Meine Mama musste gehen und ich bin unfähig zu trauern?

    Guten Abend an alle,


    da ich mal wieder nicht schlafen kann möchte ich mir mein "Problem" von der Seele schreiben.


    Am Montag ist meine Mama mit grade mal 60 Jahren verstorben.


    Wir wussten, dass sie nicht sehr alt werden wird da sie immer mal wieder mit wiederkehrendem Krebs zu kämpfen hatte. Bis vor 2 Wochen wähnten wir sie aber alle in einem guten, krebsfreien Zustand.


    Dann ging auf einmal alles sehr schnell: mit Atemnot in die Notaufnahme, Diagnose von Metastasen in der Lunge > geplatztes Magengeschwür > künstliches Koma > erwachen aus dem Koma > körperlicher Totalzerfall innerhalb von 3 Tagen bis sie schlussendlich im Schlaf an Lungenversagen starb.


    Ich war die letzten 3 Tage nahezu 24 Stunden im Krankenhaus und habe natürlich mehr geweint und gehofft, als ich dachte dass es mir möglich sei.


    Ich konnte mich noch verabschieden und auch das was noch im Raum stand noch klären, seitdem ich das Krankenzimmer allerdings zum letzten mal verließ kann ich weder weinen, noch trauern noch irgendwie Gefühle zulassen.


    Die Nachricht von ihrem kurz darauffolgenden Tod traf mich zwar tief (obwohl ich mich ja drauf "vorbereitet" hatte) allerdings komplett ohne Emotionen.


    So geht das nun seit 3 Tagen. Ich möchte weinen aber kann es nicht, ich möchte trauern aber es gelingt mir nicht.


    Mein Vater ist total am Ende und ich fühle mich schon wieder in der Lage morgen arbeiten zu gehen. ??zum glück Nachtdienst dank der Uhrzeit schon wieder??


    Ich dachte meine Welt würde total zusammenbrechen, ich denke oft an sie und an unsere Zeit zusammen aber ich empfinde keinen Schmerz. Ist das normal? :°(


    Ich fühle mich als würde ich meine Mama verraten weil ich nicht angemessen um sie trauern kann.


    Bei allen Terminen (Bestatter etc...) bin ich überall total emotionslos dabei aber ich fühle dabei nichts.


    Es macht mir schon Angst dass ich so reagiere weil ich es niemals von mir so erwartet hätte und ein extrem schlechtes Gewissen gegenüber meiner Mama habe.


    Können manche Menschen nicht trauern oder kommt das "bittere Ende" noch? Hat da jemand Erfahrung?


    Ich weiß nicht, was ich von mir selbst und generell von allem grade halten soll, ich fühl mich so kalt und egoistisch. Dabei fehlt sie mir doch jetzt schon. :°( :°(


    LG mellimausi

  • 12 Antworten

    Kurze Frage vorab: Hast du deine tote Mutter gesehen?

    Zitat

    Können manche Menschen nicht trauern oder kommt das "bittere Ende" noch? Hat da jemand Erfahrung?

    Mein Vater ist 2013 sehr Plötzlich und unerwartet gestorben.


    Ich habe ihn nicht gesehen als er Tot war da ich zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus war. Ich konnte auch nicht Trauern, habe nicht geweint und bei der Beerdigung fühlte ich absolut nichts. Es ging mir überhaupt nicht nahe.


    Viel schlimmer noch: Ich musste sogar Lachen da ich das "Schauspiel" der zwei anwesenden Priester (Ihr hoher Gesang etc.) einfach sehr banal fande.


    Es sind jetzt 4 1/2 Jahre vergangen und es hat sich nichts geändert. Da kam kein bitteres Ende, keine Trauer .. Ich denke ab und an über Ihn nach. Besuche gelegentlich sein Grab aber ich spüre auch dort nichts.


    Jeder Trauert anders und ich finde es gibt da kein "Du musst" .. Wenn du nicht Trauern kannst dann ist das völlig in Ordnung, es ist kein Wettbewerb oder so.


    Wer weiß, vielleicht steht deine Mutter neben dir und flüstert in dein Ohr das du nicht Trauern sollst? Weil sie das nicht will?


    Bei mir denke ich das es etwas damit zutun hat das ich ihn nicht Tot gesehen habe .. Denke das macht viel aus. Für mich ist es so als wäre mein Vater einfach woanders ..

    Zitat

    Kurze Frage vorab: Hast du deine tote Mutter gesehen?

    Ja habe ich. Mein Vater bestellte mich am selben Abend nocheinmal ins Krankenhaus, wo ich sehr sehr lange vor ihrem Zimmer stand und mir mit rang, ob ich reingehen soll.


    Ich bin vor dem Zimmer durch hyperventilierten beinahe umgekippt, mir war schlecht, mir wurde heiß/kalt ich hatte Herzrasen...


    Schlussendlich bin ich rein, habe meine Hand auf ihren Oberkörper gelegt, um mich selbst davon überzeugen dass das Herz nicht mehr schlägt :°(


    Danach musste ich das Zimmer allerdings direkt wieder verlassen, ich habs nicht ausgehalten so hautnah mit dem Tod konfrontiert zu werden ??weil ich total übertriebene Angst vor meinem eigenen habe und darauf einfach nicht vorbereitet war??


    Wir haben gestern ihren Sarg ausgesucht und ich fühlte mich total anteilnahmslos.

    Zitat

    Für mich ist es so als wäre mein Vater einfach woanders ..

    So gehts mir auch, es fühlt sich an als wäre Mama im Moment nicht hier aber dass sie irgendwann wieder kommt. Obwohl ich prinzipiell ja weiß, dass das nie wieder der Fall sein wird.

    Zitat

    Wer weiß, vielleicht steht deine Mutter neben dir und flüstert in dein Ohr das du nicht Trauern sollst? Weil sie das nicht will?

    Das ist ein total schöner Gedanke, allerdings trauert jeder in meiner Familie und jeder im Bekanntenkreis, da fällt es mir schwer zu glauben, dass nur ich nicht trauern soll.


    Ich habe Angst dass sich die Gefühle irgendwie anstauen und irgendwann alles auf einmal aus mir rausplatzt und ich dann damit nicht mehr umgehen kann.. :-/

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    Die Frage die du dir stellst, stelle ich mir auch schon seit ein paar Tagen, seit meine Oma verstorben ist. Ich empfinde auch nichts und kann mir nicht erklären warum. Meine Erklärung ist, dass ich mich irgendwie daran gewöhnt habe, dass Menschen in meinem Umkreis sterben, obwohl es eigentlich noch gar nicht so viele waren... Aber was bringt es, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Es ist wie es ist. Trauer kann man nun mal nicht erzwingen.

    Zitat

    dass ich mich irgendwie daran gewöhnt habe, dass Menschen in meinem Umkreis sterben, obwohl es eigentlich noch gar nicht so viele waren

    das tut mir total leid für dich, bei geliebten menschen ist jeder weitere einer zu viel.


    Bei mir war es allerdings der erste Todesfall in meiner Familie, den ich aktiv mitbekommen habe. Als ich 3 Monate alt war starb meine Omi, das habe ich natürlich erst später erzählt bekommen.


    Seitdem musste ich mich noch nie von einem Familienmitglied verabschieden.


    Wobei mir einfällt, heute vor genau einem Jahr ist ein guter Freund von mir total unerwartet verstorben und auch da empfand ich Mitgefühl, aber auch da habe ich keine Trauer empfunden.

    Zitat

    Trauer kann man nun mal nicht erzwingen.

    Das stimmt wohl. Irgendwo bin ich ja auch erleichtert nicht so viel Leid durchzumachen aber dieses schlechte Gewissen plagt mich einfach.

    Es kann auch sein, dass du noch unter Schock stehst und deine Psyche Zeit braucht das Ganze zu realisieren. Dann könnte die Trauer durchaus noch kommen. Spätestens, wenn deine Mutter beerdigt wird. Es muss aber nicht sein.

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    Bei mir war es so ähnlich bei meinem Stiefvater. Als er plötzlich sehr stark krank wurde haben wir uns an jeden Strohhalm geklammert. Es war alles so wie im schlechten Film.


    Letztendlich hatten wir nur noch eine Woche zusammen. Mit bangen und hoffen. Ich war bei ihm als er gestorben ist. Die Tage nach seinem Tod konnte ich trauern und weinen. Ich hab ihn aber zusammen mit meiner Familie noch mal besucht in der Totenhalle und ab da war es vorbei. Wie als wäre ein Schalter umgelegt worden.


    Aber natürlich denke ich mit vielen schönen Erlebnissen im Kopf oft an ihn, aber weinen kann ich nicht mehr.


    Ich weiß auch für mich, dass er jetzt nicht mehr leiden muss wie er es die letzte Woche getan hat und das spielt wahrscheinlich auch eine Rolle.


    Alles Gute dir :)*

    seid ihr euch denn sehr nahegestanden? oder eher nicht?


    vielleicht verdrängst du wirklich?


    ich musste nach dem tod meiner mom auch so sachen machen wie den trauerspruch auswählen, und hab da funktioniert wie ein roboter.


    dann kam der totalzusammenbruch, ich musste alle bilder entfernen etc weil ich es sonst niecht ertragen hätte, dann psychologische hilfe. hab das nur überstanden indem ich mir gesagt habe sie ist im urlaub.


    kommt vielleicht auch drauf an wie emotional jemand ist?


    mein aufrichtiges beileid.

    @ mellimausi

    Ja das ist völlig normal, man stellt sich im Vorfeld schon auf den Tod ein. Hat sich deine Mama darauf eingestellt - habt ihr euch verabschiedet? Das ist ein wichtiger Prozess um loslassen zu können.


    Mir ging es bei meiner Mama nicht anders, ebenso Krebs sie wurde nur 65. Und bei/nach ihrem Tod ging es mir wie dir jetzt.


    Ich kam mir total schlimm vor, weil ich nicht weinen konnte, auch nicht am Begräbnis. Ich dachte "was denken wohl die Leute von mir das ich da so emotionslos stehe". Wenn man jedoch den Leidensweg betrachtet dann weis man das es eine Erlösung war.


    Eines Nachts hatte ich dann einen Traum in dem Mama zu mir sagte: "jetzt geht es mir gut da wo ich jetzt bin"- so als ob sie neben mir stehen würde und das gesagt hätte.


    Ich hörte mal folgendes:


    Trauern tun wir aus rein egoistischen Gründen, weil WIR eine Person verloren haben.


    Stimmt schon, oder will man das der Mensch noch weiter leidet und unerträgliche Schmerzen erleiden muss?


    Sein Haustier erlöst man, als Mensch ist man zum dahinvegetieren verdammt was mitunter ein sehr langer leidender Weg werden kann, wie bei meiner Mum weil sie nicht los lassen konnte. Ich hätte mir für sie ein schnelles Ende gewünscht, nicht bei vollem Bewusstsein das alles mit erleben zu müssen. Für uns Angehörigen das so zu sehen war mitunter das schlimmste was ich in meinem Leben je gesehen habe.


    Das versteht man jedoch nur wenn man sowas selbst durch hat, deshalb nicht drüber nachdenken was andere Leute denken.


    Wünsche dir alles Gute @:)

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    Hallo mellimausi,


    Du solltest nicht darauf schauen, wie üblicherweise getrauert wird oder die anderen trauern. Jeder Mensch ist anders und jeder geht anders damit um. An so etwas Ähnliches wie Kanga es ausgeführt hat habe ich auch gedacht:

    Zitat

    Wer weiß, vielleicht steht deine Mutter neben dir und flüstert in dein Ohr das du nicht Trauern sollst? Weil sie das nicht will?

    Sowas kann sein. Oder ein erwähntes "ich möchte nicht, dass ihr traurig seid, wenn ich nicht mehr hier bin" meldet sich in Deinem Unterbewusstsein und lässt Dich so sein, wie Du gerade bist.


    Aber das ist nicht falsch oder schlecht, rede Dir das nicht ein und lasse Dir das auch nicht einreden. Du hast Deine Mutter im Herzen, erinnere Dich an die schönen Zeiten und die gemeinsame Zeit mit ihr.


    Ob das bittere Ende vielleicht irgendwann kommt kann Dir niemand sagen. Aber ich würde mich an Deiner Stelle - irgendwann, wenn Du es kannst - näher mit dem Thema Tod auseinandersetzen, gerade auch weil Du von einer "übertriebenen Angst" geschrieben hattest.


    Ich denke, Deine Mama wäre eher stolz auf Dich und würde mit Freude sehen, dass Du (offensichtlich nach außen hin) nicht in der Trauer versinkst. Das bedeutet weder dass Du egoistisch bist, noch dass Du nicht um Deine Mutter trauerst.


    Liebe Grüße und alles Gute für Dich @:) :)*

    Hallo,


    Dein Verhalten und Gefühl sind völlig normal.


    Dein Körper und Geist befindet sich in einem Schockzustand.


    Das kann einige Wochen dauern.


    Im Grunde die "angenehmste" Phase der


    Die Tränen, Verzweiflung in der Wut kommen noch. WEnn dein Geist bereit dafür ist.

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    Mein allerherzlichstes Beileid. Meine Mutter ist vor zwei Jahren an Lungenkrebs gestorben. Sie kam ins Krankenhaus und keiner wusste, dass sie Krebs - sie auch nicht - hat und 17 Tage später war sie tot. Ich konnte mich ebenfalls verabschieden, aber nicht trauern. Wie oft die Leute mir unterstellt haben, alles sei mir egal. Ich war wie tot. Doch dann... Gute 2 Monate später begann ich mit kreisrundem Haarausfall. Ich war dann beim Hautarzt und er sagte: Sie weinen vielleicht nicht, aber ihr Körper weint. Und dann brach es über mich, ich konnte endlich weinen und erwachte aus dieser Starre.


    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und viel Kraft alles durchzustehen. Dein persönliches Tempo ist das Richtige! :)_