Zitat

    wie seid ihr mit dem Gedanken den Menschen nie wieder zu sehen klar gekommen, wie habt ihr Euch damit "abgefunden"?

    Zeit.


    Es dauerte ein paar Wochen, anfangs war es so surreal. Und am Grab zu stehen hat mir geholfen, es zu begreifen.

    Glaube eigentlich auch nicht an ein Leben nach dem Tod. Doch dieser Gedanke hat mir geholfen, über Verluste hinweg zu kommen. Der Gedanke, alle Lieben wiederzusehen, gibt mir die Kraft, das alles auszuhalten. Wenn es anders kommt und nach dem Tod nichts mehr kommt, kann es mir auch egal sein, weil ich das nicht mitbekomme.

    @ Comran

    Zitat

    Es dauerte ein paar Wochen, anfangs war es so surreal. Und am Grab zu stehen hat mir geholfen, es zu begreifen.

    Das Grab unseres Vaters liegt 1500km von hier entfernt. Er wollte in seiner Heimat begraben werden. Dort liegen seine Eltern und seine Kinder, also meine Geschwister...


    Ich habe permanent das Gefühl ihn alleine dort gelassen zu haben. Am Tag als er starb und ich neben ihm saß (Er wurde von der Pathologie 7 Std. später abgeholt und bei uns ist es vom Glauben her nicht gut einen toten Menschen alleine im Zimmer zu lassen...) konnte ich zu seinem toten Körper keinen sehr engen Bezug mehr aufbauen. Wieso? Ich fühle mich so schlecht dabei... Ich hatte einen aber nicht in dieser Intensivität wie als er noch am Leben war...

    @ Fliederina

    Zitat

    Der Gedanke, alle Lieben wiederzusehen, gibt mir die Kraft, das alles auszuhalten.

    Ich versuche es aber dann kommt der nächste Gedanke, selbst wenn es so wäre und man eine größere Lebenserwartung hat, vergehen Jahrzehnte bis es soweit ist...


    Grüße und Danke für Eure Worte

    Zitat

    konnte ich zu seinem toten Körper keinen sehr engen Bezug mehr aufbauen. Wieso?

    Weil mit dem Leben auch er als Person verschwunden ist. Es gab nur noch den Körper, die Hülle. Dein Vater selbst war aber nicht mehr da.

    Ich denke auch, weil die Seele, die den Menschen ausmacht dann weg war und nur noch die leere Hülle da war.


    Mit fiel es furchtbar schwer, nach dem mein Vater gestorben war, noch mit dem toten Körper in einem Raum zu sein. Das war nicht mehr mein Vater, das sah nur so aus.

    Hallo Leute,


    mein Vater hätte morgen Geburtstag. Er mochte keine großen Feiern aber wir waren als Familie an solchen Tagen immer zusammen. Morgen sind es genau 3 Wochen das er beerdigt wurde. Es trifft irgendwie alles zusammen. Was habt ihr an solchen Tagen gemacht? Habt ihr in seinem Namen "weitergemacht". Ich wollte ihm eine Karte schreiben und zu den anderen legen. Er hat sie immer wieder gelesen wenn ihm danach war...


    Ich habe das Gefühl die Trauer wird schwerer als leichter... In manchen Momenten geht es ganz gut und ich kann meine Gedanken auch auf andere Dinge lenken und dann habe ich wieder Phasen wo ich fast Panik bekommen. Wie soll ich die nächsten Jahrzehnte (vorausgesetzt ich lebe so lange) ohne ihn überstehen... Wir waren doch jeden Tag zusammen, ich habe ihn täglich gesehen... Ich wollte mich mehr öffnen (das ist ein grundsätzlichen Problem von mir im Familienkreis) und ich habe auch damit angefangen aber jetzt kann ich es nicht mehr zu Ende bringen... ihm öfters sagen das ich ihn Liebe, mich bedanken und und und... Ich warte immer noch das er vom Krankenhaus entlassen wird... das mich die Ärzte anrufen und Bescheid geben, dass er entlassen wird...


    Er hat ein Seniorenhandy gehabt und er hat mich immer wieder gefragt wie er sein Guthaben abfragen kann... Es sind solche Kleinigkeiten die mich fertig machen... er wird es nie mehr verbrauchen können...


    Grüße und Danke

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    Was habt ihr an solchen Tagen gemacht? Habt ihr in seinem Namen "weitergemacht".

    Den ersten Geburtstag meiner Mutter nach ihrem Tod haben wir mit der Familie begangen, indem wir zusammen Essen gingen. Das war auch wenige Wochen nach dem Tod. Ein Jahr später habe ich an sie gedacht, aber wir haben nichts Besonderes gemacht. Man muss es nicht erzwingen, auch das gehört zum Loslassen dazu.

    Ich kann auch hier wieder nur sagen:


    Tue das wonach Dir ist.


    Mehr noch als vor dem Geburtstag hatte ich Angst vor Weihnachten. Wenn ich nicht bei ihr gefeiert habe, haben wir mehrmals täglich telefoniert neben Essensvorbereitungen etc. - wir haben Beide Weihnachten und unsere Rituale geliebt. Dann habe ich mir gesagt: "Es kommt wie es kommt, der Schmerz ist da, bekämpfe ihn nicht, lasse Dich darauf ein". Und siehe da: Es war gar nicht so schlimm, weil ich die Tränen die immer wieder mal hochgeschossen sind einfach zugelassen habe. Zeitweise habe ich dann sogar mit ihr gemeinsam gelacht sozusagen.


    Und ja, das mit den Kleinigkeiten kenne ich auch, das ist teilweise richtig fies. Man denkt nicht dran und auf ein Mal ein kleiner Trigger....aber auch da hilft einfach die Zeit. So blöd und abgedroschen das auch klingen mag, es ist was dran. :)*

    Zitat

    Ich wollte mich mehr öffnen (das ist ein grundsätzlichen Problem von mir im Familienkreis) und ich habe auch damit angefangen aber jetzt kann ich es nicht mehr zu Ende bringen..

    Direkt gegenüber ihm nicht - aber was ist mit dem Rest Deiner Familie (oder Freunde)? Gibt es hier Niemanden dem Du Dich ebenfalls mehr öffnen willst? Mit dem Du über Deine Trauer sprechen kannst?

    Hallo Leute,


    ich habe seit knapp eine Woche extreme Schlafstörungen entwickelt. Ich habe gestern gar nicht geschlafen, den Tag zuvor nur eine Stunde, und davor gar nicht. Ich bin krank geschrieben und körperlich nur noch fertig. Kein Psychologe hat einen Termin frei und der Hausarzt hat mir heute ein Antidepressivum zum Einnehmen verschrieben. Ich bin im Kopf so extrem fit und verspüre keinerlei Müdigkeit. Davor war es genau das Gegenteil. Was passiert gerade? Ich verstehe es nicht. Der Tod meines Vaters beschäftigt mich immer noch und es vergeht kein Tag an dem ich nicht an ihm denke aber ob das allein die Ursache ist. Nun fürchte ich mich sogar vorm Schlafen gehen. Ich werde in der Nacht extrem wütend was es nur noch schlimmer macht aber ich kanns auch nicht abschalten...

    Lieber SamSi,


    es tut mir sehr leid, dass du deinen Vater verloren hast :°_


    Du scheinst eine sehr enge Bindung zu ihm gehabt zu haben, auch wenn du das Gefühl hast, dich nicht so geöffnet zu haben, wie du es gerne wolltest. Welcher Sohn besucht seinen Vater schon 2x am Tag.. Du musst dir wirklich nichts vorwerfen! Du sprichst mit soviel Liebe von ihm, die dein Vater 100%ig gespürt hat. Manche Gesten sagen einfach viel mehr, als 1000 Worte!


    Es ist gut, dass du schon einmal ein Medikament erhalten hast. Du wirst auf die Wirkung leider eine Weile warten müssen, denn die setzt erst nach spätestens 6 Wochen ein, manchmal auf früher. Aber solange halte durch und sei versichert, es wird wirken. Dauert nur leider eine Weile... Aber vielleicht hilft es dir in der ersten Zeit besser schlafen zu können.


    Hast du mal mit der Krankenkasse telefoniert bezüglich der Suche nach einem Therapeuten? Meine KK hat immer eine aktuelle Liste mit Therapeuten, die aktuell Termine frei haben. Vielleicht hat deine KK sowas auch und kann dir helfen, einen schnellen Termin zu bekommen? Ich denke, reden kann dir bei der Verarbeitung sehr weiterhelfen :°_


    Mein Papa ist jetzt schon sehr lange nicht mehr bei uns, am 11.3. war sein 17. Todestag... :°( Ich war damals gerade 20 Jahre alt und gefühlt noch viel, viel zu jung ihn gehen zu lassen. Ich war auch ein "Papakind"....


    Ich bin damals auch nicht damit zurecht gekommen und noch heute denke ich manchmal darüber nach, dass er mir doch jetzt an der nächsten Ecke einfach entgegenkommen könnte und ich ihn in meine Arme schließen könnte. Doch ich weiß, dass das nicht passieren wird.


    Ich rede ab und an mit ihm, habe ein Bild in meinem Wohnzimmer von ihm und manchmal lächle ich ihn an und zwinkere ihm zu ;-) Für mich ist er immer noch da, in meinem Herzen! Ob es ein Leben nach dem Tot gibt weiß ich nicht, aber für mich ist mein Vater trotzdem da, in meinem Herzen. Vielleicht hilft dir das?


    Ich vermisse ihn heute noch immer, aber es wurde über die Jahre leichter. Viel leichter! Klar, zu besonderen Feiertagen, seinem Todestag, seinem Geburtstag denke ich immer ganz besonders intensiv an ihn. Oder wenn es etwas Freudiges gibt, oder etwas Trauriges.. dann fehlt er mir noch immer ganz besonders. Ich heirate in diesem Jahr und da ist es schon ziemlich traurig, dass er nicht dabei sein kann. Ich werde an diesem Tag sicher auch wieder feste an ihn denken und ihn "mitnehmen", im Herzen. x:)


    Aber ich kann dir versichern, ich komme heute damit klar! Er fehlt und das ist auch normal und ok so. Aber ich bereue nichts, ich bin einfach froh, so einen tollen Papa gehabt zu haben und denke heute gerne und mit einem Lächeln im Gesicht an die Zeit mit ihm zurück.


    Er war z. B. früher gern in der Stadt mit seinen "Rentnerkollegen" bei Tchibo Kaffee trinken. Oft hat er mich dahin mitgenommen und mir einen Kakao spendiert, oder ich habe ihn dort getroffen als ich ausgezogen war. Immer wenn ich dort vorbeikomme, muss ich an ihn denken. Aber ich lächle und freue mich, dass mir die schönen Erinnerungen geblieben sind x:) Auch jetzt sitze ich hier und lächle.


    Du siehst, es wird wirklich irgendwann besser und erträglich. Ganz weg geht es nie, also das Vermissen, aber das ist, finde ich, auch gut so. Schließlich hat man diesen Menschen sehr geliebt / liebt ihn noch. Das ist ok :)_


    Allerdings muss ich zugeben, dass ich die erste Zeit nach seinem Tod auch durch andere Faktoren (schwierige Beziehung zur Mutter etc..) ebenfalls in die Depression abgerutscht bin und eine Angststörung entwickelt habe. Ich bin viel zu spät zum Arzt gegangen und kämpfe heute noch damit.


    Daher bin ich froh zu lesen, dass du dir bereits Hilfe holst und zumindest für's Erste ein Medikament hast. Einen Termin beim Therapeuten wirst du hoffentlich auch bald bekommen! Dafür drücke ich dir ganz fest beide Daumen!!! @:)


    Alles Liebe


    PradaTeufel @:)

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    konnte ich zu seinem toten Körper keinen sehr engen Bezug mehr aufbauen. Wieso? Ich fühle mich so schlecht dabei... Ich hatte einen aber nicht in dieser Intensivität wie als er noch am Leben war...

    Dazu wollte ich auch noch kurz etwas schreiben..


    Mir ging es auch so, dass ich mit dem toten Körper plötzlich so gar nichts anfangen konnte. Als ich im KH ankam, war meine Familie noch bei ihm. Ich bat darum, mich kurz mit ihm alleine zu lassen.


    Tja.. da stand ich nun.. und wußte nicht was tun? Ich wollte mich verabschieden, aber irgenwie lag da nicht mehr mein Papa, nur noch eine Hülle. Die Seele war entwichen und mein Papa längst irgendwo anders. Nur noch die Hülle war da. Ich hatte eher das Bedürfnis in den Himmel zu schauen und mich so zu verabschieden.


    Genau so hab ich es dann glaube ich auch gemacht, ich weiß es gar nicht mehr genau.


    Ich habe lange mit mir gekämpft, dass ich ihn nicht mehr in den Arm genommen, ihn nicht mehr gestreichelt habe. Heute ist das für mich total ok, ich habe meinen Frieden damit gemacht und verstanden, dass mein Vater eben längst nicht mehr da war.

    Hallo PradaTeufel,


    vielen lieben Dank für deine Worte. Eure Erfahrungen/Antworten helfen mir sehr viel. Ich habe vorgestern das Medikament genommen, es heißt Tavor oder Lorazepam aber es hat bei mir keinerlei Effekt gezeigt. Ich war sogar noch aktiver als ohne. Ich war gestern über ein Notfalltermin beim Neurologen. Er hat mir ein anderes verschrieben das ich mir heute holen werde. Es ist so unerträglich nicht schlafen zu können. Allerdings sagte mir der Arzt das es auch eine Wahrnehmungsstörung ist da der Mensch so lange gar nicht ohne Schlaf bleiben kann. Ich merke anscheinend nicht wenn ich schlafe... naja alles sehr sehr merkwürdig. Ich mag meine Arbeit sehr und das ist das Einzige was mich gut ablenkt. Aufgrund der aktuellen Phase bin ich aber krank geschrieben. Ich steigere mich Nachts rein... Zuerst denke ich an meinen Vater und dann denke ich mir na los schlaf doch endlich, du willst zur Arbeit und hast nicht mehr all zu viel Zeit um einzuschlafen sonst bin ich nicht fit... Ich kann diesen Gedanken einfach nicht abschalten und danach kommt die Wut...


    Das was du wegen Deinem Vater schreibst ist so warmherzig :°( . Ich schaue mir Videos an in denen er mit meinen Kindern tanzt, er ist so fröhlich und jetzt ist er im Ausland beerdigt. Auf einem andern Bild habe ich eine Wunde kurz vor seinem Tod fotografiert die er sich vom heißen Wärmebeutel zugezogen hat weil er sehen wollte wie schlimm es ist. Das erscheint jetzt so klein, sich wegen einer Wunde Sorgen zu machen wo der Tod nicht all zu weit war... natürlich hat er es nicht gewusst aber ich mache mir gerade nur noch Gedanken...


    Ich musste bei seinem Tod alles selbst organisieren, die Überführung, den Flug mit der Familie, Beerdigung und Trauerbekundungen bei dem über 500 Leute über 5 Tage dort waren und dann auch noch in Deutschland... Der Papierkram... Jetzt erst kommen die letzten Tage auf die ich damals so gut weg gesteckt habe...


    Grüße

    Hallo lieber Samsi,


    hat das Medikament vom Neurologen angeschlagen? Kannst du jetzt besser schlafen? Tavor ist ein Notfallmedikament.. da hast du wohl paradox drauf reagiert, denn normalerweise hätte es dich eher sedieren sollen... Aber dann war es wohl tatsächlich das Falsche für dich. Ich hoffe, mit dem neuen Medi kommst du besser klar!


    Kann sein, dass du durch den ganzen Stress zur Zeit nicht wirklich in die Tiefschlafphase kommst und deshalb das Gefühl hast, nicht wirklich zu schlafen. Das Gefühl kenne ich. Und auch diesen Gedankenteufelskreis wenn man auf die Uhr blickt, es immer später wird und man weiß, dass bald der Wecker zur Arbeit klingelt.. Diese Wut die einen dann überkommt, kenne ich auch und dann geht gar nichts mehr.


    Ich hab mir dafür mal eine App runtergeladen, da ist auch eine Einschlafmeditation dabei. Die dauert ca. 35 Minuten. Ich dachte immer, die reichen niemals aus damit ich einschlafe. Doch irgendwie hab ich es geschafft dabei abzuschalten und mich von dem leisen Gesäusel ablenken zu lassen und bin darüber immer gut eingeschlafen. Vielleicht findest du was Ähnliches für dich...?

    Zitat

    Ich musste bei seinem Tod alles selbst organisieren, die Überführung, den Flug mit der Familie, Beerdigung und Trauerbekundungen bei dem über 500 Leute über 5 Tage dort waren und dann auch noch in Deutschland... Der Papierkram... Jetzt erst kommen die letzten Tage auf die ich damals so gut weg gesteckt habe...

    Klar, in den Tagen warst du völlig abgelenkt mit all diesen Aufgaben. Da blieb kaum Zeit zum Grübeln und zum Nachdenken, da funktioniert man einfach nur und steht noch unter Schock. Erst wenn man zur Ruhe kommt, kann der Körper mit der eigentlichen Trauerarbeit beginnen und anfangen, zu verarbeiten. Eine harte Zeit, durch die man leider durch muss. Gönn dir die Zeit der Trauer, nimm sie an, weine, schreie, verprügele dein Kopfkissen! Klingt bescheuert? Ist aber wichtig... solange man dabei nicht total in die Depri-Phase abrutscht, da muss man natürlich aufpassen.


    Ich hatte damals keine Zeit zum Trauern. Ich war gerade frisch angekommen im eigenen Leben. Ich hatte meinen Job nach der Ausbildung frisch begonnen, war gerade erst von zu Hause ausgezogen, hatte zum Überleben noch 3 Nebenjobs und meine Mutter, für die ich mich verantwortlich fühlte. Ich habe kaum geweint und die Trauer so lange, lange, lange vor mir hergeschoben. Klar war ich traurig, aber ich konnte es nicht rauslassen. Über Monate hab ich funktioniert, bis ich zusammen gebrochen bin.


    Daher.. trauere! So hart es auch ist.... aber diese Zeit braucht man nun einmal leider..


    Ich wünsche dir dafür ganz ganz viel Kraft und Hilfe zum rechten Zeitpunkt @:)

    Hallo PradaTufel,


    leider war es mir nicht möglich eher zu antworten. Ich habe das Medikament nicht genommen. Ich schaff es mittlerweile nachts selbst runter zu kommen und habe nur noch gelegentlich mit Schlafstörungen zu kämpfen. Tagsüber komme ich mal sehr gut klar und dann habe ich Phasen wo ich nur noch durchdrehen könnte. Aktuell plagen mich Schuldgefühle. Mein Vatter hatte ein CT und Skelettszintigramm gemacht worauf eine Woche später die erste Chemo folgte. Zwei Tage danach habe ich ihn ins KH gefahren weil er starke Schmerzen hatte. Es war ein kleineres KH wo man nur eingeschränkt diagnostizieren konnte. Ich hatte dem Arzt aber die Befunde gegeben und die haben Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen gehalten.


    Er hat dann im KH die zweite Chemo bekommen und wurde einen Tag danach im guten Zustand entlassen. Er war so fröhlich. Er hat an diesem Tag sehr sehr viel gesprochen und Pläne für den Sommer gemacht. Am nächsten hatte er keine Stimme mehr und ich meine zu ihm er soll sich schonen und nicht so viel sprechen (heute bereue ich es).


    Während seinem ersten Aufenthalt hat ihn eine Bekannte mit einer Erkältung besucht, was ich nicht verstehe nachdem man wusste wie es ihm geht.


    Ich habe ihn dann mit Atemnot ins KH gefahren und ihn am nächsten Tag besucht. Im Zimmer lag ein anderer Patient der mir erzählte ihm sei es gleich gegangen aber er hat sich nach 3 Wochen erholt. Als die Visite rein kam (und ab da mache ich mir Vorwürfe), wollte sie weitere Untersuchungen machen obwohl sie nicht einmal wusste wer mein Vater ist (sie hatte einen anderen Namen genannt). Ich habe ihr aber die Befunde vom letzten KH Aufenthalt indem die Ergebnisse des CT's hauptsächlich drauf waren gegeben. Ab dann sagte sie nur er sei im Sterben und es folgten überhaupt keine Untersuchungen mehr...


    Ich denke mir: Hätte ich ihr die Befunde nicht gegeben wäre er untersucht worden. Vlt. hatte er einen angehenden Infekt (CRP Wert lag bei über 50) wie der andere Patient im Zimmer. Er hat auch Antibiotika bekommen. Dann kommt die Sache mit den Morphin... Ich hatte nach einem Medikament verlangt was ihm das Atmen erleichtert. Hier denke ich mir selbst wenn das AB angeschlagen hat, ist er vlt. an dem Morphin an einer Atemdepression verstorben. Er ist ja am nächsten Tag nochmal aufgewacht und hat nach Essen verlangt. Auch hatte er in der ersten Nacht Fieber...


    Die Ärztin meinte das Medikament wird durch die Leber ausgeschieden die in seinem Fall gar nicht funktioniert hat. Er wurde nicht überwacht. Das Sterben hat meine Mutter mitbekommen die im Zimmer mit ihm lag (Das Bett wurde für uns frei gemacht). Seine täglichen Medikamente wurden abgesetzt weshalb er kein Wasser und nix ausscheiden konnte...


    Ich habe vieles hier schon mal aufgeschrieben. Sorry wenn ich mich wiederhole aber diese Gedanken fressen mich auf und ich habe das Gefühl in diesen Phasen nicht mehr klar denken zu können. Hätte ich nicht nach dem Medikament verlangt und ihr die Befunde nicht gegeben wäre er vlt. noch am Leben und hätte seine Chemo weiterhin gemacht. Er hätte vlt. noch zwei oder drei Jahre wie es der Onkologe zu Beginn gesagt hat, gelebt :°(


    Viele Grüße und einen schönen Wochenstart

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    Hallo samsi,


    weißt Du, was neben der Trauer um den Verlust mit das schlimmste Gefühl bezüglich des Sterbens ist?


    Die eigene Hilflosigkeit. Dass es eine unabwendbare Sache ist. Mit einer Endgültigkeit, die es ansonsten in keinem anderen Bereich des Lebens gibt. Egal wie man sich verhält in anderen Bereichen, es mag zwar oft auch negative Konsequenzen haben aber trotzdem geht es immer weiter, man bekommt neue Chancen, neue Wege.


    Aber nicht beim Tod.


    Und das löst bei unserer Psyche diese (Schuld)Gefühle aus: "Hätte ich nicht das und das tun sollen?....wäre es dann doch abwendbar gewesen?..." usw., und zwar aus dem Grund, weil es uns ein gewisses Gefühl der Kontrolle gibt, die wir real gar nicht haben.


    Schuldgefühle eigenen sich (nicht nur beim Verlust durch den Tod) sozusagen hervorragend um der wirklichen Trauer aus dem Weg zu gehen.


    Fakt ist: Du hast nichts tun können. Nichts ändern können. So unsagbar schlimm wie das auch ist. :°_


    Tue Dir selbst einen Gefallen und lasse diese Schuldgefühle los. Fange an "gesund" zu trauern. Vermisse ihn, fühle den Verlust - das tut unglaublich weh, ja, aber es ist ebenso heilsam.


    :)* :)*