Trauerrituale gibt es in allen Kulturen. Sie haben eine lange Tradition, weil sie Sinn machen! Sie bieten das Recht traurig zu sein und die Mögichkeit Abschied zu nehmen, aber auch, sich dem Tod zu stellen.


    Leider gehen diese Rituale verloren. Es ist doch verrückt, dass wir in den Medien permenent mit Tod konfrontiert sind, aber im Leben verdrängen. Ich habe schon mitbekommen, wie einer Witwe nach vier Wochen gesagt wurde "Lass dich doch nicht so hängen, das Leben geht doch weiter" Ich finde das absolut herzlos. Die 3 Tage Aufbahren, 6 Wochen Seelenamt, 1 Jahresgedenken machen Sinn, um den Tod zu verarbeiten.


    Ich habe von mehreren Leuten gehört, wie wichtig es für sie war, am Totenbett zu sitzen oder den offenen Sarg zu sehen. Man kann es nie wieder nachholen, wenn man die Chance verpasst. Dies aus Angst nicht zu tun, halte ich für einen Fehler.

    als mein opa dieses jahr gestorben ist, bin ich weder zum sarg noch zur beerdigung und ich bereue es nicht eine sekunde. ich habe mein opi so in erinnerung behalten wie er zu lebzeiten war. da ich mit trauer nicht zurecht komme bin ich auch nicht zur beerdigung, habe im stillen getrauert.

    auch ich habe mich am offenen Grab von meiner Lieblingsoma verabschiedet. Bei mir hatte dies zweilei Hintergründe. Zum einen fand ich es persönlich wichtig, mich zu verabschieden wobei es für mich - das ist dann auch gleich der zweite Hintergrund - nur eine Hülle war, die dort lag. Für mich ist der Tod keine Endgültigkeit sondern ein weiterer Schritt in die nächste Ebene. Daher wollte ich für mich wissen, ob ich etwas feststellen kann. Feststellen konnte ich bei meiner Oma einen sehr friedlichen Eindruck, als wäre sie froh, die nächste Station endlich erreicht zu haben.

    Ich bin auch zum offenen Sarg gegangen als meine geliebte Oma vor einem Monat gestorben ist...


    Aber ich hab mich auch lange mit der Frage beschäftigt, ob ichs mache oder nicht.


    Bei mir war letztendlich der Grund wieso ich hingegangen bin, dass sie vorher 2 Monate im Krankenhaus lag und die restlichen Tage nur noch auf der Intensivstation, so verkabelt und so klein in diesem riesigem Bett. Außerdem war ich dabei als sie bereits im sterben lag und es war einfach nur schrecklich das mitanzusehen wie sehr so ein Mensch sich quält das Leben zu verlassen....


    von daher wollte ich sie nocheinmal ohne all deise Geräte und Kabel sehen.


    Ich bereue die Entscheidung auch nicht, obwohl ich ziemlich oft daran denken muss wie sie da lag, einerseits stimmt es schon, dass sie völlig anders aussah, wie eine Puppe. Aber andererseits auch einfach so wie sie war....