Silvestergruß – wenn "Frohes neues Jahr" unangebracht ist...

    Was wünscht man jemandem an Silvester, der bald sterben wird? Bei dem die Ärzte schon nicht glaubten, dass sie dieses Jahr erlebt?


    Ein "Frohes neues Jahr" ist ja wohl kaum angebracht :°( aber einfach ignorieren, gar nichts sagen ist ja auch blöd... :(v


    Was kann man da tun und sagen?

  • 19 Antworten

    Manchmal ist ein stilles Umarmen mehr als eine blumig-floskelhafter Gruss.


    Wenn es dennoch Worte sein sollen, so würde ich sagen:


    "Ich wünsche dir alles was du selbst möchtest, aber in doppelter Ausführung."

    Hallo Allie, ich würde eine Umarmung als ausreichend ansehen. Eine liebevolle und innige Umarmung. Und ein Danke für die Dinge die es zu sagen gibt. Und ein von Herzen kommendes "Ich habe dich lieb!"


    Ich wünsche dir für diesen schwierigen Moment viel Kraft und werde beim Jahreswechsel an dich denken..

    Ich würde diese Person nicht abschreiben solange sie noch da ist und erst recht "Alles alles Gute und viel Kraft und Glück für das neue Jahr!" wünschen.

    Zitat

    Bei dem die Ärzte schon nicht glaubten, dass sie dieses Jahr erlebt?

    Offenbar waren die Ärzte schon damit im Irrtum. Totgesagte leben wirklich häufig länger als prognostiziert. Von lieben Menschen ins Leben einbezogen zu werden kann der kranken Person nur helfen :)*

    Zitat

    Ich würde diese Person nicht abschreiben solange sie noch da ist

    Den Neujahrsspruch würde ich entsprechend der Prognose weglassen und überhaupt gut überlegen. Silvester und Neujahr ist doch unwichtig.


    Es kommt sogar weniger darauf an, ob es nur noch ein paar Tage im Leben sind (im neuen Jahr), sondern wie der Sterbende damit umgeht. Darauf, wie oft man sich noch sieht, wie nahe man sich steht.


    Worum geht es denn? Krankenbesuch, Telefonat, Grußkarte?


    Sieht man sich noch mal? "Sehen wir uns noch mal?"

    Vor vielen Jahren wünscht mir eine Kollegin zum Neuen Jahr : "Viel Kraft". Ich werde diesen Wunsch nie vergessen. Leider war sie es, die zu wenig Kraft hatte, denn 3 Wochen später sprang sie aus dem 8. Stockwerk auf den Hof.

    dolorus

    Zitat

    geht meiner Meinung nach gar nicht

    Verstehe das bitte im Zusammenhang, welcher hinterfragt wurde

    Zitat

    Es kommt sogar weniger darauf an, ob es nur noch ein paar Tage im Leben sind (im neuen Jahr), sondern wie der Sterbende damit umgeht. Darauf, wie oft man sich noch sieht, wie nahe man sich steht.


    Worum geht es denn? Krankenbesuch, Telefonat, Grußkarte?

    In diesem Zusammenhang und je nach dem ginge es sehr wohl. Ich habe das hinter mir als hinterbliebene Partnerin eines schwerkranken Mannes, der sich nicht mehr allen ihn Liebenden widmen konnte am Ende.

    Sense

    Zitat
    Zitat

    geht meiner Meinung nach gar nicht

    Verstehe das bitte im Zusammenhang, welcher hinterfragt wurde

    Zitat

    Es kommt sogar weniger darauf an, ob es nur noch ein paar Tage im Leben sind (im neuen Jahr), sondern wie der Sterbende damit umgeht. Darauf, wie oft man sich noch sieht, wie nahe man sich steht.


    Worum geht es denn? Krankenbesuch, Telefonat, Grußkarte?


    Sieht man sich noch mal? "Sehen wir uns noch mal?"

    Ich empfinde diese Frage als sehr negativ. Selbst wenn der Tod sehr nahe ist, würde ich ein 'ich möchte Dich gerne besuchen, ist es Dir recht' als angebrachter empfinden als ein 'sehen wir uns nochmal' als Frage formuliert.


    Abgesehen davon: Woher will die Kranke das überhaupt wissen?

    Danke ihr Lieben für eure Antworten.


    Ja, es geht um meine Mum... :°(


    Wahrscheinlich werde ich sie heute Abend gar nicht sehen, weil sie nicht mehr so lange aufbleiben kann bzw. durch die Abend-Medikamente praktisch "ausgeknockt" wird.


    Aber wir werden morgen vorbeigehen und ich werd sie ganz fest in den Arm nehmen – das Problem ist nur ich denke immer, wenn wir Kinder uns so verhalten erinnern wir sie noch mehr an die Krankheit und dass es bald zu Ende geht... Ach ich weiß auch nicht... :°(

    also wenn ich so eine Diagnose bzw. Lebenserwartung hätte und an Neujahr würde jeder schon meine Beerdigung praktizieren (fest umarmen, viel Glück für die kommende Zeit, sehen wir uns nochmal) würde mich das irgendwie nur noch mehr runterziehen ???


    Aber da ist jeder wohl anders.

    Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass wir über den Tod sprechen, wenn er wirklich eingetreten ist. So lange die Leute leben, leben sie! Und sie möchten auch als Lebende behandelt werden, deshalb kann man ihnen sehr wohl ein frohes neues Jahr wünschen!

    Zitat

    also wenn ich so eine Diagnose bzw. Lebenserwartung hätte und an Neujahr würde jeder schon meine Beerdigung praktizieren (fest umarmen, viel Glück für die kommende Zeit, sehen wir uns nochmal) würde mich das irgendwie nur noch mehr runterziehen

    :)z Ich würde nicht gerne beerdigt werden, bevor meine Zeit gekommen ist!

    Zitat

    Ich würde nicht gerne beerdigt werden, bevor meine Zeit gekommen ist!

    Ja genau in so etwa meine ich das auch. Wenn wir dann alle rumstehen und nicht wissen, was wir sagen sollen und sie womöglich noch sieht, wie traurig und unsicher wir sind, wird sie erst recht dran erinnert...


    Deswegen weiß ich einfach nicht, wie ich mich verhalten soll...


    Aber ein "Frohes neues Jahr" klingt wohl auch in den Ohren meiner Mum ziemlich falsch...

    @ dolorus

    Zitat

    Ich empfinde diese Frage als sehr negativ. Selbst wenn der Tod sehr nahe ist, würde ich ein 'ich möchte Dich gerne besuchen, ist es Dir recht' als angebrachter empfinden als ein 'sehen wir uns nochmal' als Frage formuliert.

    Es ist natürlich etwas anderes, wenn es um die eigene Mutter geht (war im Eingangspost nicht erkennbar) und es ist auch etwas anderes, wenn es nicht nur noch ein paar Tage sind. In der Situation erübrigt sich die Frage, denn man setzt alles daran, um noch so viel Zeit wie möglich zu verbringen.

    @ Birkenblatt10

    Zitat

    Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass wir über den Tod sprechen, wenn er wirklich eingetreten ist. So lange die Leute leben, leben sie! Und sie möchten auch als Lebende behandelt werden, deshalb kann man ihnen sehr wohl ein frohes neues Jahr wünschen!

    Nein, Birkenblatt, darauf muss man sich nicht einigen. Das kommt vielleicht daher, dass ich inzwischen einen anderen Zugang zu dem Thema habe.


    Aber jeder so, wie es ihm möglich ist – den Sterbenden selbst, so wie den Hinterbleibenden. Das ist so ein sensibles Thema, ich maße mir nicht an, anderen meinen Umgang damit aufzudrängen.


    Da die TE von "jemandem" sprach und "nicht mehr lang" ging ich von einer befreundeten bis bekannten Person aus (im Übrigen hatte ich auch dies hinterfragt). Und diesem Falle kann man sehr wohl so etwas fragen, das haben einige der Freunde meines Mannes in etwa erbeten in seinen letzten 2 Wochen (und da gab es mitunter ein Nein, weil er nicht mehr konnte). Mein Mann ging ab einem gewissen Zeitpunkt absolut offen damit um und hat das Thema Tod nicht gemieden – wieso auch im Angesicht des des Lebensendes?


    Es kommt vor allem darauf an, welchen Zugang der/die Kranke selbst zu dem Thema hat. Oder wie weit die Krankheit fortgeschritten ist.


    An Neujahr von Herzen und mit einer Umarmung "alles Gute im neuen Jahr" anstelle der üblichen Floskel "frohes neues Jahr" zu wünschen, ist doch in dem Fall optimal.

    @ Allie

    Zitat

    Aber wir werden morgen vorbeigehen und ich werd sie ganz fest in den Arm nehmen – das Problem ist nur ich denke immer, wenn wir Kinder uns so verhalten erinnern wir sie noch mehr an die Krankheit und dass es bald zu Ende geht... Ach ich weiß auch nicht...

    Verhalte Dich genau so, wie Du es Dir vorgenommen hast und Du machst es richtig! Seid um sie, plaudert gemeinsam über angenehme Dinge. Oder seid einfach nur da. Verstellen kann man sich nicht immer und das muss auch nicht sein.


    Ich wünsche Dir, Deinen Lieben und Deiner Mutter viel Kraft für die kommende Zeit und fühle mit Dir.

    Was ist an "viel Kraft" falsch? Das wünsche ich jedem, dem etwas nicht so Angenehmes bevorsteht. Aber vermutlich ist es doch sehr individuell...


    Eines steht aber auch fest: Für viele Todkranke ist es schlimm, wenn sie nicht frei über Dinge sprechen können. Der Tod totgeschwiegen wird. Für viele sind die Gedanken daran Alltag und sie müssen sich damit auseinandersetzen. Wenn dann aber das Umfeld nur einen auf völlig normal macht, kann das echt hemmen und belasten.


    Damit meine ich nicht, dass man denjenigen schon "abschreiben" soll. Aber es sollte für beides Raum sein: Normalität, aber eben auch den Tod und Gedanken daran.


    Meine Ma hat 2009 eine Krebsdiagnose bekommen... mein Vater kommt null damit klar und ich kann auch nicht alles auffangen. Das Ende vom Lied: Man hat ihr eine psychoonkologische Therapie nahegelegt. Die ihr guttut.


    Daher:


    Verhaltet Euch, wie es EUCH richtig erscheint. Ihr kennt die Umgangsformen in der Familie am besten. Was man normalerweise sagt/tut; wie Deine Ma reagiert; wie es DIR geht und was DU möchtest. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, sondern viel Individualität.


    Wichtig ist m.M.n. halt, dass es natürlich bleibt. Nichts ausblenden, nichts schönreden – aber auch nicht die Krankheit als Mittelpunkt.


    Alles Gute – und Euch VIEL KRAFT, Mut und ein offenes Herz.