Wir haben aktuell Probleme mit unsern Servern.
In ein paar Minuten wird ein neues Update eingespielt, welches die Probleme lösen wird.
Wir bitten um Entschuldigung!

    Ich möchte jetzt auf der Stelle eine krakelige Geburtstagskarte von dir bekommen. Und ich möchte 50 Euro von dir bekommen und dir einen Bedankemichbrief schreiben in dem steht, dass ich das Geld spare, dabei mache ich das gar nicht.

    Ich habe das Geld immer rausgehauen, Oma. Seit Jahren schon. Und auch nicht immer für gesunde Sachen. Ich hoffe, du verzeihst. Mama hat gesagt, dass du mal das Haushaltsgeld von Opa heimlich gespart hast um dir eine Perlenkette zu kaufen. Ich glaube du verzeihst mir also, dass ich mein Geburtstagsgeld in den letzten Jahren für Kippen und Parties rausgehauen habe.


    Eine Perlenkette wäre nichts für mich gewesen, das weißt du doch.

    Oma, ich habe heute alle Dinge gesammelt, die ich von dir geerbt habe.


    Ein Bild von dir in einem silbernen Rahmen und die kleinen Keramikkatzen, die du immer so mochtest. Katzen haben uns immer verbunden.


    Ich weiß noch, wie wir im Winter in Emaillebottichen Milch erhitzt haben für deine Draußenkatzen, die du wegen Opa nie mit reinnehmen durftest. Er hasste Katzen. Aber ich weiß auch, dass er sie dir nie verboten hätte. Sonst hätte er auch nicht an dem alten Esstisch die Beine abgesägt und ihn tiefergelegt. Er hat ihn draußen auf die Terrasse gestellt und gesagt: "So, ein Katzentisch." Er tat so, als habe er den Tisch einfach nur weiterverwerten wollen, aber ich glaube, er wollte dir auch eine Freude machen. Ich weiß noch, wie wir die Milch dann rausgebracht haben und wie aus allen Ecken und Enden die Katzen aus der Dunkelheit hervorgeschossen kamen.


    Und dann standen wir draußen, du und ich, und die Katzen haben geschlabbert.


    Drinnen war es warm vom Kachelofen, der das ganze große Haus wärmte. Trotzdem zog ich eine andere Wärme vor: Die Küchenwärme aus dem Herd, den du immer schürtest. Während Opa im Wohnzimmer am Kachelofen saß und las, saß ich bei dir in der Küche, wo du herumwerkeltest. Es war eine andere Wärme, vielleicht war es deine. Und der kleine Schwarzweissfernseher lief und ich machte die Rätsel aus der Fernsehzeitschrift "Gong", während du das Abendbrot vorbereitetest.


    Die Keramikkätzchen standen in der Vitrine in der Küche. Immer wenn ich schon fertig mit essen war, holtest du sie heraus und ich durfte damit am Tisch spielen, denn es galt die Regel, dass wir alle sitzen bleiben, bis alle mit Essen fertig waren. Bei Opa hat das immer gedauert. 6 Teller Linsensuppe, das weiß ich noch.


    Diese Kätzchen habe ich jetzt geerbt. Und dazu dein kleines Schlüsselbrett, an dem immer dein Schlüssel samt blauem Anhänger hing.


    Heute habe ich ein Regalfach im Wohnzimmer leergeräumt und dein Bild dorthin gestellt. Die Kätzchen dazu und an die Wand des Faches habe ich das kleine Schlüsselbrett gehängt mit dem Anhänger daran.


    Du bist hier bei mir und das ist ein sehr schönes Gefühl.

    Wahrscheinlich sollte ich aufhören, dir hier zu schreiben, und der Fadentitel stimmt ja auch nicht mehr.


    Aber irgendwie hilft es mir. Ich tue es ja nicht oft |-o Ein bisschen spammen darf auch ich, Oma, ganz exklusiv für dich. :-p


    Eigentlich hatten wir uns gemeinschaftlich vorgenommen, dass du meine Hochzeit noch erlebst und auch das erste Urenkelchen, das ich dir schenke. Leider schaffen wir das jetzt nicht mehr.


    Dabei hast du immer gesagt: "Ich bemühe mich, dass ich das noch schaffe."


    Opa hat früher immer gesagt, dass Setzen6 mal ein "richtiges Weibchen" wird. Er hat mich oft mit meinen Puppen beobachtet. Es gibt ein Foto, wo ich mit einem dicken Windelpo bei euch im Haus stand und meine Puppe in den Kinderwagen legte und zudeckte. Ich gucke dabei sehr konzentriert und bemüht.


    Leider kriegst du das in der Realität nicht mehr mit. Schade, Oma.

    Hallo,


    ich war schon länger nicht mehr hier. Aber ich habe "nachgelesen". Deine Oma hat Dir das mit dem "Geburtstagsgeld" bestimmt schon lange verziehen! Und gelächelt dabei ... da bin ich mir ganz sicher!!! Jeder hat so seine "Eigenschaften". Ich wollte auch unbedingt etwas von meiner Mama haben ... und ich bin mir sicher sie lächelt darüber ...


    Liebe Grüsse

    Ich liebe dich sehr.


    Du hast mir vieles erklärt im Leben. Wir waren nicht an vielen Orten. Wir waren auch nie im Urlaub miteinander. Wir waren immer in deinem Wohnzimmer, in deinem Garten. So als würdest du nur dort leben. Es gab für mich keine Oma außerhalb dieses Refugiums.


    Du warst die Königin eines Reiches. Unangefochten die höchste Instanz. Du hattest einen starken, ja herrischen Mann an deiner Seite, und dennoch -das wussten wir alle- warst doch du die Große. Deine Demut vor jedem Leid gepaart mit einer unendlichen Stärke, Freude und Zuversicht, haben dich nicht hart sondern groß´gemacht.


    Ich sehe in dir eine Lady.


    Ich habe dich körperlich größer und schlanker in Erinnerung, als du es warst. In meinem Kopf hattest du schlanke Fesseln, lange Beine und einen geraden Rücken. Du sahst toll aus.


    In Wirklichkeit warst du kleiner, leicht pummelig und auch keine Highheelslady.


    Du hattest Würde. Das hat dich groß gemacht.


    Alles, was du mir erklärt hast, hast du mir ohne Tränen oder Lachen erklärt. Dennoch hast du gestrahlt. Du hattest die Fähigkeit, Dingen sachlich ihre Tragik zu nehmen und dennoch dabei nicht runterzuspielen.


    Du konntest dem größten Leid den Schrecken nehmen, ohne kalt oder hart zu wirken.


    Du warst gütig und zärtlich, ohne mich zu berühren.


    Du hast immer gut gerochen.


    Danke, dass du meine Oma warst, Oma!

    Als ich neulich deinen Keller ausräumte, fand ich Dosenlinsensuppe, die 1987 abgelaufen ist. Eine Dose läuft wohlgemerkt erst nach Jahrzehnten ab. Wie alt war die?


    Gehörte das zu deiner Nachkriegshamsterei?


    Ich hab sie weggeworfen, Oma.


    Aber vorher habe ich noch herzlich gelacht.


    Merci beaucoup.