Partner nach Tod der Mutter gefühlskalt

    Hallo zusammen,


    Vor 2 Tagen ist die Mutter meines Freundes mit dem ich 2 Monate zusammen bin plötzlich und unerwartet gestorben. Sie war noch sehr jung (54) Er wohnte mit ihr alleine in einer Wohnung die Eltern sind getrennt.


    Seitdem ist er wie ausgewechselt. Er will nicht mehr telefonieren schreibt kaum noch und zieht sich komplett von mir zurück. Wir führen eine fernbeziehung und sehen uns nicht so oft.


    Er schreibt mir zwar morgens noch : morgen mein Schatz ich liebe dich , das war’s dann aber auch schon ich vermute er macht das nur um mich nicht zu verletzen. Aber es geht nicht um meine Bedürfnisse sondern an erster Stelle steht jetzt die Trauer.


    Ich hab Verständnis dass er seine Ruhe braucht will aber einfach nur für ihn da sein.


    Sollte ich ihn fragen ob wir uns am Wochenende sehen sollen bzw. ob das eine Ablenkung für ihn wäre? oder wäre das zu aufdringlich? Wie soll ich mich ihm gegenüber verhalten? Soll ich mit ansehen wie er sich mehr und mehr zurückzieht?

  • 45 Antworten

    Es sind 2 Tage!!! Lass ihn erst mal seine Ruhe! Von mehr und mehr zurückziehen kannst du nach Monaten, von mir aus nach Wochen sprechen, aber nicht nach 2 Tagen!


    Er meldet sich, denkt an dich, ansonsten lass ihn selbst mal mit sich klar kommen. Du kannst ja sagen/schreiben: wenn du mal raus willst, ich bin da, zum Reden oder zum Frust raus schreien,... Mehr fände ich im Moment extrem übergriffig.

    Na ja, die Mutter ist erst vor zwei Tagen gestorben. Da ist die Trauer noch ganz frisch, vor allem wenn sie unerwartet und plötzlich gestorben ist und er sie zudem noch leblos aufgefunden hat vermutlich inkl. Polizei, Notartz usw. Das er sich nun "mehr und mehr zurückzieht" sehe ich noch nicht. Für ihn und sein gewohntes Leben ist das eine riesige Veränderung, die er erstmal verarbeiten und akzeptieren muss. Es ist gut das du dich um ihn kümmern willst, aber manchmal ist weniger einfach mehr. Und wenn er jetzt einfach niemanden um sich haben will, solltest du das akzeptieren.


    Sich weniger als eine Woche nach dem Tod der Mutter wieder freudestrahlend mit der Freundin zu treffen, so als wäre nichts passiert, würde ich auch nicht wollen. Dazu bist du dank Fernbeziehung und erst zwei Monaten Beziehung noch zu wenig Teil seines Alltags zu Hause.


    Gib ihm die Zeit die er braucht. Mindestens bis nach der Beerdigung, an der du sicher auch teilnehmen wirst. Spätestens dort werdet ihr euch sehen und dann ist vielleicht auch Zeit und Ruhe wieder mehr miteinander zu reden.


    Aktuell würde ich ihn erstmal in Ruhe lassen und dränge dich keinesfalls auf, solange er nicht aktiv auf dich zukommt.

    Vielen Dank für die Antworten


    Ich bin ein wenig überfordert mit der Situation hab sowas noch nie erlebt.


    Bei der Beerdigung bin ich nicht dabei da ich seine Mutter und auch den Rest auch nicht kannte Bzw kenne da würde ich mich fehl am Platz fühlen.


    Wir haben vor dem Tod täglich mehrere Stunden geschrieben deshalb hab ich zurückziehen geschrieben

    Frag ihn, was er möchte. Möchte er Ruhe? Möchte er mit dir telefonieren? Möchte er dich bei sich haben? Jeder geht mit Trauer anders um. Auch darfst du nicht vergessen, dass er nun auch vieles organisieren muss und da oft nicht ausreichend Platz für die Trauer ist.


    Frag ihn auch, ob er dich bei der Beerdigung dabei haben möchte. Egal, ob du den Rest kennst, das ist nachrangig.

    Soll ich ihm denn trotzdem ab und zu schreiben oder soll ich warten bis er auf mich zukommt? Er will mich heute Abend anrufen ich werde ihn sagen dass ich überfordert bin und nicht weiß was er möchte

    Wobei man nach zwei Tagen vielleicht noch gar nicht von Trauer sprechen kann. Offenbar kam es plötzlich und unerwartet, womöglich ist der Freund einfach ziemlich geschockt und zugleich erschlagen von diversem Organisationskram, der anfällt.


    Ich finde es gut, Beistand und Unterstützung anzubieten, gerne auch vorzuschlagen zu ihm zu fahren, aber sich im Hintergrund zu halten, wenn er das nicht möchte. Vertrau darauf, dass er auf dich zukommt, wenn ihm danach ist.

    Ich glaube ich würde ihn einfach fragen ob er möchte, dass du am Wochenende kommst. Du aber volles Verständnis hast wenn er alleine sein möchte. Mach ihm deutlich, dass du jederzeit für ihn da bist, aber auch nicht sauer bist wenn er sich erstmal zurück zieht.


    Ist halt schwierig, da was anderes zu raten. Jeder geht anders mit Trauer um

    Zitat

    Ich bin ein wenig überfordert mit der Situation hab sowas noch nie erlebt.

    Dein Freund steht unter Schock, so einen Verlust muss man erst einmal verdauen. Und es ist völlig normal, dass man als Außenstehender sich fragt, wie man damit umgehen soll.


    Die nächste Zeit wird dein Freund andere Dinge im Kopf haben. Die Trauerzeit kommt erst noch. Aktuell wird es einen dominierenden Gedanken geben, und der bist nicht du.


    Ich kann dir nur raten, jetzt sehr sensibel vorzugehen. Ihn nicht zutexten mit guten Ratschlägen und Bedauerungen, sondern es reicht, wenn du ein Ohr für ihn hast. Frag ihn einfach, ob er am Wochenende Zeit für sich braucht oder ob du kommen sollst. Und dann horche ganz dezent in ihn rein, was er für Bedürfnisse hast. Er soll die Dosis bestimmen, wieviel er mit dir macht und in welchen Situationen er dich gerne bei sich hätte.


    Auch wenn du betonst, dass es um ihn gehen soll, klingt dein Beitrag ein bisschen egoistisch, als hättest du nicht genug Beachtung. Nach 2 Tagen gibt es keinen Grund, sich über die geringe Kommunikation Gedanken zu machen. Nach 2 Wochen auch noch nicht. Rechne damit, dass er noch 2 Monate lang zumindest ein bisschen anders sein wird. Wenn du selbst mal nahestehende Menschen verloren hast, wirst du verstehen, was dann in einem vorgeht.

    Vielen Dank Comran


    Ich will mir hier Rat holen, da ich ihn nicht überfordern will. Da ich noch nie einen lieben Menschen verloren habe und bei der Mama ist das nochmal extremer und nichts falsch machen möchte hab ich hier ins Forum geschrieben.

    Jeder hat andere Bedürfnisse wenn es um die Schockstarre nach so einem Erlebnis geht oder aber um die Trauerphase danach.


    Ich persönlich brauche in solchen Zeiten Halt und Liebe und möchte bekümmert werden, liege aber auch regungslos für ein paar Tage nur rum. Ich will aber keinesfalls Mitleid, damit kann ich in der Situation nicht umgehen.


    Dann in der Trauerphase will ich sprechen und mich austauschen, plappere fast schon wie es für andere unangebracht erscheint und breche dann auch wieder in Tränen aus, aber für mich ist das Trauer. Ich kann so verarbeiten.


    Andere haben ganz gegenteilige Bedürfnisse, die wollen ihre Ruhe, wollen für sich sein, können und wollen nicht darüber sprechen etc.


    Dass du dich hilflos fühlst, das verstehe ich, aber das musst du aktuell runterschlucken. Ich würde den Partner fragen was er möchte und darauf dann reagieren. Also anbieten dass du für ihn da bist, wenn er das möchte, fragen ob du dich regelmäßig melden sollst, oder nicht. Auch sagen, dass er jederzeit Bescheid geben kann, wenn er sich umentscheidet (wenn du ihm zu viel gibst, oder zu wenig) ohne dass du diese Entscheidung auf dich beziehst oder hinterfragst.

    Zitat

    Bei der Beerdigung bin ich nicht dabei da ich seine Mutter und auch den Rest auch nicht kannte Bzw kenne da würde ich mich fehl am Platz fühlen.

    Ist das deine Aussage, oder will dein Freund das so?


    Weil als meine Schwester starb (27 Jahre alt gewesen), ist meine damalige Beziehung unter andrem daran zerbrochen, dass ich das Gefühl hatte, meinen damaligen Freund schert es nicht, wie es mir geht. Er hat mich nicht gefragt, ob er mir beistehen soll bei der Beerdigung (einfach nur seelische Unterstützung...jemand, an dem man sich festhalten kann...), noch wie es mir überhaupt geht damit. Auch Monate später nicht.


    Deswegen wäre mein Vorschlag wohl, da ihr heute Abend telefoniert, ihn zu fragen, ob du ihn irgendwie unterstützen kannst und ob er sich von dir wünscht, dass du ihm bei der Beerdigung beistehst.


    Natürlich kann seine Antwort genausogut sein, dass er dich nicht dabei haben will, weil du sie nicht kanntest, aber dann hast du eben eine klare Antwort, was er momentan brauch.


    Die Bedürfnisse von Familienmitgliedern nach dem Tod eines engen Angehörigen, können ganz verschieden sein. Meine Eltern waren viel beim bestatter um alles zu regeln, es musste ein Sarg, ein Grabstein und sonstwas ausgesucht werden. Ich suchte die Musik aus und half wo es ging. Erst nach bei/nach der Beerdigung hat es mich richtig arg gepackt...als ich dann nicht mehr auf Beruhigungsmitteln war. (Ich sage nicht, dass er das ist, aber auch das ist eine durchaus wahrscheinliche Möglichkeit. Dass er von seinem Hausarzt etwas zur Beruhigung bekommen hat und deswegen auch etwas "kälter" wirkt. Vermutlich hat er aber einfach auch nur den Kopf voll mit Dingen, die zu organisieren sind. Mit der Beerdigung und dem Totenschein ists leider nicht getan. Man muss diverse Leute anschreiben um Versicherungen etc zu kündigen, dann muss er nun die Wohnung umorganisieren usw usf.)


    Ich war sehr froh, dass 2 meiner besten Freundinnen bei der Beerdigung bei mir waren. Sie waren mir eine große Stütze.


    Ich kann mich an nicht viel von diesem Tag erinnern, aber an das schon.


    Ich kann mich auch kaum an die 2 Wochen vor der Beerdigung erinnern. Wie aus meinem Gedächnis ausgelöscht.


    Ich kann mich nur daran erinnern, wieviel ich geweint habe und alles so unreal war. Dass ich sie nie mehr wieder sehen würde. Ich hätte über so vieles reden wollen, hätte mich an meinem Freund festhalten wollen...und er war einfach nicht da.


    Ich kenne aber auch das Gegenteil. Als die Oma meines Freundes starb, wollte er nicht darüber reden. Er hat auch nicht geweint. Ich habe ihm damals gesagt, wenn er darüber reden will, bin ich da, egal wann.


    Menschen gehen sehr sehr unterschiedlich mit dem Tod um, man muss sie fragen um zu erfahren, wie sie es gerne hätten.

    Hallo ihr lieben,


    Erstmal vielen Dank für eure zahlreichen antworten.


    WIr haben gestern ganz kurz (9 Minuten) telefoniert es ging mir so nahe dass ich weinen musste. Er hat mir sehr kurz darüber gesprochen. Er will dass wir uns weiterhin sms schicken wie gehabt damit komm ich nicht ganz klar ich kann doch nicht so tun als wäre nix gewesen.


    Über das Thema Beerdigung hat er kein Wort gesprochen. Am Samstag wollen wir uns treffen hab gesagt dass ich gerne das Wochenende mit ihm verbringen würde er hat mir dann nur gesagt dass er am Sonntag vielleicht zu deinem Opa geht


    Ich weiß nicht ob es seine Art zu trauern ist...

    Hi,


    Ja das ist wohl seine Art zu trauern. Wobei nach 2 oder 3 Tagen von Trauer zu sprechen noch viel zu früh ist.


    Die richtige Trauerphase geht meist erst nach der Beerdigung los, wenn man sich loslösen kann vom Stress der Organisation usw. Die Zeit davor ist wie ein Film.


    Als mein Vater vor gut drei Jahren gestorben ist, waren wir zwei Wochen total angespannt, hier du da gab es etwas, man hat sich gegenseitig unterstützt. Es war damals in der Adventszeit,, überall war weihnachtliche Stimmung. Die für mich irgendwie gar nicht da war. Die ich jetzt immer noch nicht brauche, fühlt sich falsch an.


    Und jeder geht mit einer solchen Situation anders um. Ich war einerseits froh wenn ich Zeit für mich hatte, konnte es aber gar nicht leiden wenn mir einer (meistens die, die das selbst noch nicht erlebt haben) versucht hat Tipps zu geben, von wegen die Zeit heilt. Nein tut sie nicht. Sie schwächt nur ab.


    Was ich sagen will: lass ihm Zeit. Wenn ihr euch dann trefft dann wird er dir sicher sagen wie es ihm geht oder was er sich wünscht.