeit und Angst, mit denen ich mich auseinandersetzen musste, stand ich auch oft fassungslos vor den Reaktionen aller Beteiligten; und zwar sowohl denen meines Vaters als auch denen der restlichen Familienangehörigen. Ich denke, es ist wichtig, sich klarzumachen, dass eine schwere Erkrankung in den allermeisten Fällen nichts an den Familienstrukturen und den in ihnen herrschenden Verhaltensmustern und Konflikten ändert - im Gegenteil, in dieser Extremsituation (die es für alle ist, auch wenn das beobachtete Verhalten das manchmal nicht vermuten lässt) verschärfen sie sich häufig noch, was das Ganze noch unerträglicher machen kann. Und wie schon geschrieben wurde - jeder geht anders mit einer solchen Situation um. Manche schaffen es (wie Du), die schlimmen Gefühle der Traurigkeit und Angst zuzulassen und offen zu bleiben für den Sterbenden, andere halten diese Gefühle einfach nicht aus und zeigen sich eher kalt oder agressiv, machen unpassende Witze oder ziehen sich komplett zurück,... Geh den Weg, der Dir richtig erscheint und Dir und Deinem Vater erlaubt, voneinander Abschied zu nehmen.


    Ich möchte Dir zwei Bücher empfehlen, die mir bei der Auseinandersetzung mit diesen Fragen und Schwierigkeiten enorm geholfen haben (ich hoffe, das ist hier erlaubt); sie sind beide von Barbara Dobrick und heissen "Die dunklen Seiten des Sterbens erhellen - Ängste, Hoffnungen und Trauer Angehöriger verstehen" und "Wenn die alten Eltern sterben - Das endgültige Ende der Kindheit". Sie haben mir geholfen, das scheinbar widersprüchliche Verhalten und die unterschiedlichen Umgehensweisen mit dem Sterben meines Vaters besser zu verstehen, einordnen zu können und zu akzeptieren.


    Ich wünsche Dir viel Kraft für diese schwere Zeit, und hoffe, dass Du Dich so von Deinem Vater verabschieden kannst, wie es für DICH richtig ist, und dass Du daraus auch einen Trost ziehen kannst.

    Bei allem Verständnis für Gefühle - aber zusätzlich zur eigenen Trauer noch traurig zu sein wegen der anderen, die anscheinend nicht die Trauer spüren, die du selbst schon hast, die sie vielleicht aber auch nur verdrängen …


    Ich habe eine andere Ansicht als die weit überwiegende Mehrheit:


    Es ist sehr anstrengend, sich in die Angelegenheiten anderer einzubringen. Du brauchst doch deine gesamte Kraft im Moment ohnehin schon für den Abschied, also beeinflusse das, was dich betrifft, und überlasse den anderen ihre Art, damit umzugehen.