@ Hallo Jelisaweta !

    Ich beziehe mich jetzt auf deinen Anfangspost, weil ich keine Zeit habe alles durchzulesen ( bin bei der Arbeit mit Kundenverkehr )


    Ich kann dir da auch was zu erzählen :


    Am 24.08.2004 ist meine Oma verstorben.


    Sie hinterließ ihren Mann, 3 erwachsene Kinder und deren Kinder, also ihre Enkel.


    Das ging alles damals sehr schnell und kam auch recht überraschend ( ich war damals gerade 15 und hatte nebenbei auch noch Liebeskummer, aber das tut nix zur Sache )


    Alles war extrem dramatisch damals : die Beerdigung, mein herzkranker Opa, der zu der Zeit auch schon 3 Infarkte hinter sich hatte und am meisten Sorgen habe ich mir natürlich um meine Mutter gemacht.


    Als 2 Jahre zuvor meine Großtante gestorben ist, dauerte es nur 4 Wochen bis auch ihr Mann verstarb, also machten wir uns natürlich alle riesige Sorgen um meinen Opa.


    Besonders meine Mutter opferte sich auf ( das tat sie schon, bevor meine Oma starb, indem sie praktisch den Haushalt und die Einkäufe ihrer Mutter miterledigte, die Frau war mit ihren 62 Jahren, die sie nur werden durfte nämlich sehr antriebslos. )


    Aber jetzt gehörte praktisch jede Minute meinem Opa...


    Einige Zeit später wurde ihm dann die Wohnung zu groß für sich alleine, die Erinnerungen taten ihm weh ( so sagte er ) etc., also zog er ( trotzdem noch ganz in unserer Nähe ) in eine kleinere Wohnung.


    Auch hier, besuchten wir ihn ständig und meine Mutter kümmerte sich die ganze Zeit um ihn...Wir haben ihn damals praktisch nichtmal ein Handtuch zusammenfalten lassen und er tat auch immer sehr wehleidig...


    Irgendwann dann ( meine Oma war noch kein Jahr tot ) zog in die Wohnung über ihn eine Frau, die 25 Jahre jünger war als er ( UND jünger als meine Mutter ).


    Erst dachten wir "Och wie rührend, die junge Frau hilft dem alten Mann zwischendurch, dann können wir ja beruhigt sein"


    Aber es stellte sich raus, dass die beiden wohl fast nur aufeinander hockten...wie das in nem Dorf so ist, zerrissen sich die Nachbarn auch schon das Maul, ich musste mich mit meinen mittlerweile 16 Jahren ständig von irgendwem anhauen lassen ob meine Opa denn SCHON ne Neue hätte usw.


    Meine Mutter sprach ihn damals dann ganz direkt drauf an doch er flippte komplett aus, wie sie ihm sowas unterstellen könne, da wäre ja überhaupt nichts zwischen ihm und Beate...blablabla...


    Eine weitere Woche später dann saß er mit gesenktem Kopf bei uns im Wohnzimmer mit den Worten "Beate und ich kommen uns ja immer näher, dabei wollen wir das ja gar nicht"


    Nun war meine Mutter sauer, weil er sie eine Woche zuvor belogen hatte.


    Ein paar Tage später wurde es dann noch besser, als ich mich am Schulbus morgens von Beates 13 jähriger Göre mit den Worten " Wusstest du schon, dass meine Mama und dein Opa zusammen sind?" begrüßen lassen musste...


    Von da an wurde es nur noch verletzend Plötzlich konnte mein Opa wandern, Pilze sammeln, in den Skiurlaub fahren uvm. ..Mein Opa distanzierte sich, warf uns vor, wir hätten uns ja alle nicht um ihn gekümmert und er wäre ja so alleine gewesen...dann sagte er zu meinem Vater sowas wie "Ich verstehe gar nicht, dass du deine Frau noch ständig aufm Sofa rumliegen sehen kanns" ( meine Mutter liegt mittags nach getaner Arbeit schonmal aufm Sofa und macht ein Nickerchen ) Meine Mutter schrieb ihm dann ne gepfefferte E-Mail mit den Worten "Vllt. muss ich mich ja von all den Jahren erholen, die ich für Mama und dich nur geblockert hab"


    Es entstand also ein riesen Krach, niemand konnte verstehen, dass er, obwohl meine Oma kaum unter der Erde war, schon eine andere Frau hatte und viel mehr ging es darum, dass er sich einfach so das Erstbeste, was gerade verfügbar war gekrallt und uns dann auch noch angelogen hat...


    So ist es bis heute geblieben.


    Dieses Jahr ist mein Opa dann mit seiner Beate ganz woanders hin gezogen, offiziell wussten wir nichts von dem Umzug.


    Einen Monat später schrieb Beates Göre mich dann an, wollte einen auf Familie machen und ich solle sie doch mal besuchen kommen, wir sein ja schließlich eine Familie.


    Ich sagte ihr, sie sei ein störender Fremdkörper für mich, mehr nicht.


    Es klingt hart, aber so empfinde ich es.


    Das war einfach mal meine Erfahrung zu so nem Thema.


    Es ging nie darum, dass wir meinem Opa sein Glück nicht gönnen, es ging um die Art und Weise.


    Meine Mutter leidet unter dem Kontaktabbruch, doch sie ist zu verletzt, um noch mit meinem opa zu reden.


    LG :)*

    Hallo Jelisaweta :)_ @:)


    erstmal mein aufrichtiges Beileid :)-


    es tut mir sehr leid, was Du grade durchmachst. Stelle mir die Situation schlimm vor und ich kann Dich voll und ganz verstehen.


    Für mich liest sich das echt nicht schön. Einerseits ist es deiner mutter natürlich von ganzem herzen zu gönnen, daß sie weider glücklich wird, aber so kurz nach dem tod deines vaters und gleich so radikal, das fühlt sich bestimmt nicht gut an.


    mir schießen da 2 möglichkeiten durch den kopf: entweder verdrängt deine mutter die trauer und flüchtet sich in die beziehung, weil sie nicht alleine sein möchte/ kann. Die frage ist, ist sie in der situation wirklich glücklich?


    oder, und ich hoffe du nimmst mir meine worte jetzt nicht übel, war sie mit deinem vater wirklich so glücklich, wie du es denkst, oder hat sie die ganzen jahre einfach nur eine fassade aufrecht erhalten für euch? wäre evtl. auch eine erklärung, warum sie so schnell wieder bereit für eine neue beziehung ist und ihre aussage, sie sei so glücklich wie nie zuvor... :-| :-|


    man weiß einfach nicht, was in einem trauernden vorgeht, da jeder auf seine weise trauert. verstehen kann ich dich. nur kann ich dir leider nichts raten. ihr solltet offen mit eurer mutter über eure gefühle sprechen und ihr auch ehrlich sagen, daß es für euch noch zu früh ist, in den "normalen alltag" überzugehen (sowie ostern z. B.: wie du es geschrieben hattest). nimm dir die zeit, die du brauchst.


    was die entscheidung deiner mutter angeht, das wirst du nicht ändern können, aber ihr signalisieren, daß du jederzeit für sie da bist. mehr kannst du nicht tun denke ich.


    ich wünsche dir und deiner familie viel kraft :)* :)* :)* :)*

    Zitat

    Ist keine Option, sagt sie, weil sie Platz brauchen und sich eine andere Wohnung (zur Miete) in der Größe niemals leisten könnten. Bei "uns" können sie im Eigenheim wohnen, abbezahlt.

    man kann auch das alte verkaufen und was neues kaufen.


    ich finde das nach wie vor nicht richtig,


    obwohl ich in der gleichen situation wie diene mom war (bzw. mein mann war es, ich war die "neue" vor 20 jahren).

    Erstmal: Mein herzliches Beileid.


    Wie ja hier viele shcon geschrieben haben ist Trauer ein sehr individueller Prozess. Eine Bekannte von mir verlor als junges MÄdchen ihren Freund, inhre erste große Liebe bei einem Autounfall. 3 Tage später ging sie auf ein Festival und danach trampte sie durch ganz Europa. Sie wurde damals sehr angepamt nicht nur, aber besonders von seinen Eltern die ihr vorwarfen ihn nie geliebt zu haben. Dabei brauchte sie das einfach, Luft zum schreien, nichts mehr von dem sehen was ihn in ihrer Erinnerung wach hielt um üerhaupt die Kraft zu finden abzuschließen. Damals handelte sie wohl auch sehr egoistisch, sie sagte sie hätte damals einfach nicht anders gekonnt, war in so einer Art Raserei gefangen und handelte einfach intuitiv ohne zu denken.


    Eventuell geht es deiner Mutter ganz ähnlich und sie ist blind gefangen in eine Art Taumel. ich verstehe deine Gefühle, aber ich denke nicht das sich da gerade etwas machen lässt. Wie wäre es wenn du den Abstand suchst damit sich die Verletzungen nicht so anhäufen wie bei S_A_L_T? Deiner Schwester geht es ähnlich, also trauere mit ihr, triff dich mit ihr und wenn sich der schlimmste emotionale Sturm auf allen Seiten eglegt hat redet ihr nochmal in Ruhe mit eurer Mutter. Das kann ja durchaus noch eine ganze Weile auf sich warten lassen.

    Docupitchkumaterinu


    Ich finde das man das nicht verallgemeinern kann. Der Tod ist eine unverständliche Wand die Angst macht und jeder geht abhängig von Temperament und Glauben ganz anders damit um. Das liegt glaube ich auch daran das es sich für jeden anders anfühlt. Für den einen ist es ein Sturm an Traurigkeit für den anderen mehr ien konstantes ziehen das einen über lange Zeit begleitet bis es seltener spürbar wird.

    Zitat

    oder, und ich hoffe du nimmst mir meine worte jetzt nicht übel, war sie mit deinem vater wirklich so glücklich, wie du es denkst, oder hat sie die ganzen jahre einfach nur eine fassade aufrecht erhalten für euch? wäre evtl. auch eine erklärung, warum sie so schnell wieder bereit für eine neue beziehung ist und ihre aussage, sie sei so glücklich wie nie zuvor...

    Du, ich finde das gar nicht so falsch, Eltern halten so oft zugunsten ihrer Kinder eine Fassade aufrecht, einfach, weil sie denken, dass sie es den Kindern schuldig sind, das muss man einfach von beiden Seiten betrachten, was aufgrund der Fassade eben nicht immer geht.


    Mir schoss da gerade die Situation durch den Kopf, wie meine Eltern uns mitteilten, dass sie sich trennen werden und einer von beiden ausziehen muss.


    Für mich stand das schon lange fest, weil ich gar nicht mehr mitzählen kann, wie oft ich meine Mutter weinend im Zimmer meines Bruders aufgefunden habe wo sie angeblich am Aufräumen war, sie war für mich der traurigste Mensch der Welt und da ich mir immer die Schuld gegeben hatte (jetzt weint sie, irgendwas hab ich bestimmt wieder ausgefressen), war ich sogar etwas erleichtert, statt überrascht zu sein, weil so ganz fest stand, woher all die Traurigkeit gerührt hatte. Wir haben auch später noch viel darüber geredet, dass sie eigentlich schon seit 20 Jahren immer wieder überlegt hatte, ihn zu verlassen, weil sie gar nicht erst hätten heiraten dürfen. Hat also mit der Fassade bei mir nicht ganz geklappt.


    Bei meinem Bruder schon – der war bis zu dem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass alles gut war, wir ein perfektes, heiles Familienidyll lebten und sich das nie ändern würde. Er war geschockt, verzweifelt, fiel aus allen Wolken und konnte die Situation nicht im Geringsten begreifen, auch dass sie so schnell wieder mit neuen Männern ausging, verstand er gar nicht, weil doch "bis eben" alles gut war.


    Ich fand das nicht schlimm, aber ich wusste auch, dass sie schon lange unglücklich war, und auch warum (mein Vater ist wirklich nicht leicht umgänglich) und dass sie sich und ihre eigenen Wünsche zugunsten ihrer Kinder im Prinzip seit unserer Geburt hinten an gestellt hatte – und eben auch, dass seit Jahren vieles nur Fassade war.


    Kurzum:


    Wir haben die selbe Situation erlebt, mein Bruder und ich, und sie doch komplett unterschiedlich aufgefasst – ein Grund mehr, weshalb ich eigentlich immer für Ehrlichkeit und glückliche Trennung als für unglückliche Fassade zugunsten Anderer bin – denn die kann man einfach nicht ewig aufrecht erhalten – und für meinen Bruder wär's sicher auch leichter gewesen (auch heute noch!), wenn sie sich früher schon getrennt oder auch meinem Bruder etwas mehr Einsicht gegeben hätte.


    Sagt natürlich keiner, dass es sich bei der Mutter der TE so abspielte, kann auch keiner, weil's keiner weiß, möglich wärs aber schon und mein Statement soll nur zeigen, dass es besser ist, etwas zu hinterfragen, um es verstehen zu können.

    Zitat

    ich finde, das dieser satz, es auf den punkt bringt


    es ging um die Art und Weise.

    naja, aber das resultiert doch auf der art und weise, verschieden damit umzugehen.


    und selbst wenn einem die art passt:


    sie ist doch personeninduziert und dann muß man halt personenbezogne auch mal darüber wegsehen können...


    also immer und ewig deswegen beleidigt sein, ist doch auch dumm,


    wobei das nun eine ALLGMEINE anmerkung dazu war,


    dass ich das, was die mutter macht, nicht gut finde, habe ich ja oben schon ausgeführt.

    Zitat

    mir schießen da 2 möglichkeiten durch den kopf: entweder verdrängt deine mutter die trauer und flüchtet sich in die beziehung, weil sie nicht alleine sein möchte/ kann. Die frage ist, ist sie in der situation wirklich glücklich?


    oder, und ich hoffe du nimmst mir meine worte jetzt nicht übel, war sie mit deinem vater wirklich so glücklich, wie du es denkst, oder hat sie die ganzen jahre einfach nur eine fassade aufrecht erhalten für euch? wäre evtl. auch eine erklärung, warum sie so schnell wieder bereit für eine neue beziehung ist und ihre aussage, sie sei so glücklich wie nie zuvor... :-| :-|

    Ich kann mich da Jacky und Pencil nur anschließen!!!!!

    Zitat

    Sagt natürlich keiner, dass es sich bei der Mutter der TE so abspielte, kann auch keiner, weil's keiner weiß, möglich wärs aber schon und mein Statement soll nur zeigen, dass es besser ist, etwas zu hinterfragen, um es verstehen zu können.

    @ meine Meinung

    auch wenn es euch weh tut, was ich verstehe, wäre ich froh, dass die Mutter kein trauerndes Häufchen Elend ist.


    Meine Mutter musste auch so einen Schicksalsschlag verarbeiten und ist 10 Jahre später an den Folgen des "Verdrängens und auf normal machen müssen" zusammengebrochen und in psychologischer Behandlung und seit dem geht es nurnoch abwärts mit ihr. Ich wünschte sie wäre neu verliebt.


    Ich würde also erstmal Verständnis aufbringen und hinterfragen ob sie verdrängt oder wirklich glücklich ist, weil sie vorher unglücklich war. Auch wenn ich deine Meinung als Kind total verstehe. :)_

    Und noch einen TIPP


    Rede mit ihr über deine sorgen. Sag ihr was du uns sagst, auf die gleiche diplomatische art und weise. Aber versuche auch sie zu verstehen. Nur so kann man herausfinden, ob sie wirklich glücklich ist, oder sich nur ablenkt. Seit gegenseitig füreinander da, denn dich geht es was an, du bist ihre tochter und sie liebt dich. schlimmer ist es, wenn man denkt, es geht einen nichts an. Diesen Fehler würde ich nicht nochmal machen.

    danae87

    Zitat

    Ich finde das man das nicht verallgemeinern kann.

    ich will auch gar nicht die gefühle die jeder bei einem todesfall hat verallgemeinern. natürlich sind diese höchst unterschiedlich. mir geht es um das verhalten. nur weil jemand anders fühlt rechtfertigt das nicht jedes handeln. im vorliegenden fall setzt sich die mutter über alle gefühle ihres umfeldes hinweg und agiert rein egoistisch.

    Zitat

    Deine Mutter scheint sich für deine Gefühle nicht zu interessieren. Interessiert sie sich für dich? Oder nur noch für den neuen Partner und seine Familie?

    Im Grunde nur noch für den neuen Partner und dessen Familie, weil sie mit ihnen eine Menge Spaß haben kann und das ist es, was sie aktuell will. Ob nun als reine Flucht oder wahres Glück, ich weiß es nicht, vermag ich nicht zu beurteilen, aber sie sagt es auch mehr oder weniger klar: Ich würde sie runterziehen und mit X und seinen Kindern wärs hingegen immer "lustig". Sie unternehmen viel und ihr tut es offensichtlich sehr gut. Ich hingegen bin oft noch stumm, sprachlos, wie betäubt, immer wenn mir bewusst wird, es fehlt einer, mein Vater hätte jetzt dies gesagt oder getan oder gewollt... dabei bin ich aber auch nicht nur miesepetrig, sondern sage z.B. auch "positive" Dinge wie: Kennt ihr noch den Witz, den Papa immer erzählt hat... oder sowas. Ich habe ihn einfach ständig im Kopf, in der Erinnerung und will, dass er präsent bleibt. Nicht demonstrativ dem Neuen gegenüber, es IST für mich einfach so, ich habe ja auch 20 Jahre mit meinem Vater verbracht und viel erlebt mit ihm und denke eben ständig, wäre er noch da, hätte er jetzt bestimmt folgenden Spruch gemacht...

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    Und warum nicht den möglichen Verdacht ansprechen, dass er es genießt, sich in's gemachte Nest zu setzen?

    Weil ich den Eindruck vermeiden möchte, ich hätte nur Angst um das Erbe. Denn mein Problem ist wirklich eher das Emotionale dahinter und ich will nicht, dass es heißt, ach guck an, darum geht es dir also, du willst das Geld zusammenhalten. Das, was mir genommen wird, lässt sich ja auch nicht irgendwie bezahlen. Und ob er sie wirklich liebt oder ob er auch oder vor allem materiellen Interesse hat, das muss meine Mutter für sich oder mit ihm klären, das ist ihre Sache, weil ihre Beziehung, da will ich mich nicht reinhängen, weil es dadurch sicher nicht leichter würde.


    Ich denke, wenn ich jetzt auf diesen materiellen Aspekt eingehe, wird meinem eigentlichen emotionalen Problem noch weniger Beachtung geschenkt. Dann haben sie einen handfesten Grund, den sie entkräften oder mir vorwerfen können und verstehen nach wie vor nicht, was mein gefühltes Problem dabei eigentlich ist. Nicht die mögliche Erbschleicherei des Neuen, sondern eher das rigorose und verletzende Verhalten meiner Mutter, ohne Rücksicht auf Verluste.

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    Ich glaube, was man bedenken sollte ist, dass ein Jahr (war ja ca. 1 Jahr Leidenszeit, wenn ich den Eingangspost richtig las) für eine glückliche Beziehung eine sehr kurze Zeit ist, nach 20 Jahren Ehe, in denen eh schon viel Alltag eingekehrt ist, auch nicht mehr so viele Schmetterlinge im Bauch herumschwirren und in der es in besagtem Jahr nurmehr um Krankenpflege geht, ist es dagegen eine verdammt lange Zeit.

    1 Jahr Leidenszeit stimmt nicht so ganz, wobei es vielleicht auch egal ist, die Zeiträume hier genaustens aufzudröseln, weil man ja immer sagen kann: "Ist doch egal, der eine braucht eben mehr Zeit zum Trauern, der andere weniger" usw. Die Diagnose kam Ende Mai, gestorben ist er kurz vor Weihnachten und auch wenn es ihm durch die Chemo schlecht ging, war bis wenige Tage vor seinem Tod eigentlich nicht klar, dass er daran sterben muss. Nur zum Schluss ging es ihm eben so schlimm, dass die Aussicht auf Weiterleben bedeutet hätte, Pflege, Magensonde usw. Daher sehen wir es auch als "Erlösung", aber zwischen Juni und Anfang Dezember ging es eigentlich immer darum, dass er es schaffen kann und schaffen wird und nur die Chemo überstehen muss.

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    Und in gewisser Weise geht es dich wirklich nichts an. Es ist ihr Leben, und du wohnst nichtmal mehr daheim. Wenn dir das Verhalten deiner Mutter nicht gefällt, muß du Abstand nehmen. Sie braucht sich wegen dir nicht ändern. *:)

    Ich glaube, so oder so ähnlich hätte das von meiner Mutter stammen können. Auch mit dem lächelnden Winkesmiley am Schluss. So zeigt sie sich uns gegenüber im Moment: "Ich bin glücklich und das ist alles, was zählt, wenn ihr nicht damit umgehen könnt, wisst ihr ja, wo die Tür ist, adios "Winke-*:)", ich geh jetzt Kegeln mit X, juhuuu..."


    Klar kann sie ihr Ding durchziehen, es ist ihr "gutes Recht", wie schon so oft geschrieben, ich weiß das. Nur betrifft es uns als Kinder schon indirekt mit, das kann man auch nicht ganz ausklammern. Man kann aber natürlich der Meinung sein, dass es egal ist, weil sie vorgeht und ihre Bedürfnisse die "wichtigeren" dabei sind. Ich hätte mir halt nur etwas mehr Mitgefühl gewünscht, denn auch wir trauern ja und müssen mit allem klar kommen.

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    also aus Rücksicht sollte Mutti in einer Wohnung alleine sitzen, die ein Erinnerungstempel an ein vergangenes Leben ist? Leere Kinderzimmer, da die Mädels ihren eigenen Weg gehen. Das gemeinsame Sofa, das gemeinsame Bett, alles Erinnerungen an den Mann, der nun nicht mehr da ist. Wnn die Kinder mal vorbei kommen, kann man gemeinsam in Erinnerungen schwelgen, trauern, sich trösten. Dann gehen die Kinder wieder in ihr Leben und Mutti muss die Einsamkeit aushalten. Soll sie doch tagsüber mit Freundinnen Kaffee-trinken gehen, wenn es ihr zu langweilig wird.

    ging mir auch durch den Kopf. Und das kann es doch ach nicht sein, oder?

    Nein, das kann es auch nicht sein, aber es gibt ja nicht nur das eine Extrem oder das andere. Gauloise hat zum Beispiel beschrieben, dass ihre Mutter auch nach kurzer Zeit wieder jemanden fand, der sie liebte, mit dem sie glücklich war und wieder Freude am Leben finden konnte. Er wurde aber nicht im Elternhaus "installiert", diesen Begriff finde ich in dem Zusammenhang recht passend. Für mich wäre es auch etwas anderes, wenn meine Mutter die Wohnung für sich hätte umgestalten wollen, also einen Umbruch gebraucht hätte, weil sie die Umgebung sonst erdrückt, die Erinnerungen zu sehr schmerzen... Unsere Kinderzimmer waren auch vorher leer, während wir studiert haben, wir kamen ja aber auch immer für mehrere Wochen zurück. Und dass wir unserem Leben wieder nachgehen an unseren Studienorten, tun wir, weil sie gesagt hat, wir sollen gehen. Ich hatte z.B. auch überlegt, die Uni zu wechseln und doch wieder nach Hause zu ziehen. Hätte ich mir durchaus vorstellen können, auch um sie zu unterstützen.


    Aber unabhängig davon, haben wir ja auch nicht erwartet, dass sie ihr Leben lang alleine zu Hause vor sich hinvegetiert. Sie hätte ja ruhig wen kennen lernen und ihre Freizeit mit ihm verbringen können. Dann trifft man sich eben, übernachtet auch mal beieinander, aber krempelt nicht nach so wenigen Wochen gleich alles um, holt eine neue Familie mit Sack und Pack zu sich. Meine Tante hat beispielsweise auch nach 3 Jahren wieder jemanden gefunden und meine Cousins kommen gut damit klar. Er war erst ein Bekannter der Mutter, dann ein Freund, jetzt ihr Partner, die beiden gehen aus, fahren auch zusammen mal weg, machen Urlaub, trotzdem hat er seine eigene Wohnung und meine Tante das Elternhaus der Cousins für sich behalten. Ein Teil wurde als Einliegerwohnung an Fremde vermietet, es müssen also auch nicht auf ewig die Kinderzimmer parat gehalten werden, darum gehts gar nicht, sondern um das "Gesamtpaket" jetzt, so schnell, in dieser Situation und dann gleich so radikal.

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    Ich denke mal, für Gespräche wird Mutti immer da sein

    Was unsere Trauer betrifft, leider nicht. Sie hat dafür auch gar keine Zeit mehr. Wenn ich mal anrufe, ist sie nicht zu Hause, sondern auf Achse. Kein Ding, kann ja zurückrufen, sieht am AB dass ich angerufen habe. Rückruf bleibt aber in der Regel aus oder wenn dann nur gehetzt "Wir kommen grad aus dem Schwimmbad, wollen jetzt ins Kino, hab nicht viel Zeit, was ist denn?". Sie verbringt jede freie Minute mit dem Neuen, was ja auch klar ist, so macht man das eben, wenn man frisch verliebt ist. Vielleicht können wir in einem Jahr oder so wieder mit ihr reden, vielleicht hat sie da dann wieder Zeit für uns, aber momentan fällt ihre akute Verliebtheitsphase (und die damit verbundene "Mir ist alles egal, die Welt dreht sich nur noch um X"-Einstellung) mit unserer Trauerphase zusammen. Und über meinen Vater oder alles, was mit ihm verbunden ist, will sie nicht reden, das sagt sie auch klipp und klar. Man muss nach vorne schauen und nicht in Erinnerungen schwelgen, das bringt niemandem etwas, sagt sie.


    Mir würde es aber etwas bringen...




    Schreibe später weiter, brauche erstmal einen Moment. Aber danke für den Zuspruch vielerseits und die ganzen Beleidsbekundungen.

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    Deshalb kann ich wohl die Empörung über den Einzug des LG in das Elternhaus nicht nachempfinden, denn die Denkweise, "Jugendzimmer" immer bereit zu halten, die kenne ich gar nicht.

    Für mich ist das zum aktuellen Zeitpunkt ein Vergehen an der Trauer der Kinder – so nehme ich es zumindest wahr.

    wow, harte Worte, aber wenn du es so empfindest, bei mir kommt es eben anders an.


    Ich bin Tochter und Mutter, ich meine, wenn die Eltern den Kindern ein liebevolles Zuhause geboten haben als diese Kinder waren, sie zur Selbstständigkeit erzogen haben und ihnen das nötige Rüstzeug mitgegeben haben, dann müssen Eltern wenn die Kinder ihr eigenes Leben weg von zu Hause leben nicht mehr Zimmer, Gegenstände etc für diese bereithalten. Daher ist es für mich kein Vergehen an ihrer Trauer.


    Mein "Elternhaus" ist da, wo meine Eltern wohnen, mein zweites Zuhause ist bei ihnen, das ist an keinen Ort oder Haus gebunden.


    Trotzdem sehe ich auch das Leid durch die unsensible Art, die den "Kindern" hier noch zusätzlich aufgebürdet wird.


    Was Salt schreibt, ist nochmal ganz was anderes, da verstehe ich die Familie und ihre Reaktion gar nicht. Da dachte ich beim Lesen nur, der arme Opa

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    ganz ehrlich diese stark distanzierte und teilweise gefühlskalte betrachtungsweise einiger hier im faden kann ich nicht verstehen

    ??


    was du an Gefühlskälte der Mutter entgegen bringst, ist doch kaum zu toppen!

    Liebe Jelisaweta,


    wenn ich so einen Neidbeitrag lese, dann bin ich ja echt bedient und geneigt der Verfasserin zu sagen: es geht ein Kind gar nichts an, was Mutter oder Vater nach dem Tode des Partners macht. Überhaupt nichts.


    Auch was die Mutter mit vorhandenem Vermögen macht, geht das Kind (fast!) überhaupt nichts an. Das wär ja noch schöner, wenn irgendwelche Kinder über das Vermögen der verbliebenen Mutter oder des Vaters bestimmen könnten. Unglaublich. Aus so einem Beitrag spricht die reine Gier. Lass dich von sowas nicht runterziehen, es ist traurig genug, dass dein Vater gestorben ist.

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    Und warum nicht den möglichen Verdacht ansprechen, dass er es genießt, sich in's gemachte Nest zu setzen?

    Unmöglich. Wäre ich die Mutter, hätte das heftige Konsequenzen.


    Ich will meinen Beitrag von gestern, 12:50 noch etwas erläutern.


    Meine Mutter ist keine Person um alleine zu leben, genau so wenig wie ich. Sie litt so unter dem Tod meines Vaters und unter der Alleinseinsituation, dass es nicht lange gedauert hätte, und sie wäre auch gestorben.


    Der Mann, den meine Mutter ein halbes Jahr oder so ähnlich nach dem Tod meines Vaters kennengelernt hatte, hatte damals ein großes Haus, in dem er alleine lebte, weil seine Frau auch ein halbes oder dreiviertel Jahr zuvor gestorben war. Meine Mutter lebte auch alleine in einem sehr großen Haus und einem sehr großen, parkähnlichen Garten. Beide kamen mit ihrer individuellen Situation gar nicht gut zurecht, ich lebte 700 km von meiner Mutter weg und meine Schwester 10.000 km. Die Absicht zurück zu gehen hatten wir beide nicht.


    Dass diese beiden Leute, meine Mutter und der Mann, sich getroffen und ineinander verliebt haben, war ein großes Glück für die beiden. Der Mann war damals schon über 15 Jahre in Rente und bereiste mit Wohnmobil und seiner Frau diese Zeit über die ganze Welt, auf der letzten Reise ist seine Frau gestorben. Der Mann saß nun zuhause, unfähig zu reisen, unfähig überhaupt was zu tun. Dadurch, dass er sofort bei meiner Mutter eingezogen ist, hat sie ihm ein Leben mit Garten eröffnet, ihm ein neues Hobby und Perspektive gegeben, und ihm auf diese Weise mittlerweile ca. 25 Jahre geschenkt, die er sonst nicht erlebt hätte.


    Umgekehrt das gleiche: Dadurch, dass meine Mutter nicht mehr alleine war, hat dieser neue Lebensgefährte ihr 25 Jahre geschenkt, die meine Mutter nicht erlebt hätte, weil sie die Lust am Leben verloren hatte. Für die beiden Leute war es ein großes Glück, dass sie sich getroffen haben, er ist mittlerweile fast 100 (und fit, soweit man das in diesem Alter sagen kann), und meine Mutter ist fast 90 und genau so fit.


    Es ist keineswegs so, dass ein alter Mensch nur danach geht, wo er "sich in's gemachte Nest [...] setzen" kann. Vielmehr ist es oft so, dass die Alten gut wissen, was ihnen fehlt oder gut tut, und dass sich gegenseitig vitalisieren, ihrem Leben wieder Inhalt und Sinn geben.

    Jelisaweta

    Du machst auf mich einen sehr reflektierten und vorsichtigen Eindruck. Ich habe auch den Eindruck, dass deine Vorsicht und Rücksichtnahme ein ungesundes Maß angenommen haben. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es dir ganz gut tun würde, wenn du dich gegenüber deiner Mutter mal gehen lassen würdest. Ich glaube ein ordentliches Gewitter würde euch helfen.

    Zitat

    Du machst auf mich einen sehr reflektierten und vorsichtigen Eindruck. Ich habe auch den Eindruck, dass deine Vorsicht und Rücksichtnahme ein ungesundes Maß angenommen haben. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es dir ganz gut tun würde, wenn du dich gegenüber deiner Mutter mal gehen lassen würdest. Ich glaube ein ordentliches Gewitter würde euch helfen.

    Ich bin inzwischen der gleichen Meinung. Wobei die Mutter in ihrem hormonellen Höhenrausch möglicherweise auch für ein Gewitter nicht empfänglich ist...