Trauer um unbekannten Vater

    ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, in meinem Kopf herrscht so abserloutes Chaos und ich bekomme

    Ich versuche mal etwas Ordnung rein zu bekommen.

    Ich bin ohne meinen leiblichen Vater aufgewachsen. Eigentlich wusste ich vor 5 Monaten nichts, außer dass mein Stiefvater aufgrund unterschiedlicher Hautfarben eben nicht mein Vater sein konnte. Meine Mutter hat dazu auch nie was erzählt und ich hatte ein paar spärliche Informationen von meiner Großmutter. Soldat, hat nachgefragt etc.

    Da ich in der Nähe einer AirBase in Deutschland aufgewachsen bin konnte ich mir in etwa denken dass er Amerikaner ist.

    Jetzt habe ich vor mehreren Monaten einen DNA Test gemacht, habe dann auch tatsächlich meine Familie gefunden, eine riesige Familie in der fast alle Männer beim Militär waren und nach vielen weiteren DNA Test -vergleichen habe ich tatsächlich erfahren wer mein Vater ist, dass ich jüngere Geschwister habe und … das ich zu spät war da er vor 7 Jahren verstorben ist.

    Und da liegt mein Problem, ich weiß ja dass er schon lange Tod ist aber für mich fühlt es sich so an als ob er erst jetzt gerade in diesem Moment wo ich ihn gefunden habe gestorben ist.

    Die erste Woche nach dieser Nachricht habe ich wie in Trance verbracht, ich habe jetzt plötzlich einen Namen und ein Gesicht und so viel und trotzdem eigentlich gar nichts. Keine meiner Fragen wird jetzt je beantwortet werden und irgendwie wünschte ich mir ich hätte nie gesucht. Auch blöd ich weiß. Ich habe das Gefühl jeden Moment zusammen zu klappen, komme mir gehetzt vor, also gehetzt durch meinen Alltag. Ich weiß ich habe ihn nie gekannt aber bisher war er eine Möglichkeit, etwas was immer realer wurde und jetzt real ist und gleichzeitig zerplatzt.

    Wenn man normal jemanden verliert hat man ja wenigstens einen oder 2 Tage Pause durch den Sonderurlaub aber der steht mir ja gar nicht zu.

    Ich habe jetzt meinen AG nach richtigen Urlaub gefragt und im Nachhinein habe ich es schon wieder bereut weil ich mir wie eine Heuchlerin vorkomme weil ich ihn ja gar nicht kannte und mir trotzdem es nicht möglich ist irgendwie weiter zu funktionieren. Die alles umfassende Frage ist: DARF ich trauern? ist das nicht alles reichlich übertrieben und warum schaffe ich es nicht mich aufzuraffen sondern habe immer wieder das Gefühl wenn mich jetzt jemand anspricht breche ich in Tränen aus.

    Und wie betrauert man jemanden den man gar nicht kannte und soll sich verabschieden. Verdammt ich war doch so nah dran, ich hätte nur einfach etwas schneller sein müssen. Ich kann mir gar nicht über die gefundenen Geschwister freuen, der Neid über die für mich verlorene und für Sie gehabte Zeit ist gerade einfach zu groß.

    Ich habe noch nie um irgendjemand getrauert und ich weiß nicht wie ich etwas verarbeiten soll wenn einen der Alltag und die Umstände keine Zeit lassen, mein Kopf explodiert , ich übergebe mich fast täglich und habe Magenschmerzen... ich hab das Gefühl auch noch krank zu werden dabei, das ist doch alles ein riesen großer Scheiss :(

  • 11 Antworten

    Das ist ganz schlimm! Ja sicher kannst und sollst du auch trauern! Hast du jemanden in deinem Umfeld, dem du dich anvertrauen kannst und der dich unterstützt? Mein aufrichtiges Beileid zu deinem großen Verlust!

    Ich rede viel mit meinen Ehemann, er hat mich ja auch die ganze Zeit beim Suchen unterstützt , er meint auch das das mit dem Urlaub okay ist und hatte mich auch vorher gefragt ob ich mich nicht krank schreiben lassen will (aber ich bin da immer in meinem :Ich muss irgendwie funktionieren -gefangen )

    Ich danke dir.

    Er ist aber auch der einzige der das hier weiß außer jetzt mein AG, sowas hängt man ja auch nicht an die große Glocke...

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    Hallo. Mein aufrichtiges Beileid! Das klingt wirklich traurig, dass du das erleben musst. Natürlich darfst du trauern! Vielleicht hilft es dir ein Tagebuch zu führen?


    Ich möchte dich aber ermutigen, deine Familiengeschichte weiter zu verfolgen. Gerade weil dein Vater noch weitere Angehörige hat, ist das doch eine gute Möglichkeit ihn dennoch kennen zu lernen. Besuch sie und lass dir Bilder zeigen, Geschichten erzählen, besuche sein Grab. Natürlich ist das kein Ersatz, aber vielleicht lassen sich dennoch einige deiner Fragen klären und du findest einen Weg irgendwann damit deinen Frieden zu machen. Das muss nicht sofort sein, mach das wenn du bereit dazu bist.


    Darf ich fragen, was mit deiner Mutter ist?

    Meine Mutter und ich haben kein gutes Verhältnis. Alkoholerin und 8 mal verheiratet.. Ich glaube das sagt schon einiges. Als Kind hat sie nie was über meinen Vater erzählt immer nur gesagt der hätte sein Leben und da würde ich stören. Im Nachhinein weiß ich über deren Verbindung nicht viel, Dinge die ich ihm gerne gefragt hätte. Meine Väterliche Familie ist liebevoll und hat mich von der ersten Sekunde an willkommen geheißen.. Ich würde so gerne an sein Grab aber nach Amerika fliegt man ja auch nicht eben mal so. Da ist viel Schmerz und offene Wunden was dadurch natürlich aufgerissen wurde. Ich würde das wissen auch nicht missen wollen

    Ich bin nur so unendlich traurig das ich ihn jetzt doch nicht mehr sehen darf, nie mein Kopf auf seine Schulter legen kann, ihn nie in die Augen schauen kann.. Irgendwie komm ich mir betrogen vor

    Deine Mutter würde also auch heute keine Fragen beantworten, wenn du sie danach fragst? Noch hat sie die Chance klaren Tisch zu machen, irgendwann ist es dafür zu spät. Das wäre sehr schade und selbstsüchtig von ihr.

    Zitat

    Meine Väterliche Familie ist liebevoll und hat mich von der ersten Sekunde an willkommen geheißen..

    Das ist schön und das macht vieles einfacher. Zumindest von der Seite kannst du also hoffen, etwas über deine Vater zu erfahren. Vor allem wirst du wahrscheinlich ehrlichere Antworten erfahren, wie er wirklich war. Das ist viel wert. Sieh es mal so: So lernst du wenigstens einen Teil von ihm kennen.

    Zitat

    Ich würde so gerne an sein Grab aber nach Amerika fliegt man ja auch nicht eben mal so. Da ist viel Schmerz und offene Wunden was dadurch natürlich aufgerissen wurde.

    Ach ein Flug ist schneller gebucht als man denkt. ;-) Aber ich verstehe schon, dass das emotional ein sehr grosser Schritt ist. Ich meinte ja auch, dass das nicht sofort sein muss, aber überleg dir ruhig, wann du dir diesen Schritt vorstellen kannst, z.B. nächsten Sommer.


    Zitat

    Ich bin nur so unendlich traurig das ich ihn jetzt doch nicht mehr sehen darf, nie mein Kopf auf seine Schulter legen kann, ihn nie in die Augen schauen kann.. Irgendwie komm ich mir betrogen vor

    Du darfst auch so fühlen. Du kennst die Wahrheit ja noch nicht lange und das ist ganz normal, dass du darum trauerst. Nimm dir Zeit das zu verarbeiten.

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    Das mit meiner Mutter ist echt kompliziert. Das ist ne lange Geschichte die mit Missbrauch zu tun hat und die ich hier ungern ausführlich schreiben möchte. Belassen wir es bei ich weiß das ich nicht mit ihr reden möchte. Ich weiß das ich das irgendwie verarbeiten kann ich weiß nur nicht wie ich das am besten machen kann.. Danke für deine Anteilnahme.. Ich merke das es mir schon gut tut meine Gedanken mal mit jemandem teilen zu können und sie dabei zu schreiben. Vielleicht ist die Tagebuchidee ganz gut.. Ich habe früher immer Tagebuch geschrieben.. Vielleicht hilft es ja wirklich

    Das mit deiner Mutter sollte auch nicht Thema werden. Schon gar nicht, wenn du darüber nicht reden willst.

    Lass dir Zeit mit deiner Trauer. Einen Versuch mit dem Tagebuch ist es wert. Vielleicht könntest du auch symbolische Briefe an deinen unbekannten Vater schreiben mit deinen Wünschen, Träumen, Fragen und alles, was du ihm gerne sagen und erzählen würdest.

    Auch ein neues Hobby oder Sport gibt dir vielleicht Gelegenheit dir Zeit für dich zu nehmen. Kannst du gut englisch?


    Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und viel Kraft für die nächste Zeit! @:)

    Donia088 schrieb:

    Ich merke das es mir schon gut tut meine Gedanken mal mit jemandem teilen zu können

    Es ist gut, viel darüber zu reden, vielleicht auch mit Freundinnen neben deinem Ehemann? Und auf längere Sicht rate ich dir auch, einen Besuch bei der Familie in Amerika zu planen. Die Trauer wird sicher mitkommen, aber sie wird sich verändern....

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    Ach du Arme, das tut mir so Leid für dich! Sicher darfst du trauern, du sollst sogar! Ich kann verstehen, wie schlimm es für dich sein muss, auch wenn du deinen Vater nie persönlich kennengelernt hast. Aber deswegen bist du doch lange noch keine Heuchlerin. Es war jetzt einfach viel auf einmal für dich und da finde ich es auch vollkommen verständlich, dass du eine Auszeit von der Arbeit brauchst, wenn so viel Chaos in deinem Kopf ist!

    ich möchte mich für die Anteilnahme bedanken. Es ist schwer jemanden in seinen Alltag zu finden wo man das ganze Wertungsfrei erzählen kann.


    Es gibt bessere und schlechtere Tage, trotzdem bin ich im Moment am liebsten alleine. Menschen ertrage ich kaum.


    Am liebsten bin ich mit meinen Ehemann oder meiner besten Freundin zusammen, einfach weil ich da das Gefühl habe nichts verbergen zu müssen.


    Ich rede viel mit meinen Vater in meinem Kopf, sowie vorher, aber jetzt schiebt sich immer öfter sein Foto vor mein inneres Auge.

    Ich glaube, es ist schon auch gut und wichtig, wenn du im "realen" Leben abseits des Internets auch Freunde hast, mit denen du darüber reden kannst. Da reicht ja schon eine Person, der du dich anvertrauen kann. Das Ereignis ist ja auch noch nicht lange her, ich glaube, es ist ganz natürlich und normal, dass du da Zeit brauchst!

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