Seit der Beerdigung der Schwester ist er völlig verändert

    Hallo ihr Lieben,


    ich habe seit einigen Wochen ein großes Problem, mit dem mir keiner helfen kann.


    Ich habe jemanden Mitte Oktober kennengelernt. Alles war immer toll und lief immer besser. Wir haben soviel Zeit wie es ging miteinander verbracht. Und waren einfach nur glücklich wenn wir zusammen sein konnten. Es gab nie Streit bei uns. Alles war harmonisch. Ich würde ihn jedoch noch nicht als "meinen Freund" bezeichnen.


    Anfang Januar starb seine Schwester plötzlich mit 31 Jahren und hinterließ einen Mann mit zwei Kindern und ein neu gebautes Haus. Wir hatten uns seit dem Tod dann zwei Wochen nicht gesehen, da er bei seiner Familie war. Kontakt bestand aber immer. Und er freute sich, dass er mich dann bald wiedersah. Ich hab ihm während der Zeit immer wieder gesagt, dass ich für ihn da bin, egal wann und wo. Mich hatte die Sache auch sehr, sehr doll mitgenommen.


    Nach dem Tag der Beerdigung war er völlig anders. Das war auch der erste Tag an dem wir uns wiedersahen.


    Er meldete sich nicht mehr von selbst, wenn ich ihm nicht schrieb. Wir sahen uns die ganze Woche nicht. Er war stattdessen lieber mit Kumpels unterwegs. Ich meinte dann, wenn er Zeit für mich hat, sollten wir uns mal treffen, wir müssen mal reden. Als ich ihm schrieb, dass ich das Gefühl habe, er ist seit der Beerdigung anders und meine Nähe würde ihm im Moment nicht gut tun, sagte er "Also deine Nähe wäre ok. Und ich bin nicht komisch".


    Er sagte dann auch wieder, er hat am WE dann auch keine Zeit, es wäre Fussball. Ich lies ihn dann wieder eine Woche in Ruhe und fragte jetzt am Sonntag nochmal nach, ob wir uns nicht mal treffen können. Er antwortete wieder "Heute hab ich keine Zeit, tut mir leid".


    Ich weiß einfach nicht was los ist. Ich hab ihm zuvor immer wieder Hilfe angeboten, dass er vorbeikommen kann, sich melden kann und ich immer für ihn da bin. Er hat bisher nichts davon angenommen. Der Tod ist jetzt einen Monat her. Ich verstehe auch nicht, warum er nicht einfach nur sagt, er brauche jetzt Zeit für sich und möchte lieber seine Ruhe. Da kommt gar nichts. Mit seinen Freunden trifft er sich ja auch. Nur mit mir redet er nicht und meldet sich nicht.


    Sind Männer denn so, dass sie in solchen Situationen einfach nicht sagen, was wirklich los ist? Oder liegt das Problem vielleicht woanders?


    Kann mir irgendjemand helfen?! :-(

  • 13 Antworten

    Ich kann mir gut vorstellen das er sich stark abzulenken versucht. Mit den Kumpels ist er unterwegs und steht unter Strom, so auch beim Fußball. Viele Eindrücke = wenig grübeln.


    Der Vergleich ist nicht der Beste, aber denke mal daran was man tut wenn eine Beziehung plötzlich endet: Man trifft sich mit Freunden und sucht nach so viel Input wie möglich. Ruhe kommt einem selbst wie Gift vor, weil man dann über alles nachdenkt was einen belastet.


    Manchmal ist auch die Ruhe mit Partner/Partnerin zu ruhig. Todesfälle ziehen immer eine Schleppe hinter sich her ... insbesondere wenn jemand aus Freundes- oder Familienkreis jung stirbt, stößt man auch unweigerlich an seine eigene Sterblichkeit. Und da reagiert jede(r) anders.


    Nun zu deinem Problem. Es ist schwierig etwas zu raten wenn man denjenigen nicht kennt. Vielleicht meint er es nicht böse und sieht sich in seinem Schmerz gerade mehr - oder er hat Sorge das du für ihn da sein willst. Weil er Ablenkung derzeit mehr braucht als Unterstützung. Vielleicht möchte er gar nicht darüber reden.


    Du hast dich angeboten und damit alles getan, finde ich.


    Einen Rat habe ich nicht so recht. Ich kann dir nur sagen was ist tun würde. Und das wäre ehrlich zu sein und ihm zu schreiben das ich ihn zwar verstehe, mich sein Verhalten mir gegenüber aber auch verletzen würde. Das ich davon ausgehen würde er bräuchte Zeit für sich und ich warten würde bis er sich meldet - aber keinen weiteren Monat. Ich hätte Verständnis, aber eben auch Gefühle.

    Zitat

    aber keinen weiteren Monat. Ich hätte Verständnis, aber eben auch Gefühle.

    Wobei ich mir da so nicht sicher wäre - weil Druck da ja mies sein kann.




    Aber sagen dass es einen verletzt darf man auch in einer solchen Situation. Denn: Das Leben geht ja nunmal weiter und es gibt auch andere Menschen mit Empfindungen.

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    Ja, ich weiß was du meinst. Wahrscheinlich ist er besser abgelenkt, wenn er mit Freunden unterwegs ist. Und dein Beispiel klingt auch verständlich, mit dem Ende einer Beziehung.


    Kann es denn vielleicht auch sein, dass ich ihm in der Sache zuviele Emotionen hatte und er die Nähe zu mir einfach nicht ertragen kann?


    An dem Tag, als wir uns das erste Mal wiedersahen, habe ich ihm keinen Funken Trauer angemerkt. Er war wie immer. Wir haben uns einfach in den Arm genommen, ich habe angefangen zu weinen und war einfach schrecklich traurig. Ich habe ihn dann später gefragt, wie denn nun alles war. Da er sagte, er wird mir alles erzählen. Das hat er dann auch. Ganz kurz und bündig.


    Und am nächsten Tag war dann wie gesagt alles anders...


    Ich mach mir soviele Gedanken über alles. :-(

    Jeder verarbeitet Trauer anders. Aber wenn du schreibst:

    Zitat

    An dem Tag, als wir uns das erste Mal wiedersahen, habe ich ihm keinen Funken Trauer angemerkt. Er war wie immer.

    Dann sagt das nichts über sein Seelenleben aus. Manche verbergen Trauer auch. Manche kanalisieren sie in Wut. Manche lenken sich manisch ab, tanzen vielleicht sogar metaphorisch auf dem Drahtseil des Lebens, weil sich eine Gleichgültigkeit breit macht. So etwas kann passieren, wenn man schlagartig alle Gefühle verliert, weil man Angst hat, dass man unter den Gefühlen zu sehr leidet.


    Und nach deinen Schilderungen scheint es mir so, dass dein Partner von der letzten Sorte ist: möglicherweise hat er wirklich alle Emotionen ganz weit weg verbannt - dazu auch die Zuneigung zu dir. Schließlich bist du ihm auch ein wertvoller Mensch, und nach so einem Verlust sieht man plötzlich alles Wertvolle bedroht. Und wenn man nichts hat, kann man auch nichts mehr verlieren.


    Das muss nicht heißen, dass das so anhält. Das muss auch nicht heißen, dass meine Interpretation die goldrichtige ist. Aber es könnte eine Erklärung sein, die ich persönlich für plausibel halte. Beides gehört zusammen - der Verlust und das Verhalten dir gegenüber.


    Was du da machen kannst, ist schwierig. Eigentlich recht wenig, weil du sein Verhalten nicht ändern kannst. Verständnis für die Situation (unter der oben skizzierten Möglichkeit) natürlich. Genauso wie wenige - aber die richtigen - Worte. Nicht zutexten oder bedrängen. Keine belehrenden Allgemeinplätze, keine wiederholenden Fragen. Das ist alles andere als einfach. Aber Trauer ist eine Ausnahmesituation. Wenn er psychisch abgestürzt ist und sich seine Schutzwelt durch Fußball und Kumpels aufbaut, kann das auch länger dauern. Du musst auch damit rechnen, dass er vielleicht auch gar nicht mehr "der alte" wird.


    Lass ihn sich melden, wenn er Zeit hat. Und sage ihm, dass du dich darauf freuen würdest, dass ihr euch wieder trefft. Und das Ansprechen der o.g. Dinge solltest du bis dahin aufschieben und im echten Leben besprechen, nicht über Telefon, WhatsApp oder sonstwas.


    Ich drücke dir die Daumen, dass du wieder zu ihm durchdringen kannst. Einen Monat Trauer mit allen denkbaren Begleiterscheinungen ist nichts, wenn die Bindung zur Schwester eng war. Ein bisschen Geduld musst du auch einbringen.


    Wünsche euch viel Glück und drücke euch die Daumen, dass in paar Wochen wieder die Sonne scheint und er sich wieder fängt. :)*

    Zitat

    Kann es denn vielleicht auch sein, dass ich ihm in der Sache zuviele Emotionen hatte und er die Nähe zu mir einfach nicht ertragen kann?


    An dem Tag, als wir uns das erste Mal wiedersahen, habe ich ihm keinen Funken Trauer angemerkt. Er war wie immer. Wir haben uns einfach in den Arm genommen, ich habe angefangen zu weinen und war einfach schrecklich traurig. Ich habe ihn dann später gefragt, wie denn nun alles war. Da er sagte, er wird mir alles erzählen. Das hat er dann auch. Ganz kurz und bündig.

    Das könnte sein, aber sicher sagen kann ich es dir nicht.


    Denk da an mein Beispiel. Würde ich dir erzählen mein Freund hätte Schluss gemacht und du würdest weinen - ich würde zwischen 'dich trösten wollen' und 'eigentlich geht es mir scheiße' hängen.


    Das schreibe ich nicht um dir weh zu tun, sondern evt. zum Verständnis. Ob es für ihn so war, weiß ich nicht.


    Du hast auch nichts falsch gemacht. Ich habe solche Erfahrungen (nicht 1 zu 1) leider schon ein paar Mal machen müssen und dadurch gelernt das Schweigen, Bier und Pizza mehr Wert waren als Empathie, Mitleid und große Gefühle.


    Das Helfen damit weiter zu machen und nicht nach zu hängen.


    Comran hat es sehr schön geschrieben. @:)


    Gib ihn nicht auf, aber versuch nicht zu retten oder zu heilen.

    Zitat

    Lass ihn sich melden, wenn er Zeit hat. Und sage ihm, dass du dich darauf freuen würdest, dass ihr euch wieder trefft. Und das Ansprechen der o.g. Dinge solltest du bis dahin aufschieben und im echten Leben besprechen, nicht über Telefon, WhatsApp oder sonstwas.

    Das trifft es. :)z

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    Ich danke euch sehr für eure Antworten!!! Und vieles kann ich jetzt dann doch besser verstehen.


    Ich weiß dass ich Geduld aufbringen muss. Ist es denn oftmals so, dass so etwas erst nach einer Beerdigung auftritt? Die zwei Wochen davor war er nicht so. Alles kam erst genau einen Tag danach. Ich habe einfach keine Erfahrungen in so einer Situation. Und irgendwie auch Angst, dass ich ihn nicht "wiederbekomme".


    Wie lange sollte man ihm denn die Zeit geben sich wieder zu melden? Wochen? Monate?


    Ich meinte vor drei Wochen, dass es besser wäre, wenn wir vorerst keinen Kontakt hätten. Weil ich das Gefühl hatte, ihm nicht gut zu tun. Und wenn er irgendwann mal Zeit hat, dann können wir mal reden. Aber soweit kam es bisher nocht nicht.


    Er ist ein positiver Mensch und hat immer alles genauso gesehen. Nichts schlechtes und sagte immer, dass alles gut wird, wenn es schlecht lief. Und zurückschauen sollte man nicht.

    Das ganze ist gerade mal einen Monat her und kam plötzlich. Das muss man erstmal realisieren und verdauen.


    Ist nicht böse gemeint, aber ich empfinde dich schon in deinen Beschreibungen hier ein wenig anstrengend und fordernd.

    Zitat

    Ist es denn oftmals so, dass so etwas erst nach einer Beerdigung auftritt? Die zwei Wochen davor war er nicht so. Alles kam erst genau einen Tag danach.

    Vielleicht war er da mit der Organisation beschäftigt und hatte keine Zeit, zu begreifen, was da überhaupt passiert ist.

    Zitat

    Wie lange sollte man ihm denn die Zeit geben sich wieder zu melden? Wochen? Monate?

    Wie lange, das kann man nicht pauschal beantworten. Aber Zeit geben "sollen" ist in meinen Augen der falsche Ansatz. Entweder du willst ihm diese Zeit geben und zwar aufrichtig oder eben nicht. Fände ich auch legitim, denn für dich ist es natürlich eine blöde Situation, so mitten im Kennenlernen und der Beziehungsanbahnung in der Luft zu hängen.

    Zitat

    Ich meinte vor drei Wochen, dass es besser wäre, wenn wir vorerst keinen Kontakt hätten. Weil ich das Gefühl hatte, ihm nicht gut zu tun. Und wenn er irgendwann mal Zeit hat, dann können wir mal reden. Aber soweit kam es bisher nocht nicht.

    Klingt für mich wie oben schon angedeutet etwas zickig und auch nicht nach ehrlichem Verständnis für seine Situation. Vielleicht fehlt ihm da auch die Lust sich zu melden oder er hat einfach überhaupt keinen Kopf dafür.


    Wie auch immer, trotz seiner Trauer zählen auch deine Gefühle. Bisher hast du ja offenbar eher festgestellt (Du hast das Gefühl, ihm nicht gut zu tun) und mit ihm eine sehr lose Vereinbarung (wenn er irgendwann mal Zeit hat, könne man ja mal reden) getroffen. Eine Alternative wäre mal mit ihm zu reden und konkreteres zu vereinbaren, denn du scheinst nicht hinter eurer lockeren Verabredung zu stehen. Vielleicht denkt er aber, dir ist es ernst damit, er hat erstmal keinen Druck sich zu melden und nimmt sich grade wirklich ohne schlechtem Gewissen Zeit für sich und seine Familie.


    Aber wenn das für dich nicht passt, sprich es an. Dann kann er auch selbst sagen, wie es ihm geht. Vielleicht hat er grade tatsächlich keinen Kopf für gar nichts und will dich nicht weiter kennenlernen. Vielleicht aber doch, nur ist es grade insgesamt zu viel. Who knows. Aber reden ist immer besser, als so dramatisches Blabla von wegen "Ich tu dir nicht gut, melde dich halt irgendwann mal!", es aber eigentlich gar nicht so zu meinen.

    Zitat

    Ist es denn oftmals so, dass so etwas erst nach einer Beerdigung auftritt?

    Es wäre nicht ungewöhnlich. Vor der Beerdigung steht man meistens noch unter Adrenalin, alles ist wahnsinnig anders und Hirn und Herz laufen auf Hochtouren. Je nach Nähe muss man sich auch um einige praktische Dinge kümmern, für andere Angehörige da sein usw..


    Nach der Beerdigung kommt meistens diese große Leere, wenn das Adrenalin verflogen ist und alles erledigt ist. Viele Trauernde fallen erst dann in ein tiefes Loch.

    Zitat

    Wie lange sollte man ihm denn die Zeit geben sich wieder zu melden? Wochen? Monate?

    Ich sag mal so: solange du bereit bist, ihm Zeit zu geben.


    War dein Angebot vor 3 Wochen wirklich der letzte Kontakt zwischen euch? War es bei ihm auch so angekommen, dass du das für ihn tust und dich nicht aus eigenen Gründen zurückziehst?

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    Hm,


    von mir auf jeden Fall ein herzliches Beileid! :)-


    Ich kann ihn verstehen. Dich aber auch.


    Wie viel Zeit du ihm geben solltest?


    ich will ganz ehrlich sein, "normalerweise" sind erst mal nur Tage, an denen der Schock so tief sitzt, dass man sich nicht auf seine Mitmenschen einlassen kann und seine Ruhe möchte.


    Ich kann auch zu Anfang sein Verhalten verstehen, dass er sich lieber gar nicht mit dir trifft: Denn du bist ja eigentlich was ""schönes"/"Positives". Wenn man dann noch weiß, dass es eine Weile gehen wird, bis man wieder das erste Lächeln im Gesicht hat, kann ich mir vorstellen, dass der Gedanke daran, dir auf anfängliche Dauer ein 3-Tage-Regenwetter-Gesicht zu präsentieren, unschön ist und er dir das nicht zumuten will.


    Aber nach 4 Wochen finde ich, sollte man zumindest über den Schock ein Stückweit hinweg und wieder Empfänglich für sein Umfeld sein.


    Ich will nicht lieblos klingen. Auf keinen Fall. Trauer ist so vielseitig und wird von jedem anders gelebt....


    Aber es gibt auch ein Leben, welches man ja nicht alleine lebt. Man hat ja Verpflichtungen und einen Alltag. Das lässt man auch nicht sooo lange schleifen.... und ich weiß nicht, mir fehlt dir gegenüber eine Ansprache. Nach dem Motto, "Das ist gerade der Standpunkt und gib mir noch Zeit" oder "phu, mich wirft das alles gerade so aus der Bahn, dass ich nicht einmal mehr richtig meiner Arbeit nachgehen kann, geschweige denn mich auf dich zu freuen. Es tut mir leid, aber ich brauch Zeit."


    Also, wenn du irgendwie so langsam mal das Bedürfnis auf irgendeine Reaktion hast, dann kann ich das auch voll verstehen und fände es nicht verkehrt ihn jetzt direkt darauf anzusprechen. Schon sachte, aber auch direkt. Ich finde nicht, dass ein Trauerzustand eine Rechtfertigung dafür ist, jemanden länger "in der Luft hängen" zu lassen (denn "Stillstand" so lange, auch wegen Trauer finde ich jetzt irgendwie..... nicht unnormal, aber irgendwie lethargisch (?) Es kommt mir vor, wie wenn er ein psychisches Problem/Depression durch den Tod der Schwester hat und da grade gar nicht mehr herauskommt - und dabei dann auch den "Anstand" vergisst, sich zumindest bei dir zurückzumelden, was den Status angeht und all das.).

    Es gibt sehr sehr sehr viele unterschiedliche Reaktionen auf Trauer.


    Ich könnte dir da keinen allgemeinen Tipp geben außer "Frag ihn!".


    Ganz unverbindlich "Hey, wie gehts dir grad so? Möchtest du dich mal wieder mit mir treffen?"


    Ohne große Beleidsbekundungen, denn du kanntest seine Schwester ja nicht. Wenn er reden möchte, lass ihn reden, hab ein offenes Ohr, genauso gut ist es aber, wenn er nicht davon reden will, das Thema ruhen zu lassen und vollkommen zu ignorieren, dass da etwas war.


    Es gibt eben verschiedene Typen Menschen. Als meine Schwester starb, hat mein damaliger Freund (ca. 5 Monate zusammen) mich nicht einmal gefragt, wie es mir damit so geht. Das hat im Grunde das Ende unserer Beziehung eingeleitet, weil ich das Gefühl hatte, ich und mein Leben sei ihm egal.


    Ich hab es aber auch genau andersrum erlebt. Mein jetziger Freund hatte eine schwer kranke Oma, es war absehbar, dass sie verstirbt. Er wollte auch, dass ich sie noch kennenlerne, was wir auch machten dann beim Besuch. Ein paar Wochen später verstarb sie. Er erzählte mir davon mehr so zwischen Tür und Angel, er hat nicht geweint, aber ich habe ihn gefragt, ob ich ihm irgendwie helfen kann, und er verneinte.


    Das habe ich weitestgehend respektiert. Natürlich hab ich ihn nach der Beerdigung gefragt, wie es ihm und seiner Familie damit geht. Er hat da eher neutrale Aussagen getroffen zu, dass seine Mama halt sehr traurig ist, es für ihn aber absehbar und irgendwie "ok" ist.


    Es kommt auch immer auf die Umstände an, aufgrunddessen ein uns lieber Mensch aus dem Leben geht. Bei langjähriger Krankheit kann man sogar Erleichterung spüren, weil der mensch nun seine Ruhe hat. Ging es sehr schnell, ist wohl "Schock" das vorherrschende Gefühl. Bei jungen Menschen ist es besonders schwierig damit umzugehen.


    Und jeder hat seine eigene Art und Weise das zu verarbeiten.


    Wie gesagt, ich kann dir keinen konkreten Tipp geben. Eventuell wird aus euch auch nie was richtiges, weil er dich mit der Zeit verbindet, als seine Schwester starb... Das kann keiner vorhersagen...

    Seine Schwester ist plötzlich gestorben. 2 kleine Kinder stehen ohne Mutter da, der Vater ist vermutlich auch unter Schock und überfordert. Ein neues Haus, was vermutlich noch nicht abbezahlt ist ...


    Möglicherweise kommt hier neue Verantwortung auf ihn zu, die er nie wollte und sich auch nicht ausgesucht hat.


    Wie alt sind die Kinder? Wie ist sein Verhältnis vor dem Tod der Schwester zu ihnen gewesen?


    Es ist sehr wahrscheinlich, dass du für ihn jetzt nicht wirklich wichtig bist, weil so viel anderes anderes ansteht.


    Gib ihm die Zeit, die er braucht.


    Wenn er möchte, kommt er irgendwann zu dir (zurück).


    Wenn du diese Geduld für "irgendwann" nicht hast, musst du die Konsequenzen ziehen.

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    Die Schwester ist jung und plötzlich verstorben. Ein Schock für deinen Freund. Wenn du immer wieder Stress machst, ist ihm das zu viel. Es ist wahrscheinlich gerade oder nicht einmal einen Monat her. Bitte habe Geduld. Nach dem Tod meines Bruders wollte ich außer meinem Freund keinen Menschen sehen und das drei Monate lang. Gebe ihm Bescheid, dass du für ihn da bist, dass eine Nachricht von ihm genügt und du kommst vorbei, wenn er das möchte. Aber dann lasse ihm die Zeit, die er braucht. Jeder verarbeitet Verluste anders. Mein Bruder lebt jetzt fünf Jahre nicht mehr und immer noch vermisse ich ihn und es gibt auch Zeiten, da weine ich um ihn. Also bitte habe Geduld, so schwer es dir auch fallen mag. Er wird sich melden, wenn er bereit ist.

    Zitat

    Wenn du immer wieder Stress machst, ist ihm das zu viel

    Wobei die TE das (derzeit) ja gar nicht macht, sondern ihn seit drei Wochen in Ruhe lässt.

    @ TE

    Ich habe meine vermutlich etwas harsch ausfallenden Worte noch einmal ein wenig überdacht. Nachdem es kein Richtig oder Falsch gibt, würde ich an deiner Stelle einfach das tun, womit du leben und dich identifizieren kannst. Er selbst reagiert dann dementsprechend darauf, will Kontakt oder eben nicht.


    Es bringt nichts, wenn du ihm sagst, du gibst ihm Zeit und er soll sich melden, wann er möchte, dafür aber in Wahrheit kein Verständnis hast. Er nimmt es vielleicht so, wie du es ihm vermittelt hast und macht sich überhaupt keinen Stress, sich bei dir zu melden. Blöd für dich, weil du eben gar nicht so empfindest (was durchaus dein gutes Recht ist.) und dir im Hintergrund sehr viele Gedanken und Zweifel kommen.


    Deswegen wäre es vielleicht doch ganz gut, Kontakt aufzunehmen und deine Fragen zu klären. Dann weißt du, woran du bist und ob du ihm tatsächlich weiter Zeit einräumen magst oder eben nicht. Wenn er dafür überhaupt keinen Kopf hat, ist das auch ein eindeutiges Zeichen. Aber versprich im Fall eines Gesprächs bitte nur, was für dich auch wirklich in Ordnung geht. Mit allem anderen tust du ihm, aber vor allem dir keinen Gefallen.