• Tod/Leid von Tieren trifft mich mehr als das von Menschen

    Hey, ich hab schon Videos von echten Tötungen von Menschen gesehen (meist so Scharia Videos, also nichts krasses mit Folter oder so, eher so "Kopf ab" Geschichten - für viele wird aber sicherlich das auch krass sein), ich war bei einer Obduktion dabei, ich hab Videos gesehen in denen Leute verprügelt werden, ich kann mir jeglichen Film ansehen, egal…
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    Freidreher schrieb:
    Zitat

    Er schlief im Alter von 16 Jahren in meinen Armen friedlich ein. Ich weiß nicht, ob ich das jemals verkrafte. Ich vermisse ihn jeden Tag mehr. Kommt man nach Hause, keiner kommt maunzend entgegen. Grauenhaft. An allen Ecken und Kanten fehlt er.

    Mein Beileid, ich hab das auch schon durch. Nicht dass ich denken würde man könnte ihn einfach so ersetzen, aber denk mal über einen neuen Weggefährten nach, oder mehrere.

    Danke. Ende Oktober kommt eine Mieze aus demTierheim.

    Ich sehe da 2 Möglichkeiten. Entweder die, die meine Vorredner schon nannten, dass Deine Erfahrungen mit Menschen schlecht sind, oder aber der Tod von einem Menschen ist für Dich SOOO schlimm, dass es unaushaltbar ist und dann merkt man auch nichts mehr, fühlt einfach nichts. Das hatte mir mal eine Psychologin erklärt.

    Tiere können sich gegen Gewalt von Menschen nicht wehren und dieses "Sich nicht wehren Können" triggert in Menschen mit traumatischen Erfahrungen etwas, nämlich die eigene Erinnerung an solche Ereignisse des Sich nicht wehren Könnens. Ist auch eine Art Überidentifikation mit dem "Opfer".


    Manche machen dies dann auch zu ihrem Beruf. Fragt mal Menschen, die z.B. Tierschutzorganisationen leiten, was sie wohl selbst in ihrem Leben erlebt haben.

    Plüschbiest schrieb:

    Dieses besser mit Tieren könne, als mit Menschen kenne ich von Menschen die autistisch veranlagt sind.

    Ja bestimmt, aber es kommt wohl auch auf die Person und/oder den Schweregrad der Erkrankung an. (Ich kenne jemanden, die eine Autistin in der Familie hat und da ist das nicht so. Das Verhalten von Hunden z.B. macht ihr Angst.)

    Plüschbiest schrieb:

    Dieses besser mit Tieren könne, als mit Menschen kenne ich von Menschen die autistisch veranlagt sind.

    Ja, es mag da eine Tendenz geben, weil die Kommunikation mit Tieren keine Ironie, Lügen und versteckte Botschaften enthält. Aber deswegen trauert man dann doch um Tiere nicht mehr als um Menschen?



    Sylphide schrieb:

    Ja bestimmt, aber es kommt wohl auch auf die Person und/oder den Schweregrad der Erkrankung an.

    Das auch, wobei Autismus keine Erkrankung ist, sondern eine Merkmalsausprägung, die je nach Einschätzung des Amtsarztes einen Grad der Behinderung zwischen 0 - 100 % mit sich bringen kann.

    Hm... also wenn man um nahestehende Menschen gar nicht trauert, finde ich das schon etwas befremdlich. Wobei ich sagen muss, dass es bei mir einen großen Unterschied macht, wer stirbt und wann. Wenn Menschen im Rentenalter sterben macht es mich weniger traurig als wenn junge Menschen sterben. Und wenn ich mit den Menschen eine große Sympathie verbinde, bin ich natürlich auch trauriger. Am härstesten treffen einen eigentlich immer unerwartete Tode durch Krankheit oder Unfall und eben, wenn man den Menschen sehr lieb hatte. Und bei mir war es so, dass ich das als Kind und Teenager noch gar nicht so richtig begriffen habe, was es heißt, wenn jemand wirklich für immer tot ist. Das ist heute anders - man merkt einfach erst mit der Zeit, wie lange für immer ist.


    Ich glaube, dass der Tod von Haustieren einen so stark mitnimmt, weil man sie einerseits öfter sieht als jetzt Großeltern oder Tanten. Zum anderen nehmen sie, selbst wenn man sie nicht so behandelt, eine Art Kind-Funktion für einen ein. Und was könnte schlimmer sein als der Tod eines Kindes?


    Wenn du dir problemlos Gewalt, sogar ganz reale Gewalt, und Tötungen von Menschen ansehen kannst, bist du definitiv abgestumpft. Ich würde dir raten, dir sowas in Zukunft nicht mehr anzusehen, oder dich vielleicht deswegen sogar mal professionell beraten zu lassen.


    Natürlich ist die Tierquälerei ob der Ungerechtigkeit und Wehrlosigkeit des Lebewesens (dafür muss man nicht traumatisiert sein) besonders schwer auszuhalten. Ich denke dann immer daran, dass die Tiere doch überhaupt nicht verstehen, warum der Mensch, dem sie soeben noch blind vertraut haben, ihnen jetzt gerade wehtut. Das verstehen Tiere ja noch viel weniger als Kinder. Tiere sind so treu und lieben so bedingungslos, dass es einfach nur mies ist, wenn man ihnen das nicht zurückgibt. Ich finde es auch besonders schön, wenn Tiere sich spontan freuen - das ist so unverfälscht und echt. Trotzdem könnte ich mir niemals ansehen, wie ein Mensch getötet wird.

    Also wenn ein mir bekannter und geliebter Mensch stirbt, bin ich natürlich traurig - aber auch, wenn mein Haustier stirbt (egal ob es ein Hund, Kaninchen oder Vogel wäre).


    Aber wenn es um mir unbekannte Menschen oder Tiere geht (z. B. eine Meldung in der Zeitung oder in den TV-Nachrichten), denen Leid und/oder Tod geschieht, tun mir nur die Tiere leid.

    cleasan-teine schrieb:

    Aber deswegen trauert man dann doch um Tiere nicht mehr als um Menschen?

    Kommt drauf an, wie eng eine Verbindung war. Ich z.B. würde es eher komisch finden, wenn man um die Angehörige XY, die man alle Jubeljahre mal sieht oder unter Höflichkeitszwang ne Geburtstagskarte hinklatscht mehr trauert, als um ein Tier, mit dem man vielleicht 15 Jahre jeden Tag verbracht hat.


    Skolka schrieb:

    Manche machen dies dann auch zu ihrem Beruf. Fragt mal Menschen, die z.B. Tierschutzorganisationen leiten, was sie wohl selbst in ihrem Leben erlebt haben.

    Da kenne ich jetzt mal wirklich jemanden. Die ist auch sozial mit Menschen engagiert, kommt überall gut an, son richtiger Sonnenschein den jeder mag. Ohne düstere Vergangenheit, dafür kenn ich sie gut genug. Ich wäre mit solchen Schubladen echt vorsichtig.

    mnef schrieb:

    Kommt drauf an, wie eng eine Verbindung war. Ich z.B. würde es eher komisch finden, wenn man um die Angehörige XY, die man alle Jubeljahre mal sieht oder unter Höflichkeitszwang ne Geburtstagskarte hinklatscht mehr trauert, als um ein Tier, mit dem man vielleicht 15 Jahre jeden Tag verbracht hat.

    :)z

    Dem stimme ich zu.

    Der Tod meines geliebten Katers treibt mir über einen Jahr nach seinem Tod noch Tränen in die Augen.

    mnef schrieb:

    Standest du Omas/Opas/Pflegemama denn sehr nahe? War das Verhältnis als Kind sehr innig und liebevoll? Ich tippe eher mal auf: Nein. Richtig?

    Dann ist es gar nicht so verwunderlich, dass du zu einem süßen Haustier sogar noch mehr Verbindung hattest, als zur Oma, die man vielleicht mal 3 Tage im Jahr (oder so...) überhaupt nur sieht.

    Die spätere Entwicklung muss damit nicht zwangsläufig und nicht allein was zu tun haben. Die würde ich dann auch eher auf deine negativen Erfahrungen mit Menschen schieben.


    Warum ziehst du dir solche Videos überhaupt rein?

    Ich war sehr häufig bei ihnen. Oft auch nach der Schule. Aber es waren halt immer alte Leute, da kann man ja kein sonderlich innerliches Verhältnis aufbauen, man hat ja sehr unterschiedliche Lebensrealitäten.


    Auf solche Videos stößt man halt, ich suche da nicht aktiv nach, aber auf Twitter sieht man das oder man bekommt was geschickt.

    jrk schrieb:

    Auf solche Videos stößt man halt, ich suche da nicht aktiv nach, aber auf Twitter sieht man das oder man bekommt was geschickt.

    Es gibt für so etwas spezielle Internetseiten, da sieht man nur solche Dinge. (und ich rede nicht vom Deep Net / Dark Net)

    Zitat

    Manche machen dies dann auch zu ihrem Beruf. Fragt mal Menschen, die z.B. Tierschutzorganisationen leiten, was sie wohl selbst in ihrem Leben erlebt haben.

    Implizierst du gerade dass nur Menschen welche Leid von anderen Menschen erfahren haben in der Lage wären Mitgefühl für Tiere zu entwickeln? :-D


    Also nur für mich gesprochen, ich bin der Ansicht, daß Menschen sich ihre Verletzungen gegenseitig zufügen. Insofern fehlt mir großartiges Mitleid, denn es gibt den freien Willen, und somit die Möglichkeit dies zu umgehen.


    Tiere haben diese Möglichkeit nicht.

    Freidreher schrieb:

    Also nur für mich gesprochen, ich bin der Ansicht, daß Menschen sich ihre Verletzungen gegenseitig zufügen. Insofern fehlt mir großartiges Mitleid, denn es gibt den freien Willen, und somit die Möglichkeit dies zu umgehen.


    Tiere haben diese Möglichkeit nicht.

    Kinder auch nicht ...