Sehr schwieriges Thema ...


    Mein vater starb vor knapp 8 Jahren und es ist noch immer unwirklich für mich. Er starb damals auf Montage in einer 500 km entfernten Stadt. Nach 3 Tagen wurde er in unsere Heimatstadt überführt und dort hätten wir die Chance gehabt, ihn noch einmal zu sehen. Die Angestellten des Beerdigungsinstituts haben uns jedoch abgeraten. Grund war, das mein Vater wohl sehr viele blaue Flecken und gebrochene Rippen von den Wiederbelebungsmaßnahmen hatte und das wohl kein so schöner Anblick gewesen wäre. Wie – meine Mutter und ich – haben es dann auch gelassen und im nachhinein bereue ich es sehr, denn ich rutschte dadurch in eine Angststörung. Angststörung deshalb, weil ich ihn nicht tod gesehen habe und daraufhin nicht mehr glauben konnte das er wirklich tod ist. Ich wusste nur von erzählungen seiner Arbeitskollegen wie es passiert ist und sie sagten mir auch das der Notarzt ihn nach einer halben Stunde für tod erklärt hat. Sie sagten mir auch das sie ihn tod gesehen haben – aber ich habe ihn eben nicht mit eigenen Augen gesehen. Also fing ich an mir einzureden, das man mir den tod nur vorgetäuscht hatte – aus was für einen grund auch immer. Völlig kranke Gedankengänge und das war dann für mich auch nur mit einer Therapie zu lösen die ich gott sei Dank erfolgreich für mich abschließen konnte. Das kuriose ist, das ich selbst in der Trauerbegleitung eines Hospitz arbeite und nie Probleme mit dem Tod hatte ... nur eben was enge Angehörige betrifft.


    Deswegen:

    Zitat

    Würdet ihr so eine Ausstellung besuchen und wenn ja, aus welchen Beweggründen?

    Ja würde ich aus oben genannten Grund.

    Horrorvibe, du meintest auf Seite 1, dass du dich oftmals zwingst, dass du dich mit einem Thema konfrontierst, um besser damit umgehen zu können und die Ungewissheit abzulegen. Ich möchte dich fragen, ob du in dieser Hinsicht schon etwas erreicht hast, auch wenns nur ein Bruchteil ist und du vl. minimal weniger ungewiss bist oder ob du dich irgendwie damit "anfreunden" konntest... und wenn ja, wie?

    Meine Eltern sind letztes Jahr gestorben. Ich habe bei Beiden über Monate bzw. Jahre beim sterben begleitet. Beide starben ohne, dass von uns jemand dabei war in einem Pflegeheim. Meine Mutter starb um 06.45 Uhr und um 07.10 Uhr war ich bei ihr. Sie hatte den Mund weit offen, genau wie die Augen, sie sah alles andere als friedlich aus. Aber sie war schwerst krebskrank. Das Fenster war offen und man hatte ihr ein Handtuch unter den Mund geschoben, damit der zu ging. Ich konnte sie nicht alleine lassen, bis sie im Sarg lag. Hatte das Gefühl sie ist da und hat Angst. Es dauert bis 11 Uhr bis sie abgeholt wurde und den Geruch habe ich bis heute in der Nase. Und diese grauen, gebrochenen Augen werde ich auch nie vergessen. Es war schrecklich.


    Mein Vater starb 3 Monate später abends um 22.45 Uhr und ich war um 23.20 Uhr bei ihm. Davor war ich noch bis nach 20.00 Uhr bei ihm gewesen, er war nicht mehr bei Bewusstsein, ich hatte ihm stundenlang vorgelesen und als ich ging, habe ich ihm gesagt, er soll und darf los lassen und meine Großeltern und meine Mutter von mir grüßen. Er lag so unendlich friedlich da. Mund und Augen geschlossen und ich habe ihm die Hand gehalten. Das hat mich total glücklich gestimmt, trotz der Trauer, er war 83, krank und wollte zu seinen Eltern. Und genau so sah er auch aus. Zufrieden, dass er gehen durfte. Der Bestatter kam erst am nächsten Tag um 14 Uhr. Eine sehr lange Zeit. Ich war morgens wieder früh bei meinem Vater und er roch überhaupt nicht. Ich musste alles ausräumen und habe die ganz Zeit mit ihm geredet, als wäre er noch da und ich hatte ein gutes Gefühl dabei.


    Als meine Oma starb war ich 10 und mein Vater hatte mich mit in die Leichenhalle genommen, den Anblick habe ich bis heute nicht vergessen. Es war eines der schlimmsten Dinge, die ich je erlebt habe. Jahrelang Albträume und Angst. Das war nicht mehr meine Oma, obwohl sie auch eines natürlichen Todes starb.


    In so eine Ausstellung würde ich gerne gehen, einfach weil mich der Tod beschäftigt und interessiert. Das sind keine Menschen die mir nahe standen und die ich lebend kannte. Was nicht meinen Respekt mindert, aber es ist einfach etwas anderes, es verbindet mich nichts mit ihnen. Der Tod gehört zu uns, wie das Leben, aber ihn bei einem Familienmitglied erleben ist etwas völlig anderes, als drüber zu reden. Vorbereiten oder Abschied nehmen hört sich schön an, ist aber nicht wirklich möglich.

    @ snowwitch

    das mit deinen eltern tut mir sehr leid :)- :)* :)- :)*


    innerhalb von 3 monaten beide elternteile zu verlieren ist sehr schlimm, auch wenn sie beide krank und auch schon älter waren.


    du hast recht, man kann sich auf sowas nicht vorbereiten, egal wie lange der mensch krank ist u man bescheid weiß, wenn ein nahestehender mensch dann verstirbt, dann ist das schlimm.


    ich wußte es bei meiner oma auch vorher und dachte ich sei gut darauf vorbereitet (sie ist 92 geworden). ihr tod ist 13 jahre her und ich leide noch heute darunter u es vergeht kein tag, an dem ich nicht an sie denken muß. was mir am meisten zu schaffen macht, ich war den ganzen tag bei ihr im kh, und 1 stunde bevor sie verstarb, bin ich nach hause gefahren. ich war nicht bei ihr als es soweit war, obwohl ich das immer wollte, aber ich konnte es damals noch nicht einschätzen, daß es soweit war :°(


    ich wünsche dir weiterhin viel kraft :)* :)* :)*

    @ Jacky78

    danke @:)


    ich denke auch ununterbrochen an sie und hoffe, dass das noch besser wird. Einfach ist es nicht. Aber ich kann dich beruhigen, die meisten Menschen wollen alleine sterben. Meine Eltern waren zusammen in einem Zimmer und meine Mutter hat wirklich gewartet, bis mein Vater mit der Pflegerin draussen war. Ich wäre auch gerne bei meinem Vater geblieben, aber ich habe auch noch eine Tochter und die konnte ich nicht die ganze Nacht alleine lassen. Beruhigt hat mich wirklich, dass er so friedlich aussah. Und ich bin mir sicher, wir sehen uns irgendwann wieder. Auch wenn viele nicht daran glauben, aber ich bin der festen Überzeugung.


    Ich schicke dir auch ein paar :)* :)* behalte deine Oma in Erinnerung

    danke @:) @:)

    Zitat

    Und ich bin mir sicher, wir sehen uns irgendwann wieder. Auch wenn viele nicht daran glauben, aber ich bin der festen Überzeugung.

    das glaube ich auch, auch wenn ich ansonsten nicht gläubig bin aber der gedanke macht es für mich erträglicher und gibt mir doch hoffnung.

    kleiner_drachenstern

    Zitat

    Ein wirklich großes Problem unserer Gesellschaft ist, dass Krankheit und Tod einfach "ausgeblendet" werden und an die Stelle "Jugendwahn" und "alles ist machbar" getreten ist.

    Ich glaube, die meisten haben einfach Angst und möchten mit der eigenen Sterblichkeit bzw. mit der ihrer Lieben nicht konfrontiert werden. Als ich jünger war, war es zumindest bei mir so. Jetzt habe ich immer noch Schiss, bin aber mehr und mehr bereit, mich zu öffnen und mich mit dem Tod auseinanderzusetzen.

    Zitat

    Wenn dann jemand stirbt, ist natürlich immer jemand "schuld", sei es der Verstorbene selbst (der Lebenswandel! das gefährliche Hobby!) oder anderen (die unfähigen Ärzte, die falsche Arznei etc.pp).

    Natürlich. Jeder will einen "plausiblen Grund" finden, weshalb ihm selbst das auf gar keinen Fall passieren kann.


    Funkelstein

    Zitat

    Ich habe auch jemanden beim Sterben begleitet und danach noch einige Stunden mit demjenigen verbracht. Obwohl es sicherlich die schmerzvollste Erfahrung meines Lebens war, hat es mir merkwürdigerweise auch gut getan, da gewesen zu sein.

    Genau das meinte meine Mutter auch. Als mein Opa am frühen Morgen starb, sind meine Eltern sofort zu meiner Oma gefahren. Über den Tag kamen immer mehr Familienmitgleider und Nachbarn. Es wurde geweint, gelacht, gegessen und getrunken. Mein toter Opa lag in demselben Raum in seinem Bett, davor stand eine Bank, vor der immer jemand saß.


    Ich glaube, ich hätte da auch hin sollen, im Nachhinein.




    Vielen Dank für eure Berichte und Meinungen, ich habe alle mit sehr großem Interesse gelesen. :)*

    @ kamikaze,

    nein, ich habe noch 2 Schwestern, aber keinerlei Kontakt mehr zu ihnen. Dabei war der mal richtig gut, aber man kennt das ja, wenns ums Erben geht. ;-) Meine Tochter und ich reden täglich über meine Eltern und lachen auch viel über sie, auch wenns nie einfach mit ihnen war

    Zitat

    ich kann nur jedem raten, sich mit dem thema tod & sterben auseinander zu setzen,

    dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Wir haben meinen Schwiegervater beim Sterben begleitet. Gestorben ist er, als er kurz alleine war. Dies hört man oft. Wir haben Totenwache gehalten und Erinnerungen an ihn ausgetauscht. Seinen Unterkiefer haben wir nicht hochgebunden. Der hat sich über 6 Stunden selbst geschlossen. Wir hatten ihn noch 2 Tage im Haus aufgebahrt und uns mehrfach verabschiedet. Alle waren sich einig das es intensive und sehr schöne Tage waren. Der Abschied ist leichter gefallen.

    Hallo,


    das ist für mich ein schwieriges Thema. Ich würde in diese Ausstellung gehen, ja.


    Ich habe mit 10 Jahren meinen kleinen Neffen gesehen der mit 20 Monaten plötzlich gestorben ist. Er sah friedlich aus - aber er, der weißblond war - sah auf einmal für mich richtig dunkelhaarig aus. Es hat mich erschreckt aber irgendwie war es für mich auch ok. Er ist so plötzlich gestorben - meine Schwester fand ihn morgens tot im Bettchen - dass ich sonst wohl nie kapiert hätte das er wirklich tot ist.


    Mein Vater starb als ich 13 war. Ich war gerade von meinen Eltern gegen meinen Willen auf eine Ferienfahrt geschickt worden. Und auf einmal stand meine Schwester vor mir und meinte "Vater ist gestorben".


    Er war ein Pflegefall, schon vorher. Schon vorher immer wieder fast gestorben - wir haben schon ganze Nächte auf der Intensivstation verbracht weil er auf der Kippe stand.


    Das ich die Einzige war, die ihn nicht mehr hat sehen können, war für mich immer schlimm - aber einer meiner Brüder meinte dann zu mir als ich das mal sagte, ich solle froh sein, dass ich das nicht gesehen hätte...


    Hm... nach den vielen Beschreibungen hier wie erschreckend ihr Angehöriger ausgesehen hat nach dem Tod, hatte er vielleicht doch recht.


    Doch so habe ich mich ausgeschlossen gefühlt, im wahrsten Sinne des Wortes meilenweit entfernt von meiner Familie.


    Und dieses Gefühl hat sich irgendwie danach nie wieder so richtig aufgelöst.

    ich habe mir eure beiträge alle durchgelesen und bin echt beeindruckt. ich selbst habe bisher zum glück noch niemanden aus meiner familie verloren. aber wie viele von euch damit umgehen, finde ich wirklich toll. wo ist denn diese ausstellung? ich würde mich gern mehr mit dem thema befassen. beim lesen eben kam ich ins grübeln und dachte nur, ich hoffe mein sohn ist erwachsen wenn ich gehen muss.. der bekannte meiner oma ist geschieden und 56 jahre alt. er hat 2 kinder (8 und 10 jahre alt) und die mutter liegt mit streukrebs im hospiz (sie ist 42) und seit ich das weiß, denke ich die ganze zeit, diese armen kleinen kinder werden sehr bald schon ihre mutter verlieren und ich könnte heulen.. der vater kann die kinder nicht mal zu sich nehmen, wegen krankheit. das heißt sie kommen in eine pflegefamilie oder ins heim. und der kloß in meinem hals, schnürt mir die luft ab. mein mann hat seine mutter auch verloren als er 10 war. ich weiß ja das sterben dazu gehört, aber mir tun die ganzen kinder so leid, die ohne mutter aufwachsen müssen :°( :°( :°(


    in gedenken an eure verstorbenen, die mütter & kinder und allen anderen :°( :)- :)- :)- :)- :)-

    Ich hab das Glück in der Familie noch keine Todesfälle erlebt haben zu müssen. *aufholzklopf*


    Und hatte bis letztes Jahr auch eigentlich mehr Angst einen toten Menschen zu sehen.


    Studienbedingt musst ich das aber im Herbst dann, und mittlerweile ist der Anblick für mich ertragbar geworden.


    Gewöhnen werd ich mich trotzdem nie dran, und ich bin mir sicher das es nochmal ganz was anderes ist seine eigenen Angehörigen so zu sehen, als jetzt einen Fremden, bzw. diese Person erst nach ihrem Tod das erste Mal zu sehen.


    Ich finde man kann schon auf den Bildern von dem vorausgehenden Link gut erkennen, wie sich der Mensch nach dem Tod verändert, und das bei seinen Angehörigen zu sehen ist sicher nochmal ein Schock. Sagt einem ja selten jemand, geschweige denn das man es in diesem Moment glauben würde.


    Aber ich finde es mutig von diesen Menschen sich für sowas zur Verfügung zu stellen, und somit uns allen das Thema Tod ein bisschen näher zu bringen, auf eine nicht ganz so schockierende Art. :)^

    Zitat

    Ich glaube, ich hätte da auch hin sollen, im Nachhinein.

    Vielleicht, ja.


    Vielleicht war es aber auch genau richtig so. Ich glaube, manchmal ist es ganz gut, sich selbst zu vertrauen. Es klingt wunderschön und sehr besonders, wie du die Stunden nach dem Tod deines Opas beschreibst. Mir z.B. wäre das so aber vermutlich zu viel gewesen. Ich kann gar nicht benennen, warum, denn die Vorstellung, dass sich viele Menschen in seinem Haus versammelten, miteinander und jeder für sich Abschied nahmen, berührt mich und gefällt mir wirklich sehr. Es ist nur mein Gefühl, das mir sagt: so könnte ich das nicht.


    Wenn es sich für dich so (oder ähnlich) angefühlt hat, ist das okay.

    Zitat

    Der Abschied ist leichter gefallen.

    gp56, das hört sich gut an und macht mich für deine Familie und dich froh.


    Für mich war es anders. Ich bin glücklich, dass ich währenddessen und danach da war und möchte diese Stunden bestimmt nicht missen. Dennoch hinterließ diese gewaltige Flut an Eindrücken und Empfindungen tiefe Spuren in mir, die sehr intensiv nachwirkten. Mir ist diese Erfahrung sehr kostbar und wertvoll, ohne hätte mir wahrscheinlich etwas gefehlt – doch leichter hat es das alles wirklich nicht gemacht.

    @ Aeessa

    Zitat

    Doch so habe ich mich ausgeschlossen gefühlt, im wahrsten Sinne des Wortes meilenweit entfernt von meiner Familie.


    Und dieses Gefühl hat sich irgendwie danach nie wieder so richtig aufgelöst.

    das tut mir wirklich leid, daß du ihn nicht mehr sehen konntest und auch wenn dein bruder dir sagt, es sei besser so, ich kann mir vorstellen, daß du dieses gefühl nie richtig los wirst. auch wenn es kein trost ist, vllt ist es wirklich besser so, denn du warst noch ein kind und ich glaube als kind steckt man so einen anblick noch schlechter weg als ein erwachsener mensch.


    auch wenn ein vesrtorbener friedlich und entspannt aussieht, es ist ja alleine schon die hautfarbe, die finger usw. was sehr verändert ist u ich denke mal das ist immer für ein kind ein schockierender anblick. so mancher erwachsener kommt damit schon nicht klar.


    aber das ändert ja nichts daran, daß du dich ausgeschlossen gefühlt hast. kein schönes gefühl :°_

    Zitat

    Mein Vater starb als ich 13 war. Ich war gerade von meinen Eltern gegen meinen Willen auf eine Ferienfahrt geschickt worden.

    haben deine eltern dich vllt. ganz bewußt auf diese ferienfahrt geschickt, da sie wußten, daß dein vater soweit ist?


    :)* :)* :)*


    auch daß dein neffe so früh verstorben ist, tut mir sehr leid. sowas gönnt man wirklich niemandem, daß eine mutter morgens ihr kind tot im bettchen findet.


    einer meiner brüder ist mit 11 monaten plötzlich verstorben, lag auch morgens tot im bettchen. ich kannte ihn nicht, da er 4 jahre vor mir geboren wurde. ich weiß nur aus erzählungen der familie, daß meine mutter sich davon nie wieder erholt hat. auch sie starb sehr früh mit 33 jahren.


    leider wurde in unserer famile nie darüber gesprochen, bis heute nicht.

    Zitat

    das tut mir wirklich leid, daß du ihn nicht mehr sehen konntest und auch wenn dein bruder dir sagt, es sei besser so, ich kann mir vorstellen, daß du dieses gefühl nie richtig los wirst. auch wenn es kein trost ist, vllt ist es wirklich besser so, denn du warst noch ein kind und ich glaube als kind steckt man so einen anblick noch schlechter weg als ein erwachsener mensch.

    Weißt Du was das Komische ist? - ich habe Verwandte die damals den Anblick des Kleinkindes nicht verkraftet haben.


    Ich dagegen bin damit gut umgegangen, sehr gut sogar.


    Ich denke, gerade weil ich als Kind da noch sehr unvoreingenommen reingegangen bin... und weil er tatsächlich sehr friedlich aussah.


    Aber eine meiner Schwestern (nicht die Mutter!) ist darüber nie weggekommen. Die andere Schwester, die Kindsmutter hat sogar mal zu mir gesagt, sie habe das Gefühl unsere Schwester habe den Tod unseres Neffen weniger gut verkraftet als sie als seine Mama!!!


    Und ja, ich erinnere mich daran, das die Schwester die das bis jetzt nicht verkraftet hat, dann davon abhalten wollte, reinzugehen in die Kapelle... Sie hat es tatsächlich nicht verkraftet, ich sehr gut...


    Es ist denke ich mehr Typsache als eine Angelegenheit des Alters...

    Zitat

    auch wenn ein vesrtorbener friedlich und entspannt aussieht, es ist ja alleine schon die hautfarbe, die finger usw. was sehr verändert ist u ich denke mal das ist immer für ein kind ein schockierender anblick. so mancher erwachsener kommt damit schon nicht klar.

    Den "Vorteil" den ich damals hatte, war, dass ich viele Leute zum Reden hatte. Wenn mich was erschreckt hat - wie die auf einmal so dunkel wirkende Haarfarbe - habe ich das gesagt, meine Mutter hat mir zugehört und mich beruhigt.


    Während das Erwachsene eben meistens eher mit sich selbst abmachen oder das höchstens mal dem Partner erzählen, wenn der existiert. Aber ich glaube ehrlich, das Kinder manchmal Dinge besser verkraften einfach *weil* sie als Kinder sich noch sehr von den Eltern auffangen lassen in solchen Situationen.


    Ich weiß noch das ich damals schon gemerkt habe "eigentlich will meine Schwester nicht in diese Kapelle, und würde sich viel lieber draußen um mich kümmern - einfach weil sie dann einen logischen Grund gehabt hätte nicht reinzugehen...

    Zitat

    aber das ändert ja nichts daran, daß du dich ausgeschlossen gefühlt hast. kein schönes gefühl :°_

    Nein, und vor allem hat sich das festgefressen. Und verstärkt als ich merkte, das mich alle übersehen haben - alle haben meine Mutter getröstet, und mich höchstens mal ermahnt meine Mutter nicht zu belasten. Das ich auch nur ein Kind von 13 war hat damals kaum einer realisiert.


    Einer meiner Brüder hat mich als wir längst erwachsen waren mal gefragt, wie alt ich damals gewesen sei, ich könne ja noch gar nicht erwachsen gewesen sein...


    Seine Tochter war da in dem Alter und er hat mich angeguckt als hätte er mich noch nie gesehen. Ich glaube erst da wurde ihm bewusst das ich wirklich eine Halbwaise war mit 13 und eben noch kein "fast Erwachsener"....


    Meine sieben Geschwister waren alle schon längst erwachsen, hatten größtenteils selbst schon Kinder. Da war ich einfach außen vor und höchstens noch die Belastung meiner Mutter - bei aller Liebe die sie mir gegeben hat, das war meine Empfindung: wenn ich nicht glatt laufe, bin ich eine Last und tue etwas furchtbar Schlimmes.

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    haben deine eltern dich vllt. ganz bewußt auf diese ferienfahrt geschickt, da sie wußten, daß dein vater soweit ist?


    :)* :)* :)*

    Nein, es ging seit Monaten so. Er starb alle paar Wochen fast, immer wieder. Es war schon fast "normal" für uns.


    Das er auf einmal dann wirklich einfach "weg" war... wo unser Leben sich doch fast nur noch auf der Intensivstation abgespielt hat... Es war dann als wäre auf einmal der Mittelpunkt der Welt weg um den sich doch alles vorher gedreht hat.

    Zitat

    auch daß dein neffe so früh verstorben ist, tut mir sehr leid. sowas gönnt man wirklich niemandem, daß eine mutter morgens ihr kind tot im bettchen findet.

    Erst jetzt wo ich selbst Mutter bin kann ich auch nur anfangen zu erahnen was in meiner Schwester vorgegangen sein muss... und das auch noch ein paar Tage nach Weihnachten... völlig ohne Ankündigung.


    Und es war nicht das erste Kind das sie verloren hat - sie hat noch einen Sohn verloren der als Frühchen zur Welt kam und nur zwei Wochen gelebt hat.


    Von ihren vier Kindern sind nur zwei großgeworden und ich finde es unglaublich, dass sie so eine starke Frau geblieben ist. So ungebrochen. Und das obwohl sie ihre Kinder so unglaublich geliebt hat bzw liebt.


    Ich kenne keinen stärkeren Menschen!!! Und sogar die Ehe hat das überlebt... ein Psychologe hat mal zu ihnen gesagt, statistisch gesehen gäbe es sie gar nicht. Denn die Hälfte aller Ehen zerbrechen wohl nach dem Tod eines Kindes...

    Zitat

    einer meiner brüder ist mit 11 monaten plötzlich verstorben, lag auch morgens tot im bettchen. ich kannte ihn nicht, da er 4 jahre vor mir geboren wurde. ich weiß nur aus erzählungen der familie, daß meine mutter sich davon nie wieder erholt hat. auch sie starb sehr früh mit 33 jahren.

    Au man, das ist ja schlimm... Dann bist Du auch Halbwaise gewesen?


    Es tut mir echt leid für Dich und Deine Familie...

    Zitat

    leider wurde in unserer famile nie darüber gesprochen, bis heute nicht.

    Es mag daran liegen, das ich aus einem Pastorenhaushalt komme, aber das war zum Glück nie ein Problem.


    Das Problem war eher , das meine Mutter total aus der Bahn war und sich jahrelang alles darum gedreht hat... Ich habe einfach nicht mehr "funktioniert". Für mich war die Welt doch zu Ende, zumal meine Mutter auch so redete "mich gibt es ja auch nicht mehr lange"


    Ich habe dann neurologische Probleme bekommen und Depressionen, die ich bis heute nicht mehr losgeworden bin.


    Tja... ich hoffe nur , mein Sohn wird es besser verkraften wenn seine Oma stirbt.

    Ich denke, ich würde ich die Ausstellung gehen. Ich finde das Thema sehr interessant. Bei uns ist der Tod ansich aber auch tägliches Thema, da mein Mann Bestatter ist. Von daher ist es weder für uns, noch für unsere Kinder ein Tabu-Thema.


    Und ich als Arzthelferin habe natürlich auch immer wieder Patienten die versterben.


    Aber ganz klar ist es etwas anderes, wenn ein Familienangehöriger oder guter Freund stirbt. Ob vorbereitet oder nicht, wie man dann in der Situation reagiert kann man nie wissen. Was ich gelernt habe ist, dass es beim Trauern kein richtig oder falsch gibt, ebenso wenig beim Thema abschied nehmen ja oder nein.


    Jeder muss für sich selber den Weg finden der es einem ermöglicht es zu verarbeiten.

    Ich habe damals mit 14 Jahren meine Oma tot aufgefunden.


    Kurze Zeit vorher hat sie noch mit mit geschimpft und 15min später lag sie tot bei ihren Kaninchen im Stall.


    Das Bild wie sie in der stabilen Seitenlage vor dem Stall lag, werde ich nie vergessen, denn ich mußte damals nochmal raus, da die Arztpraxis angerufen hatte, das der Arzt unterwegs sei.


    Das alles ist diesen Juni 27 Jahre her, aber das Bild habe ich noch heute vor Augen.


    Meinen Vater habe ich im März nicht mehr gesehen und inzwischen glaube ich, dass jetzt für mich einfacher wäre, wenn ich ihn im Krankenhaus noch gesehen und mich hätte verabschieden können.


    Ich habe zwar seine Urne gesehen, aber glauben dass er tot ist, kann ich noch immer nicht.


    Trotzdem bin ich auf der anderen Seite froh, dass ich ihn nicht mehr gesehen habe, denn so sehe ich ihn vor mir, wie er war, als er noch lebte.


    Aber ich glaube ganz fest daran, dass es ihm jetzt gut geht und er wieder mit seinen Eltern vereint ist und sie gemeinsam auf uns aufpassen und wenn meine Zeit gekommen ist, dass sie mich dann abholen.


    Ob ich mir allerdings so eine Ausstellung ansehen würde, glaube ich nicht, denn auch wenn ich diese Menschen nicht persönlich gekannt habe, würde es mich sehr mitnehmen, vorallem wenn es Bilder von Kindern oder jungen Menschen zu sehen gibt.


    VG

    Zitat

    Au man, das ist ja schlimm... Dann bist Du auch Halbwaise gewesen?


    Es tut mir echt leid für Dich und Deine Familie...

    danke @:) @:)


    ja ich bin ohne mutter groß geworden, als sie verstarb war ich 5. meine oma hat uns dann groß gezogen, bis mein vater wieder geheiratet hat, und sie hat es bis dahin wirklich sehr gut gemacht (bis zum schluß war meine oma der wichtigste mensch in meinem leben) aber trotzdem fehlte meine mutter immer. bis heute. so eine lücke kann niemand schließen, egal wieviel müher er sich gibt.


    der tod meiner mutter hat unsere komplette familie gespalten und die ganzen jahre danach geprägt, wir wurden nie wieder eine richtige familie und werden es nie wieder sein, denn verlorene jahre kann man leider nicht zurückholen.


    ich persönlich würde mich immer wieder von einem verstorbenen angehörigen verabschieden.


    ich kann nur jedem kind wünschen, daß es mit seiner mutter groß werden darf (wünschenswert ist natürlich mit beiden eltern, in einer intakten familie!) denn ich denke eine fehlende mutter prägt das ganze leben, auch wenn ich nicht weiß wie sich das anfühlt mit mutter groß zu werden, weiß ich, daß es mir immer gefehlt hat u mir das bis zum rest meines leben auch fehlen wird.

    @ gp56

    Deine geschilderte Situation mit deinem schwiegervater finde ich sehr schön. ihr habt euch intensiv von ihm verabschiedet, und die gemeinsame trauerbewältigung in der familie macht es vllt auch füpr jeden einzelnen etwas erträglicher. finde ich toll, daß es familien gibt, die den tod nicht als tabuthema sehen sondern diesen weg gemeinsam beschreiten! :)* :)* :)*

    @ snowwitch

    Zitat

    aber man kennt das ja, wenns ums Erben geht.

    sowas gibt es leider immer wieder. als meine oma damals verstarb, rückte am nächsten tag die halbe sippe an (die sich aber die letzten jahre, als sie dement war einen dreck um sie gekümmert haben) und haben die halbe bude leer geräumt. seit dem tag von den lieben verwandten auch nie wieder was gehört.... und das von ihren eigenen kindern....